Saturday, September 1, 2007

'ALDI-ISIERUNG' IM INTERIM-GESCHAEFT - ODER WER DRUECKT HIER EIGENTLICH DIE PREISE?

Das AIMP-Jahresforum in Wiesbaden hat unter dem Stichwort „Aldi-isierung“ einige Turbulenzen nach sich gezogen. Bisher wurde die Diskussion unter dem Eindruck geführt, die Interim-Provider wollten die Diskount-Orientierung der Deutschen (in keinem europäischen Land gibt es ein vergleichbares Verhalten!) nun auch massiv für sich ausbeuten – sprich, die Preise (Tagessätze) massiv senken.

Es ist wichtig, festzuhalten, dass grundsätzlich eine solche Strategie nicht im wirtschaftlichen Interesse der Interim-Provider ist, denn bei gegebener Marge führt ein höherer Tagessatz zu höherem Erlös auf Seiten der Provider. Es sei denn, dadurch würde ein sehr viel höheres Geschäftsvolumen möglich – aber das sehe ich nicht.

Ich möchte deshalb auf eine andere Entwicklung hinaus, die derzeit am Markt zu spüren ist: Ich habe den Eindruck, als wollten die Klienten jetzt niedrigere Preise!

Anders als alle anderen Interim-Provider gibt MANATNET nicht die Tagessätze dem Klienten gegenüber an, sondern der Interim Manager selbst – und er oder sie verhandelt die Preise auch selbst. Die Preiserwartung legt der jeweilige Interim Managers bei MANATNET als so genannten „indikativen Tagessatz“ offen – und macht ihn für jedermann über Internet zugänglich. Im Ergebnis können wir daher jederzeit über alle Linienfunktionen nachweisen, was als Minimum und als Maximum von den Interim Managern gefordert wird; zudem errechnet unser System den Median und den Durchschnitt für jede Linienfunktion.

Über die letzten 12 Monate – und die bei MANATNET registrierten Interim Manager wissen das, weil wir diese Analysen ihnen gegenüber offen legen – haben sich die Tagessätze eher erhöht, als dass sie gesunken wären. Wir halten diese Entwicklung aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs grundsätzlich auch für nachvollziehbar. Etwas vereinfacht für dieses Forum können wir sagen, dass die Interim Manager bei MANATNET mindestens 700 und höchstens 2.500 Euro am Tag plus MwSt. und Spesen erwarten. Der Durchschnitt und der Median pendeln zwischen 970 und 1.100 Euro je nach Linienfunktion.

Nur: Bei vielen Kunden scheint dies noch nicht angekommen zu sein. So hat MANATNET in jüngster Vergangenheit zwei Mandate verloren, weil der Klient Preisvorstellungen hatte, die schlichtweg „aus dem Markt“ waren.

So wollte ein Konzern in der Schweiz nicht mehr als 540 Euro am Tag für einen Controller (ohne Führungsaufgaben) bezahlen – einschließlich Spesen! Des Weiteren war ein deutscher Mittelständler im Technik-Umfeld nicht willens, für einen Einkaufsleiter mehr als 625 Euro am Tag zu zahlen – und über die Spesen wurde obendrein gestritten. Die Situation des Unternehmens war dabei nicht beneidenswert: Es musste eine „No-Show“-Situation lösen.

Aus meiner Sicht ist dieses Verhalten der Klienten vielleicht mit einer starken Affinität zum Diskount und einer „Geiz-ist-Geil“-Mentalität zu erklären, jedoch nicht zu akzeptieren. So hat MANATNET in beiden Fällen den jeweiligen Interim Managern abgeraten, die Mandate anzunehmen. Beide Positionen sind meines Wissens noch immer nicht besetzt.

Ich denke aber auch, dass in diesen Fällen das Management des Kunden nicht den allerbesten Eindruck macht. So gesehen kann die „Aldi-isierung“ vielleicht doch kommen: Auf Druck der nachfragenden Klienten. Und dann werden wir damit umgehen müssen – die Interim Manager und die Interim-Provider.

Die vollständige Diskussion bei Xing: https://www.xing.com/app/forum?op=showarticles&id=5006123&articleid=5006123

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