Friday, February 26, 2010

GEGEN INTERIM-PROFIS VERLIEREN INTERIM-JOBBER IMMER

Am 5. Februar habe ich hier eine kleine Reihe begonnen: „Interim-Jobber“ oder „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“. Interim Management - Irrtümer und Wahrheiten.

Die dritte der fünf Erwartungen, mit der „Interim-Jobber“ typischerweise bei MANATNET anklopfen, ist mein Thema heute:

Regelmäßig bisher beruflich erfolgreich, unterstellen die „Interim-Jobber“, dass sie auch im Interim Mandat erfolgreich sein können.

Vorher stellt sich jedoch eine ganz andere Frage: „Komme ich überhaupt ´ran an solche Interim Mandate?“ Mit dieser Frage beschäftigen sich die „Interim-Jobber“ nicht. Im festen Glauben, dass sie sich statt auf einen unbefristeten nunmehr auf einen zeitlich befristeten Job „bewerben“ müssen, entgeht es ihnen, dass sie sich eben nicht auf einen Job bewerben, sondern ihrem Kunden (dem Unternehmen) ihre eigene, auf das Mandat bezogene Lösungskompetenz „verkaufen“ müssen.

Und: So leid es mir tut, kaum ein „Interim-Jobber“ kann sich selbst verkaufen. Ich erkenne das nicht zuletzt an Hilflosigkeit reflektierenden, standardisierten Bewerbungsschreiben, die auffallend oft beginnen: „Mit diesem Schreiben lernen Sie den <Platzhalter> kennen, die/der …“

Und dann geht es los mit der Atem-raubenden Aufzählung der eigenen Leistungsfähigkeit – gespickt mit überbordend verstärkenden Adjektiven auf der aktuellen, nach oben offenen Popularitätsskala. Und das klingt dann so (Zitat):

„Mit dieser Bewerbung lernen Sie den präzise vorgehenden, lösungsorientierten und durchsetzungsstarken Projektleiter Produktion / Abteilungsleiter Fertigungsplanung / Fertigung kennen, der mit seinem hohen technischen Verständnis, seiner klaren Zielorientierung fordernd und fördernd in der Führung seiner Teams und koordinierend und ausgleichend auch in schwierigen Situationen im Umgang mit seinen Kunden und Lieferanten bei klarer Verfolgung der gesetzten Ziele nachweisbare Erfolge erzielt hat.“

Puh! Wen immer so etwas beeindruckt: Klienten, die einen Interim Manager suchen, sicher nicht!

Im Wettbewerb um Interim-Mandate schaut sich jeder Klient, der einigermaßen bei Sinnen ist, mehr als nur einen Interim Manager an. Wen aber schaut er an?

Auch hier gibt es eine „Short-List“ auf Seiten der Kunden. Das bedeutet: Ein Interim Manager muss zunächst einmal auf die „Long-List“ beim Kunden kommen und dann die Vorauswahl überstehen.

Auf die „Long-List“ kann ein Interim Manager nur kommen, so platt das klingt, wenn er vom jeweiligen Mandat überhaupt erst einmal erfahren hat. Und das wiederum verlangt zwingend: Akquisition in eigener Sache – systematisch und professionell, keineswegs nur opportunistisch. Damit einher gehen Aufwand, Ausgaben, Zähigkeit und Enttäuschungen.

Auf die „Short-List“ kommt ein Interim Manager jedoch überhaupt nur dann, wenn der Lebenslauf (der „Verkaufsprospekt in eigener Sache“) deutlich macht, dass der Interim Manager genau (!) das kann, was der Klient benötigt – und das, ja tatsächlich, zu einem Preis, den der Klient zahlen kann oder möchte.

Und damit steht der Interim Manager dann im Wettbewerb mit allen anderen Kandidaten auf der „Short-List“: In aller Regel sind das drei bis fünf Kandidaten.

„Interim-Jobber“ werden gegen Interim Professionals auf der „Short-List“ nur selten gewinnen können – aus einem simplen Grund: Interim Professionals mit Projekterfahrung reduzieren die latente Unsicherheit beim Klienten, denn der Kopf des Kunden hält fest: „Die haben ja schon einige Projekte erfolgreich erledigt, dann werden sie doch wohl auch unsere Aufgabe stemmen.“

Das bedeutet nicht, das Neueinsteiger ins Interim-Geschäft chancenlos sind, denn für die ersten Schritte haben sie gleichermaßen professionelle Interim-Provider an ihrer Seite: Die Interim-Provider leisten sehr wertvolle Hilfe bei der Schlacht um Long- und Short-Lists. Aber eben nicht für „Interim-Jobber“. Denn:

Gegen Interim Profis verlieren „Interim-Jobber“ immer.

Kommentare

1. Michael Lux schrieb...

... ich hätte ihn bereits nach "fordernd und fördernd" raus geschmissen.
VG, ML

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