Friday, February 19, 2010

FIRMEN STELLEN ZWAR NICHT EIN - ABER INTERIM MANAGER HOLEN SIE ZUHAUF

Am 5. Februar bin ich hier in meinem Blog darauf eingegangen, dass das Interim Management von vielen Kandidaten auf der Suche nach einer Festanstellung als eine Art gut bezahlte Brücke zum nächsten Job angesehen wird – unter der Überschrift: „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“. Ich nenne diese Kandidaten „Interim-Jobber“.

Mit der zweiten der aus meiner Sicht fünf typischen Erwartungshaltungen dieser Menschen beschäftige ich mich heute:

Sie ist so falsch nicht, diese Erwartungshaltung: Unternehmen, die sich mit Festanstellungen zurückhalten (weil sie die Payroll dauerhaft erhöhen und obendrein Trennungskosten huckepack tragen) und dennoch vor viel unerledigter Arbeit stehen - diese Unternehmen holen sich dann sicher inhaltlich und zeitlich passgenau für solche unerledigte Arbeit interimistische Unterstützung an Bord. Die Arbeit wird erledigt, die Payroll nicht erhöht und Trennungskosten gibt es nicht, wenn die Arbeit erledigt ist. Alles bestens.

Soweit die Theorie.

Tatsächlich ist die Reaktion der Unternehmen in 9 von 10 Fällen völlig anders:

Ja, die Unternehmen stehen vor (zum Teil erheblicher) unerledigter Arbeit. Ja, die Unternehmen haben schon ein Interesse daran, diese Arbeiten erledigen zu lassen. Und: Ja, sie setzen dafür in aller Regel auch Projekte und Projektteams auf, die diese Arbeiten erledigen sollen.

Nur: Die Unternehmen besetzen solche Teams ausschließlich mit eigenen Mitarbeitern, die sie ohnehin an Bord haben.

Getrieben von der derzeit flächendeckend vorherrschenden Strategie „Liquidität hat Vorrang vor allem Anderen“ gilt jeder Cash-Abfluss als Teufelszeug und wird daher gemieden wie eben dieser Teufel das Weihwasser meidet. Und – völlig unstrittig: Interim Manager verursachen einen zusätzlichen Griff in die ohnehin meist klamme Kasse – selbst bei niedrigen Tagessätzen.

Dieses Verhaltensmuster erhält zudem eine kaum zu knackende argumentative Unterstützung aufgrund gering ausgelasteter Kapazitäten im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld: „Wenn unsere Mitarbeiter schon nichts zu tun haben, dann können sie sich wenigstens um solche Sachen kümmern!“ (O-Ton eines Kunden)

Nun verbergen sich hinter „solchen Sachen“ durchaus auch komplexe Aufgabenstellungen, die weniger Kapazitäten, als ein besonderes Know-how oder eine besondere Erfahrung verlangen.

Ich habe meine Kunden schon gefragt: „Ein solches Projekt – können Ihre Mitarbeiter denn das stemmen?“

„Nein“, war die entwaffnende Antwort, „aber wir machen es trotzdem so. Etwas Anderes ist politisch nicht durchsetzbar.“

Und deshalb wird sie nicht erfüllt werden, die zweite typische Erwartungshaltung: Firmen stellen zwar nicht ein – aber Interim Manager holen sie zuhauf.

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