Friday, February 12, 2010

ICH BIN FUER INTERIM MANAGEMENT GEEIGNET

In meinem Blogeintrag vom 5. Februar bin ich darauf eingegangen, dass das Interim Management von vielen Kandidaten auf der Suche nach einer Festanstellung als Überbrückung in eigener (und nicht an der Situation beim Kunden orientierter) Sache angesehen wird – unter der Überschrift: „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“. Ich nenne sie „Interim-Jobber“.

Mit der ersten der aus meiner Sicht fünf typischen Erwartungshaltungen dieser Menschen beschäftige ich mich heute:

Ich stimme schon zu: Grundsätzlich ist das Interim Management für jeden Menschen offen. Es gibt keine Eintrittsvoraussetzungen oder gar Barrieren. Wenn Sie als Arzt tätig werden möchten, dann müssen Sie eine langjährige und umfangreiche Ausbildung nachweisen. Wenn Sie als Interim Manager tätig werden möchten, reicht eine entsprechende Visitenkarte.

Die Frage ist: Wie erfolgreich werden Sie dann sein können? Wobei ich Erfolg in diesem Fall daran messe, dass Sie genügend Geld verdienen, um zu finanzieren, was zu finanzieren ist.

Dafür braucht der „Interim-Jobber“ eine Einstellung, die ihm in der Festanstellung systembedingt abhanden gekommen ist: Er (selbstverständlich auch: sie) muss hart dafür arbeiten, dass er sein Geld bekommt und er muss vor allem selbst dafür arbeiten.

Ich höre den Aufschrei: Das machen wir jeden Tag! Die Betonung in meiner Aussage liegt auf „Geld bekommen“ und nicht auf „hart arbeiten“.

Unbestritten ist es ein erheblicher Unterschied, ob am Monatsende das Gehalt gutgeschrieben wird - wie das im Interim Management der Fall ist.

Ich schäme mich fast, das niederzuschreiben: Diese „Unsicherheit“ muss man aushalten können.

In heutigen Zeiten, in denen sich Projektentscheidungen regelmäßig um mehrere Monate verzögern, führt dies dazu, dass der Kandidat dann auf die eigenen Rücklagen zurückgreifen muss – und zwar um den Lebensunterhalt zu finanzieren, nicht etwa den Urlaub oder eine nette Anschaffung: Für viele eine Maßnahme jenseits der bisherigen Vorstellungskraft.

In so gut wie jeder Festanstellung sorgt irgendjemand dafür, dass Sie Arbeit auf dem Tisch haben – und seien es auch nur interne Sachen oder Meetings.

Im Interim Management müssen Sie selbst Ihre Arbeitsleistung verkaufen – und dann an jemanden, dessen Bestreben es ist, genau diese Arbeitsleistung (marginal überspitzt) nur so kurz wie nur eben möglich einzukaufen.

Das bedeutet im ersten Schritt: Sie müssen vom „Bewerber“ zum „Verkäufer in eigener Sache“ mutieren. Diesen Schritt können die wenigsten „Interim-Jobber“ gehen, denn sie sind es nicht gewohnt, sich selbst zu verkaufen. Das fängt beim Lebenslauf an und endet später bei der Betreuung der eigenen Kunden.

Unter dem Deckmäntelchen der eigenen „Bescheidenheit“ (dieser Begriff ist positiv belegt) wird versucht, das Unvermögen zu kaschieren, auch nur den eigenen USP (Unique Selling Proposition: Was kann nur ich? Oder zumindest: Was kann ich richtig gut?) zu formulieren. Geschweige denn, sich in den Kunden hinein zu versetzen, und sich dann die Frage selbst zu beantworten: „Warum genau sollte dieser Kunde mich auswählen?“

Um sich dieser trüben Übung zu nicht stellen zu müssen, spielen Interim-Jobber ihren vermeintlich stärksten Trumpf aus: „Ich bin Generalist!“. In der festen Überzeugung, dass der Kunde diese „breiten Fähigkeiten“ schätzen und kräftig honorieren werde entgeht ihnen mein waidwunder Blick:

In über sieben Jahren hat noch nicht ein einziger Kunde einen „Generalisten“ nachgefragt – weshalb auch: Er hat ja ein spezielles Problem zu lösen.

Auch wenn ich das Tor wieder öffne für Verbalattacken: Das kleine badisch geprägte Teufelchen in mir flüstert gebetsmühlenartig: „Generalist“ heißt: Such’ Dir ebbes aus, was Du bruche kannsch, lieber Kunde – es wird scho’ ebbes dabie sin.“

Und damit stimme ich ihm dann so gar nicht zu, dem Interim-Jobber, wenn er überzeugt kommuniziert:

Ich bin für Interim Management geeignet

Kommentare

Name
URL
Email
Email Adresse wird nicht veröffentlicht
Remember Me
Kommentar

CAPTCHA
Tippen Sie nachstehende Zeichen ein