Friday, October 3, 2008

INTERIM MANAGER - NIMM ES ODER LASS ES!

Ein Kunde antwortet wieder nicht auf unsere Vorschläge – natürlich war alles sehr eilig, so lange der Ball bei uns lag.

Ein Kunde hat schon vier Provider beschäftigt und möchte nun, dass wir auch noch für ihn arbeiten – natürlich kostenlos.

Ein Kunde hat mich in der Vergangenheit dreimal beschäftigt und dann jedes Mal das Projekt abgeblasen. Meine Forderung nach einem anrechenbaren Retainer für die aktuelle Anfrage hält er erst für fair - natürlich kann er den Retainer dann aber intern nicht durchsetzen.

Ein Kunde zahlt nicht pünktlich bei Fälligkeit – natürlich nicht: Das hat er noch nie getan.

Eine ganz normale Woche also.

Bis heute Morgen der Anruf eines Interim Managers kam. Das machen die Interim Manager freitags ganz gerne. Ein Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe – wertvoll für beide Seiten. Und deshalb bekenne ich: Auch ich mache das gerne – nicht nur freitags.

Der Interim Manager berichtete konsterniert von Automobilzulieferern, die Interim Managern einen Tagessatz von 400 Euro zugestehen. Kaum zu glauben – und doch ganz sicher wahr.

Nun habe ich so meine Erfahrungen mit Einkäufern gemacht: Viele – nicht alle – zeigen despotische Charakterzüge (zur Erinnerung: Der Despot ist im griechischen Wortursprung der Herr, insbesondere über Sklaven und auch im Sinne von Hausherr. Die Polis war durch eine Trennung von Haushalt (oikos) und öffentlicher Sphäre charakterisiert. Wenn sich ein Politiker in der öffentlichen Sphäre so verhält wie im privaten Haushalt, d.h. die freien Bürger als Sklaven behandelt spricht man in der antiken Tradition von Despotie. Quelle: Wikipedia).

Diese Despoten in ihrem präzise abgesteckten Fürstentum mit persönlicher Einkaufshoheit verhandeln schon lange nicht mehr, sondern proklamieren Konditionen huldvoll an die untertänigen Dienstleister unter der Überschrift „Nimm es oder lass es“.

Smarte Geister werden dieses Paradoxon erkennen: Auf welcher Grundlage kann man sich in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis, in unselbständiger Arbeit, auch nur als „Herr“ über Unternehmer oder Selbständige fühlen, geschweige denn so verhalten?

Das ist möglich, weil wir es zulassen!

Weil jemand, wem auch immer die 400 Euro huldvoll angeboten wurden, nicht einfach eine Quittungsfrage gestellt hat („Habe ich Euer Gnaden richtig verstanden, dass…?“) und dann einfach aufgestanden ist. Natürlich sich untertänigst rückwärts entfernend - mit gebeugtem Rücken.

Ich gebe gern zu: Ich verdiene gern gutes Geld – und ich kann nachvollziehen, wenn mein Verhandlungspartner genau das verhindern will. Folglich bin ich grundsätzlich bereit, dem Verhandlungspartner nachzugeben - bis zu dem Punkt, nach dem die Transaktion für mich wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist. Oder ich das Verhandlungsergebnis aus anderen, durchaus auch emotionalen Gründen, für nicht ausgewogen, für nicht fair ansehe.

So halte ich es zum Beispiel für nicht fair, wenn sich der Interim Manager für seinen Tagessatz zu einer täglichen Arbeitszeit von 9 Stunden verpflichten muss – während die eigenen Mitarbeiter 6,9 Stunden arbeiten – aber genau dies bei internen Vergleichsrechnungen von Tagessatz zu Festgehalt unter den Tisch fällt.

Also, liebe Interim Manager: 400 Euro am Tag für einen Interim Manager ist kein fairer Preis. Jeder Insider weiß das – und wer das nicht weiß, ist kein Insider. Lehnen Sie einen solchen Irrsinn ab – mit durchgedrücktem Rücken.

Bei MANATNET gibt es immerhin drei Interim Manager, die einen Tagessatz von 500 Euro verlangen, aber keinen einzigen, der nur 400 Euro verlangt. Wir könnten also dem Automobilzulieferer gar nicht mit einem Interim Manager helfen - selbst, wenn wir wollten. Wollten wir aber sicher nicht.

Wenn aber Sie, liebe Interim Manager, sich dafür entscheiden, die 400 Euro zu akzeptieren (möglicherweise ist ganz simpel mal wieder Cash-in erforderlich: Jeder Unternehmer kennt das!): Dann treffen sich Angebot und Nachfrage in einer spezifischen Situation. Das empfinde ich als vollkommen okay – und alles Klagen als scheinheilig. Das ist das eine Blatt.

Auf dem anderen Blatt steht, wie Sie sich dabei fühlen. Auf diesem Blatt steht auch Ihre persönliche Freiheit. Aber welcher Despot hat sich jemals darum geschert?

Kommentare

1. Friedrich+Graf schrieb...

Wie treffend ist hier die Zunft der Einkäufer, zu denen ich seit über 20 Jahren gehöre, beschrieben. -despotsich- doch zum Glück nicht alle!!! Nach meiner Erfahrung sind gerade die despotischen auch die erfolglosen. Die Mitbewerber haben sie aber immer gerne übernommen, denn meistens wird hart verhandeln und despotisch als unzertrennliche Einheit betrachtet. Für den Umgang mit diesen Spezies gibt es nur eine Möglichkeit: freundliches, selbstbewußtes Auftreten gepaart mit Kompromissbereitschaft. Bei Überschreitung der "Schmerzgrenze" ein deutliches Stop Signal setzten und wenn notwendig sich freundlich verabschieden und mit geradem Rücken und festen Schrittes zur Türe gehen.

PS: Lassen Sie bitte Ihren Blog 65 Ihren Kollgen vom AIMP zukommen. Denn aus diesem erlauchten Kreis kommen Angebote mit einem Tagessatz von 400€. Ich habe sofort mit erhobenem Haupt und fester Stimme das Angebot abgelehnt. Gute Leistung gibt es nicht zum Discountpreis.

2. Klaus+J+Voss schrieb...

Despotismus allenthalben!

Wenn man mit Entsetzen "zur Kenntnis nehmen" darf, wie heute Hunderte von Milliarden der Gemeinschaft der Steuerzahler, also in der Mehrzahl den einfachen, arbeitenden und Wert schaffenden Bürgern als "unvorhersehbare" Schulden der erlauchten Grosszocker aus den Marmorpalästen nonchalant "verordnet" werden.

Von den selben bigotten Flennbrüdern und Schwestern, die mit leichter Hand und rigorosen Strukturen kleine private Schuldner über 30 Jahre und länger knallhart an der Armutsgrenze halten. Wegen der Zinsen usw., Sie wissen doch...... Das muss doch sein, sonst herrscht doch keine Ordnung, oder .........?

Wenn dann gleichzeitig "Staatsgarantien" für Sparguthaben vom Merkelantismus generell zugesagt werden, wo ist dann noch der Unterschied zur Verstaatlichung des Bankensystems? Zum real existierenden despotischen Kommunismus?

Banker: FLENNEN UND FORDERN! Vorher waren von den selben Leuten Traumrenditen von 25 % als "normal" postuliert und von willfährigen Mähdien gepriesen worden. Und heute? Ganz massiv und brutal dem "Staat" drohen - das sind wir, die Mehrheit. Das "System" bräche sonst zusammen.... :-((

Welche Strippenzieher und Despoten hinter den Kulissen betreiben hier die gezielte Verarmung aller, auch der Interimmanager?

Für Hungerlöhne sollte keine gute Frau und kein guter Interimmanager seine Erfahrung und seinen Einsatz zu Markte tragen.

Aber was, wenn der Tagessatz "angemessen" hoch ist, aber der Kunde, der Provider, die Bank "überraschend" nicht mehr zahlen kann?

Lösung:
NIMM ES UND ZWAR SCHNELL wenn Du Deine Leistung erbracht hast. Es könnte schon morgen nicht mehr da hin gelangen, wo Du es haben solltest.

P.S. Alte Weisheit aus mehr als 10 Jahren Restrukturierungspraxis.

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