Friday, August 29, 2008

INTERIM MANAGEMENT - BILDGEWALTIG

Vergleichsweise selten klopfte die Presse bei uns Interim Providern in der Vergangenheit an und bat um “Content”, wie es heute so schön heißt – also um Informationen zum Interim Management.

Aktuell nehmen diese Anfragen spürbar zu – von ARD, ntv und Deutscher Welle bis zur Financial Times Deutschland und dem EDV-Leiter - denn Interim Management ist in – zumindest, darüber zu reden.

Die Anfragen haben immer zwei Dinge gemeinsam: (1) Ein mediengerechter Interim Manager muss her (besser noch: eine Interim Managerin!) – und (2) ein leibhaftiger Unternehmenskunde, der sagt, weshalb er den Interim Manager beschäftigt. Für die Vertreter der Fernsehzunft muss das zudem ein „bildgewaltiger“ Kunde sein, „also einer, wo wirklich gearbeitet wird: kein Dienstleister!“ (O-Ton).

Für mich zeigt das eindeutig: Interim Management hat das Etikett des Exotischen noch längst nicht abgelegt. Nur so lässt sich das permanente Fragen nach „lebenden Beispielen“ – sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite – erklären.

Welcher Journalist käme heute noch auf die Idee zu sagen: „Zeigen Sie mir mal einen gut gepflegten Wagen eines Autovermieters und dann den Kunden, der den Wagen gemietet hat. Am besten einen ausgeflippten: Wir brauchen einen bildgewaltigen!“

Natürlich nicht, denn: Ein Auto zu mieten ist ein selbstverständlicher Vorgang.

Und genau da ist das Interim Management offenbar längst noch nicht angekommen.

Wir wissen das aus der täglichen Praxis: Unternehmen warten lieber monatelang und hoffen jede Woche neu, den gesuchten Kandidaten für eine Festanstellung doch noch zu finden – statt einen Interim Manager zu holen, der zumindest die Arbeit erledigt, bis der Kandidat dann endlich an Bord ist.

Stattdessen türmt sich die Arbeit im Unternehmen und die Prozesse holpern oder stocken sogar.

Wenn aber der langersehnte, neue Mitarbeiter dann endlich an Bord ist, bestellt er seinen Dienstwagen – und muss dann einige Wochen auf sein Fahrzeug warten. Kein Problem: Denn das Unternehmen fängt das auf - ohne zu zögern durch einen Mietwagen.

Über einen Dienstwagen hätte der Interim Manager mit dem Unternehmen nicht einmal geredet.

Unsere Welt ist mitunter schon sehr seltsam.

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