Friday, May 23, 2008

VIEL FORDERN - WENIG LEISTEN


Es ist schwer, mich fassungslos zu machen. Am vergangenen Samstag war es aber mal wieder so weit: Das Meinungsforschungsinstitut IFAK hatte sein alljährliches Arbeitsklima - Barometer veröffentlicht: Was es alles gibt!

Das Ergebnis: 88 Prozent der befragten 2.000 Arbeitnehmer bezeichnen sich selbst als nicht engagiert. Noch schlimmer: Das sind sogar noch drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr! Und der Hammer: 24 Prozent sagen, sie hätten innerlich gekündigt - 2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Was geht hier eigentlich ab – in unserem Land?

Sind wir wirklich der Meinung, wir könnten mit einem Heer aus Motivationskrüppeln oder gar Motivationsleichen im weltweiten Wettbewerb bestehen? Und das bei unserem Preis- (sprich Gehalts-) Niveau?

Drehen wir das Ganze mal spaßeshalber um:

Zu 64 von seinen 100 Mitarbeitern sagt der Arbeitgeber: „Nö, ich kann mich so nicht selbstverwirklichen und ich fühle mich emotional nicht in der Lage, die monetäre Gegenleistung aus unserem Arbeitsvertrag in vollem Umfang zu erbringen. Ich denke, weniger tut´s auch.“

Gegenüber 24 seiner verbleibenden 36 Mitarbeitern setzt der Arbeitgeber noch einen drauf: „Ich fühle mich Euch nicht mehr so richtig verbunden – ja, eigentlich seit Ihr mir egal. Ich denke, wir lassen das mit dem Gehalt mal ganz.“

Da möchte ich gern mal erleben, was hier los wäre!

Mir fällt auf: Ich kenne keinen einzigen Interim Manager bei MANATNET oder anderswo, der unter Motivationsproblemen leidet. Ich kenne nur Interim Manager, die sich hoch engagiert den Aufgaben bei ihren Klienten widmen – auch wenn die Mitarbeiter des Klienten schon längst das Büro verlassen haben.

Das ist schon sehr seltsam: Da starren Kunden auf die Tagessätze für die Interim Manager oder auf die gesamten Kosten für ein Interim-Mandat – und übersehen dabei die andere Seite der Medaille: Was bekommen sie als Gegenwert?

Vielleicht sollten unsere Kunden einmal den Blickwinkel wechseln. Vielleicht sollten sie die Effizienz von 37,5-Stunden-Wochen - geleistet von kaum motivierten Mitarbeitern - mit hoch motivierten Interim Managern vergleichen, die sich im Gegenzug für ihren Tagessatz vertraglich zu einer 45-Stunden-Woche verpflichten (wie dies bei einigen DAX-30-Unternehmen der Fall ist).

Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Unternehmen deutlich kritischer werden.

Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Unternehmen Interim Manager ganz bewusst als Vorbilder holen.

Und ich denke: Eine derart desolate Motivationslage in unseren Unternehmen kann nicht gut gehen. Wahrscheinlich sehe ich das wieder falsch.

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