Friday, September 03, 2010

LASS MICH BLOSS ENDLICH IN RUHE!

Fotograf: SwordfishSommerzeit. Ferienzeit. Deutschland im kollektiven Erholungs-Modus. Das lässt sich bei MANATNET an vielen Details nachweisen – vor allem an den deutlich geringeren Zugriffen auf unseren Marktplatz.

Und auf dass ja keiner auf den Gedanken käme, die individuellen Urlaubsfreuden zu unterbrechen, hat es sich eingebürgert, Auto-Responder im Mailverkehr zu verwenden. Auf gut Deutsch: Man beauftragt den eigenen Mailserver, automatisch auf jede eingehende Mail die frohe Botschaft zu senden: „Ich bin von <DATUM1> bis <DATUM2> in Urlaub.“

An sich ist das eine sinnvolle Sache, wartete doch anderenfalls der Absender der Nachricht lange vergeblich auf eine Antwort (Ja, ich weiß: Vielfach wartet man auch außerhalb der Urlaubszeit lange vergeblich auf eine Antwort.)

Dennoch schüttele ich mitunter den Kopf ob des unprofessionellen Einsatzes dieser Autoresponder. So kommt es überraschend oft vor, dass die automatisch erzeugte Nachricht auch dann versendet wird, wenn <DATUM2> schon längst der Vergangenheit angehört.

Als lieblos empfinde ich zudem die Einfallslosigkeit der verwendeten Inhalte dieser automatischen Nachrichten: Offenbar gibt es drei, vier Templates (Textvorlagen) in Deutschland – und das ist es dann. Kein Mensch kommt offenbar auf die Idee, diese Autoresponder als Werbung für sich, zumindest aber zur eigenen „Imagebildung“ zu verwenden.

Ganz übel wird es, und das stelle ich verstärkt fest, wenn die Urlaubsnachrichten mit dem Satz enden: „Eingehende Mails werden nicht gelesen.“ Botschaft: „Was immer Du schreiben magst: Mich interessiert es nicht – und mein Unternehmen auch nicht!“

Oder noch besser: „Eingehende Mails werden nicht bearbeitet.“ Nicht einmal später also, nach dem Urlaub. Botschaft: „Was immer Du schreiben magst: Wir schmeißen es in jedem Fall in den Mülleimer.“

Und gestern bestand einer darauf, dass der geneigte Leser diese Aussage auch wirklich ernst nimmt: „Eingehende Mails werden nicht bearbeitet!!!!“ Mit vier Ausrufezeichen! Botschaft: „Lass mich bloß endlich in Ruhe!“

Friday, August 27, 2010

MANCHMAL KOMMT ABER EIN BISSCHEN FRUST DURCH

Foto: Tierisch wütend - Fotograf: NikonlausSo kommentierte ein geschätzter Interim Manager meinen Blogeintrag vom vergangenen Freitag: Mit dieser Empfindung ist er nicht ganz allein.

Völlig klar: Ich schreibe mein Blog aus ganz persönlicher Sicht. Dies war die Grundsatzentscheidung im Jahr 2007, als ich folgende Fragen beantworten musste: „Warum, zum Teufel, soll das jemand lesen? Wie setze ich mich von den unsäglichen Internet-Tagebüchern selbsternannter Lehrmeister („How to …“) ab? Und vor allem: „Wie halte ich das durch, ohne dass mir die Ideen ausgehen?“ Der kritische Leser erinnert sich: „Blog“ ist eine Wortbildung aus den Begriffen „Web“ und „Log“. Und jeder, der jemals Raumschiff Enterprise gesehen hat, weiß, dass ein Logbuch zumindest einen Eintrag täglich erwartet – ebenso, wie das deutsche Tagebuch: Anderenfalls hieße es Wochen-, Monats- oder „Wenn-ich-mal-Zeit-hab´“-Buch.

So gesehen bin ich mit meinem Blog ein wenig hinten an – freitags, einmal in der Woche. Aber es hat sich gezeigt, dass das Interim-Geschäft dafür immerhin genügend Stoff liefert. Und, ganz ehrlich, das überrascht mich noch immer ein wenig.

Woran liegt das? Das liegt daran, dass ich nicht darüber schreibe, wie das Interim-Geschäft sein soll – oder gar wie ich es mir wünsche: Sondern wie ich es erlebe.

Als Provider, aus meiner ganz persönlichen Sicht. Offen und ehrlich. Und, ich gebe es an dieser Stelle zu, meine Offenheit wird wie ein zu leistungsstarkes Aggregat „abgeregelt“: Öfter als man glauben möchte, greift dieses „xxx-Cap“: „Das kannst Du nicht schreiben!“, „Das wäre ein Angriff!“ oder „Das klingt larmoyant!“ sind die populärsten Riegel, die ich mir vorschiebe.

Alles andere ist dann, wie es ist. Soweit ich weiß, ist es das, was meine Leser schätzen. Und zum Interim-Geschäft, das ich erlebe, gehört halt auch:

Manchmal kommt ein bisschen Frust durch.

Friday, August 20, 2010

NICHTS IST UNWICHTIGER ALS MEIN BLOG

Copyright by Gaetano GroßNun ist es mir tatsächlich passiert! Seit September 2007 schreibe ich meinen Blogeintrag, der sich schnell zu einem „lettre fixe“ am Freitag um 15.00h entwickelt hatte - eine Art freitäglicher Regelprozess in der Kommunikation nach außen.

Gleichgültig, ob dieser Freitag auf einen Brücken-, Feier- oder Festtag fiel: Mein Blogeintrag kam selbst nach einem Kurzurlaub auf der Intensivstation im vergangenen Jahr – und nun dies!

Am vergangenen Freitag habe ich keinen Blogeintrag veröffentlicht - und bis Montag hatte ich fünf Mails erhalten mit der Frage, ob mir etwas zugestoßen sei.

Nein, alles war gut, sogar sehr gut!

Meine Frau und ich haben langjährige Freunde in Berlin besucht, die wir lange nicht gesehen, ja, wohl auch schwer vernachlässigt hatten. Prompt fingen wir uns ein „Eigentlich hatten wir Euch abgeschrieben ein.“ Gute Freunde sind offen zu einander.

Und dann haben wir ausnehmend schöne Tage in der schönsten Stadt Deutschlands verbracht. Und es fiel eine Entscheidung, wenn auch nur für ein Wochenende:

Nichts ist unwichtiger als mein Blog.

Friday, August 06, 2010

KANN ICH ALLES – STEHT NUR NICHT IM LEBENSLAUF!

Fotograf: KatjuschEs sind Tage wie diese, die mich röchelnd niedersinken lassen ob der Naivität mancher Geschäftspartner:

Ein Kunde hat eine ganz spezifische Anforderung an einen Kandidaten, den er für sein Projektmanagement im IT-Betrieb sucht. Wieder einmal. Und davon weicht er kein Jota ab. So auch in diesem Fall.

Da wird es dann mitunter eng - auch unter 950 Interim Managern bei MANATNET, zumal der einzige, laut Datenbank verfügbare und vom Kunden favorisierte Interim Manager wieder einmal „grad gestern einen neuen Projekt-Vertrag unterschrieben“ hat. So auch in diesem Fall.

Dann fragen wir regelmäßig, ob uns die Interim Manager bei MANATNET helfen können. So auch in diesem Fall.

Innerhalb von weniger als 48 Stunden liegen uns viele qualifizierte Antworten vor – und auch Hinweise auf Kandidaten, die in Frage kommen können. Das beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. So auch in diesem Fall.

Und weitere Hilfegesuche gehen hinaus in alle Welt, weil unsere Interim Manager nicht mehr kontrollieren können, ob (und an wen) die von ihnen selbst angesprochenen Kontakte unseren Hilferuf weiterleiten.

Als Ergebnis kommen mitunter daraufhin die tollsten Lebensläufe hier an. So auch in diesem Fall.

Nicht nur aus Höflichkeit und nicht nur aus Respekt unseren Interim Managern gegenüber rufe ich dann an: Ich könnte ja auch etwas völlig falsch verstehen. So auch in diesem Fall.

„Sagen Sie, wenn ich Ihren Lebenslauf lese, dann fallen die Begriffe Sales, Vertrieb und Business Development. Unser Klient sucht aber den ‚Hard-Core-Projektmanager“ für den IT-Betrieb, erfahren mit 24h/7Tage, 1st to 3rd-Level-Support und erfahren an der Schnittstelle zu internen Entwicklerteams.“

Antwort: „Kann ich alles: Steht nur nicht im Lebenslauf!“

Friday, July 30, 2010

MOEGLICHST FREI UND WENIG ARBEITEN

Es ist eine liebgewonnene Gewohnheit in unserem Lokal-Bladl: Jedes Jahr nach der Abiturprüfung, einstmals „Reifeprüng“ genannt, wird unter der Überschrift „Unsere Abiturienten“ ausgewählten jungen Leuten mit grad erworbenem Reifezeugnis ein Fragenbogen vorgelegt. Der Fragebogen samt Antworten wird dann in unserem Lokal-Bladl veröffentlicht – mit Bild und Namen des Abiturienten.

Ich lese diese Antworten sehr gerne, spiegeln sie doch recht gut Meinungen und Denken der jungen Leute wider, denn die Fragen decken ein sehr breites Spektrum ab:

Von „Vorbilder“ und „Afghanistan“ über „Guido Westerwelle“ und „Lena Meyer-Landrut“ bis zum „One-Night-Stand“.

Und es wird gefragt nach: „Dein Traum“?

Da kommen dann die bemerkenswertesten Antworten. Auch heute. Von J. G. Allerdings ist J. G. schon etwas reifer als die anderen Reifen, denn er ist bereits 23 Jahre alt und kennt sich bereits etwas aus im Leben.

So wird dann seine Antwort nachvollziehbar auf die Frage: „Dein Traum?“:

„Möglichst frei und wenig arbeiten und trotzdem ein sorgenfreies Leben führen.“

Friday, July 23, 2010

EIN NEUER HELI MUSS HER!

Fotograf: kattallaSommerloch. Interim Management steht wieder hoch im Kurs - bei den Journalisten: Erst brachte das Manager Magazin am 7. Juli „Zum Retten eingeflogen“, dann kam Focus am 12. Juli mit „Zeitarbeit für Topverdiener“ und schließlich titelte der Spiegel am 15. Juli mit „Reingehen, retten, rausgehen“.

Innerhalb von nur gut einer Woche ein journalistisches Feuerwerk zu unserem Kerngeschäft: Die Böller heißen Unkenntnis, Aufgewärmtes und Irreführung.

Wir, die Insider, müssen solche Artikel lesen, denn wir werden darauf angesprochen. Und wir quälen uns, leiden jedes Mal neu, atmen tief durch und schütteln nur noch den Kopf - fast schon resignierend: Müssen wir endlich unseren Branchen-Code ändern in 85.14.5 (Krankentransport- und Rettungsdienste)?

Für den Rest der Welt sieht das jedoch völlig anders aus. Der nimmt das ernst, der nimmt das als richtig und gegeben. Immerhin: „Das steht schwarz auf weiß in der Zeitung!“ Beim Rest der Welt bildet sich im Kopf dieses Bild:

„Teurer Retter mit Insignien-Orientierung“

Ein Interim Manager „rettet“ (das Wort kommt in zwei von drei Überschriften vor!) als „Topverdiener“, der „eingeflogen“ wird. Auch wenn einiges an nachfolgenden Stellen in den Artikeln relativiert wird: Hängen bleibt genau dieses Bild, das vom Manager Magazin – unfassbar platt – transportiert wird: Graubetuchter, schlanker und grauhaariger Mittfünfziger samt Aktenkoffer (nicht etwa Laptop!) – soeben wohl aus dem spiegelnden Hubschrauber ausgestiegen, den Hochhaus-Landeplatz vor der Skyline lässig aber zielstrebig verlassend – und dabei den Betrachter sicher anblickend. Selbstverständlich alles in vertrauenerweckend in Werthaltigkeit signalisierenden Grau- und Blau-Tönen.

Du lieber Himmel!

Das sieht er gern, der bodenständige Unternehmer - und wehrt sich heroisch gegen Aversionen in Herz und Hirn!

Kein Interim-Professional käme auf eine solche Idee, setzte er doch die völlig falschen Zeichen.

Nach diesem Blogeintrag vergesse ich alle diese Artikel wieder. Und ich werde mich wieder auf das wirkliche Geschäft konzentrieren.

Ja, ich gebe zu: Auch ein „Retter“ kam über MANATNET, Europas ersten Internet-Marktplatz für Interim Management, in den vergangenen Monaten zum Einsatz. Sehr viel mehr beschäftigen uns aber heute, an diesem Freitag, die Themen: Coaching, Change Management, Qualität; Technik, Logistik oder Transparenz.

Immerhin: Der Hubschrauber hat zu allgemeiner Erheiterung in der Szene geführt und zu zum Teil sarkastischen Kommentaren der Interim Manager. Hier die aktuellen Top 3.

Auf Platz 3: „Am Wochenende lässt mein Kunde endlich den Landeplatz für meinen Helikopter auf dem Firmenparkplatz bauen.“

Auf Platz 2: „Ich habe schon seit langem in meinen Verträgen den Passus: Freie Unterkunft und Verpflegung für meinen Piloten.“

Und unangefochten auf Platz 1: „Das erklärt meine aktuellen Schwierigkeiten im Geschäft: Ein neuer Heli muss her!“

Friday, July 16, 2010

NUN KANN SIE ENDLICH MIT INS BETT, DEINE GELIEBTE

Etwa alle vier Jahre ist es so weit: Ein neues Notebook muss her. Diesem hier, an dem ich heute zum letzten Mal meinen Blogeintrag schreibe, habe ich wirklich viel zugemutet.

Es hat es klaglos hingenommen: War nicht schick oder gar „trendy“, dafür stets da, wenn ich es brauchte. Und ich brauchte es in einer Intensität, die es meiner Frau erlaubte, mein Notebook als meine „Geliebte“ zu titulieren und damit permanenter Frotzelei die Flanke zu öffnen.

Von regelmäßiger Energiezufuhr abgesehen war diese digitale „Geliebte“ völlig anspruchslos und damit so ganz anders als ihre analogen Schwestern. Nicht ein einziger hysterischer Kollaps, keine Kurven - dafür aber jede Menge Kraft. Ein echtes Arbeitspferd von Dell halt. Die weitgehend auf Klavierlack-Optik glatt getippte Tastatur samt einer Leertaste kurz vor dem Durchscheinen legen Zeugnis davon ab: Wir beide pflegen eine Arbeitsbeziehung - keine Liebesbeziehung.

Unsere Wege trennen sich nun, weil mein Arbeitspferd doch öfter an seine Grenzen stieß. Unsere gemeinsame Malocherei hat ein Ende.

Kein Vater, der einigermaßen bei Sinnen ist, kauft heute ein neues Notebook, ohne seinen Sohn um Rat zu fragen. So geschah es.

Nun ist es da, das neue Pferd: Dank Intels Core i7 unfassbar schnell! Die serienmäßig eingebaute Festplatte wurde zudem als nicht gut genug befunden und durch meinen Sohn kurzerhand ersetzt: manchmal ist er mir unheimlich. Ein Leistungsumfang, der alles in den Schatten stellt, was ich bisher gewohnt war – und natürlich mit Windows 7 und Office 2010: Klar: Beides wirft den bisherigen (zwar selbsternannten, aber immerhin!) Virtuosen anwenderseitig wieder zurück auf ein Anfänger-Niveau.

Wir werden uns eine zeitlang aneinander gewöhnen müssen, mein neuer Gaul und ich. Wir werden dafür die Sommermonate nutzen, in denen Deutschland ohnehin weitgehend brach liegt. Aber ein fataler taktischer Fehler ist mir unterlaufen: Ich habe eine von hinten beleuchtete Tastatur gewählt!

Lapidare Einschätzung meiner Frau:

„Nun kann sie endlich mit ins Bett, Deine Geliebte.“

Friday, July 09, 2010

SPRACHLOS IN BADEN

Once upon a time in Germany:

Meine Eltern (80 und fast 90 Jahre alt) mussten die Dachfenster ersetzen. Als treue Kunden beauftragten sie den vertrauten Anbieter, dessen Name ich voller Mitleid verschweige: Den Namen kennt ohnehin jeder, der weiß, was ein Dachfenster ist.

Im vergangenen Jahr kam dann das Neueste vom Neuen: Einschließlich integrierten Außenrollläden, durch eigene Solarquelle angetrieben und durch formschöne Fernsteuerungen von innen zu bedienen.

Möglicherweise war es der Hitze in der vergangenen Woche geschuldet: die Steuerung der Außenrollläden funktionierte nicht mehr. Etwas übel, wenn die Sonne auf´s Dach knallt.

Meine Eltern riefen den Dachdecker Ihres Vertrauens an – man kennt sich seit Jahren, natürlich: „Tut mir leid, da müssen Sie sich an den Hersteller wenden“.

In einem über die Jahre angeeigneten, in der Regel zielführenden Reflex, suchten meine Eltern den Hersteller im Branchenbuch zu finden, auf dass man ihn anrufen könne.

Fehlanzeige.

In solchen Situationen wird gern einer der Söhne angerufen – hilfesuchend. Denn die Söhne helfen gern.

Es war Freitag, der 2. Juli, der in meine persönliche Geschichte eingehen sollte.

Als Internet-Professional finde ich den Hersteller noch während des Telefonates mit mein meiner Mutter im Internet. Ein souveräner Klick innerhalb der Navigationsleiste öffnet den „Service“.

Ich wähle „Service-Techniker beauftragen“.

Es öffnet sich ein Auftragsformular, bei dem ich zweimal nach unten scrollen muss, nur um das Dokument in seiner Gänze zu erfassen.

Mein Blutdruck steigt.

Ich lese:

Produkttyp laut Typenschild: ?

Seriennummer laut Typenschild: ?

„Hä?“

Einbauhöhe in Meter (Fensteroberkante von innen gesehen): ?

Dachneigung in Grad: ?

Dacheindeckung: ?

Ich breche entnervt ab – und entscheide mich für einen Anruf bei der „Telefonischen Privatkundenbetreuung“, der ich auch gern mit 9 Cent je Minute finanziell unter die Arme greife.

„Können Sie mir bitte helfen? Meine Eltern haben eine Garantiefall.“

„Da müssen Sie das Online-Formular ausfüllen.“

„Ich hab´ das Ding schon gesehen. Ist sehr aufwändig. Können Sie mir nicht einfach eine Nummer geben, die ich anrufen kann?“

„Nein.“

Mein Blutdruck steigt weiter.

„Danke für Ihre Hilfe.“

Durch mein mattes Hirn zuckt die Frage: „Was machen alte Menschen, die keine Internet-affinen Kinder haben…?“

Ich verdränge die Frage und widme mich der Dachneigung in Grad.

Der Empfang meines Garantie-Auftrags wird umgehend vom Rechner des Unternehmens bestätigt – mit der aufbauenden Nachricht, man werde sich kurzfristig melden.

Drei Tage und ein freundliches Schreiben später erhalten meine Eltern einen Anruf, dass ein Service-Techniker am 26. Juli (!) vorbeischauen werde. Meine Eltern melden sich bei mir, ob denn das sein könne.

„Kann ich mir nicht vorstellen. Ich ruf´ da mal an und melde mich.“

In der frohen Erwartung, sicher ein anderes Gegenüber als beim letzten Mal zu erreichen, wähle ich die „Telefonische Privatkundenbetreuung“. Ich nenne die Vorgangsnummer. Der Mitarbeiter weiß sofort Bescheid.

„Sagen Sie, bei meinen Eltern ist die Nachricht angekommen, dass der Service-Techniker, erst am 26. Juli kommen werde. Das ist ein Missverständnis, nicht wahr?“

„Wieso?“

„Na ja. Zwischen meiner Reklamation und dem Besuch Ihres Technikers liegen 24 Tage, also mehr als drei Wochen!“

„Unsere Techniker sind alle ausgelastet.“

„??“

Meine Zunge formt: „Wollt Ihr mal darüber nachdenken, bessere Fenster zu bauen – wir bieten dafür gute Interim Manager?“ – mein Hirn obsiegt und kann die Zunge niederringen.

„Können Sie eingreifen und das beschleunigen?“

„Nein!“

„Hören Sie, ich finde das nicht witzig. Ihr Unternehmen hat im vergangenen Jahr etliche Tausender abgegriffen. Jetzt funktioniert Ihr Produkt nicht mehr und das in dieser brüllenden Hitze. Ich erwarte, dass Sie sich jetzt bewegen.“

„Das geht nicht! Der Techniker kommt am 26. Juli.“

„Hey, ich halte das für vollkommen inakzeptabel. Sie können sicher sein, dass ich bei jeder sich mir bietenden Gelegenheit über diese Erfahrung sprechen werde, die ich gerade mache.“

„Das steht Ihnen frei.“

Nicht oft widerfährt mir das, aber diesmal war es wieder so weit:

Sprachlos in Baden.

Friday, July 02, 2010

TELEGRAMM ZU 2 QUARTALEN INTERIM MANAGEMENT

Sechs Monate ´rum. Arbeit bis zum Abwinken. Ergebnisse gut, aber nicht gut genug: Zu viele Anfragen kommen nicht zustande. Euro-Krematorium. Geht so nicht weiter.  Wenig verloren an den Wettbewerb. Klar. Interim Manager klagen. Über lausige Lead-to-Deal-Quoten. Ich höre von 10:1.

Interim Manager klagen über Einbruch bei Tagessätzen. Stimmt. Manche Kunden mit tollen Vorstellungen. Hab´ Kunden mal gefragt: Reduzierst Du im Gegenzug Dein Gehalt auch um 40 Prozent? Nur während der Projektlaufzeit. Bin fast erschlagen worden.

Vieles knirscht bei Kunden: Leistungsbereitschaft. Reaktionszeiten. Transparenz. Liquiditätsplanung. Qualitätsprobleme. Sehr überraschend. Denke, Deutschland ist selbstgefällig geworden.

Interim Manager klagt: Provider sparen selbst nicht. Weiss ich nicht. Wir schon. Sehr. Andere Provider geben Druck weiter. An Interim Manager. Um die eigene Marge hoch zu halten. Wird wohl nicht funktionieren.

Oder doch? Einige Verzweifelte wieder im Markt. Verzweifelte treffen auf unrund laufende Kunden. Ungute Verbindung. Kann nicht gut gehen. Wird Image des Interim Managements belasten.

Helfen Kunden mit Ass vom Marktplatz. Kunden vergeht Hören und Sehen. Aber Ergebnisse kommen.

Wollen anderem Kunden helfen 70 Mio. Umsatz zu sichern. Streiten über 150 Euro am Tagessatz. Unfassbar.

Solidaritätsabschlag gestoppt. Easy-Know-How gebracht. 12 Newsletter geschrieben. Twittere wenn Neues da. Sonst nicht. 24 Blogeinträge verfasst. 2 Analysen Tagessätze für alle Interim Manager. Und für jede von 7 Funktionen. 2 Skills-Analysen und 2 INTERIMTREND. AIMP-Providerumfrage wieder in Charts gegossen. Transparenz im Markt klar besser. Dennoch Platz für Scharlatane.

Markt honoriert Transparenz noch nicht. Dafür enorme Arbeit.

Denke darüber nach, das aufzugeben. Vielleicht war es das erste und letzte, dieses:

Telegramm zu 2 Quartalen Interim Management.

Friday, June 25, 2010

UND EWIG LEIDEN DIE PROVIDER

Fotograf: nagnagEin Unternehmen steht vor einer besonderen Aufgabe. Es kontaktiert den Interim Provider, der ihm von einem Geschäftspartner empfohlen wurde. Der Interim Provider spricht am folgenden Tag mit dem Unternehmen, erarbeitet gemeinsam mit dem Kunden ein tiefes Verständnis der Aufgabenstellung und daraufhin das Suchprofil. Der Kunde ist unter enormem (Zeit-) Druck: Deshalb finden solche Gespräche selbstverständlich auch am Wochenende statt.

Der Interim-Provider identifiziert achtundvierzig Stunden später fünf Kandidaten und bespricht mit ihnen die Aufgabenstellung. Daraufhin werden vier Kandidaten dem Unternehmen vorstellt. Am dritten Tag führt das Unternehmen mit jedem der Kandidaten ein Telefoninterview und lädt daraufhin zwei zu einem persönlichen Gespräch ein. Eine Woche nach der Kontaktaufnahme ist die Entscheidung gefallen und der vom Kunden bevorzugte Interim Manager nimmt seine Arbeit beim Unternehmen auf.

Wie schön kann das sein!

Nur: Nichts ist weiter entfernt von den aktuellen Marktgepflogenheiten.

Zwischen Kontaktaufnahme und Entscheidung (des Kunden) liegen inzwischen durchaus zwei Monate. Dann ist die typische Entscheidung jedoch keinesfalls positiv, nein: Auf irgendwo zwischen 5 und 7 Absagen erhalten die Provider derzeit nur einen Auftrag.

Sicher bin ich befangen, denn MANATNET ist letztlich auch ein Interim-Provider. Aber: Das kann nicht gut gehen! In einer sauberen und ehrlichen internen Kostenrechnung (meines Wissens macht das jedoch kaum ein Provider), müssen somit die Aufwendungen für die gescheiterten 5 bis 7 Projekte von den Erlösen des einen einzigen, armseligen Projekts abgedeckt werden. Kein Wunder, also, wenn die Interim-Provider versuchen, die Marge auszubauen - natürlich (wie wenig fair!) zu Lasten des Interim Managers. Ob das klappt, ist eine andere Frage.

Unstrittig ist zudem: In den vergangenen knapp zwei Jahren hat sich dieses Verhältnis, auch Lead-to-Deal-Quote genannt, weiter verschlechtert. Und auch das: Die Last von 5 bis 7 toten Projekten kann im heutigen Wettbewerbsumfeld kein einzelnes Projekt mehr tragen.

Die Interim Provider werden reagieren müssen - auf welche Weise auch immer: Es sei denn, sie möchten für einen neuen Bestseller sorgen - mit dem Titel:

Und ewig leiden die Provider.

Friday, June 18, 2010

VIEL ZU AUFWAENDIG!

Foto: Bertram DickFür das Interim Management in Deutschland ist der Juli ein wichtiger Monat: Das AIMP-Jahresforum findet diesmal in München statt. Das Organisationsteam hat alle Hände voll zu tun - und jeder Redner, der seine Sache gut machen will, beginnt damit, sich vorzubereiten.

Ich bereite mich auf die Präsentation der AIMP-Providerumfrage 2010 vor. Wie im vergangenen Jahr werden wir ein paar Aktualisierungen zur Jahresmitte einstreuen können und Thorsten Becker wird Daten aus UK beisteuern können.

Natürlich verbinde ich mit dem AIMP-Jahresforum die Freude, viele Interim Manager zu treffen, gute Gespräche zu führen und viele Eindrücke und Ideen mitnehmen zu können.

Aber, meine Leser mögen mir das nachsehen, noch mehr assoziiere ich mit dem AIMP-Jahresforum den Begriff „Arbeit“.

Abendarbeit. Nachtarbeit. Wochenendarbeit. Feiertagsarbeit. Immerhin habe ich ein Geschäft zu führen, für das meine Kapazitäten ohnehin nicht ausreichen: Zumindest, wenn man den deutschen Durchschnittsarbeitstag zugrunde legt.

Dann kommt regelmäßig Kritik hoch am AIMP-Jahresforum. Und das ist gut so: Ich lechze nach Kritik, denn durch das Aufgreifen von Kritik können wir (wie jeder andere auch) in vielen Fällen besser werden.

Mit einer besonderen Kritik kann ich jedoch ganz schwer umgehen. Bemerkenswerterweise wird sie regelmäßig im Vorfeld solcher Veranstaltungen geäußert von Interim Managern, die ich auf eben diese Veranstaltungen anspreche.

Diese Kritik lautet: „Solche Veranstaltungen sind doch nur Plattformen für die Selbstdarstellung der Provider“.

Wer jemals eine vergleichbare Veranstaltung selbst organisiert hat, der weiß: Solch eine Arbeit vorwiegend für die Selbstdarstellung?

Viel zu aufwändig!

Friday, June 11, 2010

PANEM ET CIRCENSES

Vorab: Ich bin ein Fußballfan seit Kindesbeinen. Ich habe in jungen Jahren die Nacht vor wichtigen, meist End-Spielen „meines“ Vereins oder der Nationalmannschaft schlecht geschlafen - und Niederlagen haben mir in aller Regel zumindest den folgenden Tag verhagelt.

Ich halte mich noch immer für einen Fußballfan - aber ich sehe inzwischen kritisch auf das, was seit einigen Jahren überhand nimmt: Und dabei denke ich nicht einmal an die unerträgliche Quasselei (vor, zwischen und nach der Fernsehübertragung), deren Zeitbudget schon längst die echte Spielzeit bei weitem überschreitet.

Auch nicht an Schokoriegel: Sie haben schon immer mit Fußballer-Bildchen die Sammelleidenschaft der Halbwüchsigen ausgebeutet. Auch die „für jedes Tor der deutschen Nationalmannschaft gibt es mehr Rabatt-Prozente“-Nummer taucht mit schöner Regelmäßigkeit auf.

Doch dass inzwischen eine renommierte Tageszeitung ihre Werbeprämien (für einen neuen Abonnenten) abhängig vom Erfolg der Nationalmannschaft staffelt (200 Euro, wenn Deutschland das Finale erreicht), das ist schon bemerkenswert.

Es weitere kleine Hinweise, die dem aufmerksamen Beobachter auffallen („Wenn wir uns dann treffen, dann schaffen Sie´s auch noch bis zum Serbien-Spiel!“), legen sie doch offen, dass die Fußball-WM sich von einer schönen (und das meine ich ehrlich: schönen!) Nebensache zu einer vieles bestimmenden Hauptsache entwickelt hat.

Besser entwickelt wurde.

Und genau das kann die Politik für sich nutzen. Und sie nutzt es für sich.

Man mag vom Sparpaket der Bundesregierung inhaltlich halten, was man will. Das Timing ist jedoch alles andere als zufällig:

Nach monatelangem Nichts-Tun mit Blick auf die Wahl in Nordhrein-Westfalen wurde nunmehr das Sparpaket - vom selben Team (!) - innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gehämmert.

Weshalb?

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bundesregierung darauf baut, dass die Unbill aus dem Sparpaket durch ein gutes Abschneiden der deutschen Kicker überlagert wird - und dass dadurch, durch ein neues „Sommermärchen“, weniger Widerstand bei der Bevölkerung (!), nicht den professionellen Nein-Sagern, hochkommen wird.

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr bringt mich diese Strategie auf die Palme! Denn diese Strategie kann nur funktionieren, wenn sie „ein tumbes Volk“ unterstellt. Bemerkenswerterweise fiel am vergangenen Dienstag im ZDF („Neues aus der Anstalt“; Pelzig zitiert Korte) die Aussage: „Bevölkerungsverdrossenheit bei den Politikern.“ und Pelzig weiter: „Die haben von uns möglicherweise die Schnauze noch viel mehr voll als umgekehrt.“

Ein kritischer Mensch mit humanistischer Ausbildung wird das nicht mehr los und im Hirn nimmt ein Begriff Gestalt an aus längst vergangenen Zeiten:

„Panem et circenses“ und einer der großen Verfechter dieser Maxime: Kaiser Trajan (53-117 n. Chr.)

Wenn mich nicht alles täuscht, wurde kurz darauf eine Zeit des Umbruchs und der Reformen im Römischen Reich eingeläutet.

Das, und nur das, macht mir Mut – während es in meinem Kopf hallt:

Panem et circenses.

Friday, June 04, 2010

EINE SCHLAPPE ZEIT - DER WONNEMONAT

Im Jahr 2002, als wir MANATNET vorbereiteten, hatten wir ein Ziel: Wir wollten in der Lage sein, Interim Mandate kostengünstig innerhalb von 24 Stunden, spätestens jedoch nach 48 Stunden zu besetzen.

Dieses Ziel ging zurück auf unsere Prägung aus den sechs Jahren zuvor - die Zeit 1995 bis Ende 2001: Jahrtausendwende und Euro - Einführung - vor allem aber die „New Economy“ waren die damals beherrschenden Themen. Damit einher gingen einige wirklich bemerkenswerte Verhaltensmuster: Im Umfeld der „New Economy“ gehörten dazu Mut („Kenn´ ich noch nicht - probier´ ich mal!“) und Schnelligkeit („Ich muss meinen Wettbewerb abhägen!“).

Beides ist inzwischen untergegangen: Mut und auch Schnelligkeit.

Und so kommt es, dass wir längst nicht mehr darauf abzielen, Interim Mandate innerhalb von maximal 48 Stunden zu besetzen. Wir können uns glücklich schätzen, wenn uns das in vier Wochen gelingt. Nicht etwa, weil wir nicht liefern könnten – sondern, weil die Kunden so lang brauchen, ihre Entscheidungen zu treffen. Ganz eindeutig können wir mehr, als der Markt derzeit braucht.

Und im Mai dauert alles noch viel länger: Pfingsten, Pfingstferien und feiertagsbasierte Brückentage sorgen dafür, dass die ohnehin schon lange dauernden Abstimmungsprozesse noch länger dauern.

Eine schlappe Zeit - der Wonnemonat

Friday, May 28, 2010

INTERIM MANAGEMENT ZWISCHEN HUNGERLOHN UND ABZOCKE

„Der Interim Manager, den Sie brauchen, kostet Sie 2.500 Euro am Tag“, sagte der Provider, unmittelbar bevor das Herz des Mittelständlers kurzzeitig aussetzte. Sein Hirn hatte ihm auftragsgemäß die Quittungs-Information übermittelt: „Das sind 600.000 Euro im Jahr“.

„Wir suchen einen Interim Manager als international versierten Controller für das Head-Office in der Schweiz, sicher in US-GAAP und IFRS, Englisch vertragssicher und ausgeprägte Erfahrung in international operierenden High-Tech-Unternehmen. Wir zahlen 500 Euro am Tag, Reisekosten und Steuern inklusive“, sagte der Konzern-Kunde, bevor der Provider kopfschüttelnd den Raum verließ.

Wie passt das zusammen?

Gar nicht. Dennoch ist es so: Beide Beispiele sind der Praxis im Interim-Geschäft entnommen.

Ohne jeden Zweifel ist Interim Management in Deutschland bekannter, ja „normaler“ geworden. So schätzt die aktuelle Providerumfrage des AIMP, dass hierzulande nur noch etwa ein Drittel aller Unternehmen die Dienstleistung Interim Management nicht kennt. Vor drei Jahren war das noch etwa jedes zweite Unternehmen.

Transparent ist dieses Geschäft jedoch noch lange nicht. Von Marktmechanismen wie z. B. in der Autovermietung, man möge mir den Vergleich nachsehen, ist das Interim Management noch Welten entfernt. Preise für „Güteklassen“ vergleichbar im Internet verfügbar: Fehlanzeige. Sonderangebote: Fehlanzeige. Zusatzangebote: Fehlanzeige. Auf Key-Accounts individuell zugeschnittene Angebote: Ja, vereinzelt.

Zunächst halte ich fest: Auch im Interim Management bildet sich der Preis, also der Tagessatz für den Interim Manager, aufgrund von Angebot und Nachfrage. Jedoch sind die Nachfrager, die Unternehmen, typischerweise in der schlechteren Position, weil der Markt sehr heterogen und intransparent ist. Immer wieder erscheinen, sternschnuppengleich, neue Provider am Markt, und spätestens nach sechs Monaten erklären sich die meisten zu „einem der führenden Anbieter im Markt“. Denn selbstverständlich hat jeder neue Anbieter gleich zu Beginn auf wundersame Weise einen „umfangreichen, persönlich qualitätsgesicherten Pool an hochqualifizierten Interim Managern für jede nur denkbare Aufgabe“.

Insider fassen sich an den Kopf. Aber Kunden sind nur in seltenen Fällen Insider. Noch.

Durchaus hilfsweise hat der AIMP vor ein paar Jahren Interim Manager den Gehaltsklassen von vergleichbaren Managern in Festanstellung zugeordnet und vergleicht nun jährlich die Tagessätze, die am Markt für jede Klasse typischerweise (nicht in Ausnahmefällen) erzielt werden können. Der Vergleich zeigt, dass im Schnitt stabil zwischen knapp 0,7 und 0,9 Prozent des vergleichbaren Festgehaltes als Tagessatz gezahlt werden:

Wenn ich davon absehe, dass aufgrund des Basiseffektes in den niedrigen Klassen relativ mehr, in den hohen Gehaltsklassen dafür weniger gezahlt wird, so kann jeder Kunde für seine Verhandlungen das Festgehalt aufgreifen, das er bisher bezahlt hat oder das er künftig bereit ist zu zahlen.

So wird der Kunde dem international versierten Controller aus unserem Beispiel in einer Festanstellung sicher um 100.000 Euro bieten müssen. Ein angemessener Marktpreis für einen Interim Manager, der diese Aufgabe für eine begrenzte Zeit übernehmen soll, wird daher um 800 Euro am Tag plus Spesen und MwSt. liegen.

Ein Interim Manager, der mehr vom Kunden verlangt, wird dafür gute Argumente liefern müssen, aber genau diese womöglich in der Hinterhand haben. Solche Argumente können für den internationalen Controller weitere Sprachkenntnisse sein oder aber z. B. Erfahrungen im Sarbanes Oxley Act, die der Kunde für sich nutzen kann. Es steht dem Kunden dann frei, den Preis dennoch abzulehnen, weil er diese zusätzlichen Qualifikationen nicht benötigt.

Klar wird so aber auch, weshalb ein Interim Manager diese Aufgabe in aller Regel ablehnen wird, wenn der Kunde ihm ein Entgelt von 500 Euro – all inclusive! - anbietet.

Sicher, es gibt Ausnahmen: Ein Interim Manager möchte unbedingt Leerzeiten vermeiden, aus welchen Gründen auch immer, und steigt deshalb auf einen Preis unter Markt ein. Oder ein Kunde zahlt in tiefer Überzeugung einen überhöhten Preis, weil er glaubt, nur der teuerste sei für ihn in seiner besonderen Situation der beste Interim Manager.

Ebenso sicher ist: Noch während der Laufzeit des Interim-Projektes wird eine der Parteien unzufrieden sein. Im ersten Fall ist es der Interim Manager, dessen monatliche Abrechnung regelmäßig die verschorfende Wunde „Hungerlohn“ erneut aufreißen lässt. Im zweiten Fall ist es der unternehmensweit kostensenkende Kunde, dem die Unterschrift unter die Abrechnung des Interim Managers von Monat zu Monat schwerer fällt.

In der besonderen Situation, in der sich der Kunde befindet - anderenfalls bräuchte er keinen Interim Manager - ist beides eine ungesunde Basis:

Hungerlohn ebenso wie Abzocke.

Friday, May 21, 2010

ICH VERMARKTE INTERIM MANAGER - NIEMANDEN SONST

Fotograf: PolluxTSIch lebe vom Feedback - vor allem dem Feedback meiner Kunden: Interim Manager und Unternehmen. Feedback beinhaltet meist gute Ideen oder andere Sichtweisen, die wir in aller Regel nutzen können, um besser zu werden.

So weit, so gut. So weit, so trivial.

Nach der Freischaltung von Easy-Know-how rief mich ein Interim Manager an, den ich sehr schätze: Er stellte mir die Frage, ob ich nicht Gefahr liefe, mich dem Vorwurf auszusetzen, mich eher selbst als andere zu vermarkten. Er wisse zwar, dass das nicht so sei, aber andere?

Ich wusste zunächst überhaupt nicht, worauf dieser Interim Manager abzielte.

„Sie tauchen doch selbst als einer der Auserwählten auf bei Easy-Know-how! Und dann gleich zweimal!“

Donnerwetter! So hatte ich das noch gar nicht gesehen.

Tatsächlich habe ich mein Profil für Easy-Know-How an zwei Stellen am Marktplatz vorgehalten. Ganz ohne jeden Zweifel und sichtbar aber als Öffner für zwei Türen: Die Tür zur DGKM beim Thema „Senkung der Allgemeinkosten“; und die Tür zu anderen Interim Managern für Themen, die wir möglicherweise bei Easy-Know-how noch nicht abdecken, und die ein solches Thema dann abdecken können.

Aber doch nicht, um eigene Mandate zu akquirieren!

Das kann ich auch gar nicht: Ich führe MANATNET mit allem drum und dran, aber ich mache keine Interim-Mandate. Hierfür gibt es zwei entscheidende Gründe:

1. Mir fehlt das Spezialistenwissen (es sei denn, ein Klient möchte einen Internet-Markplatz aufbauen).
2. Mir fehlen die Kapazitäten.

Kaum vorstellbar, dass ich mich am Markt trotz mangelnder Kenntnisse durchbluffen könnte. Völlig unvorstellbar, dass ich ein Interim Mandat annehme und gleichzeitig noch die Zeit finde, MANATNET zu führen. Zudem: Die Interim Manager würden mich kreuzigen!

Trotzdem - und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen - habe ich mein Profil bei Easy-Know-how entfernt. Denn:

Ich vermarkte Interim Manager - niemanden sonst.

Friday, May 14, 2010

UNERTRAEGLICHER MUELL

Fotograf: GrünlandSo alle paar Monate kommentiere ich einen Beitrag in FAZ.NET: Ich möchte meine Meinung in einem großen und kritischen Umfeld äußern und sehen, wie die anderen reagieren – genauer, wie oft mein Beitrag im Vergleich zu anderen gelesen wird und wie er dann von den Lesern bewertet wird.

Dabei erkenne ich eindeutig, dass ein „hingerotzter“ und inhaltlich dünner Beitrag in FAZ.NET nicht gut ankommt, selbst wenn die Redaktion ihn freigegeben hat (und das muss sie).

Ebenso eindeutig erkenne ich die Macht der Headline: Eine starke Headline bringt die Leser dazu, den vollständigen Kommentar aufzurufen – einer schwachen Headline gelingt das eben nicht. Das gilt exakt so auch für die „Persönlichen Headlines“ der Interim Manager am Marktplatz MANATNET, die die potenziellen Kunden dazu bewegen sollen, das fachliche Profil aufzurufen.

Meine Antwort auf Ernst Pöppels Beitrag „Facebook ist Selbstprostitution“ hatte ich überschrieben mit:

Unerträglicher Müll.

Friday, May 07, 2010

INTERIM MANAGEMENT BRAUCHT FRISCHEN WIND - ODER EBEN NICHT

Fotograf: ConiaricGestern um 10.00h war es dann so weit. Wir haben Easy-Know-how am Marktplatz MANATNET life geschaltet. Zugegeben: Ich bin ein wenig matt heute.

Das bisherige Feedback reicht von „Das hat den Touch von Stundenhotel!“ über „Wieder einmal haben sie eine Marktlücke aufgemacht und die Initiative ergriffen, um hierfür ein Angebot zu erstellen“ bis „Das ist eine sau coole Idee!“.

Die Presse stürzte sich gestern auf unsere Mitteilung in einem Umfang, der sich nur mit der Reaktion auf die Nachricht „MANATNET schafft den Solidaritätsabschlag ab“ vergleichen lässt. Und die Zugriffszahlen auf www.manatnet.com gingen durch die Decke.

Soweit so gut. Soweit so schön.

Dennoch: Nun stellen wir uns den tatsächlichen Marktgegebenheiten - und es wird sich zeigen müssen, ob wir die Verhaltensmuster im Mittelstand richtig einschätzen - oder eben nicht.

Ob der Druck auf den Mittelstand so weit zugenommen hat, dass er sich neuen Wegen öffnen muss - oder eben nicht.

Ob der einfache Zugang zum Spezialistenwissen eines Fremden inzwischen mit dem einfachen Zugang zum Allgemeinwissen eines guten Bekannten, wenn nicht Freundes, konkurrieren kann – oder eben nicht.

Ob der Markt von einem Provider mehr verlangt als das schlichte Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage – oder eben nicht.

Und schließlich werden wir wissen:

Interim Management braucht frischen Wind – oder eben nicht.

Friday, April 30, 2010

WO BLEIBEN DIE INNOVATIONEN IM INTERIM MANAGEMENT?

Drawing by Terry Marks-TarlowDer abschließende Satz unserer Pressemitteilung vom 23. April hatte es angekündigt: „Und wir werden im nächsten Monat eine weitere Innovation bringen.“ Für den Mittelstand.

Wir hören sehr genau zu, was der Mittelstand will – und was nicht. Daher wissen wir, dass der Mittelstand die Kommunikation einstellt, wenn die Tagessätze (aus seiner Sicht) absurde Höhen erreichen. Wen eigentlich kann das wundern – wenn die flächendeckende Maxime auch für dieses Jahr (!) heißt: Kosten runter! (Zuletzt bestätigt durch eine Umfrage von Roland Berger).

Das sind Qualen für den erfolgs- und margenverwöhnten Mittelstand. Nicht zuletzt deshalb haben wir intern unserem neuen Angebot den Arbeitstitel TANTALUS verpasst.

Der Wettbewerb möge mir am Ende der nächsten Woche verzeihen, wenn ich ihn mit diesen Ausführungen auf die falsche Spur gesetzt habe.

Vielleicht ist der Arbeitstitel auch nur ein Ergebnis meiner eigenen menschlichen Unzulänglichkeit. Ein selbst gebastelter Schild gegen meine ganz persönliche Qual. Verursacht durch so viele Wettbewerber, allesamt in markiger Kommunikation selbst als „marktführend“ geschmückt – während sie im Dienstleistungsportfolio nur traditionelle, dafür allerbeste „Me-too-Manier“ anbieten.

Ich denke, das Interim-Geschäft in Deutschland hat sich etabliert? Dann aber bleibt die Frage:

Wo bleiben die Innovationen im Interim Management?

Friday, April 23, 2010

EINE KOMFORTABLE LAGE IM KRIEGSGEBIET

Fotograf: Kersten Studenski, Der Schwan im SeeEinen Interim Manager als Controller sucht ein Kunde – idealerweise mit Erfahrung in der Luftfahrt in weitestem Sinne.

Eine Standard-Anfrage bei MANATNET – wäre das nicht das „idealerweise“.

Die Datenbankabfrage ergibt in weniger als einer Sekunde: Zwei Interim Manager kommen für diese Anfrage in Betracht.

Wir rufen die Unterlagen dieser Interim Manager auf. Wir stellen fest, dass der Lebenslauf eines dieser Interim Manager aus dem Sommer 2006 datiert. Wir stellen fest, dass wir diesen Interim Manager bereits gebeten hatten, seinen Lebenslauf zu aktualisieren: Welcher professionelle Provider würde seinem Kunden im April 2010 solch ein Dokument präsentieren. Schlüsselanforderungen wie „US-GAAP“, „SAP“ oder „SOX“ kommen zudem im Lebenslauf nicht vor.

Die Zeiten sind nicht einfach. Interim-Projekte sind rar. Wir möchten den Interim Manager deshalb nicht außen vor lassen.

Wir schreiben ihn an und lassen uns die Verfügbarkeit bestätigen. Eine völlig überflüssige Arbeit, halten wir doch in unserer Datenbank das Feld „Verfügbarkeit“ vor. Nur pflegen es die wenigsten Interim Manager! Unfassbar!

Der Interim Manager bestätigt uns seine Verfügbarkeit und auch, dass das ein genau auf ihn passendes Mandat sei.

Ich weise ihn auf den veralteten Lebenslauf hin und bitte ihn um die aktuelle Version, die bei der Gelegenheit gleich auf die fehlenden Schlüsselwörter „US-GAAP“, „SAP“ und „SOX“ und „idealerweise“ auch intensiv auf seine Erfahrung in der Luftfahrt eingeht.

Der Interim Manager klärt mich auf, dass „möglicherweise die von Ihnen genannten Begriffe wie US-Accounting sowie SAP-Kenntnise nicht so ohne Weiteres aus meinem Lebenslauf zu erkennen sind. Allerdings gehen diese Dinge aus meinen Arbeitszeugnissen hervor.“ Und weiter:

„Wo Sie Recht haben, ist der Begriff SOX. Damit kann ich nichts anfangen.(!) Sollten Erfahrungen in diesem Punkt "kriegsentscheidend" sein, müssen wir die Angelegenheit nicht mehr weiter verfolgen. Ich bin "Gott sei Dank" in der komfortablen Lage, dass ich ein Projekt annehmen kann aber nicht muss.“

Tief verblüfft ob der komfortablen Lage im „Kriegsgebiet“ antworte ich dem Interim Manager:

„Ich denke, SOX ist in diesem Fall "kriegsentscheidend". In jedem Fall und immer ist "kriegsentscheidend", dass Ihr Lebenslauf alle relevanten Informationen vorhält. Kein Kunde sucht sich die Informationen aus Ihren Zeugnissen zusammen.

Sicher habe ich es falsch eingeschätzt, dass Offenheit in jedem Fall als hilfreich angesehen wird, denn ich erhielt nur Minuten später die Antwort:

Möglicherweise haben Sie Recht. Allerdings glaube ich nicht, dass alle "relevanten Daten" (für jeden subjektiv interpretierbar) in einem noch so aufwendigen Lebenslauf zu dokumentieren sind. In der finalen Entscheidung spielen nach meiner Erfahrung die Arbeitspapiere sehr wohl eine gewichtige Rolle. Bitte nehmen Sie mich einfach aus Ihrer Internet-Plattform wieder komplett heraus und streichen Sie mich als verfügbaren Interim-Manager. Mir scheint, dass Ihr Forum nicht das Richtige für mich ist. Das spart Ihnen und mir zukünftig Zeit.“

Donnerwetter! Tatsächlich: Eine komfortable Lage im ‚Kriegsgebiet’.

Friday, April 16, 2010

BESCHEIDENHEIT SEI DES PROVIDERS ZIER

Fotograf: ja-bossUnd wieder arbeiten wir an einer neuen Idee im Interim Management. Für den Mittelstand.

Wie immer mache ich das Konzept. Dann stelle ich das Konzept zur Diskussion, genauer: Ich bitte einige wenige sehr vertraute Menschen um kritisches Feedback – am besten mit dem Ziel, das Konzept zu „zerhämmern“.

Das Feedback – denn darum geht es – verändert das Konzept. So lange, bis ich denke: So kann´s gehen.

Dann teste ich das Konzept in der „final version“ (so nenne ich das immer, auch, um mich selbst zu motivieren) mit einer Handvoll Marktteilnehmer.

Dieses Mal erhalte ich ein sehr indifferentes Ergebnis. Als Angestellter würde ich jetzt unser Vorhaben stoppen.

Als Unternehmer werde ich genau das nicht tun: Ich werde den Markt entscheiden lassen.

Während dieser Überlegungen erhalte ich einen Hinweis auf einen Anbieter im Interim Management – mit der Frage: „Kennst Du den?“ Nein, ich kenne ihn nicht. Ein befreundetet Interim Manager sagt mir auf meine Frage, das sei „ein Provider, der so richtig im Jahr 2009 aktiv geworden ist.“

Aha, mitten in der Wirtschaftskrise. Respekt! Laut Site gehört das Unternehmen zu den „führenden Netzwerken für Interim Manager“.

Schon wieder einer.

Mir kommt der Asbach-uralte Gag in den Sinn:

Sechs Schneider haben ihre Läden alle in ein und derselben Straße. Die Zeiten werden schwer (damals schon!) und der Wettbewerb nimmt zu. Also: Werbung muss her, um sich von den anderen abzusetzen.

„BESTER SCHNEIDER DER STADT“ – nagelt der erste ein farbenfrohes Schild über die Tür.

„BESTER SCHNEIDER DES LANDES“ – kontert der zweite Schneider schneidig.

„BESTER SCHNEIDER EUROPAS“ – schreit in glitzernden Lettern das Schild des dritten Schneiders.

„BESTER SCHNEIDER DER WELT“ – strotzt der vierte Schneider mit vor Stolz berstender Brust.

Und doch:

„BESTER SCHNEIDER DES UNIVERSUMS“ – holt der fünfte zum finalen Schlag aus.

Oh je, armes Schneiderlein mit der Startnummer 6!

Ein kleines Männlein klettert auf seine Leiter. Es rollt ein schlichtes Transparent aus:

„Bester Schneider in dieser Straße“.

Bescheidenheit sei des Providers Zier.

Friday, April 09, 2010

SCHALMAIENKLAENGE IM INTERIM MANAGEMENT

Foto: Flöte von Steve EvansLassen wir die Kirche im Dorf: Die Münsterländische Volkszeitung ist sicher ein respektables Blatt - ebenso sicher gehört sie nicht zu den führenden Zeitungen in Deutschland. Dafür erscheint sie am Sitz der DDIM.

Dennoch wurde in den vergangenen Tagen der Artikel „Interim Manager spüren bessere Stimmung - Unternehmen starten durch“ (abgerundet mit dem sonnigen Satz „Jetzt merken die Interim Manager deutlich die Frühlingsstimmung.“) über so ziemlich alle Kommunikationskanäle verbreitet: Google-Alerts, XING, twitter - um nur die wichtigsten zu nennen.

So erreicht man zumindest die Interim-Szene - ob die Kunden über die Münsterländische Volkszeitung, Google-Alerts, Xing oder twitter erreicht werden, bezweifle ich - durchaus in einem Gefühl des tiefen Bedauerns.

Und die Szene liest: Hey, alles wird wieder gut! Und der interessierte Interim Manager wundert sich, dass gerade er nichts davon spürt.

Dann geht hier das Telefon („klingeln“ kann man heutzutage nicht mehr schreiben!) und E-Mails schlagen auf. Und zwingen mich zur Kommunikation. Das ist kein Bedauern meinerseits, das ist Fakt.

Ich empfehle dann nahezu gebetsmühlenartig, in solchen Artikeln nach Zahlen zu suchen. Und siehe da: Wenn wir von den obligatorischen Schätzungen zur Anzahl der Interim Manager und zum Marktvolumen absehen, dann liefert der Artikel nur eine einzige Zahl. Und genau darin spiegelt sich das aktuelle Dilemma wider:

„Viele Kollegen haben jetzt schon in den ersten zwei Monaten über 50 Prozent der Anfragen, die sie im ganzen vergangenen Jahr verzeichnen konnten. Allerdings ist es schwer, die Tinte unter das Papier zu bekommen.“

Aber stopp! Nicht einfach weiterlesen: Lesen wir das stattdessen mal kritisch – und zwar als Insider:

„50 Prozent der Anfragen, die sie im vergangenen Jahr bekommen haben.“ Im vergangenen Jahr ist der Markt jedoch um irgendwo zwischen 25 und 35 Prozent eingebrochen. Das ist inzwischen unstrittig. Nun mag es Einzelfälle exklavischer Sonderkonjunkturen gegeben haben - bei Interim Managern ebenso wie Providern: Für die Breite des Marktes gilt das jedoch nicht. Daher ist es völlig falsch, anzunehmen, die Interim Manager würden nunmehr mit Anfragen zugeschüttet. So berichten die Interim Manager von Ludwig Heuse, immerhin einem der renommiertesten Provider in diesem Land, von durchschnittlich 3,5 Anfragen (!) in 2009 – 27,5 Prozent weniger als in 2008: da waren´s 4,8.

Wenn man mag, kann man das so sehen: Auf dieser Basis haben viele (also nicht alle oder die meisten) Interim Manager laut Münsterland-News in den ersten zwei Monaten im Schnitt bereits 2 Anfragen bekommen - großzügig aufgerundet.

Hey!

Selbst bei wenig intellektuell fordernder und linearer Hochrechnung (die Sommermonate lassen wir außen vor) werden viele (also nicht alle oder die meisten) Interim Manager etwa 8 Anfragen erhalten. Und das heißt noch lange nicht, dass aus einer Anfrage ein Auftrag wird. Selbst die Münsterländische Volkszeitung gibt zu, es sei „schwer, die Tinte unter das Papier zu bekommen.“

Bei einer Lead-to-Deal-Quote von durchschnittlich 6:1, manche berichten von 10:1, können viele (also nicht alle oder die meisten) Interim Manager mit einem einzigen Mandat rechnen. Ein solches Mandat hat dann typischerweise eine Laufzeit von sechs Monaten und garantiert somit eine Auslastung von 120 Tagen, vielleicht ein wenig mehr.

Das, glaubt die Münsterländische Volkszeitung, reiche aus, um bei Interim Managern Frühlingsgefühle zu entfachen?

Ich rate zu mehr Bescheidenheit! Ich nenne so etwas:

Schalmaienklänge im Interim Management.

Friday, April 02, 2010

ICH BAUE AUF PHILLIP

Heute wird mein Sohn zwanzig. Phillip ist ein Kind der „Neuzeit“ - wie jeder Zwanzigjährige immer ein Kind der Neuzeit sein wird: aus der Perspektive der deutlich Älteren.

Aber mein Sohn hat schon Bemerkenswertes erlebt: Die Deutsche Einheit, die Internet-Blase, den 11. September, zwei Golfkriege und erst kürzlich – angereichert durch Winnenden – die Bankenkrise sowie in deren Huckepack die schwerste Wirtschaftskrise seit jenen dunklen Zeiten, die nur noch die ganz deutlich Älteren aus eigener Erfahrung kennen. Zur Rettung der durch unverantwortlich handelnde Manager taumelnden Wirtschaft haben wir ihm Schulden aufgehalst, für die wir uns in Grund und Boden schämen sollten. Davon jedoch spürt er nichts. Und schließlich, welche elementare Symbolik!, in seiner Geburtstagswoche hat er den simulierten (quasi-) Urknall in der Schweiz miterleben können - aus der Distanz, wie der Rest der Menschheit, 4.000 internationale Forscher in Genf einmal ausgenommen.

Und auch das hat Phillip bereits erleben können: Werbe-suggerierte Scheinwelten, Gleichgültigkeit, Egoismus, Gier, Aggression – und eine zum Teil überbordende Dummheit in unserem Land, gepaart mit einem Verrohen der Sitten in einer trudelnden Wertewelt.

Aber bitte: Doch jetzt keinen Trübsinn! Der Frühling ist da! Bäume und Blumen knospen und drängen ihr frisches Grün in den nach Farbe lechzenden Tag. Wir leben auf!

Im März ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 75.000 auf 3,57 Millionen gesunken. Das waren 18.000 weniger als vor einem Jahr. Erstmals seit einem Jahr ist die Arbeitslosenzahl damit auch im Vorjahresvergleich wieder gesunken. Gnädig sehen wir über die kosmetische „Anpassung“ der Statistik hinweg – denn:

Heureka! Der Frühling ist da. Bäume und Blumen knospen und drücken ihr frisches Grün in den nach Farbe hechelnden Tag. Wir leben auf!

Der ifo-Index stieg deutlich und das auch noch überraschend. Zwar aufgrund der Erwartungen an die Zukunft, nicht jedoch aufgrund einer besseren Lage in der Wirtschafts. Dennoch:

Heissa! Der Frühling ist da. Bäume und Blumen knospen und injizieren ihr frisches Grün in den um Farbe wimmernden Tag. Wir leben auf!

China erwartet ein Wachstum von 12 Prozent im ersten Quartal 2010.

Deutschland wird sich wohl ganz begeistert und selbstverliebt in einem Zwanzigstel dieses Wertes sonnen. Und wir werden uns diese mikroskopischen Knospen zur fulminanten Kirschblüte schönreden. Wenn schon nicht mehr im Export: Darin sind wir noch immer unschlagbar!

Es ist an der Zeit, dass wir über unsere Maßstäbe in diesem Land nachdenken, über unsere Werte und über unser Handeln. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass die Generation, die aktuell in diesem Land das Sagen hat, dazu noch in der Lage ist.

Ich baue auf die Generation nach mir.

Ich baue auf Phillip.

Friday, March 26, 2010

KEIN GELD, PLATTE LEUTE UND VIELE FEHLER

Im Interim Management-Geschäft spricht man wirklich viel mit Kundenunternehmen. Und die meisten Kunden sind während dieser Gespräche offen und ehrlich.

So schnappe ich regelmäßig Informationsfetzen auf, die ich dann in den Hinterkopf nehme, um sie dann im Rahmen anderer Gespräche zu verifizieren.

Aus meiner Sicht ist verifiziert: Viele Unternehmen möchten gern Interim Manager nutzen, weil sie bergeweise Arbeit auf dem Tisch haben. Erst kürzlich beschrieb mir ein Kunde seinen idealen Interim Manager als „Schaffer“. Er brauche jemanden, der ihm die Arbeit „wegschafft“: Damit Themen, die ganz oben auf der Agenda stehen (mitunter hat sie die Hausbank dort hingeschoben) endlich erledigt werden.

Dann aber können die Kunden die Budgets nicht bekommen, um einen solchen “Schaffer“ zu bezahlen. Hierbei geht es keineswegs darum, einen Tagessatz von 1.200 Euro auf 1.000 oder gar 800 Euro zu drücken: Stattdessen können sie sich überhaupt keinen Tagessatz leisten. Und somit bleiben die Berge von Arbeit bei den vorhandenen Mitarbeitern auf dem Tisch liegen.

Und damit sind wir bei einem neuen Phänomen, das um sich zu greifen scheint: Mitarbeiter brechen zusammen.

Selbst die weitgehenden Regelungen für Kurzarbeit in Deutschland (nicht für die Tochtergesellschaften im Ausland!) konnten es nicht verhindern, dass die Unternehmen Mitarbeiter abgebaut haben. Sicher gibt es in der Produktion weniger zu tun, wenn die Umsätze im satten zweistelligen Bereich einbrechen. Aber jeder, der weiß, wie Unternehmen intern funktionieren, der kennt auch die enormen Beharrungskräfte, die in Unternehmen wirken.

Deshalb haben die verbliebenen Mitarbeiter in wirtschaftlich schwierigen Zeiten regelmäßig mehr Arbeit auf dem Tisch als vorher, denn sie müssen die Arbeit der ehemaligen Kollegen auffangen – und sei’s auch nur teilweise.

Aber diese Wirtschaftskrise wird als seit Menschengedenken beispiellos beschrieben - und möglicherweise haben die Unternehmen übertrieben: Ich höre von Mitarbeitern, die 17 Stunden täglich arbeiten. Ich höre von Mitarbeitern, die physisch am Ende sind und daher von den Ärzten aus dem Verkehr, vulgo Unternehmen, gezogen werden. Ich höre von einem kompletten Team, das ausgefallen ist.
Das wiederum verschärft die Situation für die Mitarbeiter an Bord weiter, denn irgendjemand wird nun auch noch deren Arbeit erledigen müssen.

Ich höre von Unternehmen, die vor einem halben Jahr für Ihre fehlerfreie Qualität ausgezeichnet wurden – und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres von ihren Kunden weit über 150 Reklamationen erhalten haben.

Das kann ja heiter werden!

So mixt man Sprengstoff für´s eigene Unternehmen:

Kein Geld, platte Leute und viele Fehler.

Friday, March 19, 2010

SO EINFACH IST DAS

Regelmäßig werde ich auf meine Reaktionszeiten angesprochen – und dann beinahe ausnahmslos mit unterschwelliger Bewunderung für ein Verhalten, dass ich selbst als hochgradig normal ansehe. Seltsam.

Doch da ist es wieder: Fremdbild versus Eigenbild!

Vorgestern war´s erst wieder soweit und gestern erhielt ich obendrein eine Mail im Tenor: „Ich bin schwer beeindruckt von Ihren Arbeits- und Reaktionszeiten. Ich wünsche Ihnen, dass das Ihre Gesundheit und Ihre Familie mitmacht.“

Schon recht.

Dennoch frage ich mich, weshalb „draußen“ als außergewöhnlich ankommt, was „innen“ ganz selbstverständlich ist.

Ich denke, dafür gibt es einen simplen Grund: Mails sind für uns per Definition wichtig.

Der Vorteil des eigenen, kleinen und hochtechnischen Unternehmens ist, dass es keine „internen Dinge“ gibt wie z. B. endlose Meetings oder interner Mailverkehr unter der Überschrift „Ich brauch´ mal ganz schnell“ – von CC-Mails oder „FYI“-Geschwalle aus der Tastatur von Wichtigtuern mal ganz abgesehen. Im Kern gibt es somit keine internen Mail-Müll (und nebenbei: auch keine solchen Zeitfresser).

Nachdem also kein interner Kram den Posteingang verstopfen kann, bleiben nur noch die unsägliche Verkaufsförderungen für Viagra und Cialis und billige Nachbauten von Markenuhren sowie Penisverlängerungen - und nicht zu vergessen der wöchentliche Millionengewinn in Online-Lotterien und als regelmäßiges Glanzlicht die Millionenerbschaften aus Afrika oder Irak übrig: Ausnahmslos fallen sie unserem Spamfilter zum Opfer.

Damit kommen hier praktisch nur Mails von Kunden an – von Interim Managern oder Unternehmen.

Und damit stellt sich eine simple Frage: Wenn ich meinen Kunden nicht schnell antworten will – wem denn dann?

So einfach ist das!

Friday, March 12, 2010

MEINEN AUFTRAG BEKOMME ICH UEBER INTERIM-PROVIDER

Heute beende ich meine kleinen Reihe, die ich am 5. Februar begonnen habe: „Interim-Jobber“ oder „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“. Und – nicht zufällig endet meine Reihe beim Interim Management-Provider.

Ich verstehe das sehr gut, denn immerhin habe ich über 25 Jahre in einer Festanstellung gearbeitet. Da ist es ein völlig ungewohnter Gedanke, dass man sein Gehalt selbst „´reinverdienen“ muss. Okay, es gibt oftmals variable Gehaltsanteile. Aber seien wir ehrlich: Letztlich gehen diese Anteile immer „on top“. Also: Irgendwer schafft irgendwo im Unternehmen irgendetwas, für das dann irgendein Kunde irgendwo irgendwieviel bezahlt – und damit auch mein Gehalt.

Im Interim Management ist das nicht so: Wer hier kein Mandat hat, hat folglich auch keinen Cashflow – gemeint ist: Keinen Cash-inflow: Gar keinen! „Interim Jobber“ wissen das nicht. Daher erwarten sie, dass ein Dritter – wie gewohnt – für ihr Cash-in sorgt. Ja, ich weiß: Das klingt sehr böse! Deshalb erkläre ich offen: Niemanden möchte ich beleidigen oder gar angreifen. Dennoch ist es so.

Die Aufgaben dieses Dritten sollen die Interim-Provider übernehmen, denn davon hat man gehört und mitunter auch im Internet erfahren: Eine Art Steigbügelhalter für den Sprung in den Sattel der nur zeitweise ausgesetzten Festanstellung. Damit, jedoch, sind alle Interim Provider restlos überfordert, denn seit Jahren sackt die Quote der Interim Manager, die nach dem Mandat in eine Festanstellung beim Klienten schlüpfen (Sprachgebrauch: „übernommen werden“), kontinuierlich ab: Waren das im Jahr 2006 noch 16 % (Quelle: AIMP), würde es mich nicht überraschen, wenn diese Quote im vergangenen Jahr kaum noch 5 % erreichte. Dafür gibt es gute Gründe, auf die ich hier und jetzt aber nicht eingehen kann.

Wir müssen festhalten, dass nicht nur im deutschen Markt das Interim-Geschäft zu einem großen Teil durch eigen-akquirierte Mandate der Interim Manager bestimmt ist. Nun mag man streiten, ob 25 Prozent, ein Drittel oder noch mehr „über Interim-Provider kommen“. Nehmen wir für unsere kleine Reihe sogar an, dass die Hälfte über Interim-Provider den Interim Managern zugeführt wird. Dann gilt:

Selbst wenn alle Irrtümer der „Interim-Jobber“, auf die ich hier in den letzten Wochen eingegangen bin, nicht zuträfen: Über Interim Management in eine Festanstellung zu gelangen hätte dennoch nur eine Erfolgswahrscheinlichkeit von um die 2,5 % - sicher nicht ein empfehlenswerter Weg.

Wenn wir dann die vorher behandelten Irrtümer doch noch einmal berücksichtigen, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit gegen Null – und somit ist das eigentliche Ziel der „Interim-Jobber“ über Interim-Provider nicht zu erreichen.

Sicher, es gibt hin und wieder Ausnahmen – wie stets. Aber kein Profi wird einem „Interim-Jobber“ zustimmen, wenn dieser mit der Festanstellung vor Augen glaubt:

Meinen Auftrag bekomme ich über Interim-Provider.

Friday, March 05, 2010

INTERIM MANAGER BEKOMMEN IHREN AUFTRAG SCHNELL

Weiter geht´s mit meiner kleinen Reihe, die ich am 5. Februar begonnen habe: „Interim-Jobber“ oder „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“. Irrtümer und Wahrheiten aus der Sicht eines Interim Management Providers.

„Interim Management geht ganz schnell, immerhin ist das ist ja der Sinn der Sache. Also bekomme ich auch ganz schnell einen Auftrag. Denn: Die Kunden sind von den Vorzügen des Interim Managements überzeugt und besonders die grundsätzliche Befristung des Auftrags samt leichter Kündigungsmöglichkeiten beeindrucken die Unternehmen“, so das Credo Nummer vier der „Interim-Jobber“.

In der reinen Lehre richtig, erweist sich diese Erwartungshaltung jedoch in der Praxis als falsch – wesentlich öfter als man glauben mag.

Vorab: Auch das Interim Management hat ein Vertriebscontrolling und auch dort gibt es eine „Lead-to-Deal-Ratio“ – also eine Erfolgsquote, die definiert, wie viele Anfragen durchschnittlich erforderlich sind, um zu einem Abschluss zu gelangen. Laut AIMP betrug diese „Lead-to-Deal-Ratio“ in den Jahren 2006 bis 2008 jeweils 5:1. Fünf Anfragen waren also erforderlich für einen Abschluss – oder anders herum: Die Arbeit für vier Anfragen konnte man am Ende in die Tonne treten. Ich bin davon überzeugt, dass die neue AIMP-Umfrage für das Jahr 2009 deutlich schlechtere Werte offen legen wird.

Nun ist es die eine Seite, ein „Nein“ oder „Machen wir nun doch nicht“ zu erhalten – denn jeder Profi im Vertrieb weiß, dass er nicht alle Leads gewinnen kann. Jeder Profi im Vertrieb ist daher froh, wenn er dieses „Nein“ möglichst schnell bekommt, ermöglicht es ihm doch, die Kapazitäten anderen Leads zu widmen.

Und das ist die zweite Seite im heutigen Interim-Projektgeschäft: Dieses „Nein“ kommt sehr spät. Anfragen kommen, Kandidatenprofile werden geliefert – und dann geschieht gar nichts mehr.

Unsägliche Abstimmungsprozesse beim Kunden, regelmäßig unterbrochen durch Urlaube irgendeiner an eben diesem Abstimmungsprozess beteiligten Person; Änderungen der Anforderungen an die Interim Manager, geboren in erfrischenden Ex-post-Diskussionen während der Abstimmungsprozesse; Auswahlprozesse, plötzlich reaktiviert durch Bei- oder Aufsichträte, die am Ende des Abstimmungsprozesses innovativ eigene, „gut bekannte“ Kandidaten aus dem Hut zaubern. Diese Liste ließe sich in einer Weise fortsetzen, die die Usancen im Blog verletzen würde.

Im Ergebnis aber führt dies dazu, dass das historisch geprägte Bild des Interim Managements, „Sie haben Ihren Interim Manager in spätestens einer Woche an Bord – und wenn es sein muss, auch schon übermorgen!“, in sich zusammengefallen ist. Statt dessen stellen wir fest, dass es längst nicht mehr ungewöhnlich ist, wenn zwischen erster Anfrage und der Arbeitsaufnahme vor Ort beim Kunden drei Monate ins Land gegangen sind. Ein Schelm, der jetzt fragt: „Wofür dann überhaupt noch Interim Management?“

In jedem Fall gibt es im gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfeld nichts, was es nicht gibt - außer:

Interim Manager bekommen ihren Auftrag schnell.

Friday, February 26, 2010

GEGEN INTERIM-PROFIS VERLIEREN INTERIM-JOBBER IMMER

Am 5. Februar habe ich hier eine kleine Reihe begonnen: „Interim-Jobber“ oder „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“. Interim Management - Irrtümer und Wahrheiten.

Die dritte der fünf Erwartungen, mit der „Interim-Jobber“ typischerweise bei MANATNET anklopfen, ist mein Thema heute:

Regelmäßig bisher beruflich erfolgreich, unterstellen die „Interim-Jobber“, dass sie auch im Interim Mandat erfolgreich sein können.

Vorher stellt sich jedoch eine ganz andere Frage: „Komme ich überhaupt ´ran an solche Interim Mandate?“ Mit dieser Frage beschäftigen sich die „Interim-Jobber“ nicht. Im festen Glauben, dass sie sich statt auf einen unbefristeten nunmehr auf einen zeitlich befristeten Job „bewerben“ müssen, entgeht es ihnen, dass sie sich eben nicht auf einen Job bewerben, sondern ihrem Kunden (dem Unternehmen) ihre eigene, auf das Mandat bezogene Lösungskompetenz „verkaufen“ müssen.

Und: So leid es mir tut, kaum ein „Interim-Jobber“ kann sich selbst verkaufen. Ich erkenne das nicht zuletzt an Hilflosigkeit reflektierenden, standardisierten Bewerbungsschreiben, die auffallend oft beginnen: „Mit diesem Schreiben lernen Sie den <Platzhalter> kennen, die/der …“

Und dann geht es los mit der Atem-raubenden Aufzählung der eigenen Leistungsfähigkeit – gespickt mit überbordend verstärkenden Adjektiven auf der aktuellen, nach oben offenen Popularitätsskala. Und das klingt dann so (Zitat):

„Mit dieser Bewerbung lernen Sie den präzise vorgehenden, lösungsorientierten und durchsetzungsstarken Projektleiter Produktion / Abteilungsleiter Fertigungsplanung / Fertigung kennen, der mit seinem hohen technischen Verständnis, seiner klaren Zielorientierung fordernd und fördernd in der Führung seiner Teams und koordinierend und ausgleichend auch in schwierigen Situationen im Umgang mit seinen Kunden und Lieferanten bei klarer Verfolgung der gesetzten Ziele nachweisbare Erfolge erzielt hat.“

Puh! Wen immer so etwas beeindruckt: Klienten, die einen Interim Manager suchen, sicher nicht!

Im Wettbewerb um Interim-Mandate schaut sich jeder Klient, der einigermaßen bei Sinnen ist, mehr als nur einen Interim Manager an. Wen aber schaut er an?

Auch hier gibt es eine „Short-List“ auf Seiten der Kunden. Das bedeutet: Ein Interim Manager muss zunächst einmal auf die „Long-List“ beim Kunden kommen und dann die Vorauswahl überstehen.

Auf die „Long-List“ kann ein Interim Manager nur kommen, so platt das klingt, wenn er vom jeweiligen Mandat überhaupt erst einmal erfahren hat. Und das wiederum verlangt zwingend: Akquisition in eigener Sache – systematisch und professionell, keineswegs nur opportunistisch. Damit einher gehen Aufwand, Ausgaben, Zähigkeit und Enttäuschungen.

Auf die „Short-List“ kommt ein Interim Manager jedoch überhaupt nur dann, wenn der Lebenslauf (der „Verkaufsprospekt in eigener Sache“) deutlich macht, dass der Interim Manager genau (!) das kann, was der Klient benötigt – und das, ja tatsächlich, zu einem Preis, den der Klient zahlen kann oder möchte.

Und damit steht der Interim Manager dann im Wettbewerb mit allen anderen Kandidaten auf der „Short-List“: In aller Regel sind das drei bis fünf Kandidaten.

„Interim-Jobber“ werden gegen Interim Professionals auf der „Short-List“ nur selten gewinnen können – aus einem simplen Grund: Interim Professionals mit Projekterfahrung reduzieren die latente Unsicherheit beim Klienten, denn der Kopf des Kunden hält fest: „Die haben ja schon einige Projekte erfolgreich erledigt, dann werden sie doch wohl auch unsere Aufgabe stemmen.“

Das bedeutet nicht, das Neueinsteiger ins Interim-Geschäft chancenlos sind, denn für die ersten Schritte haben sie gleichermaßen professionelle Interim-Provider an ihrer Seite: Die Interim-Provider leisten sehr wertvolle Hilfe bei der Schlacht um Long- und Short-Lists. Aber eben nicht für „Interim-Jobber“. Denn:

Gegen Interim Profis verlieren „Interim-Jobber“ immer.

Friday, February 19, 2010

FIRMEN STELLEN ZWAR NICHT EIN - ABER INTERIM MANAGER HOLEN SIE ZUHAUF

Am 5. Februar bin ich hier in meinem Blog darauf eingegangen, dass das Interim Management von vielen Kandidaten auf der Suche nach einer Festanstellung als eine Art gut bezahlte Brücke zum nächsten Job angesehen wird – unter der Überschrift: „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“. Ich nenne diese Kandidaten „Interim-Jobber“.

Mit der zweiten der aus meiner Sicht fünf typischen Erwartungshaltungen dieser Menschen beschäftige ich mich heute:

Sie ist so falsch nicht, diese Erwartungshaltung: Unternehmen, die sich mit Festanstellungen zurückhalten (weil sie die Payroll dauerhaft erhöhen und obendrein Trennungskosten huckepack tragen) und dennoch vor viel unerledigter Arbeit stehen - diese Unternehmen holen sich dann sicher inhaltlich und zeitlich passgenau für solche unerledigte Arbeit interimistische Unterstützung an Bord. Die Arbeit wird erledigt, die Payroll nicht erhöht und Trennungskosten gibt es nicht, wenn die Arbeit erledigt ist. Alles bestens.

Soweit die Theorie.

Tatsächlich ist die Reaktion der Unternehmen in 9 von 10 Fällen völlig anders:

Ja, die Unternehmen stehen vor (zum Teil erheblicher) unerledigter Arbeit. Ja, die Unternehmen haben schon ein Interesse daran, diese Arbeiten erledigen zu lassen. Und: Ja, sie setzen dafür in aller Regel auch Projekte und Projektteams auf, die diese Arbeiten erledigen sollen.

Nur: Die Unternehmen besetzen solche Teams ausschließlich mit eigenen Mitarbeitern, die sie ohnehin an Bord haben.

Getrieben von der derzeit flächendeckend vorherrschenden Strategie „Liquidität hat Vorrang vor allem Anderen“ gilt jeder Cash-Abfluss als Teufelszeug und wird daher gemieden wie eben dieser Teufel das Weihwasser meidet. Und – völlig unstrittig: Interim Manager verursachen einen zusätzlichen Griff in die ohnehin meist klamme Kasse – selbst bei niedrigen Tagessätzen.

Dieses Verhaltensmuster erhält zudem eine kaum zu knackende argumentative Unterstützung aufgrund gering ausgelasteter Kapazitäten im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld: „Wenn unsere Mitarbeiter schon nichts zu tun haben, dann können sie sich wenigstens um solche Sachen kümmern!“ (O-Ton eines Kunden)

Nun verbergen sich hinter „solchen Sachen“ durchaus auch komplexe Aufgabenstellungen, die weniger Kapazitäten, als ein besonderes Know-how oder eine besondere Erfahrung verlangen.

Ich habe meine Kunden schon gefragt: „Ein solches Projekt – können Ihre Mitarbeiter denn das stemmen?“

„Nein“, war die entwaffnende Antwort, „aber wir machen es trotzdem so. Etwas Anderes ist politisch nicht durchsetzbar.“

Und deshalb wird sie nicht erfüllt werden, die zweite typische Erwartungshaltung: Firmen stellen zwar nicht ein – aber Interim Manager holen sie zuhauf.

Friday, February 12, 2010

ICH BIN FUER INTERIM MANAGEMENT GEEIGNET

In meinem Blogeintrag vom 5. Februar bin ich darauf eingegangen, dass das Interim Management von vielen Kandidaten auf der Suche nach einer Festanstellung als Überbrückung in eigener (und nicht an der Situation beim Kunden orientierter) Sache angesehen wird – unter der Überschrift: „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“. Ich nenne sie „Interim-Jobber“.

Mit der ersten der aus meiner Sicht fünf typischen Erwartungshaltungen dieser Menschen beschäftige ich mich heute:

Ich stimme schon zu: Grundsätzlich ist das Interim Management für jeden Menschen offen. Es gibt keine Eintrittsvoraussetzungen oder gar Barrieren. Wenn Sie als Arzt tätig werden möchten, dann müssen Sie eine langjährige und umfangreiche Ausbildung nachweisen. Wenn Sie als Interim Manager tätig werden möchten, reicht eine entsprechende Visitenkarte.

Die Frage ist: Wie erfolgreich werden Sie dann sein können? Wobei ich Erfolg in diesem Fall daran messe, dass Sie genügend Geld verdienen, um zu finanzieren, was zu finanzieren ist.

Dafür braucht der „Interim-Jobber“ eine Einstellung, die ihm in der Festanstellung systembedingt abhanden gekommen ist: Er (selbstverständlich auch: sie) muss hart dafür arbeiten, dass er sein Geld bekommt und er muss vor allem selbst dafür arbeiten.

Ich höre den Aufschrei: Das machen wir jeden Tag! Die Betonung in meiner Aussage liegt auf „Geld bekommen“ und nicht auf „hart arbeiten“.

Unbestritten ist es ein erheblicher Unterschied, ob am Monatsende das Gehalt gutgeschrieben wird - wie das im Interim Management der Fall ist.

Ich schäme mich fast, das niederzuschreiben: Diese „Unsicherheit“ muss man aushalten können.

In heutigen Zeiten, in denen sich Projektentscheidungen regelmäßig um mehrere Monate verzögern, führt dies dazu, dass der Kandidat dann auf die eigenen Rücklagen zurückgreifen muss – und zwar um den Lebensunterhalt zu finanzieren, nicht etwa den Urlaub oder eine nette Anschaffung: Für viele eine Maßnahme jenseits der bisherigen Vorstellungskraft.

In so gut wie jeder Festanstellung sorgt irgendjemand dafür, dass Sie Arbeit auf dem Tisch haben – und seien es auch nur interne Sachen oder Meetings.

Im Interim Management müssen Sie selbst Ihre Arbeitsleistung verkaufen – und dann an jemanden, dessen Bestreben es ist, genau diese Arbeitsleistung (marginal überspitzt) nur so kurz wie nur eben möglich einzukaufen.

Das bedeutet im ersten Schritt: Sie müssen vom „Bewerber“ zum „Verkäufer in eigener Sache“ mutieren. Diesen Schritt können die wenigsten „Interim-Jobber“ gehen, denn sie sind es nicht gewohnt, sich selbst zu verkaufen. Das fängt beim Lebenslauf an und endet später bei der Betreuung der eigenen Kunden.

Unter dem Deckmäntelchen der eigenen „Bescheidenheit“ (dieser Begriff ist positiv belegt) wird versucht, das Unvermögen zu kaschieren, auch nur den eigenen USP (Unique Selling Proposition: Was kann nur ich? Oder zumindest: Was kann ich richtig gut?) zu formulieren. Geschweige denn, sich in den Kunden hinein zu versetzen, und sich dann die Frage selbst zu beantworten: „Warum genau sollte dieser Kunde mich auswählen?“

Um sich dieser trüben Übung zu nicht stellen zu müssen, spielen Interim-Jobber ihren vermeintlich stärksten Trumpf aus: „Ich bin Generalist!“. In der festen Überzeugung, dass der Kunde diese „breiten Fähigkeiten“ schätzen und kräftig honorieren werde entgeht ihnen mein waidwunder Blick:

In über sieben Jahren hat noch nicht ein einziger Kunde einen „Generalisten“ nachgefragt – weshalb auch: Er hat ja ein spezielles Problem zu lösen.

Auch wenn ich das Tor wieder öffne für Verbalattacken: Das kleine badisch geprägte Teufelchen in mir flüstert gebetsmühlenartig: „Generalist“ heißt: Such’ Dir ebbes aus, was Du bruche kannsch, lieber Kunde – es wird scho’ ebbes dabie sin.“

Und damit stimme ich ihm dann so gar nicht zu, dem Interim-Jobber, wenn er überzeugt kommuniziert:

Ich bin für Interim Management geeignet

Friday, February 05, 2010

BIN AUCH FUER INTERIM MANAGEMENT OFFEN

Es ist nicht zu übersehen: Während die Unternehmen in den Jahren 2006/2007 vor der Schwierigkeit standen, Positionen zeitnah in Festanstellung zu besetzen, haben nunmehr die Mitarbeiter die Schwierigkeit, Positionen in Festanstellung zu finden.

Das ist leicht nachvollziehbar: Während die Unternehmen derzeit nur in Ausnahmefällen neue Positionen schaffen oder vakante Positionen besetzen (geringes Nachfrage), sind vermehrt Menschen am Markt, die einen neuen Job suchen, weil sie den bisherigen grad verloren haben (erhöhtes Angebot).

Abgesehen davon, dass eine solche Situation in aller Regel zu sinkenden Preisen, sprich: Gehältern, führt: Diese Situation führt auch dazu, dass sich diese Menschen einer Flut von Absagen sowie längeren (und zum großen Teil) ungewohnten Phasen der Arbeitslosigkeit gegenüber sehen.

In der hiesigen und aktuellen Denkwelt nagt dies enorm am Selbstbewusstsein der Menschen. Existenzängste erhöhen zudem den Druck, neue Wege zu gehen, um alternative Cash-Inflows zu erschließen.

Auch das ist nachvollziehbar und nicht zu kritisieren.

Schon während der letzten Krise in den Jahren 2002 bis 2005 hatte sich gezeigt, dass das Interim Management als ein solcher alternativer Weg zum Cashflow angesehen wird – unter der Überschrift: „Wenn ich schon keinen festen Job bekomme, dann mache ich wenigstens Interim Management – bis ich wieder einen festen Job finde“.

Hinter dieser Denkwelt verbergen sich zumindest fünf Erwartungshaltungen:

1.   Ich bin für Interim Management geeignet.
2.   Die Unternehmen stellen zwar nicht fest ein – aber Interim Manager beschäftigen sie zuhauf.
3:   Ich bestehe den Wettbewerb mit Interim-Professionals, die im Interim-Geschäft seit Jahren tätig sind.
4.   Ich bekomme einen Auftrag als Interim Manager schnell.
5.   Diesen Auftrag bekomme ich über Interim-Provider.

Jede dieser fünf Erwartungshaltungen steht auf sandigem Fundament.

Mit jeder dieser fünf Erwartungshaltungen werde ich mich an den kommenden Freitagen in meinem Blog beschäftigen – möglicherweise das eine oder andere Mal unterbrochen durch aktuelle Themen.

Ich werde erläutern, weshalb er in aller Regel scheitern wird – der Ansatz:

Bin auch für Interim Management offen.

Friday, January 29, 2010

DIE ZEHN GEBOTE IM INTERIM-PROVIDING

Der iPad beherrscht die Szene – ganz sicher unter den „Early Adoptors“. Kaum ist das Ding am Markt, sorgt es für einen beispiellosen Wirbel. Das bekommen die Apple-Jungs und Mädels immer wieder toll hin. Als Vertriebsmann kann ich da nur neidisch sein. Als Amateur-Philosoph kann ich für den Wettbewerb nur hoffen, dass die Weisheit stimmt: „Wenn Du ganz oben bist, kann es nur noch abwärts gehen.“

Etwas anderes lässt mich seit gestern nicht mehr los. Ein Spruch bei Twitter (ja, da ist es wieder!): „Das letzte Mal, als eine Tafel so viel Wirbel verbreitet hat, standen da Gebote drauf!“

Schmunzelnd und schwer beeindruckt von dieser Sichtweise habe ich versucht, die zehn Gebote im Interim-Providing zu erarbeiten. Ganz ausdrücklich: Meine zehn Gebote haben keinerlei blasphemische Intentionen. Vielmehr sind sie ein ganz privater Versuch, diese alles umklammernde Wertewelt der Zehn Gebote im Verhältnis zwischen Interim Provider (ich) und Interim Manager (Du) abzubilden:

1   Ich bin nicht der Herr, Dein Gott - und kann daher keine Wunder vollbringen
2   Du sollst den Namen Deines Providers nicht missbrauchen.
3   Gedenke, dass Du den Wunsch Deines Kunden heiligst.
4   Du sollst Deinen Kunden und Provider ehren.
5   Du sollst Deinen Provider nicht umgehen.
6   Du sollst Deine Zusagen nicht brechen.
7   Du sollst die Zeit Deines Providers nicht stehlen.
8   Du sollst kein falsches Zeugnis geben im Lebenslauf.
9   Du sollst nicht begehren deines Nächsten Projekt.
10  Du sollst nicht begehren deines Nächsten Tagessatz.

Donnerwetter, es klappt - bis auf die Verneinung im ersten Gebot, vielleicht. Da sind sie: Die zehn Gebote im Interim-Providing.

Friday, January 22, 2010

ALLEIN MIR FEHLT DER GLAUBE!

Kurz nach meinem Blog-Eintrag am vergangenen Freitag rief eine Kundin an: Sie möchte den konsolidierten Jahresabschluss für ihr Unternehmen beschleunigen und benötigt dafür schnell die Unterstützung eines qualifizierten Interim Managers.

Ich versprach meiner Kundin, dass ihr am Montag, wenn sie ins Büro käme, die Profile der Kandidaten vorliegen würden.

Denn, und das wissen wir seit langem: Da das Verfügbarkeitsdatum von vielen Interim Managern bei MANATNET miserabel gepflegt wird, sind wir bereits vor Jahren dazu übergegangen, die individuelle Verfügbarkeit für jeden Kandidaten zu verifizieren. Und genau dafür brauchte ich das Wochenende.

Doch was mir über dieses erste Wochenende im Jahr widerfahren ist, ist beispiellos:

Anzahl der von unserer Datenbank für diese Aufgabe identifizierte Interim Manager mit der Verfügbarkeit 1. Februar 2010: 13

Anzahl der von uns kontaktierten Interim Manager, um deren Verfügbarkeit zu verifizieren: 13

Anzahl der Interim Manager, die Verfügbarkeit bestätigen: 2
Anzahl der Interim Manager, die bis heute nicht geantwortet haben: 2
Anzahl der Interim Manager, die nicht verfügbar sind: 9

Anzahl der nicht verfügbaren Interim Manager im Krankenhaus: 1
Anzahl der nicht verfügbaren Interim Manager, die gerade am Donnerstag oder Freitag vor unserer Nachricht ein neues Mandat angenommen haben: 8

Das Interim-Geschäft wirft mitunter überraschende Dinge auf. Ich grinse bei jeder dieser Nachrichten – locker noch bei der ersten, mit einem kontinuierlich anwachsenden Grad an Verständnislosigkeit danach.

Wie erfrischend wäre ein „Hey, tut mir leid: Hab´ ich verschlampt! Ich wollte Ihnen nicht unnötig Arbeit machen.“

Zum Glück bezeichnet sich jeder der acht absagenden Interim Manager in seinen Softskills nicht als „Kommunikator“ - aber immerhin als „Prozessorientierter Strukturierer“.

Allein mir fehlt der Glaube!

Friday, January 15, 2010

ALT WERDEN BEGINNT IM KOPF

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Thema “alt werden” – sicher meinem immer grauer werdenden Haar geschuldet, das sich heroisch allen „Re-Naturing“-Verlockungen der Werbung widersetzt.

Ich beschäftige mich mit diesem Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln – einem aber ganz besonders: Der Leistungsfähigkeit des Menschen im Alter und den Implikationen daraus auf den Arbeitsmarkt.

Zwar gibt es erste vorsichtige Anzeichen eines veränderten Denkens, dennoch herrscht aus meiner Sicht in deutschen Unternehmen die Überzeugung vor: Wer über fünfzig ist, bringt nichts mehr (außer in der Geschäftsführung, im Vorstand oder im Aufsichtsrat: seltsam, nicht wahr?).

Möglicherweise wird die demographische Entwicklung in Deutschland doch irgendwann zu einem Umdenken führen, jedoch ist man nach wie vor weithin der Meinung, dass heutzutage ein Mensch mit fünfzig nicht mehr ausreichend leistungsfähig ist.

Welch ein überragender Blödsinn! Welch ein kurzsichtiges Ausblenden massiver Veränderungen!

Wissenschaftler wie Professor Raffelhüschen vertreten die Auffassung, dass mit Beginn des vergangenen Jahrhunderts jede Generation durchschnittlich vier Jahre länger lebt als die Generation davor. Das erklärt die eine Hälfte unseres Rentenproblems. Die andere Hälfte die schwachen Geburtenraten.

Die anwachsende durchschnittliche Lebensdauer geht einher mit einer dramatisch verbesserten medizinischen Versorgung. Aus all dem wird abgeleitet, dass ein heute Fünfundfünfzigjähriger, ganz grob, mit einem Vierzigjährigen in den sechziger Jahren zu vergleichen ist – immerhin waren das die Wirtschaftswunderjahre. Ich schließe daraus: Die Vierzigjährigen waren damals alles Andere als Schlaffis.

Und was tun wir? Wir blocken solche Menschen weitgehend aus dem Arbeitsmarkt (natürlich nicht aus den Vorständen). Und wenn dann jemand auf die Idee kommt: „Hey Jungs, wenn Ihr so fit seid, dann könnt Ihr doch etwas länger arbeiten“, dann geht, von Sozialer-Kälte-Gewerkschafts-Sprüchen geschürt, ein heller Aufschrei durch unser gepeinigtes Land.

Ich würde mich gern einmal einer solchen Diskussion stellen und irgendwann, wenn wir das Thema soziale Kälte, Ausbeutung von „Tattergreisen“ und ähnlichen Schmarrn dann hinter uns hätten - dann würde ich gern die Frage stellen: „Nehmen wir mal an, alle hier in Deutschland erklärten sich bereit, bis zum Alter von 70 Jahren zu arbeiten: Wer würde die denn dann beschäftigen wollen?“

Hier wird deutlich, wo das Problem wirklich liegt: Es ist nicht die Anbieterseite (die Menschen). Es ist die Nachfragerseite (die Unternehmen). Ich behaupte, dass ein ganz entscheidendes Kriterium für das Verhalten der Unternehmen die Überzeugung ist, ältere Mitarbeiter seien zu „teuer“. Dies wiederum findet seinen Grund in der absurden Staffelung: Lange Betriebszugehörigkeit bedeutet mehr Geld. Aber wer sagt denn, dass das unbedingt so sein muss. Wer sagt denn, dass viele Mitarbeiter oberhalb von fünfzig nicht zu Verhandlungen bereit sind – wenn die Kinder aus dem Haus sind und die Hütte abbezahlt ist?

Für das jeweilige Neujahrskonzert wird der Dirigent von den Wiener Philharmonikern – immerhin einem der besten Symphonieorchester der Welt – eingeladen. Bewerben kann sich kein Dirigent für diese besondere Aufgabe und folglich gilt eine solche Einladung als hohe Ehre für den Dirigenten.

In diesem Jahr wurde das Neujahrskonzert von Georges Prętre dirigiert. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Georges Prętre ist 85 Jahre alt.

Selbstverständlich ist eine solche Höchstleistung nicht mit den Anforderungen in deutschen Unternehmen zu vergleichen.

Soeben las ich eine Anzeige: Alt werden beginnt im Kopf.

Friday, January 08, 2010

'BESSERE ZEITEN' FUEHREN WIR NUR HERBEI DURCH ENGAGEMENT UND INVESTITIONEN, NICHT DURCH ABWARTEN

Ein guter Freund schrieb mir als Neujahrsgruß:

„Die Ereignisse des Jahres 2009 lesen sich wie die „Chronik eines angekündigten Todes“ der kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Unersättliche Gier, kriminelle Energie, Korruption sowie für Missbrauch und Aushöhlung anfällige Wirtschafts- und Finanzsysteme haben, an allen Kontrollen vorbei, in vielen Ländern eine gigantische Überschuldung auf allen Ebenen verursacht. Hemmungslose Neuverschuldung verhindert seit der Aufdeckung das Schlimmste. Wie lange noch?

China dagegen nutzt jetzt seine Devisenreserven (in Höhe der US-Staatsschulden), um sich optimal im Krieg um die Rohstoffe zu positionieren.

Und wo bleibt die Schweinegrippe? Kann es sein, dass die Grippe-Pandemien eine blosse Erfindung der Pharma-Mafia sind, die – mit einer korrupten WHO als Handlanger – Milliarden am Geschäft mit der Angst verdient? Das Gerücht hält sich…

Eines steht bei allen Unsicherheiten ausser Frage: „Bessere Zeiten“ führen wir nur durch Engagement und Investitionen herbei, nicht durch Abwarten.

Auf ein 2010 voller Gesundheit und Tatendrang!“

Wir haben die gleiche humanistische Ausbildung, sind danach aber völlig unterschiedliche Wege gegangen.

Dennoch unterschreibe ich seine Aussage ohne jede Einschränkung:

'Bessere Zeiten' führen wir nur herbei durch Engagement und Investitionen, nicht durch Abwarten.

Friday, January 01, 2010

ALLES GUTE FUER 2010!

Gestern Mittag habe ich noch etwas an einem Restrukturierungsprojekt gearbeitet. Dann die Neuigkeiten in eine Pressemitteilung gepackt und für den 2. Januar freigegeben – danach, ja tatsächlich, gefeiert: Sehr festlich mit guten Freunden.

Ich bin etwas müde heute. Ich setze aus mit der Arbeit: Morgen geht´s weiter.

Heute wünsche ich meinen Lesern: Alles Gute für 2010!

Friday, December 25, 2009

DER FAIRSTE PROVIDER DEUTSCHLANDS

Ein ganz besonderes Geschenk zu Weihnachten erhielt ich von einem Interim Manager, den ich sehr schätze. Er schloss seine in jeder Hinsicht besonderen Grüße zum Fest mit dem Satz in exakt dieser Schreibweise:

„In diesem Sinne wünsche ich dem FAIRSTEN PROVIDER DEUTSCHLANDS eine positive, erfolgreiche Zukunft.“

Gern gebe ich zu: Darüber habe ich mich wirklich und ehrlich gefreut!

Was bedeutet schon das ausgelutschte Attribut „führender Provider“?, wenn wir das sein dürfen: Der fairste Provider Deutschlands.

Friday, December 18, 2009

ALLE JAHRE WIEDER

Ich arbeite an der Weihnachtspost für die Interim Manager bei MANATNET, für die Kunden und Interessenten von MANATNET, für Freunde und Bekannte – und die Mitglieder der Familie, die ich in diesem Jahr an den Feiertagen nicht werde sehen können.

Ja, tatsächlich: Ich arbeite daran. Und ich höre sie immer wieder, so lange ich denken kann: Die Frage „Was schreibt man da?“

Diese Frage hat mich noch nie beschäftigt. Aber eine andere um so mehr: „Wie schreibe ich? Was passt gut zu uns, zu MANATNET, einem, wenn auch auf das Interim Management spezialisierten, Internet-Marktplatz?“

Recht früh habe ich die Entscheidung getroffen, dass ich grundsätzlich elektronisch schreibe, also per E-Mail – in vollem Bewusstsein, dass ich mich potenzieller Kritik aussetzen würde. Kritik, die da lauten könnte: Alles eine lieblose, elektronische Massenabfertigung auf der Grundlage einer Datenbank voller anonymer Bits und Bytes. Und das sei doch so gar nicht weihnachtlich.

Ich respektiere diese Kritik, jedoch trifft sie mich immer ein wenig. Denn: Nichts ist weniger eine Massenabfertigung als der Weihnachtsgruß von MANATNET.

Ich argumentiere nicht damit, dass ich grundsätzlich keine Texte verwende, die ein Dritter vorgedacht hat – und sei der Text noch so gut. Ich bekenne unumwunden:Es gibt derart gute Texte, dass ich mitunter vor Neid erblassen könnte!

Nein, ich entwerfe stets einen persönlichen Text für das jeweilige Jahr. Und in aller Regel versuche ich das Gleichgewicht zu halten zwischen Kritischem, Nachdenklichem oder gar Besinnlichem und dem Leichten, Positiven oder gar Humorvollen. Das ist mein herer Versuch, den Facetten unseres Lebens gerecht zu werden.

Natürlich sind alle Weihnachtsgrüße personalisiert. Darüber hinaus gibt es sechs unterschiedliche Textversionen für sechs unterschiedliche Gruppen von Empfängern (darf ich es wagen, von Zielgruppen zu sprechen?) – und für jede Gruppe gibt es stets zwei Versionen: Die Sie-Form und die Du-Form.

Und schließlich, wenn mein jahresendmatter Rechner, einer kulminierenden Höchstleistung gleich, alle Weihnachtsgrüße erstellt hat, ja, dann rufe ich unzählige E-Mails noch einmal auf und ergänze sie – manuell, also in des Wortes ursprünglichem Sinne – um ein paar nun dann doch ganz persönliche Worte. Oder ich ersetze ein „Sehr geehrter“ durch ein „Lieber Herr“ oder, ja tatsächlich, stelle dem Gruß ein „Ihr“ voran.

Alle Jahre wieder bin ich überrascht, wie viel Arbeit das ist, trotz aller technischen Unterstützung.

Alle Jahre wieder denke ich: Recht so! Ich verdanke vielen einiges, einigen viel und wenigen alles.

Und genau das ist es, was mir diese Weihnachtspost regelmäßig vor Augen hält. Und das ist dann doch sehr weihnachtlich für mich.

Alle Jahre wieder.

Friday, December 11, 2009

START NEW GAME - PRESS ENTER

Wir schwenken ein. Auf die Zielgerade dieses Jahres. Wir erreichen sie in wenigen Tagen – die Ziellinie. Einige ermattet, viele erschöpft und zu viele völlig verausgabt. Hinter der Ziellinie wartet das Neue Jahr auf uns.

2010. Eine schöne Zahl. Klar und nicht so krubbelig wie 2009. Zwei und Null-Eins-Null.

Weshalb auch immer: Regelmäßig driftet mein Hirn bei dieser Zahlenfolge in die Welt der binären Codes – möglicherweise ein Langzeitschaden eines Marktplatzbetreibers im Internet. Zudem projizieren meine Synapsen ein ganz bestimmtes Bild: Ich drücke einen ganz unscheinbaren Knopf mit der Kennzeichnung „RESET“.

RESET für Winnenden.
RESET für den Banker-Bonus-Irrsinn.
RESET für das Opel-Theater.
RESET für überbordende Schuldenmacherei.
RESET für Unmenschlichkeit.
RESET für Trägheit.
RESET für Selbstgefälligkeit.
RESET für Mutlosigkeit.
RESET für Unwahrheit.

Do you really want to reset all settings?

No/Yes? Please select.

Yes – Press Enter.

Start new Game. Press Enter

Friday, December 04, 2009

EINMAL ABNICKEN: 37.800 EURO!

Ein geschätzter Interim Manager aus der ersten Liga schrieb mir in dieser Woche:

„Ich habe zwei Kurz-Aufträge erhalten von ehemaligen Klienten, die in der Krise - wie fast alle Unternehmen - von ihren Banken gezwungen werden, eine "Beratung" einzuholen.

"Meine" Kunden sagen: „Die uns von den Banken empfohlenen Berater können Sie in der Pfeife rauchen. Wir brauchen jemand, der unsere Sprache als kleine oder mittlere Unternehmer spricht. Was macht man, wenn einem 50 % des Umsatzes oder mehr wegbrechen? Wie erhält man sich heutzutage die Linien, damit man nicht illiquide wird?

Bei den kleinen und mittleren Unternehmern, den Personen-Gesellschaften, herrscht meist Antipathie gegen die heute aktuellen Berater: zu jung; zu arrogant, zu unerfahren, im Wesentlichen zu oberflächlich (nur Moneymaking) und keine der Situation angemessene Antworten.“

Der Interim Manager konnte es nicht wissen, jedoch hat diese Nachricht eine tiefe Wunde erneut bei mir aufgerissen, deren Blutung gerade erst verschorfte:

Vor nicht ganz zwei Wochen haben wir ein Restrukturierungsmandat gegen eine Bank verloren: Unser Team war (durch den Kunden anerkannt) mindestens gleichermaßen qualifiziert, war bei gleichem Leistungsumfang 37.800 Euro günstiger und hatte zudem zugesichert, das eigene Restukturierungs-Gutachten (nach IDW) obendrein durch „COST-GUARD“ zu refinanzieren: Eine Cash-neutrale Übung für den Kunden.

Das Mandat ging verloren, weil die Bank ihre Berater mit der Strategie „Erschrecke Deinen Kunden“ rigoros durchdrückte: „Wir erhalten für die Sanierung nur so die Zustimmung unserer Gremien.“

Der guten Ordnung halber: Bezahlen muss das Ganze der Kunde, nicht etwa die Bank.

Unfassbar: Einmal Abnicken: 37.800 Euro!

Friday, November 27, 2009

ABER SICHER! JETZT SOGAR IN MEINER EIGENEN FIRMA

Ich gebe gern zu: Ich hatte nicht erwartet, dass die Interim Manager die regionalen AIMP-FIMs (Forum Interim Management) derart gut annehmen würden. Regelmäßig nehmen um die hundert Interim Manager teil und neuerdings müssen wir vom AIMP aus die Veranstaltungen als „ausverkauft“ kennzeichnen, weil einfach kein Platz für mehr Interim Manager vorhanden ist. Das traf auch für das AMIP-FIM gestern im beeindruckenden Anglo German Club in Hamburg zu.

Neunzig Minuten Vorträge (Torben Rick: Dos and Don´ts im Projektmanagement; Thorsten Becker: 10 Thesen zur Zukunft der Interim Provider; und ich: Vertrieb – aus völlig befangener Sicht) und die anschließende Diskussion bereiteten das Feld für viele weitere Gespräche. Erst nach Mitternacht war diese Veranstaltung zu Ende.

Zwei Dinge bleiben hängen:

Das war eins der schönsten AIMP-FIMs (im Sinne von „Ich war sehr gern dort“), an dem ich teilgenommen habe. Wenn ich es irgendwie einrichten kann, werde ich auch im nächsten Jahr gern kommen.

Die Bandbreite des Feedbacks auf meinen Vortrag reichte von „Das habe ich noch nie so gesehen“, über „Sie haben völlig Recht: Auch ich habe Mailings komplett eingestellt“ bis zu „Diesem Thema  sollten Sie sich gesondert und in einem eigenen Vortrag widmen“ (gemeint war meine Empfehlung „Überfordern Sie nicht Ihre eigene Website!“) auf dem einen Ende der Skala.

Das andere Ende der Skala besetzt diese Aussage: „Sie haben nur allgemein Bekanntes vorgetragen. Erstes Semester. Wer das als Interim Manager nicht beherrscht, ist hier fehl am Platz.“

Starke Worte.

Auf meine Frage „Und? Machen Sie das alles so?“ entgegnete mein Gegenüber: „Ich mache kein Interim Management mehr. Ich habe jetzt eine eigene Firma.“

Überzeugt hätte mich ein „Aber sicher, sogar jetzt in meiner eigenen Firma!“

Friday, November 20, 2009

IN DIESEM JAHR GEHT DA NICHTS MEHR!

Nicht zu übersehen: Die ersten ernstzunehmenden Vorboten sind da. Zwar gab es Spekulatius und Zimtsterne bereits unmittelbar nach den Sommerferien (wer isst das dann?), jedoch: jetzt wird´s ernst:

Die Weihnachtsbäume erobern die Marktplätze, das nervtötende Hämmern ist den Buden der Weihnachtsmärkte geschuldet und in der Werbung fallen die ersten Schneeflocken: Weihnachten naht! Ihr Kinderlein kommet, oh kommet zuhauf!

Unsere Kinder bereiten sich darauf vor: „Was schreibe ich alles auf den Wunschzettel?“
Unsere Eltern bereiten sich darauf vor: „Wie bezahle ich das alles auf dem Wunschzettel?“

Und unsere Unternehmen bereiten sich darauf vor: „In diesem Jahr geht da nichts mehr!“, sagte mir ein Kunde gestern. Ups!

Ein schlichter Geist ist geneigt, nachzurechnen:

Verfügbare Wochen im Jahr: 52
Abzüglich Urlaubswochen: - 6
Abzüglich Wochen in Training und Krankheit: - 2
Abzüglich in Wochen umgerechnete Aufwärmphasen nach Urlauben, Brückentagen oder sonstigen Härtefällen wie Fasching etc.: - 1

Bleiben 43 Wochen als Netto-Arbeitszeit übrig.

Aber halt: Jetzt naht zudem der kollektive Winterschlaf, oder besser: er hat offenbar bereits begonnen. Sechs Wochen vor Jahresende - und damit sind wir dann bei 37 Wochen. Welch grandiose Fügung im vorweihnachtlichen Glanze: Zur 37 Stunden-Woche - das 37 Wochen-Jahr. Herrlich!

Morgen erst, Kinder, wird´s was geben. Genießen wir´s also weiterhin aus unserer monofokal getrübten Sicht und frohlockend lasst uns von der Jagd des Lebens einmal ruh´n.

Schade nur, auch das Ausland weiß sicher: Deutschland? In diesem Jahr geht da gar nichts mehr!

Friday, November 13, 2009

DU HAST DIE POWER, DIE KRAFT UND DEN MUT

Freitag der 13. Schon wieder. Der dritte in diesem besonderen Jahr. Zufall? Übermorgen ist obendrein Volkstrauertag. Ich erkläre heute zum Tag des tiefergehenden Nachdenkens:

Robert Enke wirft sich vor einen Zug: Unfassbar.

Die neue Bundesregierung verhält sich in Wirtschaftsfragen verblüffend für wohl alle, die sie gewählt haben. Sie hofft auf bessere Zeiten, die´s dann hoffentlich richten werden. Die Klatsche der Wirtschaftsweisen von gestern ist ohne Beispiel – zumindest, soweit ich mich erinnern kann.

Vielen Unternehmen steht das Wasser bis zum Hals. Sie hoffen auf bessere Zeiten, die´s dann hoffentlich richten werden. Über „COST-GUARD“ auch nur zu reden: Abgelehnt. Ein Unternehmen tut es dennoch: Der Quickcheck ergibt ein Einsparpotenzial von einer Million Euro – bei gleichem Service-Level.

Ich bin inzwischen davon überzeugt: Unsere Zeiten sind gekennzeichnet von Verdrängung, Selbstbetrug und - ja! - Angst. Dafür werden bereits Pseudo-Fach-Termini gebildet, um dieses eben nicht Führung kennzeichnende Verhalten zu kaschieren: Sie lauten „Management auf Sicht“ (was für ein Offenbarungseid) oder „Überwintern aus Bordmitteln“. Genau das ist es: Management, aber keine Führung!

Ein Interim Manager schreibt mir: „Sie sind auch einigen zu schlau, Kompliment!“. Ich bin hin und her gerissen zwischen mädchenhafter Verlegenheit und tief empfundener Verzweiflung.

Im Hintergrund läuft Juliane Werdings „Gib niemals auf“ aus dem Album „Alles Okay“ von 1995. Zufälle gibt´s.

Der Refrain endet: „Du hast die Power, die Kraft und den Mut“.

Friday, November 06, 2009

MANAGEMENT BY ROLLER COASTER

Opel bestimmt die Presse in dieser Woche: Seitenweise. Die FAZ widmet dem Autobauer sogar eine Doppelseite.

Jetzt muss laut GM-Chef Fritz Henderson, so das Wall Street Journal, immerhin eine der angesehensten Zeitungen der Welt, ein neues Opel-Management her. Zudem gibt Herr Henderson mit Blick auf die Proteste der deutschen Opel-Mitarbeiter zu, dass die Beziehungen zur Belegschaft in Europa durch den langen Entscheidungsprozess des GM- Verwaltungsrats belastet seien. „Da muss einiges gekittet und repariert werden“, wird Herr Henderson zitiert.

Während ich dies schreibe, läuft über den Ticker: Medien: GM-Europachef Forster verlässt Konzern.

Nun sind wir ja seit einiger Zeit einiges gewohnt. Aber Hand auf’s Herz: Glaubt tatsächlich irgendjemand, dass das Agieren von GM außerhalb der GM-Zentrale von irgendjemandem verstanden oder gar gutgeheißen wird?

Tausende von Mitarbeitern sind seit rund einem Jahr einem Wechselbad ohne Beispiel ausgesetzt. Mitarbeiter, die dennoch ihren Job gut erledigen und, ja tatsächlich!, obendrein in dieser Situation auch noch gute Autos bauen. Sind das nicht diese Individuen, von denen die Manager in ihren Sonntagsreden immer tönen, sie seien das Wichtigste, was ein Unternehmen habe? Wie das wohl die Opelaner sehen? Alles, das wette ich, ganz überwiegend ehrliche und ganz normale Jungs und Mädels mit ganz normalen Vorstellungen, Erwartungen und Gefühlen.

Aber, hey! Lasst uns das Positive in der Geschichte finden: Wir haben ein neues innovatives Berater-Wort aus der Schublade Managementstile: „Management by Roller-Coaster“! Wieder ein neues „Buzz-Word“, das über den Atlantik zu uns herüberschwappt.

So sind sie halt, die Amis.

Bei uns in Deutschland ist das ja ganz anders.

Am Montagmorgen um 9.00h verabredet sich der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens mit der Interim Managerin zum Abschlussgespräch um 17.00h, um die Details des Mandates zu besprechen.

Es wurde ein historisch kurzes Gespräch, denn um 17.02h sagte der Geschäftsführer das Projekt ab.

Auch in Deutschland: Management by Roller Coaster

Friday, October 30, 2009

SELBSTGEFAELLIG, VERWOEHNT, TRAEGE UND VERFETTET

Ich schätze ihn sehr - diesen engen Kontakt zu einigen Interim Managern. In dieser Woche schrieb mir ein nicht nur von mir hochgeschätzter Interim Manager aus der ersten Liga:

„Hallo Herr Becker, wie geht es ihnen? Wir erleben eine - mit Verlaub - Scheißzeit an der Sanierungsfront. Auftragslage (Export und im Inland) schlecht. Liquidität häufig negativ. Kreditlinien ausgereizt. Schlechtes Management (Tagesgeschäft). Personal, welches nicht immer seine Aufgaben beherrscht etc, etc. Sind das schon die feststellbaren Ergebnisse schlechter Ausbildungen, obwohl viele mit einem Titel herumlaufen? Dann haben wir nicht nur eine Finanz- und Wirtschaftskrise, sondern im Allgemeinen eine ganzheitliche Systemkrise. Wenn so, ist der Untergang dann noch aufzuhalten?“

Nein, aus einer Helikoptersicht ganz sicher nicht!

Ich bin zutiefst davon überzeugt - unser Land steht vor massiven Schwierigkeiten: selbstgefällig, verwöhnt, träge und verfettet.

Friday, October 23, 2009

15 MIO. EURO? - BRAUCH' ICH NICHT!

In dieser Woche geht Quelle unter. Der Insolvenzverwalter, Herr Dr. Görg, lässt kein gutes Haar an Herrn Dr. Middelhoff - und das öffentlich!

Ich rechne einem Kunden-Vorstand, den ich persönlich seit 2007 kenne, vor, dass er durch „COST-GUARD“ in seinem Unternehmen mindestens 2,5 Mio. Euro sparen kann – wenn alles zusammen passt vielleicht auch bis zu 7,5 Mio. Ein Honorar gibt’s nur, wenn diese Einsparungen tatsächlich erreicht werden.

Der Vorstand lässt mir durch seine Sekretärin und per Mail ausrichten: „In der Sache teile ich Ihnen mit, dass derzeit unsererseits kein Interesse/Bedarf besteht. Selbstverständlich steht es Ihnen frei, sich zu anderer Zeit erneut mit uns in Verbindung zu setzen.“

Ich rechne einem Kunden, Mitglied der Geschäftsführung, den ich persönlich seit 2004 kenne, vor, dass er durch „COST-GUARD“ in seinem Portfolio 15 Mio. Euro sparen kann - wenn alles zusammen passt vielleicht auch bis zu 45 Mio. Ein Honorar gibt’s nur, wenn diese Einsparungen tatsächlich erreicht werden.

Ich möchte gern einen Telefontermin mit dem Vorstand, um das zu erläutern: „Der Vorstand möchte das nicht.“

Keine Frage, kein Nachhaken, kein Telefonat, kein Treffen, kein „Show me!“ - kein gar nichts.

Das erste Unternehmen wird wohl erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Verlust ausweisen. Das zweite Unternehmen ...

In dieser Woche geht Quelle unter: „15 Mio. Euro? Brauch’ ich nicht!“

Friday, October 16, 2009

GANZ NORMAL?

Montag: Die Zugriffszahlen auf www.MANATNET.com brechen ein. Mittags liegen wir etwa 40 Prozent unter dem normalen Wert. Die reflexartige Überprüfung der Verfügbarkeit unseres Marktplatzes ergibt: 100 Prozent verfügbar - natürlich. Ein Blick auf den Kalender jedoch ergibt: Herbstferien – fast deutschlandweit. Also: Nichts geht – wieder einmal. Ganz normal.

Dienstag: Ein Kunde schuldet mir eine Antwort seit über drei Wochen. Ich rufe an. Er „hat da noch eine Frage“. Die Antwort liefern wir dreißig Minuten später. Ganz normal.

Mittwoch: Ein Kunde hat eine variable Vergütung für unsere Arbeit vereinbart. Jetzt hat er eine „eigenen Kandidaten gefunden und ist sich mit Handschlag einig geworden“. Mein Hinweis darauf, dass er uns dadurch der Möglichkeit beraubt, Geld für unsere Arbeit zu verdienen, beeindruckt ihn in keiner Weise. Ganz normal.

Donnerstag: Ein Kunde, mit der vor einer Woche mit uns eine Vereinbarung eingegangen ist, derzufolge er am 20. Oktober zahlen soll, bittet um Aufschub um rund einen Monat. Ganz normal.

Zwei Kunden, die mir ihren Anruf für heute zugesichert haben und für die ich im Büro fest hänge, rufen nicht an. Ganz normal.

Meinen Freitag bestimmt nur eine Frage: Ganz normal?

Friday, October 09, 2009

UND IHR MEINT, IHR SEID RICHTIG GUT!?

Interim Management: Über unser Geschäft wissen wir alles. Sicherlich ist das in eigentümergeführten Unternehmen immer so – wenn nicht, würde es mich stark wundern.

So wissen wir, dass wir in diesem Jahr zum Stichtag 30. September im Monatsdurchschnitt 25,67 (nicht etwa 26) Bewerbungen erhalten haben. Andere Interim Provider erhalten wesentlich mehr. Wir wissen, dass wir zum gleichen Stichtag 61,3 Prozent der Bewerber abgelehnt haben.

Wir wissen, dass diese Bewerbungen zum Beispiel zu 17,2 Prozent über den Marktplatz MANATNET kommen, zu 10,9 Prozent über den AIMP und zu 7,6 Prozent über Referenzen. Wir erkennen aber auch, dass unsere knapp 26 Bewerbungen zu sage und schreibe 57,3 Prozent auf so genannte Initiativbewerbungen zurückgehen.

Initiativbewerbungen suchen fast ausnahmslos eine Festanstellung. Also plakativ und nur marginal vereinfacht: von 213 erhaltenen Bewerbungen zielten 122 auf eine Festanstellung - bei MANATNET! Und weiter: Von den insgesamt von uns abgelehnten 130 Bewerbern waren über einen Zeitraum von neun Monaten nur 8 (130 – 122 für Festanstellung), die unsere Qualitätsanforderungen nicht erfüllten. Das ist eine ganz überragende Quote! Unsere Eintrittshürden erfüllen ganz offensichtlich ihren Zweck.

Kopfschütteln provozieren bei mir die Initiativbewerbungen. Nicht nur, weil sie uns unnötige Arbeit schaffen, die wir jedoch harmoniesüchtig und immer freundlich erledigen.

Viel mehr bestürzt mich die mangelhafte Arbeit im Vorfeld und die Lieblosigkeit, mit der diese Initiativbewerbungen fabriziert werden. Alle Bewerber beschreiben sich als richtig gut (in beiden Feldern: Hardskills und Softskills) und sie finden sich, klar, ganz toll; und dennoch:

- Schreiben alle an info@manatnet.com: Nicht etwa an eine der fünf am Markplatz namentlich genannten Personen.

- Begrüßen uns alle mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ und unterstreichen damit ihre Gleichgültigkeit dem Empfänger gegenüber. Bei MANATNET gibt es zudem keine Damen, nicht mal eine Dame – leider.

- Beschreiben fast alle im Detail, was sie suchen, nennen ihre Gehaltsvorstellung und deuten gleichzeitig Verhandlungsbereitschaft an.

- Freut sich die Mehrheit auf ein weitergehendes und vertiefendes Gespräch mit uns, den Damen und Herren.

- Und einige schwingen sich zu ungeahnten Höhen auf: „Ihre Personalberatung stellt sich mir als professionell und im deutschen Headhunting gut etabliert dar.“

Ich freue mich regelmäßig über das Attribut „professionell“ und doch rede ich mir dann immer, ehrenrettend, ein, dass es sich um eine Verwechslung handeln muss: Wir sind grad nicht im Headhunting-Geschäft: Wir sind ein auf das Interim Management spezialisierter Marktplatz. Das steht schon auf der allerersten Seite auf www.manatnet.com in 16 Punkt Arial, fett: MANATNET – Interim Management.

Ich verdränge die aufkeimenden Fragen unter der Überschrift: „Und Ihr meint, Ihr seid richtig gut!?“

Friday, October 02, 2009

TRANSPARENZ MACHT STARK IM INTERIM MANAGEMENT

Am Ende eines jeden Quartals mache ich keine Termine: Mit Interim Managern nicht und mit Firmen auch nicht. Das Quartalsende bei MANATNET steht unter der Überschrift „Detaillierte Analyse und Bereitstellung von Informationen“.

Trotz aller Datenbanken und Analysetools: Das ist schon heftig - vor allem das Aufbereiten für die jeweilige Zielgruppe!

Gern gebe ich zu, dass ich mich regelmäßig frage: „Warum tust Du Dir das an?“

Vierteljährliche Analyse der Skills der anbietenden Interim Manager: Linie, Branche, Ausbildung, Sprachen, Auslandserfahrung, Softskills und Unternehmenstyp.

Vierteljährliche Analyse der Tagessätze für alle Linienfunktionen: Minimum, Maximum, Median und Durchschnitt sowie deren Entwicklung während der vergangenen gut drei Jahre.

Vierteljährliche Verdichtung der Analyse der Tagessätze, die nur registrierte Interim Manager erhalten, in unserem INTERIMTREND, den wir auf dem Marktplatz veröffentlichen.

Wohlgemerkt: Zusätzlich zu unseren monatlichen Newslettern, zu Information zur Salespipeline, zur Projektpipeline und zu den Zugriffszahlen auf die Datenbank.

Warum tust Du Dir das an?

Weil MANATNET sich von Anfang an, also seit 2003, der Transparenz und Offenheit verpflichtet hat - als ganz bewusste strategische Ausrichtung wider die Intransparenz des Interim Geschäftes. MANATNET wurde dafür kritisiert und wird es noch heute - von anderen Interim-Providern, nicht von Interim Managern oder Unternehmen.

Manchmal denke ich, wir stehen auf verlorenem Posten: Noch vor knapp zwei Wochen charakterisierte ein Journalist des Handelsblatts das Interim-Geschäft als einen „Markt, der so unübersichtlich ist, wie kaum ein anderer“.

Und noch immer lassen sich Unternehmen durch Interim-Provider ein schier unglaubliches Geld aus der Tasche ziehen – und das im heutigen Umfeld!

Bei unserem lokalen Interim Manager-Treffen in München berichtete ein Interim Manager, dass sein Tagessatz 1.000 Euro sei, ein Provider aber vom Kunden 2.500 Euro forderte – also 1.500 Euro für das Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage.

Über MANATNET hätte der Kunde diesen Interim Manager für knapp 1.350 Euro beschaffen können. Für ein typisches Projekt (7 Monate Laufzeit, Vollauslastung) führt dies zu einem Mehraufwand beim Kunden von sage und schreibe 160.000 Euro.

Unverändert halte ich so etwas für sittenwidrig und dennoch funktioniert das – aufgrund eben dieser Intransparenz, die viele Unternehmen jedoch - auch das gehört dazu - frohgemut zulassen und ihre Unkenntnis kultivieren. Ich warte auf den Tag, wo die Unternehmen von den Providern fordern, wie von anderen Anbietern auch: „Legen Sie uns bitte Ihre Kalkulation offen.“

Und genau darum tu´ ich mir das Quartal für Quartal an: Transparenz macht stark im Interim Management.

Friday, September 25, 2009

VOLLDEPP IM INTERIM MANAGEMENT

Jeder Artikel, der über Interim Management geschrieben wird, ist gut für unser Geschäft. Ich meine das ganz ehrlich, denn schätzungsweise die Hälfte der deutschen Unternehmen hat noch immer keine Ahnung davon, was Interim Management ist.

Und schwächt sich so im Wettbewerb gegen die andere Hälfte der smarteren Unternehmen.

Jedoch werde ich regelmäßig ganz kribbelig, wenn ich Artikel lese wie den im Handelsblatt am 20. September - immerhin eine der besten Zeitungen, die wir haben: „Krisenzeit - die Stunde der Interimsmanager“ – merke: Noch mit antikem Fugen-„s“.

Ich gebe gern zu, dass in der deutschen Wirtschaft einiges im Argen liegt. Langsam, entscheidungsschwach und mutlos: So agieren erstaunlich viele Unternehmen in unserem Land.

Aber so, wie der Artikel des Handelsblattes die deutschen Unternehmen hinstellt, sind sie dann doch nicht – und die Interim Manager im Übrigen auch nicht: „Wenn gar nichts geht, kommt der Interim-Manager“ - merke: Nun mit Bindestrich. Und es wird klargestellt: „Immer mit dem Auftrag, möglichst schnell auszubügeln, was das eigene Management nicht packt. Die Führungskräfte auf Zeit werden nicht mehr zur Ertragssteigerung oder der Unternehmensintegration nach Übernahmen angeheuert wie sonst. Jetzt geht es ans Eingemachte.“

Du lieber Himmel, liebes Handelsblatt, wisst Ihr, was Ihr da tut? Quintessenz und Tenor Eures Artikels lauten in Klarschrift:

„In den deutschen Unternehmen sind nur Volldeppen am Ruder.“ Und wenn das Schiff in schweres Wetter kommt, dann erscheint der Heil bringende Interim-Lotse für ein absehbares Intermezzo. Vor dem geistigen Auge der älteren unter uns erscheint das Zauberkarussell der 60er: Turnikuti, Turnikuta, der Zebulon ist wieder da!

Danach geht er wieder – der Interim Manager: Und die Volldeppen machen weiter wie bisher.

Der geneigte Leser fragt sich, warum Unternehmen überhaupt noch andere Führer beschäftigen als die Super-duper-Interim Manager.

Bei allem (ehrlichen) Respekt, liebes Handelsblatt. So geht es nicht! So sind die Unternehmenslenker nicht und so sind die Interim Manager nicht!

Für das Interim Management gilt: Als wäre die Zeit stehen geblieben ist dies ein tradiertes Vexierbild, das die volle Wahrheit zum Interim Management hinter dem scheinbar Offensichtlichen verbirgt. Und damit leitet es unsere Kunden in die Irre, vor allem potenzielle neue Kunden - und das ist schlimm.

Ich hatte einen elektronischen Leserbrief geschrieben. Um diesen Blogeintrag nicht zu torpedieren bin ich dabei nur auf Nebenschauplätze eingegangen: Auf „Unübersichtlichkeit“, „fehlende Definition des Berufsbildes“ und „zwei konkurrierende Berufsverbände“.

Keine halbe Stunde später hatte ich die Antwort im Postfach von Outlook: „In sofern würde (Konjunktiv!) ich bei meinem Tenor bleiben.“

Also: Volldeppen in der Industrie und ein Volldepp im Interim Management.

Saturday, September 19, 2009

MANCHE LOESCHEN NUR NOCH

Viele wissen das: Seit der Bankakademie 1980 in Berlin (unfassbar!) bin ich kritischer, aber treuer Leser der FAZ.

Am Mittwoch, als wir „Cost-Guard“ einführten, kam die FAZ mit Ihrer Verlagsbeilage „Consulting“ heraus - wie in jedem Herbst.

An prominenter Stelle, auf der ersten Seite, wird der Artikel von Thomas Lünendonk veröffentlicht unter dem Titel „Managementberatung – quo vadis“. Ein Pflichtartikel für jeden im Interim-Geschäft, wie im übrigen die gesamte Verlagsbeilage.

Denn: Kunden trennen nicht so scharf zwischen Interim Management und Unternehmensberatung wie wir Interim-Provider das gerne hätten. Somit sind Entwicklungen im Geschäft der Unternehmensberater oftmals beinahe deckungsgleich im Interim-Geschäft festzustellen.

Herr Lünendonk stellt - unter anderem fest: Manche Themen sind derzeit nicht so gefragt, andere Expertenthemen haben Konjunktur. Alles rund um Kosten, Einkauf und Lean Processing ist derzeit stark gefragt. Große Strategien sind nur bei einigen Unternehmen derzeit ein Thema.

Und dann folgt ein Satz, der die gegenwärtige Situation auf den Punkt bringt und um den ich ihn aufrichtig beneide: “Nicht, weil sie nicht wichtig wären, sondern weil es schwierig ist, sich bei brennendem Dach mit der Erweiterung des Hausfundamentes zu beschäftigen.“

Mir scheint allerdings: Manche löschen nur noch.

Wednesday, September 16, 2009

INNOVATIVES INTERIM MANAGEMENT IST ANSTRENGEND

Ja, ich weiß: Heute ist kein Freitag. Es lebe die Überraschung! Es lebe die Innovation!

Heute ist ein besonderer Tag. Heute führen wir „Cost-Guard“ ein: Eine neue Dienstleistung für das Interim Management im deutschen Mittelstand.

Ich wundere mich immer wieder, dass so gar keine Innovationen im Interim-Geschäft stattfinden.

Sicher: Ich bin befangen. Aber nach dem direkten Datenbankzugang, dem „Solidaritätsabschlag“ und nun „Cost-Guard“ von MANATNET fällt mir spontan nichts wirklich Neues ein im Interim-Geschäft.

Ich mag mich täuschen, aber in der Interim-Szene wird viel von Change Management, Restrukturierungen (also: Neu-machen), Know-how-Transfer und nicht zuletzt von innovativem Personalmanagement geredet. Aber stets nur als Empfehlung für die Kunden, nicht für die Interim-Provider.

Stattdessen: Regelmäßig neue (kleine) Interim-Provider mit selbstverständlich „tollem Pool“, aber „Me-too-Ansatz“, und strikte Konzentration auf die Tagessätze: Möglichst hoch und möglichst lange - auf dass die Provisionen sprudeln.

Ich halte das auf die Dauer für ein wenig dürftig. Ganz besonders, wenn die Budgets der Kunden knapp werden oder sich sogar in Luft auflösen - wie zur Zeit.

Wenn die Kunden unumwunden zugeben: „Wir würden ja gern, aber wir können nicht, weil wir grad kein Geld haben.“

Und genau da haben wir angesetzt.

Und wir hatten „Cash-Guard“ entwickelt.

Und wir hatten „Cash-Guard“ als attraktives Geschäft für mittelstandsorientierte Banken vorgestellt. Keine Bank war bereit, mitzumachen. Allerdings: Eine (!) Bank hatte sich intensiv mit unserer Idee beschäftigt, attestierte uns eine „sehr pfiffige Idee“ und „dass ggf. ein Reputationsgewinn für die Bank (!) erzielt werden könnte“, scheute aber die damit verbundenen Prozesskosten. Ich respektiere das und ich bin noch heute dankbar für das Feedback. Andere Banken beschäftigten sich erst gar nicht mit der Idee. Ich enthalte mich jeden weiteren Kommentars.

Zurück auf Feld eins.

Anlauf neu. Denken neu. Arbeit neu. Gespräche neu. Und der Wirtschaft geht es schlecht: gar nicht neu.

Der richtige Partner hat seinen Sitz in Filderstadt - kaum zu glauben. Es ist die Deutsche Gesellschaft für Kostenmanagement. Engagiert, professionell, pragmatisch und kundenorientiert. Ein Glücksfall!

Aus „Cash-Guard“ wird „Cost-Guard“.

Eine weitere Innovation von MANATNET. Gerade rief mich ein Interim Manager aus der ersten Liga an: "Kaum zu glauben, dass es so etwas gibt!"

Doch. Aber wir lernen: Innovatives Interim Management ist anstrengend.


Wer mehr zur DGKM wissen möchte: Hier geht´s zur DGKM-Site.
Wer mehr zu „Cost-Guard“ wissen möchte: Hier geht´s zur Pressemitteilung.

Friday, September 11, 2009

ALLES EINE FRAGE DES MASSSTABS!

Es ist wieder der 11. September.

Kein Datum ist für mich mit auch nur annähernd vergleichbar schaurigen Bilden verbunden. Acht Jahre sind vergangen und dennoch bekomme ich das kalte Grausen.

Aber das Leben geht halt weiter und so treffe ich mich heute mit ein paar Freunden aus Tagen, die noch länger zurückliegen als der 11. September. Ich freue mich darauf - seit einer Woche nachhaltig

Und seit einer Woche freue ich mich nachhaltig über diese Nachricht eines geschätzten Interim Managers bei MANATNET. Ich wollte, ich wäre darauf gekommen:

„Karl-Gerhard Eick gibt uns als ausscheidender Vorstandsvorsitzender eine neue Idee für den möglichen Tagessatz - mit 6 Monaten war dies ja ein typisches Mandat für Interim Manager. Geht man von 2 Mio. Euro Gehalt und 1Mio. Euro Bonus aus, führt sein Vergütungsvertrag in den 6 Monaten zu rund 11.000 Euro Tagessatz. Und da wundern Sie sich im vorletzten Blog über eine Tagessatzforderung von lächerlichen 3.000 Euro. Dass Eick trotz seines Ausscheidens die gesamte Vertragslaufzeit ausbezahlt bekommt, ist seinem Verhandlungsgeschick zuzuschreiben. Was hätte Sal. Oppenheim mit uns sparen können … !!“

Gestern bemerkte ich die Werbung eines geschätzten Wettbewerbers:

„ARCANDOR/EICK – 15 Mio. für 6 Monate! Das können wir günstiger!

Nicht schlecht – auf den ersten Blick. Aber die Botschaft „Günstiger in die Insolvenz: Mit uns!“ ist doch etwas gewöhnungsbedürftig - selbst in heutigen Zeiten!

Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen außer vielleicht:

Alles eine Frage des Maßstabs!

Friday, September 04, 2009

MANCHMAL HELFEN ATEMUEBUNGEN

Für einen guten Kunden suchen wir einen Controller - für eine Festanstellung. Das ist zwar nicht unser Kerngeschäft. Aber für einen guten Kunden machen wir das dann doch einmal. Zudem möchten wir die Gelegenheit nutzen, mal im Revier der Headhunter zu wildern: Die wildern auch bei uns.

Das Suchprofil weist zwei KO-Kriterien aus: Erfahrungen im Versandhandel und Kenntnisse mit MAILplus von MAC. Diese KO-Kriterien sind ausdrücklich so bezeichnet - und obendrein noch nummeriert.

Ich erhalte Bewerbungen, die beide KO-Kriterien nicht erfüllen - aber sich die Aufgabe zutrauen. Das ist kaum zu glauben, aber längst nicht ungewöhnlich

Ich erhalte einen Lebenslauf. Ohne Kontaktdaten. Das ist kaum zu glauben, aber längst nicht ungewöhnlich.

Ich erhalte einen Lebenslauf. Ohne Namen. Das kaum zu glauben, aber wirklich ungewöhnlich

Ich rufe bei Quelle an. Pardon: Bei Quimondo. Vielleicht können wir einem Controller dort eine neue Perspektive bieten.

Erster Anruf: Ich verlange die Personalabteilung und werde dorthin weitergeleitet – und lande auf einer Bandansage, die mich erleuchtet: „Hier ist sind die HR-Servces von Primondo“. Danach schaltet das Band frohgemut ab.

Zweiter Anruf: „Ich bin grad mit einem Band verbunden und dann ´rausgeworfen worden. Können Sie mir bitte einen Menschen geben“? Ich werde verbunden - und lande auf einem toten Anschluss.

Tiefes Durchschnaufen.

Dritter Anruf: „Schauen Sie, ich habe jetzt dreimal angerufen. Ein viertes Mal werde ich nicht anrufen. Also empfehle ich Ihnen, dass Sie mich jetzt mit einem Kollegen in der Personalabteilung verbinden.“ Ich werde verbunden. Die Mitarbeiterin ist nicht zuständig.

Atemübungen helfen dabei, freundlich zu bleiben.

„Können Sie mir sagen, wer zuständig ist?“ „Frau Petra R.“. „Danke, können Sie mir sagen, wie ich Frau Petra R. erreichen kann? Ich erhalte die Nummer.

Mit meinem vierten Anruf begehe ich Verrat an mir selbst - aber für eine gute Sache: „Hier ist Marina Hoeppe, was kann ich für Sie tun?“ „Ich hatte gehofft unter dieser Nummer Frau Petra R. zu erreichen.“ „Ja, das ist schon richtig, aber Frau R. hat Urlaub.“

Atemübungen.

„Sagen Sie, ich habe eine Idee: Ich suche einen Controller für den Versandhandel und ich kann mir vorstellen, dass wir in der schwierigen Lage von Primondo einem Ihrer Mitarbeiter eine neue Perspektive anbieten können…“

„Das ist ganz furchtbar nett, dass Sie an uns denken! Wenn Sie einverstanden sind, dann können wir folgendes machen ….“

Manchmal helfen Atemübungen.

Friday, August 28, 2009

MEINEN MARKTWERT DEFINIERE ICH SELTEN SELBST

Das Thema „Preise im Interim Management“ ist wieder da. Das ist auffallend, verwunderlich hingegen ist es nicht.

Nach den ersten Anzeichen für eine wirklich heftige Wirtschaftskrise hat MANATNET in seiner unendlichen Weisheit die Preise bereits im Januar gesenkt - im Schulterschluss mit den allermeisten Interim Managern bei MANATNET ("Solidaritätsabschlag" - an den Ifo-index gekoppelt). Noch heute beziehen wir dafür Prügel vom Wettbewerb.

Derzeit reden Neukunden von MANATNET davon, dass sie „Interim Manager“ für 400 Euro einschließlich Spesen beschäftigt haben. Ein anderer Neukunde, dessen Baustelle still steht, benötigt einen hochqualifizierten Ingenieur zur „Streitschlichtung“ („erfahren im Umgang mit Vorständen“) und ist bereit, dafür 195 Euro am Tag auszugeben - immerhin plus Mehrwertsteuer. Ein Interim Manager aus der ersten Reihe berichtete gestern, dass ein Mandat an ihn herangetragen wurde für 300 Euro am Tag.

Natürlich haben wir - MANATNET und der Interim Manager - die jeweiligen Mandate abgelehnt. Für solche Nachfrage gibt es auch nach unserem Solidaritätsabschlag schlichtweg kein Angebot - zumindest nicht bei MANATNET.

Aus meiner Sicht zeigt dieses Verhalten einen hohen Grad an Verzweiflung auf Seiten der Unternehmen - und eine beinahe rührende Unkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge. Dennoch ist es offenbar so.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Seit Jahren mache ich mich stark für faire Preise und ich halte derartige Angebote auf der Kundenseite für unseriös - in gleichem Maße, wie ich Tagessatzforderungen von 3.000 Euro auf Seiten der Interim Manager für unseriös halte.

Jedoch stellt sich die Frage: Wer schlägt auf solche 300-Euro-Deals ein? Verzweifelte Interim Manager? Arbeitslose auf der verdeckten Suche nach einer Festanstellung? Nichtskönner? Scharlatane?

Vorsicht!

Im Forum „Interim Management“ bei XING gab es im Februar eine Diskussion zum Thema „Dumping vs. Krisenabschlag“, die bemerkenswerterweise jetzt, im August (!), erneut aufgegriffen und fortgesetzt wird. Zwei Aussagen aus den letzten Tagen:

1. Preisdumping darf nicht mitgegangen werden.
2. Nachdem ich mich von meinem Unternehmensberater und meinem Steuerberater beraten ließ, weiß ich endlich, welchen Wert ich habe.

Na da bin ich aber mal gespannt, wie weit die Unternehmen den von beiden Beratern ausgekochten Wert akzeptieren werden!

Dummerweise ist die Nachfrageseite (die Unternehmen) derzeit in einer ganz schwierigen Phase (schon vergessen?) und überall wird der Rotstift angesetzt - manchmal mehr als nur einer.

In der Folge können Unternehmen keine Interim Manager zu den bisherigen Marktpreisen beschäftigen: Sie haben, so simpel ist das, die Mittel nicht mehr. Also muss der Tagessatz drastisch ´runter oder aber, man lässt es ganz sein: Jedes zweite Projekte wird derzeit abgesagt (Quelle: AIMP), weil die Budgets gestrichen wurden - auch unterjährig.

Was machen die Interim Manager dann?

Ein solches Mandat heldenhaft ablehnen, aber selbstverständlich!

Und wenn im Laufe der Zeit andere Unternehmen sich genau so verhalten?

Aber, aber: Preisdumping darf nicht mitgegangen werden!

Es gibt einen börsennotierten Konzern, der verlangt von allen Lieferanten linear einen Nachlass von 20 % auf alle Preise, gleichgültig, wie die Verträge aussehen. Die Lieferanten haben allerdings die Wahl: Mitgehen oder aussteigen.

Und wenn im Laufe der Zeit alle Unternehmen sich genau so verhalten?

Heldenhaft halten wir unsere Bastion wider das Preisdumping!

Dann aber werden die Rücklagen der Interim Manager schmilzen, wie Butter in der Sonne. Spätestens dann werden die Interim Manager darauf reagieren.

Daran ist nichts Ehrenrühriges, denn genau so funktioniert unser System: Meinen Marktwert definiere ich selten selbst.

Friday, August 21, 2009

TUMMELPLATZ DER BELANGLOSIGKEITEN

Zugegeben: Es gibt auch in unserer Branche manchen, der hält das Internet mit seinen zum Teil dramatischen Auswirkungen für völlig überbewertet, wenn nicht gar für Teufelszeug.

Tektonische Verwerfungen in ganzen Industrien - denken wir nur an Electronic Banking oder an die Musik- und Spieleindustrie - werden achselzuckend, aber wissend über deren Sonderstatus dozierend zur Kenntnis genommen. Dass das Internet auch Auswirkungen auf unser Interim-Geschäft haben könnte, wird aus angestrengter Rückspiegelsicht vehement bestritten: Jede andere Branche, aber doch nicht unsere!

Keinen meiner Leser wird es verwundern, wenn ich eine grad gegensätzliche Meinung vertrete. Dennoch bleibe ich meinem Typus treu und auch dem Internet gegenüber wachsam und kritisch eingestellt.

So kann ich mich derzeit über einige Entwicklungen nur wundern: Zum Beispiel bei XING oder bei Twitter – letzteres nun mal aus meiner Sicht völlig überbewertet.

Seit dem 3. Juli twittere ich: Seit sieben Wochen also. Und seit sieben Wochen leide ich unter unfassbaren Belanglosigkeiten, die in meinem „Twitter-Account“ auflaufen – und tatsächlich wird erwartet, dass ich das lese oder mich gar damit beschäftige. In meinem Kopf reift der Entschluss, hier wieder auszusteigen: Aber vielleicht brauche ich Twitter in Zukunft noch einmal, denn noch immer trage ich die Idee „Twitter für unser Projektgeschäft“ mit mir herum. Doch ich twittere schon längst nicht mehr.

Als Gipfel jedoch empfinde ich, was sich bei XING unter der Applikation „XING-Mitglieder fragen“ abspielt: Gut gemeint als Werkzeug zum XING-internen Knowhow-Transfer, erweist sich diese Applikation als Tummelplatz für launig gelangweilte Selbstdarsteller oder aber - Bauernfängern gleich - Sammler von Zugriffen (denn viele Zugriffe gelten nicht nur dort als gut!) auf das eigene Profil bei XING unter der Überschrift: Wenn ich schon sonst nichts zu bieten habe, dann wenigstens eine prickelnde Frage zu epochalen Themen wie „Brusthaar – ja oder nein?“ oder „Welcher Buchstabe auf Ihrer Tastatur ist am schmutzigsten?“.

Keinesfalls rede ich einer Reglementierung oder Zensur des Internets das Wort.

Allerdings glaube ich, dass diese Freiheit im Schulterschluss mit bröckelnden Hemmschwellen innerhalb des Internets offenbar dazu führt, dass Dämme brechen: Der bisher nur latente Drang heraus aus der eigenen Bedeutungslosigkeit bricht sich Bahn im Internet und (ver-) führt  viele Menschen zu Harakiri-Aktionen. Oder anders: Jeder kann anscheinend ungerügt seinen Mist absondern - und sei er kommunikativ noch so unterbelichtet: der Mensch, nicht der Mist!

Schlichtes Negieren hilft. Als Schutz vor dieser trostlosen Zukunft für das Internet als Tummelplatz der Belanglosigkeiten.

Friday, August 14, 2009

EINE IDEE OHNE JEDE CHANCE

Vierundzwanzig Stunden nach meinem letzten Blog-Eintrag lag ich auf der Intensivstation.

Bereits vor geraumer Zeit hatten die Götter in Weiß angemerkt, ich sei herzinfarktgefährdet - mit diesem unnachahmlichen Blick zwischen Vorwurf und Mitleid, der die Mediziner kennzeichnet. Geschickt wurde zudem durch eine punktgenaue Quittungsfrage mein schlechtes Gefühl verstärkt: „Das wundert Sie nicht wirklich angesichts Ihrer Wochenarbeitszeit von 70 bis 80 Stunden, oder?“

Nein, natürlich nicht. Und folgsam (zugegeben, meine Frau hat da eine abweichende Sichtweise) habe ich daher für mein Herz eine rundum-Wohlfühlatmosphäre sichergestellt – von liebevoller Ehefrau bis zu langen Joggingrunden durch die Ortenauer Weinberge und Wälder. Ein uneinnehmbares Bollwerk gegen des Lebens Unbill!

Das Herz frohlockte.

Doch mit schier beispielloser Häme meldete sich die Lunge zu Wort und entschied sich in allerbestem Innovationsverhalten, mal eine Embolie auszuprobieren.

Und dann war alles anders!

Kurz keimte eine Idee in meinem Hirn auf: Vielleicht verfügte die High-Tech-Intensivstation über einen High-Speed-W-LAN-Zugang…

Eine Idee ohne jede Chance.

Friday, August 07, 2009

FREITAG, 12.32 UHR - HOCHSOMMER

Copyright Galeria StefGestern in Frankfurt: 32 Grad Wärme und drei Termine. Die Rückfahrt eine Tortour. Aber immerhin. Reisen bildet – reden auch.

Heute hingegen ist halt Freitag: Office-Tag.

Ich sitze vor meinem heutigen Blog-Eintrag. Eine hartnäckig leere Seite schimmert grell-weiß im Layout-Modus von Word.

Der Spamfilter läuft zu Hochform auf und schützt mich heldenhaft vor Sonderangeboten der Kanadischen Apotheke für Viagra und Cialis, vor „Replica Watches“ sowie vor Millionen-Gewinnen und Millionen-Deals.

Die Zugriffzahlen auf MANATNET gestern und heute weisen erneut nach, dass sich während der Ferienzeit der weitgehende wirtschaftliche Stillstand in unserem Land spielend durch Temperatur-indizierte Lethargie abrunden lässt.

Bei XING, wohlgemerkt: einer Business-Plattform, vertreiben sich vorwiegend angestellte Zeitgenossen die Zeit mit weltbewegenden Fragen wie: „Wer will wissen warum meine katze "schizo" heißt?“ (Unfassbar!) oder „Beharte Männerbrust, ja oder nein?? (Über die sicher der Wärme geschuldeten Orthografie- und Rechtschreib-Fehler sehen wir, wie stets, gnädig hinweg.). Let´s be cool!

Die leere Seite ist gnadenlos. Ich fürchte, heute wird sie obsiegen.

In meinem Kopf und in meinem Bauch formiert sich mit elementarer Wucht die Frage: „Was zum Teufel machst Du hier im Büro?“

Der Kopf sagt: „Du hast noch Deinen Blog-Eintrag zu schreiben. Deine Leser warten drauf.“

Der kleine Teufel im Bauch sagt: „Schreib´, Du schreibst nichts, weil es nichts zu schreiben gibt…“

Das Telefon klingelt. Montag unterschreibt ein Interim Manager die Verträge für sein langfristiges Mandat mit einem Großunternehmen - zu einem fairen Tagessatz. Danach möchte er mich treffen. Ich treffe ihn gern. Am Rasthof Pforzheim, auf seinem Weg zum Mandat.

Die Autobahn Richtung Süden wird mich nicht in den Urlaub bringen, sondern zu einem Geschäftspartner. Das ist viel besser!

Dafür arbeite ich. Dafür lebe ich.

Dafür habe ich noch immer keine Ahnung, weshalb die Katze „Schizo“ heißt.

Es ist Freitag, 12.32 Uhr - Hochsommer

Friday, July 31, 2009

ALLES IN ORDNUNG?

Was macht ein Interim-Provider in den Ferien – was macht MANATNET in den Ferien?

Keinen Urlaub in klassischem Sinne - aber dennoch: Zwangsläufig, die Kunden sind überwiegend nicht da!, wird der Arbeitseinsatz spürbar zurückgenommen. Spürbar, weil der Körper das tatsächlich registriert und quittungs-fragende Impulse an das weitgehend herrschende Hirn sendet: Alles in Ordnung?

Alles ist in Ordnung, sicher. Soweit eben alles in Ordnung sein kann.

Seit Jahren frage ich mich - und dafür bedurfte es nicht einmal der aktuellen heftigen Wirtschaftskrise: Wie kann sich Deutschland jährlich fünf Perioden des weitgehenden wirtschaftlichen Stillstandes leisten?

Die zwei Wochen um Ostern, die zwei Wochen um Pfingsten, den durch Brückentag zerfledderten Mai, das Hoch der Sommerferien im Juli und August und - als krönenden Abschluss eines arbeitsreichen Jahres – Weihnachten und gleich Huckepack die Tage „zwischen den Jahren“.

Prompt widmete sich FAZ.net dem Thema „Netto-Arbeitszeit“ und titelte „So fleißig sind die Deutschen doch nicht!“ Aber, aber, liebe FAZ! Fast zwingend kam es im Bereich Leserkommentare zu beinahe tumultartigen Szenen unter der Überschrift „Stimmt doch gar nicht! Alles Blödsinn!“.

Fast unisono wird aus der Rückspiegel-Perspektive in die Zukunft extrapoliert und diese Sichtweise wird dann vehement verteidigt.

Leute, haltet ein! Glaubt Ihr wirklich, so wie es war wird es wieder werden? Und alles wird sich schon wieder in seine kuschelig gefügte Ordnung einschwingen – wenn wir nur lang genug abwarten?

Angesichts nie da gewesener staatlicher Schulden?

Angesichts nie da gewesener Auftragseinbrüche?

Angesichts nie da gewesener Verschiebungen in der Demographie?

Alles in Ordnung: Wenn´s einem den Atem verschlägt, macht man am besten Ferien.

Wenn wir mehr arbeiten, dann kostet das weitere Arbeitsplätze, argumentiert einer bei FAZ.net. Möglicherweise. Aber das ist es nicht:

Was wird wohl geschehen, wenn die Verwerfungen weiter zunehmen und die Arbeitgeber sich irgendwann zum Beispiel am Usus in den freien Berufen orientieren und die umfangreiche Urlaubszeit nicht länger bezahlen wollen – weil es nicht mehr bezahlbar ist?

Alles in Ordnung?

Friday, July 24, 2009

RENTE MIT 69? ABER SICHER!

Ein Aufschrei geht durch unser Land - und schon „rudert die Deutsche Bundesbank zurück“ (n-tv).

Die Deutsche Bundesbank hatte die Rente mit 69 ins Spiel gebracht - im Jahr 2060 (!). Du meine liebe Güte! Ist den so etwas zu fassen? Geht denn nun wirklich aber auch alles den Bach ’runter?

Für die Verpackung ihrer Idee hat offenbar die Bundesbank bei den Supermarkt-Strategen gelernt, die seit Menschengedenken behaupten, 1,99 seit „gefühlt“ näher an einem Euro, denn an zwei. Der Mensch, das strunzdumme Wesen, würde sich auf diese Weise gutgelaunt an der Kasse über den Tisch ziehen lassen.

So fühlt sich womöglich für eben diese Wesen die 69 der Bundesbank näher an sechzig als an siebzig Jahre. Aber dennoch: Ein Munch-würdiger Schrei hallt durchs Land der Anspruchsweltmeister!

Apokalyptische Bilder von tattrig Zementsäcke schleppenden Greisen am elfenbeinernen Krückstock laufen ab vor den geistigen Augen der selbsternannten Hüter des Renten-Grals. Eine Hoch-Zeit für Politiker und Lobbyisten – im tapferen Wettstreit heldenhaft germanischer Recken wider den bösen Drachen des Sozialabbaus:

Bundesarbeitsminister Scholz: „Das ist Quatsch!“

Deutscher Gewerkschaftsbund: „Schlechter Scherz im Sommerloch!“

IG Bau: „Am Schreibtisch der Bundesbank kann man es vielleicht bis 69 aushalten, auf der Baustelle ist die Vorstellung grotesk.“

Lafontaine: „Das ist eine Rentenkürzung.“

Dirk Nebel: „Die Bundesbank-Forderung geht an der Lebenswirklichkeit total vorbei.“

Aber nein, Herr Nebel: Ganz und gar nicht! Was für eine Scheinheiligkeit! Was für eine Heuchelei! Was für ein entlarvender Mangel an Weitblick!

Wenn wir mal außen vor lassen, dass dies ein enormes Umdenken auch in Unternehmen erfordert (wer als Fünfzigjähriger einen neuen Job möchte, weiß, was ich meine). Und wenn wir auch außen vor lassen, dass wir letztlich von unselbständig Beschäftigten oder Beamten sprechen, während Freiberufler, Selbständige und Unternehmer offenbar ohnehin ein längeres Haltbarkeitsdatum haben und nicht so schnell verfallen, wie die beiden erstgenannten Gruppen:

Heute ist es vollkommen unbestritten, dass sich Fünfzigjährige wie Vierzigjährige vor zwanzig Jahren fühlen: Selbst die Werbung greift das inzwischen auf. Analog hierzu dürften sich somit Sechzigjährige heute wie Fünfzigjährige damals und Siebzigjährige gar wie die vormals Sechzigjährigen fühlen.

Wir wollen nicht über das letzte gefühlte Jahr streiten. Sicher ist jedoch: In den kommenden fünfzig Jahren wird aus heutiger Sicht dieses „Ich fühle mich jünger als ich bin“-Phänomen zumindest nicht kollabieren. Immer bessere Lebensumstände und immer bessere medizinische Möglichkeiten werden dafür sorgen.

Extrapolieren wir einmal - und das auch nur mit halber Kraft: In fünfzig Jahren wird sich wahrscheinlich ein Mensch, der mit 70 Jahren in Rente gehen wird, so fühlen, wie ein Sechzigjähriger heute – der noch heut eigentlich erst mit 65 in Rente gehen kann. So gesehen wird er fünf Jahre besser dran sein – und obendrein, da bin ich mir ganz sicher, eine höhere Lebenserwartung haben.

Leute, seid doch endlich mal ehrlich:

Rente mit 69? Aber sicher!

Friday, July 17, 2009

MEINE ANTENNEN EMPFANGEN ANGST

Seit 1975 bin ich fast ausschließlich im Vertrieb tätig - in ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Private Kunden bei der Dresdner Bank (einst ein stolzer Name, dem ich den Vorzug gab vor der Deutschen Bank). Internationale Firmenkunden bei Chase Manhattan und National Westminster Bank.

Bei Burda folgten ein paar Jahre der vertrieblichen Abstinenz.

Danach bei debis Systemhaus und Accenture wieder Firmenkunden mit dem Schwerpunkt Internet und Informationstechnologie: Business-to-Business nennt man das heute.

Ich kenne die Kaltakquisition, das Key-Account-Management und den indirekten Vertrieb und ich bin gemessen worden an Cross-Selling und an Up-Selling.

Und ich bin seit unzähligen Jahren trainiert darauf zuzuhören. Auf aktives Zuhören, das sich während eines Gespräches unter anderem durch so genannte „Quittungsfragen“ offenbart: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass …?

Deshalb bin ich so gern bei Kunden, bei bestehenden und bei neuen. Unsere Kunden schütten ein Füllhorn aus an Informationen über uns - wenn denn ein Vertrauensverhältnis besteht: durchaus klappt das auch bei neuen Kunden! Nur: Wir müssen sehr genau zuhören - unsere Antennen wirklich und ehrlich auf Empfang stellen.

Gestern im Raum Stuttgart waren meine Antennen auf maximale Empfindlichkeit eingestellt. Ich habe empfangen: Die Geschäfte brechen weg. Das Geld wird knapp. Das Management ist überfordert und hat keine neuen Antworten. Und so:

„Wir brauchen jemanden, der Personalabbau in größerem Umfang betreiben kann?“

Wir groß ist denn ein größerer Umfang?

„3.000.“

Habe ich Sie richtig verstanden: Das Unternehmen hat 3.000 Mitarbeiter, von denen einige abgebaut werden müssen?

„Nein, 3.000 müssen abgebaut werden!“

Meine Antennen empfangen Angst.

Friday, July 10, 2009

EIGENLOB STINKT!

Foto: Stephan SasekWenn die Geschäfte rückläufig sind, dann müssen Aktionen her. Seit meinen allerersten Tagen im Berufsleben ist das so: Egal, in welcher Branche!

Seit diesen ersten Tagen frage ich mich, weshalb man mit solchen Aktionen immer genau bis zum Einbruch wartet und nicht schon vorher handelt? Jeder Erst-Semestler weiß - oder wusste es zumindest einmal -, dass solchen Aktionen je weniger Erfolg beschieden ist, je schwieriger sich das Umfeld darstellt.

Dies trifft umso mehr zu, als typischerweise keine nennenswerten Gelder für solche Aktionen ausgegeben werden dürfen: Die Controller sitzen als Sumo-Ringer des Rechungswesens auf vernagelten Kassen - und lassen sich kaum umstürzen: Pardon, umstimmen. Folglich müssen die billigsten Aktionen her - die aber dann gleich mehrfach: Call Center, Massenbriefe und E-Mailings. Und weil nahezu alle Unternehmen so denken, saufen die Empfänger ab im Schrott.

Dessen ungeachtet - und das ist typisch für den Realitätsverlust in unserem Land -, wird an den unternehmensinternen Grünen Tischen erwartet, dass sich solche Aktionen unmittelbar und mannigfach - der Markt schütte sein Füllhorn aus! - rentieren. Leider ist das in aller Regel nicht so.

Also, satteln wir flugs noch eins drauf: Wir leben doch in modernen Zeiten! Es gibt das Internet und damit gibt es weitere Möglichkeiten, seinen Müll kostenminimiert und ungefiltert unter die röchelnden Massen zu werfen: Pressemitteilungen und Presseportale!

Praktisch kostenlos wird ein Zeug in den Markt gedrückt, dass es einem schwindlig wird! Für diese Woche – gab’s Wichtigeres? – halte ich fest:

7. Juli: MANATNET wächst um gut 10 Prozent in schwachem Markt
9. Juli: 30 Jahre Interim Management in Deutschland und der Schweiz - butterflymanager beim Branchenjubiläum
9. Juli: 30 Jahre Interim Management - 30 Jahre Brainforce AG
10. Juli: AIMP Jahresforum 2009: Eine Branche trotzt der Krise mit Pragmatismus

Für diese Woche halte ich ebenso fest: Einiges an Feedback zum AIMP-Jahresforum Interim Management habe ich erhalten. Ganz überwiegend ein sehr gutes Feedback: Dafür bin ich dankbar.

Aber auch kritisches Feedback, das zum Innehalten Anlass geben sollte. Dies hier zum Beispiel: „Aber alle anwesenden Interim Manager sagten, das Selbstlob des AIMP sei schon bemerkenswert.“ Auch dafür bin ich dankbar! Denn schon meine Mutter mahnte, als Klein-Jürgen noch in Lederhosen durch den Kohlenpott rannte:

Eigenlob stinkt!

Friday, July 03, 2009

MAILEN SIE NOCH ODER ZWITSCHERN SIE SCHON?

Nun zwitschere ich. Nicht zu fassen!

Aber so bin ich: Irgendwann fällt ein Begriff – meist in der FAZ – und ich lege ihn ab unter „For further Reference“ in den hinteren Furchen meines matten Hirns.

Meist, wenn auch nicht immer, häufen sich im Laufe der dann folgenden Monate die Nennungen eines solchen Begriffs. Spätestens dann, wenn dann dieser Begriff im Fernsehen fällt, fühle ich akuten Handlungsbedarf. Und dann folge ich meinem Gefühl, hole den Begriff aus der mentalen Ordner mit der Kennung „For further Reference“. Und dann lese ich mich ein und teste, was sich dahinter verbirgt.

So war es mit „Sykpe“. So war es mit „WEB 2.0“. So war es mit „Second Life“. So war das mit „Blog“. Und so ist es jetzt mit „Twitter“.

Seit der spektakulären Notlandung im Hudson oder den Geschehnissen im Iran kann man nicht ernsthaft bestreiten: Twitter ist da.

Ich frage mich regelmäßig: Wie kann ich das für unser Geschäft nutzen?

Und für Twitter gebe ich gerne zu: Ich habe keinen blassen Schimmer!

Unter dem Namen MANATNET, natürlich, nehme ich seit einigen Tagen am Austausch vorwiegend belangloser Nachrichten mit einem maximalen Umfang von 140 Zeichen, der zudem kaum ausgeschöpft wird.

Wer mich kennt, den wird es nicht verwundern, dass ich Twitter im Augenblick als komplette Zeitverschwendung eingeordnet habe – auch wenn mitunter brillante Gags abfallen: http://bit.ly/7Umed.

Aber irgendetwas ist da noch. Keine Ahnung, was. Aber möglicherweise kommuniziere ich den Status unserer Projektarbeit über Twitter – irgendwann.

Vorher werden wir, wie stets, unsere Interim Manager fragen. Ich sehe schon meine Steuerdatei vor mir:

Mailen Sie noch oder zwitschern Sie schon?

Friday, June 26, 2009

YABI DABBI DOO '09

Es gibt Tage, da verblassen alle anderen Themen für uns alle: Hierzu gehört der 11. September 2001.

Es gibt Tage, da verblassen alle anderen Themen für die meisten von uns: Hierzu gehört der 13. März 2009 (Elf Wochen nach Heiligabend).

Und es gibt Tage, da verblassen alle anderen Themen für ganz wenige von uns – und dennoch haben sie im individuellen familiären Mikrokosmos eine gleich hohe Bedeutung: Heute ist solch ein Tag!

Mein Sohn hat sein Abitur bestanden und erhält heute sein Zeugnis der Reife!

Der befangene Vater stellt verblüfft fest, dass ihm der Blogeintrag für diesen Freitag schwerer fällt als sonst. Auch das ein klares Zeichen dafür, dass hier eine außergewöhnliche Situation vorliegt.

Verworfen hat er Poesie, Lyrik, Oden oder Epen: Das sind wir beide nicht – Phillip nicht und ich auch nicht.

„Hey, Phil, gut gemacht! Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für Deinen weiteren Weg. Ich bin stolz auf Dich.“

Das bin ich.

Im Hintergrund läuft „Rammstein – mixed by Phil“.

Das ist Phillip.

YABI DABBI DOO!

Friday, June 19, 2009

NICHT DAS EINZIG HOHLE

Mein Freund kommt vorbei auf einen schnellen Kaffee. Er arbeitet als etablierter Bauunternehmer im Straßenbau mit einer eigenen Firma – ein Vertreter des Deutschen Rückgrats, des Deutschen Mittelstands.

Er berichtet von seinem Auftraggeber, der Deutschen Bahn, den er gefragt hatte, wo denn die vielen Aufträge aus dem großen Infrastruktur-Konjunkturprogramm der Bundesregierung blieben.

„Fünf von sieben Aufträgen wurden inzwischen storniert. An zwei Aufträgen arbeiten wir noch“.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ihn richtig verstanden habe:

„Du sagst: Von sieben Aufträgen der Bundesregierung sind fünf zurückgezogen worden?“

„So ist es.“

„Das bedeutet für mich: Das Konjunkturprogramm ist eine Luftblase.“

„So ist es.“

Ich sehe vor mir eine Luftblase: Derzeit in unserem Land leider nicht das einzig Hohle!

Friday, June 12, 2009

ALLES WIEDERHOLT SICH IRGENDWANN UND IRGENDWO

Copyright by Gaetano Gross - Caravaggio meets Pop-ArtAbgesehen von den wenigen seltenen und daher fast schon exotisch anmutenden Ausnahmen ist die Kommunikationsfähigkeit der heutigen Jugend bipolar ausgeprägt (zumindest bei der Jugend, die ich kenne)!

Schillernde Brillanz und verblüffende Multithraeding-Kompetenz in der digitalen Kommunikation: E-Mail, SMS und Chat – alles gleichzeitig! Untermalt durch die monoton wummernde Hintergrundmusik der „Motherfucker“-Fraktion werden zur Abrundung im Parallelverfahren neue Level von Computerspielen erobert.

Immer wieder bin ich sprachlos!

Anders sieht es aus in der analogen Kommunikation – dieses antike Interagieren von menschlichem Ohr, Hirn und Mund. Hier staunen wir über einen geringen Wortschatz verquickt zu kurzen Informationsschnipseln, die sich der geneigte Empfänger zusammenreimen muss, um darin möglicherweise tiefe und weiterreichende Botschaften zu entschlüsseln. Ich kenne Jugendliche, die sitzen gelübdegleich schweigend beim Abendessen. Ich kenne sogar Jugendliche, die beherrschen die bis dahin mir unbekannte Fähigkeit, auf offene Fragen geschlossen zu antworten.

Manchmal glaube ich, die den Jugendlichen so vertraute „Short Message“ (SMS) wird in die Welt der analogen Kommunikation portiert - völlig gleichgültig, ob der Empfänger sich selbst im SMS-Modus befindet oder nicht.

Nun trifft mein älter werdendes Hirn, ohnehin kurz vor dem „Information-Overload“, auf dieses jugendlich fröhlich, unbeschwerte Kommunikationsverhalten.

Und bricht auf breiter Front ein.

Während eines Abendessens verkündete mein Sohn den Termin für seine Abiturfeier: 26. Juni. „Kommt Ihr?“ „Aber klar!“ Ende. Themawechsel.

Meinen typischen Reflex, sofort zum Rechner zu rennen und den Termin Outlook anzuvertrauen, rang ich heroenhaft nieder: Meine Frau Sabine hätte mich mit Blicken gekreuzigt.

Und damit rutschte mir der Termin durch.

Und damit war der Termin nicht mehr auf meinem Radarschirm.

Und damit war mein Hirn nicht mehr in der Lage zu melden: „Achtung Terminkonflikt! An diesem Tag steht seit Monaten das Lokale Interim Manager-Treffen in Stuttgart an. Und nebenbei, Du Depp, der letzte Freitag im Monat ist immer für Lokale Interim Manager-Treffen vorgesehen!“

ICH HATTE DAS HALT NICHT MEHR AUF DEM RADARSCHIRM!

Die hohe Schule: Ich mache vor ein paar Tagen mein Follow-up: Auf dass auch ja jeder Bescheid wüsste und sich anmelde. Und wie immer: Pack Dir den Tag vor Ort möglichst voll mit Kundenterminen. Es gelang vollkommen.

Am Dienstag beim Essen. Mein Sohn schnorrt Geld für die Abiturfeier. Für den 26. Juni.

Ich kenne diese Situationen – und ich fürchte sie. Großhirn an restlichen Körper: „Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht! Prüfroutine starten – Korrekturmaßnahmen einleiten!“

Alle Interim Manager, die für das lokale Treffen in Stuttgart zugesagt hatten, habe ich offen gefragt, ob sie mir gestatten, unter diesen Umständen das Treffen abzusagen. Alle anderen waren sehr nachsichtig mit mir. Ich danke ihnen aufrichtig!

Einer schrieb: „Guten Morgen Herr Becker,
ich habe großes Verständnis für das Problem. Aber gestatten Sie mir, dass ich schmunzle. Bei meinen 2 Töchtern war es ähnlich.

Alles wiederholt sich irgendwann und irgendwo.“

Friday, June 05, 2009

ERST DAS VERGNUEGEN - DANN DIE ARBEIT

Es gibt keine Alternative: Ich muss mein Leben überdenken. Und mich den Verhaltensmustern der ach so innovativen Gesellschaft anpassen – auch wenn ich mich lange dagegen gesträubt habe.

Meine Konditionierung seit nackten Kindesbeinen (ich bin ein Archetyp der Silver-Generation) lautet: Erst die Arbeit - dann das Vergnügen.

Ich musste sämtliche Hausaufgaben erledigen – und durfte danach erst nach draußen. Wenn es danach regnete: Schade aber auch.

Ich musste Vokabeln lernen – und durfte dann erst Fußball spielen: Wenn die anderen dann nicht mehr spielten: Schade aber auch.

Und der Gipfel: Vor alledem musste ich abtrocknen!

Zwar habe ich keine bleibenden Schäden davongetragen (Eigenbild!), jedoch behaupte ich nicht, dass ich damals dafür ein überragendes Verständnis aufgebracht hätte.

Aber ganz eindeutig: Diese meine Konditionierung hat dazu geführt, dass ich Privates oder gar Freizeit der Arbeit und den Kunden ausnahmslos unterordne. Meine AIMP-Kollegen necken mich daher gern mit dem Attribut: „Kassenknecht mit ausgeprägt calvinistischer Prägung“.

Hört Ihr Leut: Diese Prägung wankt seit heut!

Am Ende der um das Pfingstfest arrangierten deutschlandweiten Ruhepause ändere ich meine Prioritäten für heute. Es ist eh niemand da, der meine Arbeit bewundern könnte!

Heute antworte ich nur auf Dinge, die hier aufschlagen. Es schlägt eh kaum etwas auf – von wem auch?

Heute gehe ich Einkaufen.

Heute koche ich.

Heute lade ich ein paar Freunde ein zu Spaghetti mit Zitronenmelissepesto und Chili-Garnelen.

Heute ändere ich mein Leben – zumindest mal für einen Tag: Erst das Vergnügen – dann die Arbeit.

Friday, May 29, 2009

DER HEILIGE GEIST ERLEUCHTE EUCH

Keine Angst, und ganz deutlich: Nichts Blasphemisches habe ich im Sinn! Viel mehr bin ich gezeichnet von Wunden, die ich jüngst im Kundengeschäft davongetragen habe:

Kunde 1: Seit Januar einen ganz besonders spezialisierten Interim Manager auf CEO-Level gesucht - das volle Programm, einschließlich „brasilianisches Portugiesisch“. Seit einem Monat hat der Kunde die Kommunikation mit uns komplett eingestellt.

Kunde 2: Sucht händeringend einen ganz besonderen Interim Manager. Der Markt ist eng. Wir arbeiten wochenlang, müsse sogar die Netzwerke befreundeter AIMP-Provider nutzen. Stellen schließlich Kandidaten vor: Seit zwei Wochen hat der Kunde die Kommunikation mit uns eingestellt. Auf allen Kanälen: Festnetz, mobil und per E-Mail.

Kunde 3: Eine Interim Managerin sucht einen weiteren Interim Manager für ihren Klienten. Wir liefern Anfang Mai die fachlichen Profile der Kandidaten - innerhalb von Stunden. Bis heute keine Reaktion von Ihr – und die Kommunikation: eingestellt - mobil und per E-Mail.

Ich stoppe hier – bin jedoch längst noch nicht am Ende dieser Storyline: Bin dafür zugegebenermaßen ratlos, fehlen mir doch die Worte, ob eines solchen Verhaltens.

Was ist denn hier los – in diesem unseren Lande?

Wisst Ihr tatsächlich noch, was Ihr tut?

Oder tut Ihr tatsächlich schon längst nichts mehr?

Habt Ihr tatsächlich nicht mehr das Rückgrat, mit denen auch nur zu sprechen, die Ihr losgeschickt habt - für Euch?

Bringt Ihr es tatsächlich nicht mehr fertig zu sagen: „Hey, tut mir leid: Alles ist wieder mal anders. Die Krise und so, Du weißt schon: Unsere Kohle ist alle. Ich kann jetzt nicht (mehr)!“? Und ich erwarte das tatsächlich und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, dieses: „Tut mir leid!“ vom Kunden – statt einfach abzutauchen und die eigene Professionalität auf dem Altar der Bequemlichkeit zu opfern.

Und: Erwartet Ihr tatsächlich, dass Ihr sie gutgelaunt bei nächster Gelegenheit wieder für Euch losschicken könnt – womöglich gar erneut ohne Gegenleistung?

Oder bereitet Ihr Euch womöglich vor? In Klausur, schmachtend und ausgetrocknet und nach Erleuchtung heischend?

Übermorgen ist Pfingsten: Der Heilige Geist erleuchte Euch!

Friday, May 22, 2009

NOCH SCHWER TRADITIONELL: DIE INTERIM-SZENE

Unverändert traditionell zeigt sich aktuell die Interim-Szene: Zu sirenengleichen Melodeien wird das Hohe Lied des hohen Tagessatzes intoniert – mit dem launigen Refrain: „Und geht´s den Firmen noch so schlecht – fette Honorare nun erst recht!“. Und nach wie vor definieren „Poolgrößen“, Dreiecksverträge und „Shadowmanagement“ dieses durch Intransparenz gekennzeichnete Geschäft.

Nun mag man von den digitalen Plattformen zur Geschäftsanbahnung halten, was man will. Auch von XING. Nur: Ohne jede Frage, sie sind da. Und damit schaffen sie Wirklichkeit.

So auch am Montag dieser Woche, als ein in der Interim-Szene bekannter Interim Manager im Forum „Freiberufler Projektmarkt“ die Diskussion unter der Überschrift lostrat „Wir danken…und kommen…“.

Der Kern seiner Kritik: Wenn Interim-Provider einem Interim Manager ein Mandat andienten, dann erwarteten sie eine professionelle Reaktion des Interim Managers – also alle relevanten Informationen zu liefern: und zwar flott. Danach jedoch höre man nichts mehr von den Interim-Providern. Nicht einmal eine Absage.

Nun mag die Interim-Szene das „offiziell“ bestreiten. Ich fürchte jedoch, er hat weitgehend Recht!

Das ist das Eine, über das unsere Branche nachdenken muss.

Das Andere: Offenbar haben 1.200 Nutzer von XING, also Interim Manager und Freelancer, diese Diskussion bis tief in den Vatertag hinein verfolgt. Einige haben an der Diskussion teilgenommen – und praktisch ausnahmslos der Kernaussage zugestimmt. Bis auf eine Ausnahme war kein Interim-Provider darunter.

Die Pools der bekannten Interim-Provider haben etwa 750 bis 3.000 Mitglieder. Daran gemessen haben diese über 1.200 Nutzer schon eine gehörige Relevanz für uns. Und kaum einer von uns reagiert.

In Zeiten des WEB 2.0 auf dem Weg zum WEB 3.0 und des Viralen Marketings ein kaum nachzuvollziehendes Verhalten. Wie wär´s mit ein wenig „Change Management“ für uns selbst?

Sie ist halt doch noch schwer traditionell: Unsere Interim-Szene.

Friday, May 15, 2009

IRRE: 50 PROZENT FUER ZERO

Der vergangene Freitag ist in der Tat in meine persönliche Geschichte eingegangen: Morgens zwischen 8 und 10 Uhr Teil zwei meiner Zahnoperation. Vom Zahnarzt direkt in den Fond meines Diesel und auf nach Berlin: Um 19 Uhr findet unser regionales Interim Manager-Treffen in Berlin statt.

Der Arzt legt die Stirn in Falten. Meine Frau hält mich seit langem für phasenweise irre. Dennoch fährt sie mich – im Wechsel mit meinem Sohn. Sie haben dünn geschnittenen Marmorkuchen (gegen den Hunger) und acht Tiefkühl-Akkus (gegen die Schwellung) dabei. Manchmal bin ich meiner Familie sehr dankbar.

Nach 400 Kilometern sind alle Kühl-Akkus aufgebraucht. Der betriebswirtschaftlich geprägte Kopf errechnet den Durchschnitts-Verbrauch von Akkus: 1 Akku auf 50 Kilometer. Die Akkus sind gegangen – der Schmerz kommt. Kohorten von Tabletten werden in die Schlacht geschickt, schlagen ihn vernichtend. Du bist tatsächlich ein wenig irre!

Stau. Klar. Wir lernen neue Städte und Städtchen kennen – unter anderem Jena. Knapp 9 Stunden für 760 Kilometer. Auch irre.

Irgendwo dort stelle ich meinen Blogeintrag online. Vom Auto aus. Über UMTS. Was heute alles möglich ist: Einfach irre!

Dennoch erreiche ich den Treffpunkt pünktlich, aber drei Interim Manager sind schon da. Es wird ein bemerkenswerter Abend. Eine Teilnehmerin wird ihn in einer Mail am Montag als „interessant, amüsant und verging wie im Fluge“ bezeichnen. Dem kann ich nur zustimmen. Keine Powerpoints, keine bekehrenden Reden und vor allem keine Schalmaienklänge, sondern ein Abend unter Erwachsenen, unter Professionals.

Das Highlight kommt aus dem Teilnehmerkreis. Ein Provider zieht 50 Prozent Provision vom Tagessatz ab – der Rest kommt an beim Interim Manager. Kein Gerücht also, sondern Tatsache.

In solchen Situationen schlage ich nicht auf den Wettbewerb ein: „Sicher macht er dann viel für den Kunden und Sie. Unsere Kollegen nennen das in der Regel „Shadow-Management“.

Mein Gegenüber schloss Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zu einem Kreis: Ein wortloses „Zero“.

Völlig irre: 50 Prozent für Zero!

Friday, May 08, 2009

IS THERE ANYBODY OUT THERE?

Ich bin kein Fernsehtyp – eher bin ich ein Fernsehhasser. Fahrlässiger kann man kaum Lebenszeit verbrennen.

Zudem bin ich der Alptraum für jeden Werbetreibenden: Sobald das Werbelogo erscheint, völlig gleichgültig auf welchem Kanal, schalte ich den Ton weg und greife zu Lektüre, die deshalb immer in Reichweite neben mir liegt.

Dennoch habe ich Lieblingssendungen, nicht viele zwar, aber immerhin. Zu meinen Lieblingssendungen gehört „Neues aus der Anstalt“. Alles wirkt so vertraut!

Diese Woche war wieder eine Woche aus der Anstalt. Eingeliefert wurden ein paar Zeitschriften. Spektakulärster Patient: Impulse.

Unter der Überschrift „SONDEREINSATZ – Interimsmanager: Viele Unternehmen holen sich in der Krise externe Sanierer. Das Fünf-vor-zwölf-Geschäft boomt“ schreibt das Heft, dass Herr Christophers von der DDIM mehr Restrukturierungsanfragen bekommt, als er bearbeiten kann (Ja, ich weiß, die DDIM ist ein Verband, aber das tut hier nichts zur Sache).

Und auch Herr Angster von der BRSI erlebt, dass Leute für Feuerwehreinsätze derzeit besonders gefragt seien: Auf seiner Internetseite stiegen die Zugriffszahlen derzeit jeden Monat um 10 Prozent (Ja, ich weiß, Ihr IT-Asse: Diese Aussage ist falsch (Site – statt Seite). Aber das tut hier nichts zur Sache).

Der Kracher, der Herrn Priols Haare gen Zugspitze ausrichten würde, kommt noch: Für die Heilsbringer vom Seenotrettungsdienst für schiffbrüchige Unternehmen werden bis zu 3.500 Euro am Tag gezahlt. [Ein besonderes Bonmot: Der echte Seenotrettungsdienst (DGzRS) ist chronisch unterfinanziert und muss pausenlos sammeln – vom Fender für 35 Euro bis zur Tankfüllung für 650 Euro; nachzulesen auf deren Site].

Zwar sitzen die Unternehmen deutschlandweit in der Scheiße und haben weder genügend Hirn noch Cash (pardon: wäre das Unternehmen sonst in eben dieser Scheiße?), aber dennoch: Heißa – hier ist der Scheck für die Heilsbringer – aber gerne und mit einem Lied auf den Lippen!

Das wird dann doch selbst für Impulse ein wenig unheimlich: Verschämt hängt die Autorin ein „…wenn sie es sich denn leisten können!“ an.

Ist da draußen wirklich noch jemand, der das glauben wird?

Ist da draußen wirklich noch jemand, der das zahlen wird? 3.500 Euro am Tag sind 70.000 Euro im Monat oder 420.000 Euro im Halbjahr! Der Vollständigkeit halber: Plus Spesen.

Ist da draußen wirklich noch jemand in Zeiten der Manager-Schelte, der sich mit dieser Botschaft vor seine Mitarbeiter stellt?

Ist da draußen wirklich noch jemand, der all das zulassen wird?

Roger Waters von Pink Floyd ließ die Frage unbeantwortet:

“Is there anybody out there?“

Ich denke, ich weiß, warum.

Friday, May 01, 2009

TAG DER ARBEIT - ICH WARTE DARAUF

Nun, ich weiß. Es nicht ungewöhnlich für mich, dass ich am Feiertag arbeite. Meine Frau sagt, es sei sogar eher typisch für mich, dass ich am Feiertag arbeite.

Zur Ehrenrettung: Das ist das Motto des heutigen Feiertags! Heute ist der Tag der Arbeit!

Ich mache die Zugriffsstatistik für die AIMP-Site und versende sie an alle AIMP-Mitglieder. Draußen ist noch alles ruhig.

Ich verlinke vom Marktplatz MANATNET auf jeden Interim Manager, der im April neu hinzugekommen ist. Eine Hälfte der Gegenleistung für unsere „Registration Fee“.

Ich mache die Zugriffsstatistik für die MANATNET-Site – und bereite sie auf: Ich brauche die Analyse für unseren Newsletter. Die Interim Manager warten darauf. Ich werde sie nicht warten lassen. Ich warte selbst nicht gern. Draussen ist noch immer alles ruhig.

Ich schreibe den Newsletter. Das Personalisieren ist inzwischen ein Kinderspiel, aber das Volumen steigt halt jeden Monat.

Ein neuer Interim Manager registriert sich. Ich begrüße ihn. Die Nachbarn lärmen im Garten.

Ich entwerfe meinen Blogeintrag für heute. Heute ist zwar Feiertag – aber auch Freitag. Und Freitag ist Blog-Tag. Meine Leser warten darauf. Ich werde sie nicht warten lassen.

Ich versende den Newsletter. Das dauert seine Zeit.

Eine Interim Managerin ruft mich an. Ich hatte darum gebeten. Ich verpasse ihren Anruf. Ich rufe zurück, wir sprechen über Projekt I-09-07. Dann entscheiden wir, ihren Lebenslauf besser auf die Erwartungen des Klienten abzustimmen. Ich mache den ersten Wurf. Der Klient wartet darauf. Wir werden ihn nicht warten lassen.

Themensonntag bei 3sat. David Gilmour spielt „Comfortably Numb“: Überirdisch!

Ich erhalte eine Information. Ein Interim Manager – tätig beim Kunden – ruft an. Wir hatten das gestern so abgesprochen. Die Zeit drängt. Wir arbeiten gemeinsam an zusätzlicher Unterstützung im Einkauf. Projekt I-09-07. Er wartet darauf.

Diese Information des Interim Managers leite ich weiter an den derzeit bevorzugten Kandidaten. Er wartet darauf. Die Nachbarn haben lärmend Besuch bekommen.

Tag der Arbeit.

Heute beim Arbeiten: Alles Freiberufler.

Heute beim Feiern: Menschen in Festanstellung.

Das ist Teil des Problems in diesen Zeiten.

Das muss sich ändern. Ich warte darauf.

Friday, April 24, 2009

OPTIMIST - PESSIMIST - REALIST

Oft werde ich kritisiert. Oft wird mir vorgeworfen, ich sei ein Pessimist. Ich halte mich tatsächlich eher für einen Optimisten, ganz sicher aber mehr für einen Realisten.

Ich beobachte genau, lese viel, höre meinen Kunden zu und bilde mir dann meine eigene Meinung: Nicht immer entspricht sie dem Mainstream.

Und so hatte ich bereits im Juni des vergangenen Jahres, geglaubt, erste Anzeichen für ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld entdecken zu können.

Schwarzmalerei! Diplomierter Pessimist! Das war das Mindeste, was ich zu hören bekam. Inzwischen weiß jeder, wie sich die Wirtschaft seitdem entwickelt hat.

Nun gibt es wieder einen Mainstream in diesem Lande. Und offenbar einen Wettstreit: Wer liefert die schlimmsten Horrorzahlen? Alles ist furchtbar und es wird noch furchtbarer. Deutsche Unternehmen zum großen Teil in der Schockstarre!

Heute, und genau heute, hat das Ifo-Institut zum ersten Mal seit vielen Monaten seinen Index veröffentlicht, der sich verbessert hat gegenüber dem Vormonat.

Ein junges, anfälliges Pflänzchen, ich weiß!

Aber es ist nicht wegzudiskutieren: Erstmals wieder schätzen die Unternehmenslenker die wirtschaftliche Lage und ihre Zukunftsaussichten besser ein. Wenn auch nur wenig. Wenn auch von einer sehr tiefen Basis aus. Wenn auch erstmals, wo doch erst ein dreimal hintereinander verbesserter Index nach klassischer Lehre eine Trendumkehr anzeigen würde.

Ich persönlich messe dem aber eine sehr große Bedeutung bei! Warum? Schlechte Stimmung erschwert wirtschaftliches Handeln – gute Stimmung erleichtert es: Da bin ich dann doch ganz Optimist - sicher kein Pessimist. Und vermutlich wieder Realist.

Friday, April 17, 2009

FROESCHE ODER SHAKESPEARE: WAS IHR WOLLT!

Donnerwetter! Da geht die Zeitschrift „VentureCapital Magazin“ im Heft 4/2009 darauf ein, dass es im deutschen Interim-Geschäft zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle gibt: Das „Holländische Modell“ und das „Angelsächsische Modell“. Im Kern, man mag mir diese Vereinfachung nachsehen, besteht der wesentliche Unterschied in den Verträgen zwischen den beteiligten Parteien (Dreiecksverträge gegenüber Direktem Kontrahieren).

Respekt, VentureCapital Magazin! Ihr seid die Ersten, die das erkannt und obendrein zum Thema gemacht haben. Kein Leser Eures Heftes ist jedoch so einfältig, dass er nicht bemerkt: Ihr lasst vier Interim Provider im Heft wortgewandt erläutern, weshalb das Holländische Modell das allein Seligmachende ist - und den einzigen Provider, der in Deutschland nach dem Angelsächsischen Modell arbeitet´, schweigt Ihr tot.: MANATNET.

Früher hätte ich mich darüber schwer aufgeregt. Heute fallen mir Frösche ein: „Wer einen Sumpf austrocknen will, sollte nicht die Frösche fragen.“

Der DDIM fragt im Rahmen seiner Online Markterhebung „Interim Management Markt 2009“ in Teil vier (Frage 4.2) „Welche Interim-Provider kennen (!) Sie?“ Und gibt 20 namentlich genannte Provider vor. Selbstverständlich fehlt MANATNET.

Ein Schelm, der nicht bemerkt, dass von diesen zwanzig Providern nur fünf bei Google eine bessere Positionierung oder ein besseres Page-Ranking (und hier muss ich schon die zeitarbeitsnahen Unternehmen berücksichtigen) haben als MANATNET. Ist sicher in den heutigen Zeiten nicht so wichtig.

Früher hätte ich mich darüber schwer aufgeregt.

Heute fällt mir Shakespeare ein: (Macht doch,) Was Ihr wollt!

Friday, April 10, 2009

PAULA SIEGT GEGEN STRING TANGA

Ein paar Gedanken zur Presse wollte ich niederschreiben. Vielleicht am nächsten Freitag: Wir stehen kurz vor Ostern!

Also alles umstellen. Unterdessen laufen die ersten Anmeldungen für das AIMP-Jahresforum in Wiesbaden ein. Vorösterliche Freude!

Was kann ich tun, um einen ähnlich süßen Aufhänger für meinen Ostereintrag zu finden, wie im vergangenen Jahr?

Ich hatte es befürchtet – und nach 35 Seiten Google (Bildersuche: „Osterhase“) mit unsäglichem Schrott war es Gewissheit:

Auch nach einem Jahr ist Paulas Osterhase nicht zu toppen! Ich erinnere mich gut an den Eintrag genau vor einem Jahr – und auch auf die Reaktionen darauf, die ja doch in der Regel außerhalb meines Blogs stattfinden: Schade eigentlich!

Ich war wirklich guten Willens, aber was Google heute anbot, kann ich nicht für mein Blog verwenden. Das Spektrum reicht von unglaublichem Kitsch über Ergüsse dilettierender Knipser bis zum Osterhasen-String-Tanga (14.90 Euro)! Wie sinnig! Da sucht man(n) gerne!

Ich habe eine Regel für mein Blog: Kein Bild wird zweimal verwendet. Auch Paulas Osterhase nicht – und wenn´s mir noch so schwer fällt.

Aber eins ist sicher: Zwar ist Paulas Osterhase im Google-Ranking abgestürzt auf Position 218 – rangiert aber noch klar vor den String-Tangas!

Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen: Paula siegt gegen String Tanga!

Allen meinen Lesern wünsche ich ein schönes Osterfest.

Friday, April 03, 2009

AIR FORCE ONE - YIN UND YANG

Die ersten Mails sind da: Ob mir etwas zugestoßen sei, denn mein Blogeintrag sei noch nicht online.

Zerknirscht und in Sack und Asche gebe ich zu: Ich hab´s nicht geschafft! Dafür gibt es einen einfachen Grund:

Gestern war Mitgliederversammlung des AIMP in München und anschließend das Münchener Forum Interim Management (FIM) – mit gut 100 Interim Managern. Das erste FIM, für das wir die Anmeldung ein paar Tage vor dem Termin schließen mussten. Wir haben viel geschafft. Mich auch!

Als Gastgeber gehst Du dann halt erst am Schluss der Veranstaltung. Und so standen zwischen mir und dem Feierabend noch gute 350 Kilometer – die meisten davon quasi unter Polizeischutz, denn mein Weg führte mitten durch die letzten Vorbereitungen zum NATO-Treffen.

Sicher wie selten und auch spät wie selten habe ich mein Bett erst gegen 2.30h am heutigen Morgen taumelnd erreicht.

Air Force One ist in Lahr gelandet am frühen Morgen. Keine zehn Kilometer entfernt. Hätte ich gern gesehen – auch den Begleitschütz der Jagdflugzeuge. Mein Körper hat gestreikt.

Lean Management in der eigenen Firma hat sicher viele Vorteile – besonders in den heutigen Zeiten. Es hat auch Nachteile.

Wir nehmen sie in Kauf: ganz bewusst - und bleiben lean.

Keine Rose ohne Dornen. Yin und Yang.

Friday, March 27, 2009

19, 40 - PERFORMANCE: UNTERIRDISCH!

Vera Bloemer lieferte die Ergebnisse der AIMP-Providerumfrage 2009 zum vergangenen Wochenende: In Excel, rechtzeitig und wie abgesprochen. Vera ist sehr zuverlässig.

Meine Frau Sabine war rechtzeitig nach Berlin geflohen: Sabine ist sehr weitsichtig.

Meinem Sohn Phillip war ohnehin alles egal: Phillip ist mitten im Abitur - im Ausnahmezustand.

Wieder eine umfangreiche Aufgabe für mich: Wieder am Wochenende. Wie denn sonst soll ich dreizehn Stunden freimachen, um Veras Zahlen in eine power-pointierte Präsentation zu überführen? Aber: Alles wichtig. Alles farbig. Alles fertig. Performance: stark.

Wir werden die wesentlichen Ergebnisse am 2. April beim AIMP-FIM in München präsentieren - Thorsten Becker und ich. Alles wichtige Zahlen.

Am 2. April wird mein Sohn Phillip 19.
Am 2. April wird eine liebe Freundin 40.

Die einzig wichtigen Zahlen.

Performance: unterirdisch.

Friday, March 20, 2009

GIBT'S WAS NEUES, HERR BECKER?

Jeder weiß, MANATNET arbeitet anders als alle anderen Interim-Provider. Nicht alle finden das gut. Wir schon.

Heute denke ich dabei nicht an Geschäftsmodelle, offene Datenbank oder Direktes Kontrahieren oder sonstige „Hard Facts“.

Heute denke ich an Kommunikation – an unsere Regelkommunikation während der Geschäftsanbahnung:

Die Information an Interim Manager, dass ein Kunde grundsätzlich Interesse hat. Und die daraus inzwischen zwingend erforderliche Verifizierung der jeweiligen Verfügbarkeit (Dieses Datenbankfeld könnten wir uns theoretisch schenken, so schlecht wird das von den Interim Managern gepflegt!)

Die Information, dass der Klient den Lebenslauf angefordert hat – oder, dass der jeweilige Interim Manager nicht in die engere Auswahl gekommen ist.

Die Information, dass ich mit dem Klienten im Dialog stehe und mich melde, sobald ich neue Informationen habe.

Die Information über den Status, wenn ich Feedback erhalten oder eben nicht erhalten habe, denn: An ein paar Fingern kann ich abzählen, wie viele Klienten sich an ihre selbst gesetzte Deadlines halten. Ich weiß, dass ich mit dieser mathematischen Höchstleistung in bester Gesellschaft bin.

Dennoch klingelt regelmäßig das Telefon – und dann folgt genau das: „Herr Becker, gibt´s was Neues?“

Regelmäßig mache ich dann ein paar Atemübungen und antworte höflich: „Nein, tut mir leid. Sie wissen doch: Die Kunden sind um den Faktor 10 langsamer als Sie und wir.“, denn die Interim Manager sind meine Kunden.

Und ich ringe regelmäßig den kleinen Teufel in mir nieder, der rebelliert und ganz anders antworten möchte.

Mein kleiner Teufel – im ironischen Modus:

„Gut dass Sie anrufen und mir ein kleines Gehirnjogging spendieren. Bitte warten Sie einen Augenblick und lassen Sie mich kurz ein paar Synapsen unter Starkstrom setzen: Ich weiß dann sofort, von welchem Projekt Sie reden, wo wir stehen und wie es gleich weiter geht.“

Oder – mein kleiner Teufel im sarkastischen Modus:

„Ja klar. Aber ich hab mir gedacht, ich sag mal nichts und warte bis Sie anrufen.“

Oder – mein kleiner Teufel im arroganten Modus:

„Oh! Gut, dass Sie anrufen. Hätte ich fast vergessen: Der Kunde möchte Sie in einer halben Stunde in seinen Büros treffen. Das schaffen Sie doch sicher, oder?“

Oder – mein kleiner Teufel im bitterbösen Modus:

„Ja, wenn mich Ihr Anruf nicht davon abgehalten hätte, beim Klienten nachzufassen: Leider fehlt mir jetzt die Zeit dafür!“

Von Beginn an gilt MANATNET als Interim-Provider mit vorbildlichem Kommunikationsverhalten: Schnell, durchgängig und ehrlich.

Offenbar ist unsere Kommunikation derart gut, dass manche das kaum glauben können.

Während ich heute schreibe, flüstert mein kleiner Teufel diabolisch grinsend: „Gell, Du kannst es nicht mehr hören, dieses: „Gibt´s was Neues, Herr Becker?““

Friday, March 13, 2009

ELF WOCHEN NACH HEILIGABEND

Was schreibe ich an diesem Freitag, wieder an einem Dreizehnten? Zwei Tage nach dem nahezu unglaublichen Geschehen in Winnenden?

Wie kann sich eine solche schier unglaubliche Aggressivität im Herzen eines Siebzehnjährigen Bahn brechen?

Wie kann ein Siebzehnjähriger 122-mal den Abzug der Beretta seines Vaters durchziehen? Mädchen sterben sehen? Jungen sterben sehen? Frauen sterben sehen? Männer sterben sehen? Und achtmal ungerührt nachladen, weil das Magazin leer ist?

Wie kommen die Familien damit klar, dass ihre Töchter nicht mehr nach Hause kommen?

Wie kommt die Familie damit klar, dass ihr Sohn nicht mehr nach Hause kommt?

Wie kommt das Kollegium damit klar, dass drei ihrer Lehrer-Kolleginnen hingerichtet wurden?

Wie kommt die Familie eines Handwerkers damit klar, der sterben musste, weil er zur falschen Zeit für die Klinik zu werkeln hatte?

Wie kommt eine Familie damit klar, dass ihr Vater gestorben ist, nur weil er ausnahmsweise ein Auto kaufen wollte?

Wie kommt eine Familie damit klar, dass ihr Vater gestorben ist, nur weil er wie immer Autos verkaufte?

Wie kommen die Familien der beiden Passanten damit klar, dass auch sie sterben mussten, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz waren?

Wie kommt die Familie von Tim K. mit all dem klar?

Am Tag, als nichts mehr war, wie bisher: Auf den Tag - elf Wochen nach Heiligabend.

Heute hat mich ein Kunde schwer verärgert: Es hat keine Bedeutung.

Friday, March 06, 2009

EIN ZAHNARZT AUF VERLORENEM POSTEN

Gestern, 18.00h. Mir schwirrt der Schädel. Ich brauche eine Pause. Dringend. Gönne mir eine Zigarre. Selten genug. Dennoch: Mein Zahnarzt wird mich erschlagen!

Eine offene Flucht meinerseits. In die Ruhezone vor dem Kamin. Warm. Flackernd. Knisternd. Ruhe. Zigarre. Einen Rotwein? Übertreib´s nicht!

Ruhe, um einmal ein wenig nachzudenken. Oder vorzudenken. Wir denken zu viel nach in diesem Land. Und zu wenig vor. Viel zu wenig vor! Ich muss morgen meinen Blogeintrag schreiben. Keinen Schimmer! Du brauchst Ruhe.

Ruhe vor Kunden, die uns seit Wochen mit Anfragen zudecken. So war´s in sechs Jahren nie. Ganz sicher: Nichts, aber auch rein gar nichts hat das mit unserem „Solidaritätsabschlag“ zu tun.

Ruhe vor Interim Managern, die regelmäßig nachfragen: „Gibt´s was Neues zu Projekt Nr. I-09-N?“ Immer freundlich bleiben! Als würde ich Informationen zurückhalten: Wo jeder weiß, dass die Interim Manager darauf warten. Klar: ich auch.

Die Zigarre schmeckt prima, tut gut, ja tatsächlich! Vor ein paar Jahren war sie immer aus der ersten Liga. Kuba. Heute Dominikanische Republik. Sie schmeckt mir dennoch. Und wie! Ich stehe dazu. Ich denke an meinen Zahnarzt: Voller Zuneigung.

Die Zigarre schenkt mir eine gute lange Stunde der Ruhe. Freie Zeit. Zum Denken - Nach-Denken, Über-Denken und Vor-Denken.

Danach hat mein Rechner zwei neue Nachrichten für mich: Ich brauche einen Interim Manager! Zwei Anfragen. In einer guten Stunde. Donnerstagabend.

Ich sehe einen Zahnarzt auf verlorenem Posten…

Friday, February 27, 2009

HARTE ZEITEN - AUCH IM INTERIM MANAGEMENT

Niemand kann mir weismachen, dass die Wirtschaftskrise, die unser Land mit voller Wucht erfasst hat, ausgerechnet auf das Interim Management keine negativen Auswirkungen haben wird. Nein, dass sogar das Interim Management von der Wirtschaftskrise kräftig profitieren werde.

Nun habe ich möglicherweise einen breiteren Erfahrungsschatz mit meinen fast dreißig Jahren in Unternehmen als einige meiner Kollegen der Providerzunft.

Ich habe mannigfache Krisen erlebt – extern, häufig aber auch intern verursacht. Ausnahmslos wurde reagiert mit: Kosten ´runter – und sofort die variablen. Und damit sind wir bei den „Fantastischen Vier“: Bewirtungen, Reisekosten, Training und Berater. Und Interim Manager sind aus Unternehmenssicht nun einmal Berater.

Da konnte ich noch so tapfer argumentieren:

Smartes Argument 1: „Wir haben schon bisher nur das absolut notwendigste an Reisekosten verursacht: 2. Klasse Bahn, im Flieger nur Holzklasse, die billigsten Hotels aus unseren Rahmenverträgen und Golf-Klasse bei Sixt.“ Lapidare Antwort. „Nutzen Sie S-Bahn und Busse. Am besten, Sie reisen gar nicht.“

Smartes Argument 2: „Wir haben doch bereits zwei Drittel dieses Trainings hinter uns. Wenn wir das nicht zu Ende bringen, verbrennen wir die ganze bisher geleistete Arbeit.“ Lapidare Antwort: „Daran wird keiner zugrunde gehen.“

Smartes Argument 3: „Wir haben den Berater geholt, weil wir weit und breit keine eigenen Skills hatten für diese Aufgabe. Daran hat sich nichts geändert.“ Lapidare Antwort: „ Doch: Wir haben dafür kein Geld mehr. Suchen Sie sich eigene Leute (!) und trennen Sie sich gesichtswahrend vom Berater.“

Zugegeben: Heute, wo alles anders ist als früher, könnten auch die Unternehmen anders reagieren. Allein, mir fehlt der Glaube.

Der neueste IFO-Index hat sich erneut verschlechtert – entgegen aller vorsichtig aufkeimenden Hoffnung nach der marginalen Verbesserung im Januar.

Norbert Walter erwartet einen Rückgang des Brutto-Inlandsproduktes von sage und schreibe 5 Prozent in diesem Jahr – und auch nur dann, wenn im Sommer die Wende zum Besseren kommt.

Und die Börsenkurse scheinen nur eine Richtung zu kennen: Abwärts.

Das alles wissen die Unternehmen in Deutschland auch.

Mag sein, dass das eine oder andere Unternehmen anders reagiert. Jedoch:

Ich erwarte, dass die Reaktionen der meisten Manager in deutschen Unternehmen jetzt, in der großen Krise, nicht anders sein werden, als in den kleinen, die ich bisher erlebt habe.

Ich erwarte beinhartes Kostensenken.

Ich erwarte ein deutliches Anwachsen der Machtfülle der Controller.

Ich erwarte harte Zeiten – auch im Interim Management.

Friday, February 20, 2009

NEBENERWERBSNARREN OHNE JEDE CHANCE

Die Narren bestimmen derzeit das Geschehen. Ich meine hier die hauptberuflichen und nur saisonal agierenden Spezialisten aus einer besonderen Welt: Nicht die vielen Nebenerwerbsnarren aus dem Alltag, die uns das ganze Jahr über zu beglücken suchen.

Man nimmt an, die Narretei sei eine leichte Sache: You cannot be more wrong!

Ein Programm auf hohem oder gar höchstem Niveau im Februar erfordert intensive Vorbereitungen ab September im Jahr davor - im Kern heißt das:

Texte schreiben – dann zahllose Iterationsschleifen über die Texte – und dennoch Anpassungen in letzter Minute, um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen.

Kostüme passend zum Text entwerfen und beschaffen oder anfertigen (lassen).

Texte lernen und verinnerlichen - auch die von dritten Autoren.

Musik: Orchester, GEMA und Soundchecks.

Und Proben, Proben und nochmals Proben.

Erfolg kommt nie über Nacht. Ihm gehen Arbeit und Schweiß voraus (Ernst Probst, *1946, deutscher Schriftsteller und Verleger).

Sogar hier wären die Nebenerwerbsnarren ohne jede Chance.

Friday, February 13, 2009

FREITAG, DER 13. - EIN GUTER TAG

Genau drei Wochen, nachdem wir unseren frechen Solidaritätsabschlag eingeführt hatten, war der erste Vertrag, der auf diese Maßnahme zurückgeht, unter Dach und Fach. Vorher war die Anzahl der monatlichen Zugriffe auf die Datenbank von MANATNET von normalerweise rund 7.500 auf 13.500 explodiert.

Wenn denn die Kritik an unserer Maßnahme einmal sachlich war, dann wurden wir vor allem mit folgender Aussage konfrontiert: „So etwas ist gegen alle Regeln. Davon kommen Sie nie wieder weg. Das ist im gegenwärtigen Umfeld die völlig falsche Maßnahme.“

Ich bekenne: Ich weiß nicht, was richtig ist. Ich weiß aber auch nicht, was falsch ist. Denn ich muss bekennen: Ich bin 52 Jahre alt, aber etwas Vergleichbares habe ich noch nicht erlebt. Möglicherweise bin ich noch zu jung.

Konjunktureinbruch auf breiter Front: Die Wirtschaftsleistung ging im letzten Quartal des vergangenen Jahres so stark zurück wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt bekannt gab. Und eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. (FAZ.NET, heute).

Die staatliche (ich verkneife mir: stattliche) Unterstützung für Hypo Real Estate, eine Bank aus der zweiten Reihe, überschreitet die 100 Mrd. Euro-Marke.

Im deutschen Maschinenbau sinken im Dezember 2008 die Auftragseingänge um 40 Prozent.

Gestern berichtete mir ein namhafter Personalberater, dass er damit rechnet, in diesem Jahr 50 Prozent weniger Geschäft zu machen.

Die Autohäuser berichten von einer sprunghaft gestiegener Nachfrage nach kleinen Autos - ausgelöst durch die Verschrottungsprämie und sie fürchten gleichzeitig die Zeit danach.

Deutschland verliert im Fußball 0:1 gegen Norwegen.

Und gerade das Interim Management-Geschäft bleibt von all dem völlig unberührt?

Weil alle Unternehmen jetzt mit zitternden Händen nach erfahrenen Interim Managern gieren, die sie frohgelaunt restrukturieren können? Und ob dieser fieberartigen Gier sind die Unternehmen dann auch noch - dem Wahne vollends verfallen - gern und locker bereit, sehr hohe Tagessätze an diejenigen Leute zu zahlen, die sie holen, damit sie ihnen eisernes Sparen verordnen?

Und die Interim-Provider werden an dieser Gier obendrein ein Drittel oder zum Teil auch deutlich mehr verdienen?

Und das alles völlig unwidersprochen?

Weil lauter Manager in den Unternehmen sitzen, deren Blick (schon wieder) getrübt ist und die man deshalb so leicht über den Tisch ziehen kann?

Mit Verlaub: Das ist völlig absurd!

Montag treffe ich den Vorstand eines börsennotierten Unternehmens. „Ihr Solidaritätsabschlag gefällt mir gut. Wir müssen reden und zwar über ….!“

Montag werde ich dort sein.

Gut vorbereitet. Mit guten Profilen von guten Restrukturierern. Gute Aussichten.

Freitag der 13. - ein guter Tag.

Friday, February 06, 2009

SMOERREBROED FUER MAERKLIN

Okay, ich werde älter. Dennoch: Die Insolvenz von Märklin trifft mich - und das, obwohl ich so gar kein Modell-Eisenbahner bin.

Eine Märklin-Eisenbahn, das war ein Traum für alle Jungs in meinem Alter - damals im Kohlenpott.

Heute ist das völlig anders - auch im Kohlenpott: Heute haben die Jungs andere Träume. Ganz oben auf der Liste stehen Handys, Spielekonsolen, MP3-Player und möglicherweise sogar Klamotten. Eine Eisenbahn eher weniger. Hinzu kommt, dass die Eisenbahn, die grob zwischen 100 und 400 Euro kosten kann (die Lok allein!), für viele (Eltern) nicht mehr erschwinglich ist. Und obendrein gibt´s noch einen Wandel in der Wertewelt.

Das mag man bedauern, wichtiger aber ist die Antwort auf die Frage: Wie gehe ich damit um? Ganz besonders für ein Unternehmen wie Märklin.

Ich sage ausdrücklich: Niemanden möchte ich angreifen. Dennoch:

Ein aufmerksam zeitunglesender Manager bei Märklin hätte auf einen Ort Namens Billund stoßen können.

Dort hat Lego seinen Sitz. Und Lego hat seine existenzgefährdende Krise in den Jahren 2004/2005 überstanden und geht mit „selbstbewusster Bescheidenheit“ in das vierte Wachstumsjahr in Folge.

Spätestens im Jahr 2007 hätte Märklin - und zwar selbst - auf die Idee kommen können, einmal auf ein Smørrebrød nach Billund zu fliegen.

Stattdessen hat Märklin im Jahr 2007 rund 13 Millionen Euro an Beraterhonoraren gezahlt, bei einem Umsatz von 126 Millionen Euro. Und von den Beratern ist offenbar auch niemand nach Billund geflogen.

Wenn die Jungs als Kunden ausfallen, dann bleiben letztlich wohl nur gut betuchte Sammler als Kunden übrig - ein Markt mit möglicherweise abnehmendem Volumen.

Prompt kam das Umsatzplus in Höhe von 1,6 % im vergangenen Jahr für Märklin aus dem Verkauf von so genannten Startersets für 100 Euro bei Aldi.

Für smarte Rechner: Märklin fuhr ein Umsatzplus in Höhe von 2 Mio. Euro ein. Und hat dafür rund 13 Mio. Euro an Beraterhonoraren investiert: Diesen Zusammenhang sollten wir fairerweise schon unterstellen.

13 Mio. Euro im Jahr - das sind (vereinfacht und knapp gerechnet) 1 Mio. im Monat oder (wieder vereinfacht) 250.000 in der Woche – oder (ein letztes Mal vereinfacht) 50.000 Euro je Arbeitstag.

Wenn schon kein Smørrebrød - dann aber wenigstens 47 Interim Manager: So viele Interim Manager hätte Märklin bei MANATNET bekommen können. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Berater Märklin für diese Summe einkaufen konnte: Vielleicht weiß das jemand draußen im Cyberspace und teilt sein Wissen mit uns.

Ich weiß auch nicht, warum mir das heute einfällt: Zwei Wochen nach Einführung unseres Solidaritätsabschlags und Dauerfeuer gegen den „Nestbeschmutzer“ MANATNET…

Friday, January 30, 2009

WAS DU NICHT WILLST, DASS MAN DIR TU, DAS FUEG AUCH KEINEM ANDERN ZU

Solidaritätsabschlag. Im Interim Management. 20 Prozent auf alle Tagessätze.

Eine Woche später. Klar, ich war auf einiges gefasst – aber eben wieder nicht auf alles. Wie alt musst Du noch werden?

Journalisten reißen uns die Pressemitteilung aus der Hand. Die Statistiken bei pressrelations.de schnellen in ungeahnte Höhen. Was machen die Journalisten jetzt damit?

Interim Manager halten unsere Aktion auf der einen Seite für „durchdacht, plausibel dargestellt und pfiffig.“ Auf der anderen Seite beendet ein Interim Manager vom Marktplatz unsere Zusammenarbeit nach knapp fünf Jahren mit dem Argument: „Was beim Kunden bleibt, ist der Eindruck, in unserer Branche könne man Schnäppchenpreise erwarten.“ Das schmerzt mich zweifach: Ich kenne diesen Interim Manager persönlich – natürlich – und ich schätze ihn. Und welche Schnäppchenpreise? Ein Tagessatz von 1.400 Euro minus 20 Prozent Solidaritätsabschlag: Das sind immer noch 1.120 Euro am Tag. Ein sehr fairer Preis sicher, aber ebenso sicher kein Schnäppchen.

Die Kunden haben unsere Aktion zur Kenntnis genommen. Ich erwarte nicht, dass MANATNET morgen in Projekten untergeht. Aber die Zugriffszahlen auf unsere Datenbank sind so hoch wie noch nie in fast sechs Jahren: Die Kunden werden ihre Schlussfolgerungen gezogen haben.

Wettbewerber. Innerhalb des AIMP wird unsere Aktion nicht unisono für gut erachtet. Klar. Der von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägte Umgang miteinander führt im Kern lediglich zur Frage: „Was bedeutet das für mein Unternehmen?“ Und dann wird weitergearbeitet.

Doch es gibt noch andere Wettbewerber: Von mir seit Jahren respektiert – in abgestufter Ausprägung. Ein einseitiges Unterfangen.

Meine Güte, was habe ich Prügel bezogen! Prügel, weil wir die Preise für die Kunden gesenkt haben. Ganz bemerkenswert!

„Dein Ruf hat enorm gelitten!“ Mein Ruf leidet, weil wir die Preise für die Kunden gesenkt haben. Kaum zu glauben!

Ich entschließe mich, mit diesem Makel zu leben – und ich wundere mich. Heißt es nicht seit Jahren - da gab es die aktuelle Krise noch nicht einmal! - in der deutschen Wirtschaft: Der Maßstab ist beste Qualität bei besten Preisen?

Womöglich gilt das noch nicht für das Interim-Geschäft. Womöglich gilt dort noch „beste Qualität bei maximalen Preisen“.

Möglicherweise hat aber auch das Buch Tobit (4,16) Recht: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

Friday, January 23, 2009

AB 12 UHR HIESS ES DANN: HELM AUF!

Ganz offensichtlich lebe ich in einem in sich abgeschotteten Mikrokosmos: Meine Providerkollegen berichten unisono von steigender Nachfrage nach Interim Managern („vor allem aus dem Hochpreissegment“) bei steigenden Tagessätzen – über die zudem kaum noch diskutiert wird.

Wir stellen steigende Nachfrage fest nach hoch- und höchstqualifizierten Interim Managern - bei eindeutigem Preisdruck: Bei DAX-Unternehmen („Sie müssen 10 Prozent mit den Preisen ´runter oder wir müssen erst gar nicht reden“), über den Mittelstand („Wir haben noch mal einen Strich unter das Projekt gezogen: Das ist doch eine Menge Geld!“) - bis zu Private Equity-Unternehmen („Mehr als das kann ich nicht ausgeben.“).

Wohlan, ich höre die Fanfaren: Mensch Becker, jeder Profi weiß doch, dass nicht über den Preis verkauft wird, sondern über Vorteile - am besten emotionale gepaart mit ein paar wirtschaftlichen.

Ja, ja - ich glaubte das auch, denn ich bin seit 35 Jahren im Vertrieb tätig.

Aber ich habe aber auch mal geglaubt, Banken seien sakrosankt.

Die Kardinalfrage lautet daher: Wie gehen wir damit um, wenn vieles, was wir einmal gelernt haben, womöglich nicht mehr zutrifft?

Was ist, wenn jeder die Vorteile eines schönen neuen Automobils erkennt und danach lechzt – aber viele dennoch die Gelder nicht mehr auf den Tisch legen?

Was ist, wenn jeder die vor allem emotionalen Vorteile eines I-Phones anerkennt und davon träumt - aber viele die Gelder dennoch nicht mehr auf den Tisch legen?

Ich bin davon überzeugt: Wenn die Hürden derart hoch liegen wie derzeit, dann kann es nicht die richtige Antwort sein, an Altbewährtem festzuhalten! Dann muss man auch mal mutig sein! Dann muss man auch mal ein Zeichen setzen – endlich mal.

Genau dies war die Triebfeder für unsere Aktion „Solidaritätsabschlag“ – und selbstverständlich ist das ein ironischer Tritt gegen den „Solidaritätszuschlag“: Der eine gibt – der andere nimmt.

Dennoch: Die Preise um 20 Prozent zu senken, das ist uns ganz sicher nicht leicht gefallen - und das wäre ohne die Interim Manager schlichtweg nicht möglich gewesen. Das hat zudem enorm viel Denkarbeit und Vorbereitung erfordert. Es verlangt nicht zuletzt eiserne Disziplin auf unserer Seite. No nice-to-haves of any kind!

Natürlich könnten wir auch den Druck ungefiltert an die Interim Manager weitergeben. Das aber wäre nicht partnerschaftlich. Das wäre nicht MANATNET. Das wäre nicht ich.

Es war uns klar, dass wir ein Tabu-Thema angehen würden: wieder einmal.

Es war uns klar, dass MANATNET das als erster machen musste: wer sonst?

Es war uns klar, dass wir Prügel beziehen würden: wieder einmal.

Es war mir klar, dass ich in den Ring müsste: wer sonst?

Gestern um 12.00 Uhr lief die Sperrfrist für die Pressemitteilung ab.

Es war mir klar: Ab 12.00 Uhr hieß es dann: Helm auf!

Friday, January 16, 2009

WIEDER NIX MIT RODELN!

Arbeit bis zum Abwinken. Viele Telefonate. Mit Kunden.

Aktuell aber mehr noch mit Interim Managern: Wir hecken wieder etwas aus. Sind wieder ganz begeistert von der Idee!

In einer solchen Situation ist das Feedback der Interim Manager von überragender Bedeutung. Ich bin dankbar dafür, dass wir so viele sehr gute Interim Manager am Marktplatz MANATNET haben. Ich bin dankbar dafür, dass wir ein derart gutes Verhältnis zueinander haben.

Hier arbeiten Unternehmer mit Unternehmern partnerschaftlich zusammen. Bei MANATNET ist das so. Wir erhalten wertvolles Feedback: unverblümt, auf Augenhöhe und konstruktiv kritisch. Es wäre fahrlässig, auf die Einschätzung solcher Partner zu verzichten.

Das Feedback der Interim Manager hat mannigfache Auswirkungen.

Auf die Ausrichtung unseres Vorhabens.

Auf den Feinschliff.

Auf die Kommunikation nach außen.

Auf das Wochenende: Wieder nix mit Rodeln!

Friday, January 09, 2009

VOLL KRASS!

Copyright: Andre SchneiderIch lese und höre regelmäßig, dass die Zeiten enorm schwierig seien und noch schwieriger werden würden und dass man deshalb nicht mehr mit traditionellen Denkmustern zum Erfolg kommen könne. Und nun was?

Deshalb: Hier sind meine krassen Ideen zum Neuen Jahr – auf dass man mich erschlagen möge.

Der bezahlte Urlaub wird halbiert auf 15 Tage im Jahr. Das sind immerhin drei ganze Wochen – und wer weitere 15 Tage haben möchte, der kann sie gern haben, aber unbezahlt.

Jährlich trägt jeder insgesamt fünf Krankentage selbst – also nicht der Arbeitgeber.

Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, jährlich in fünf Tage Ausbildung zu investieren. Das Unternehmen trägt die Kosten, wenn der Mitarbeiter dafür fünf Tage aus seinem bezahlten Urlaub einsetzt. Anderenfalls wird das Unternehmen fünf Tage unbezahlten Urlaub einräumen, nicht aber die Kosten übernehmen.

Wir beerdigen alle 35 oder 37,5 Stunden-Regelungen und arbeiten alle 42 Stunden in der Woche – ohne Lohnausgleich.

Undenkbar? Selbständige, Freiberufler und die meisten Unternehmer sehen das sicher anders.

Und weiter:

Der Prozentsatz betriebsbedingter Kündigungen an der gesamten Belegschaft (aktuell meist gut 10 %), führt zu Gehaltskürzungen in gleicher Höhe bei den im Unternehmen verbleibenden Mitarbeitern. Im Ergebnis wird das wohl dazu führen, das weit weniger Mitarbeiter entlassen werden müssen und die anderen nur einen marginalen Gehaltsverzicht leisten müssen. Auch Vorstände und Geschäftsführer sind Mitarbeiter.

Banken verpflichten sich, für jeden Euro, den sie künftig im Eigengeschäft versenken, einen Euro als Kredit für Investitionsvorhaben von Unternehmen zu vergeben: Auch dieser Euro kann verloren gehen – oftmals wohl aber auch nicht. Die Bankenaufsicht verpflichtet sich, das tatsächlich zu kontrollieren.

Jeder, der ein SUV (Sport Utility Vehicle) oder ein vergleichbares Monstrum über die Straßen bewegt und mehr als 10 Liter Sprit auf 100 Kilometer verballert, zahlt einen Aufschlag von 10 Prozent auf die Benzinrechung. Dieser Aufschlag wird an den Tankstellen (die Zugriff auf Verbrauchs-Datenbanken des TÜVs haben) einbehalten und unterstützt Forschungsprogramme für alternative Kfz-Antriebe.

Jeder, der privat in Luxushotels absteigt, darf das auch für sein Unternehmen tun: er muss das aber nachweisen. Sofern der Nachweis nicht erbracht werden kann, wird auch für Dienstreisen nur der günstigste Preis, der bei z. B. HRS zu erzielen war, erstattet.

Und noch weiter:

Jeder, der sich hinter Prozessen verschanzt und nachweislich nicht das Problem (ja, ich schreibe bewusst nicht: Challenge!) oder die Aufgabe nicht löst, zahlt 50 Euro in einen Fonds ein, mit dem Kindergärten im Umkreis von 25 Kilometern um das Unternehmen unterstützt werden.

Fernsehgeräte schalten nach vier Stunden Gebrauch am Tag automatisch ab und empfehlen Bücher oder Kinder der Aufmerksamkeit – was grad da ist.

Ich wünsche meine Lesern ein krasses Jahr 2009!

Friday, January 02, 2009

EIN GERUETTELT MASS AN INTRANSPARENZ UND CHUSPE

SYSTEM DÜRER - COPYRIGHT BY GAETANO GROSSNein, zurzeit jage ich nicht auf flotten Brettern schneebehangene Hügel hinab – und ich sonne mich auch nicht an schicken Stränden.

Heute, am Golden Gate aller Brückentage, beschäftige ich mich mit der Analyse der Tagessätze aller Interim Manager bei MANATNET. Die Interim Manager warten darauf und deshalb möchte ich die Informationen heute noch versenden – nach meinem Blogeintrag (auch darauf wird gewartet) und noch vor dem Newsletter.

Die Furore, die unsere Analyse der Tagessätze anfangs gemacht hatte, ist inzwischen abgeklungen. Anfangs, im Sommer 2006, bin ich für diese Analyse tatsächlich von Wettbewerbern heftig kritisiert worden: „Du machst die Intransparenz kaputt. Aber in der Intransparenz verdiene ich sehr gut!“

Die vollständige Analyse der Tagessätze nach Linienfunktionen erhalten nur die bei MANATNET registrierten Interim Manager und Unternehmen. Was kosten Ihre Interim Manager? Ich glaube, MANATNET ist der einzige Interim Provider in Deutschland, der hier nicht auf Schätzungen vertrauen muss.

Als „Amuse Geulle“ und für jedermann zugänglich stellen wir unser Trendbarometer auf dem Marktplatz bereit – die maximale Verdichtung der Analyse.

Unser Trendbarometer zeigt jetzt, dass die Tagessätze der Interim Manager im Schnitt leicht zurückgehen, denn die Durchschnittswerte haben den bisherigen Aufwärtskanal nach unten durchbrochen. Natürlich sagt der Kopf reflexartig: „Eine Reaktion auf die Wirtschaftskrise.“

Gut möglich. Ich bin aber noch etwas vorsichtig und halte mich an die Volkswirte, die ihre Einschätzung in der Regel mit den Zahlen von drei Perioden absichern. Also wollen wir zumindest die nächste Analyse Ende März abwarten.

In einem bin ich mir aber recht sicher: Im aktuellen Marktumfeld erfolgreich zu argumentieren, Interim Manager seien gefragter denn je und daher stiegen auch die Tagessätze: Das bedingt ein gerüttelt Maß an tolerierter Intransparenz auf der Klientenseite – und Chuspe auf der Providerseite.

Zumindest von ersterem würde ich heute nicht mehr ausgehen.

Friday, December 26, 2008

DIE NAECHSTE EVOLUTIONSSTUFE DES WEIHNACHTSBAUMS

Was für schöne Weihnachten! Selbst die Nachrichten haben die nichts Schlimmes – zumindest, wenn ich die vergangenen Wochen als Maßstab heranziehe. Sogar die Sonne lässt sich hier in Baden sehen – das Sonnenland hatte sie wochenlang gemieden.

Ich spüre, wie diese Tage meinen Akku aufladen: Zeit mit der Familie - statt Zeit mit dem Rechner. Zeit in der Küche - statt Zeit im Büro. Spürbare Ruhe. Vieles ist wichtig - Tagessatz, Verfügbarkeit und sonstige Interim-zentrierte Themen nicht. Keine Termine, keine Deadlines.

Unfassbar: Mein Sohn schenkt mir einen Weihnachtsbaum für den USB-Stecker: Er (der Weihnachtsbaum) wechselt ständig die Farbe. „Damit auch am Rechner ein wenig Weihnachtstimmung aufkommen kann!“ Die nächste Evolutionsstufe des Weihnachtsbaums.

Ich spüre eine größere Distanz zu vielem, was eben noch enorm wichtig war – und vielleicht auch morgen wieder wichtig sein wird.

Aber morgen ist nicht heute.

Friday, December 19, 2008

BIS ZUM 5. JANUAR DANN!

Ich schreibe mein heutiges Blog in seltsamer Einsamkeit. Ein kurzer Chat mit einer lieben Kollegin in München, eine letzte Telefonkonferenz und einige gute Wünsche zum Fest in digitaler und analoger Form. Der Seismograph für die heutigen Zugriffszahlen auf MANATNET schlägt kaum noch aus.

Noch fünf Tage bis zum Heiligen Abend, an dem mein Vater – ich bekenne: Banker, aber alter Schule! – noch halbtags arbeiten musste.

Noch zwölf Tage bis zum Jahresende – quo vadis 2009?

Noch siebzehn Tage bis zum 5. Januar – dem anscheinend ersten Arbeitstag im neuen Jahr.

Alle Jahre wieder: Deutschland verabschiedet sich in den Winterschlaf.

Ich freue mich auf die Weihnachtstage. Die Familie hat wieder schwer zurückgesteckt in diesem Jahr – auch in diesem Jahr.

Wieder werden wir die Feiertage am 23. Dezember mit einem Besuch im Offenburger Weihnachtszirkus einläuten – ein lieb gewonnenes Ritual.

Wieder werden mein Sohn und ich dann vormittags den Weihnachtsbaum bei Durbachs letztem Waldbauern besorgt und mit einem Obstler noch vor Ort begrüßt haben – ein lieb gebliebenes Ritual.

Wieder werden wir am Heiligabend die Kirche besuchen – als letzte christlich-rituelle Bastion dieses Festes – ein lieb verteidigtes Ritual.

Wieder werden wir E-Mail, SMS, Bürotelefon, Handy und Blackberries nicht gestatten anzuklopfen – ein neu verstandenes Ritual.

Wieder werde ich mich wundern, wie sich unser Land diesen Winterschlaf leisten kann – ein nie verstandenes Ritual.

Bis zum 5. Januar dann!


EPILOG


All meinen treuen Lesern wünsche ich von Herzen ein schönes Weihnachtsfest und ich danke gleichzeitig für ihre Verbundenheit: Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Leser werden könnten.

Keine Sorge: Ich habe die Wünsche zum Neuen Jahr nicht vergessen. Selbstredend wird es noch einen Blogeintrag in diesem Jahr geben. Bis zum 26. Dezember dann!

Friday, December 12, 2008

EINE CHANCE FUER DEN WEIHNACHTSMANN

© Roger SchmidtDie ersten Weihnachtskarten kommen an. Wie jedes Jahr. Weihnachten naht: Ganz offensichtlich. Eine schöne Sitte. Ich hoffe, sie überdauert auch diese Krise, die uns anscheinend recht gut im Griff hat.

„Mir ist so gar nicht nach Weihnachten zu Mute!“, sagte mir kürzlich ein guter Geschäftspartner.

„Verstehe, ist auch nicht ganz einfach in diesen Tagen!“, war meine epochale Antwort.

Wann ist einem vor Weihnachten nach Weihnachten zu Mute?

Wenn wir uns vorstellen, möglichst viele Geschenke auspacken zu können? Oder auch dann, wenn´s ein paar weniger werden?

Wenn wir uns vorstellen, möglichst üppig tafeln zu können? Oder auch dann, wenn´s täglich 1.500 Kalorien weniger werden?

Wenn wir uns vorstellen, in traditionsgeladener Glückseligkeit das Elend der Welt für drei Tage ausblenden zu können? Oder auch dann, wenn es sich nicht ausblenden lässt und die hellenischen Feuer diesmal keinen olympischen Frieden ausrufen, sondern europaweit zündeln?

Möglicherweise ist ja auch dem Weihnachtsmann in diesem Jahr nicht nach Weihnachten zu Mute!

Vielleicht leidet sein Saisongeschäft auch unter einem dramatischen Einbruch der Nachfrage. Vielleicht hat er für die Zeit nach dem 24. Dezember bereits Kurzarbeit angemeldet und ist gezwungen, im Frühling gemeinsam mit dem Osterhasen Synergien zu heben. Vielleicht hat er schon alle auf Zeit arbeitenden Rentiere in die Ställe schicken und die eigenen bis auf die Kerntruppe feuern müssen. Hat die Investitionen in Präsente auf ein Minimum reduzieren und die Lieferanten auch noch vorfinanzieren müssen. Darf nur noch Holzschlitten fahren, auf glatten Dächern absteigen und obendrein die Reisezeiten nicht als Arbeitszeit abrechnen. Vielleicht überlegt er gar, ob er an ein Rettungspaket herankommt: Immerhin bietet er eine einzigartige und strategisch wichtige Dienstleistung an.

Geben wir ihm eine Chance.

Geben wir auch uns eine Chance!

Friday, December 05, 2008

... SAH ICH BLANKEN HORROR BLITZEN

Sie entwerten sich selbst, die schlechten Nachrichten. Die Medien haben ihren Anteil daran:

Noch ein paar Milliarden mehr an Verlusten in Banken und Auto-Konzernen. Von Millionen spricht schon niemand mehr. 25 Milliarden Dollar für die US-Autobauer, zwei Wochen später 34 Milliarden und nach Expertenmeinungen könnten die Branchenriesen sogar 125 Milliarden Dollar benötigen. Dabei wollen wir nicht verdrängen: Eine Milliarde – das sind eintausend Millionen!

Absatzeinbrüche der deutschen Autobauer in den USA. „Am besten schlug sich zuletzt VW mit einem Absatzrückgang von lediglich 19,2 Prozent.“ (Quelle: FAZ vom 4. Dezember). Man lasse sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen.

Es ist schwer, ja fast unmöglich, am Morgen gute Nachrichten in der Zeitung (ja ich lese noch eine richtige Zeitung!) aufzustöbern.

Vielleicht die: Der Ölpreis ist auf ein Mehrjahrestief gefallen. Fast geht das unter.

Ich erinnere mich noch an dieses Frühjahr, als der Ölpreis von Rekordmarke zu Rekordmarke eilte. Prompt kam der Ruf nach staatlicher Hilfe: Der Staat müsse zumindest Teile der Steuererhöhungen zurücknehmen. Sonst ginge die Welt unter.

Die Welt ging nicht unter.

Ein paar Monate später wird erneut der Weltuntergang ausgerufen - in der Vorweihnachtszeit:

All überall auf den Tannenspitzen, sah ich blanken Horror blitzen.

Horror, den der Staat vertreiben möge. Und sei es durch „Konsumgutscheine“. Die tragen die Männer dann in die Media-Märkte, die Frauen in die Schuhläden und der Nachwuchs erreicht sein Sparziel „I-Phone“ doch noch.

Und genau da liegt das Problem. Wir freuen uns alle und frohlocken – für einen absehbaren Zeitraum: und dann? Dann hat sich nichts geändert. Weder in den Banken, noch in den Autohäusern, noch sonst irgendwo – vom Schuldenstand unseres Landes einmal abgesehen.

Weil wir noch immer nicht darüber reden, was wir denn wirklich anders tun wollen in Zukunft.

Weil die meisten noch immer glauben: Irgendwie müssen wir da durch - und dann wird das schon wieder. Gemeint ist „wie vorher“. Ich glaube nicht daran.

Hier ist mein ganz persönlicher Blick durchs Fernrohr in die Zukunft:

Das Zeitalter des Autos, wie wir es kennen, ist zu Ende – auch weil die gesellschaftliche Bedeutung des Autos – von vielen unbemerkt – gesunken ist. Wir haben zurückgefunden zur Leistungsgesellschaft und die Freizeitgesellschaft beerdingen müssen – weil sie nicht mehr finanzierbar war. Wir haben weniger Urlaub und wir arbeiten wieder mehr und zudem noch länger, weil wir auch länger leben. Und obendrein verdienen wir auch noch weniger.

Insgesamt haben wir weniger.

Insgesamt leben wir besser.

Ich für mich ist das kein Horrorszenario – aber auch in gar keiner Weise.

Friday, November 28, 2008

UND SIE BEWEGT SICH NOCH!

Selten lagen die Einschätzungen für das Interim Management-Geschäft weiter auseinander: Die einen erwarten den Weltuntergang und als Ergebnis der Wirtschaftkrise auch eine Krise im Interim Management. Die anderen erwarten enorme Chancen für das Interim Management aufgrund der Krise und obendrein eine Revitalisierung der Königsdisziplinen des Interim Managements - Restrukturierung und Sanierung.

 Weltuntergangs-Szenarien stehe ich persönlich stets skeptisch gegenüber – frei nach Galilei: Und sie bewegt sich noch!

Aber ich kann auch dieses Gefasel von „Wir haben keine Probleme: Wir haben Herausforderungen!“ kaum noch ertragen. Oder die Variante unserer global angehauchten Selbstdarsteller: „We don’t face problems: We just face challenges!“

Sehr modisch, augenscheinlich sehr smart und noch obendrein so launig positiv. Und sehr leer!

Ich warte dann immer auf den folgenden Satz, der beginnen könnte mit „Und deshalb machen wir…“ Aber es folgt keiner.

Mit oder ohne Finanzmarktkrise. Seien wir ehrlich untereinander: Die Unternehmen haben schon länger echte Probleme. Jeder weiß das, der ein offenes Verhältnis zu seinen Unternehmenskunden pflegt. Aber die Schockwellen der Finanzmarktkrise führen jetzt ganz offensichtlich dazu, dass die Unternehmen aufgeschreckt glauben, nun aber wirklich handeln zu müssen und nicht mehr länger auf die Selbstheilungskräfte der Probleme hoffen zu können.

Und die Probleme sind im Kern immer die gleichen: Die Leute fehlen richtig oder die richtigen Leute fehlen!

Die Maschinen haben zu lange Rüstzeiten: Weil die Mitarbeiter nicht schnell genug arbeiten.

Das Kundengeschäft kommt nicht in die Gänge: Weil 10 (!) Key-Accounter fehlen.

Die Transparenz fehlt: Weil der Controller seinen Aufgaben nicht ganz gewachsen ist.

Die Qualität ist nicht gut genug: Weil die Kratzer im Kunststoffdeckel die Kunden stören, die Mitarbeiter aber nicht.

Die Kosten für den externen Dienstleister sind zu hoch: Weil niemand im Unternehmen das Standing hat, auf Augenhöhe dagegen zu halten.

Wenn ich ganz ehrlich bin, dann sind das – trotz allem – keine unüberwindbaren Probleme oder, von mir aus, Herausforderungen und Challenges.

Nur: Anpacken muss sie mal jemand.

Vielleicht jetzt endlich doch.

Vielleicht angestellte Manager noch.

Vielleicht Interim Manager doch.

Und die Welt, sie bewegt sich noch!

Friday, November 21, 2008

AGE - ANGST, GIER UND EITELKEIT

Es gibt Menschen, die treffe ich und ich wünsche mir, dass das Treffen möglichst bald zu Ende gehen möge.

Es gibt Menschen, die treffe ich und ich wünsche mir, dass das Treffen möglichst lange dauern möge.

Hin und wieder hallen letztere Treffen sehr lange nach: Weil im Gespräch etwas gesagt wurde, das mich anschließend für einige Zeit beschäftigt. Oftmals ist das auf eine Frage von meiner Seite zurückzuführen, weil ich etwas nicht verstanden hatte, das mein Gegenüber eher beiläufig erwähnt hatte.

So geschehen Ende September:

„Herr Becker, die meisten Schwierigkeiten im Unternehmen lassen sich durch AGE erklären.“

„Wie bitte?“

„Ja, AGE. AGE steht für Angst, Gier und Eitelkeit!“

„Möglich.“

„Nein, sicher!“

Seitdem stehen meine verantwortlichen Sinne eindeutig auf Empfang. Wir kennen das: Interesse steuert Wahrnehmung!

Ich fürchte, er hat Recht.

Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld über Gier zu schreiben, hieße Eulen nach Athen zu tragen.

Angst? Ich kannte genügend Menschen, die ihre Entscheidungen bis etwa Anfang 2006 daran orientierten, ob dadurch ihr Job gefährdet werden könnte oder nicht. Ich lerne sie wieder kennen: Im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld ist die Angst um den eigenen Arbeitsplatz omnipräsent. Wen wundert das?

Aber Eitelkeiten? Wer glaubt den so was? Für Eitelkeiten sollte doch wohl kein Platz mehr sein.

Leider weit gefehlt! Erst vorgestern berichtete mir ein Aufsichtsrat von Eitelkeiten im (mittelständischen!) Konzernverbund. Es gibt keinen Zentralen Einkauf, weil fast zwei Handvoll Geschäftsführer ihre Eitelkeiten kultivieren unter der Überschrift: „L´ etat, c´ est moi!“. Dafür gibt es dann zwei Handvoll verschiedene Preise für ein und dasselbe Teil. Und das kostet den Konzern richtig viel Geld!

Spätestens seit bei Siemens mit Frau Barbara Kux ein Vorstandsmitglied den Einkauf verantwortet und das Unternehmen von Einsparpotentialen in „gewaltiger Höhe“ spricht sollte klar sein, wohin die Reise geht.

Das habe ich am vergangenen Freitag gemeint: Es ist Zeit für ein paar krasse Fragen – nicht für Eitelkeiten.

Friday, November 14, 2008

BIST DU EIN FOSSIL?

Im Interim-Geschäft von MANATNET ist am Freitag Blog-Tag. Am Freitag ist aber auch Telefontag, den vor allem Interim Manager oder Partner für einen Anruf nutzen. Hin und wieder kommt es vor, dass ein solches Telefonat den Entwurf für mein Blog über den Haufen wirft.

Das war am 3. Oktober so – und das ist heute wieder so.

Ein Partner, mit dem wir gemeinsam ein Interim-Mandat besetzen sollen (wenn der Klient nicht wieder seine Meinung komplett ändert!), rief an. Er meinte zu erkennen, dass das Verrohen der Sitten in jüngster Zeit noch weiter zugenommen hätte.

Ich denke, er hat Recht.

Erst in dieser Woche und erstmals überhaupt haben mein Partner und ich entschieden, dass wir für einen namhaften Kunden in Zukunft nicht mehr arbeiten werden: Kehrtwendung in den Anforderungen nach Abschluss der Vorstellung der Kandidaten, gleichzeitige Reduzierung des Projektvolumens um 78 Prozent, nicht eine einzige Rechnung pünktlich bezahlt und nun auch noch ein Streit über die Kostenübernahme von Reisekosten, die der Kunde im Projekt veranlasst hat.

Sind Deine Kunden nicht das wichtigste, was Dein Unternehmen hat?

Hast Du diesen Kunden nicht genug bei der Hand genommen?

Hast Du wirklich alles versucht, diese Situation zu vermeiden?

Ist es nicht Dein Job, Deinen Kunden zufrieden zu stellen.

Warst Du womöglich nicht gut genug?

Bist Du gar arrogant?

In einer solchen Situation sind das typische Fragen, die mich beschäftigen – schwer beschäftigen. Aber auch diese: Denke das mal zu Ende: Wenn das so weiter geht, hast Du dann nicht irgendwann keine Kunden mehr?

Nicht unbedingt ein Wohlfühlszenario für einen Kunden-Mann!

Inzwischen habe ich meinen Frieden mit diesen Fragen. Es tut mir leid. Ich bleibe dabei: Etwas hängt schief bei vielen Kunden! Möglicherweise aber auch bei mir.

Brauchen wir wirklich noch mehr Anlass zum Nach- und dann auch zum Umdenken?

Ist denn tatsächlich noch irgendjemand der Meinung, es ginge alles so weiter wie bisher? Ich denke, es ist an der Zeit für ein paar krasse Fragen:

Wie wäre es mit mehr Ehrlichkeit - und dafür weniger Prozessgeschwafel?

Wie wäre es mit mehr Vor- und Nachdenken - und dafür weniger sinnloser Arbeit für alle?

Wie wäre es mit mehr Partnerschaft - und dafür weniger Egozentrik?

Wie wäre es mit mehr geben – und dafür weniger nehmen?

Wie wäre es mit mehr Menschen an Bord - und dafür, ja tatsächlich, weniger Gewinn?

Wie wäre es mit etwas Bescheidenheit?

Wie wäre es, ja tatsächlich, mit etwas Demut?

Möglicherweise hängt tatsächlich etwas bei mir schief. Möglicherweise bin ich ein Fossil. Möglicherweise bin ich nicht allein.

Friday, November 07, 2008

UNDERPERFORMER UND DIE FANTASTISCHEN VIER

Ganz offenbar steht die Wirtschaft vor schweren Zeiten - wohl vor sehr schweren: Die Automobilindustrie meldet Absatzzahlen dicht am Desaster. Dann sank im September der Auftragseingang um 8 Prozent - soviel wie nicht mehr seit der Wiedervereinigung. Und gestern senkte der IWF die Wachstums-Prognose 2009 für Deutschland auf minus 0,8 Prozent: Unsere Wirtschaft wird wohl im kommenden Jahr schrumpfen.

Um es klar zu sagen: Ohne jeden Zweifel müssen die Unternehmen darauf reagieren! Natürlich.

Aber wieder so?

Seit Jahren stelle ich in einem solchen Umfeld in schöner Regelmäßigkeit dieselben Verhaltensmuster fest: Kosten ´runter - am besten durch den Abbau von Mitarbeitern. Unmittelbar danach folgen die „Fantastischen Vier“: Reisekosten, Bewirtungen, Training und Beratung. Die traditionelle Knautschzone praktisch jedes Unternehmens.

Sollte man annehmen. Bei kritischer Betrachtung sieht das aber möglicherweise anders aus:

Der Abbau von Mitarbeitern hat längst nicht nur mit Kapazitäten zu tun. Hinter vorgehaltener Hand gibt man unumwunden zu, dass die aktuelle wirtschaftliche Lage eine gute Gelegenheit sei, sich von „Underperformern“ zu trennen. Ich frage: Wieso tut Ihr das erst jetzt – und leistet Euch die „Underperformer“ in anderen Zeiten?

Bewirtungen werden untersagt - ausgewählte Führungskräfte natürlich ausgenommen. Ich frage: Wieso tut Ihr das erst jetzt – und frönt vorher einer G&V-relevanten Völlerei?

Dienstreisen werden auf das absolut Erforderliche reduziert und es darf nur noch Economy geflogen sowie Bahn in der zweiten Klasse gefahren werden. Ich frage: Wieso tut Ihr das erst jetzt – und leistet Euch in anderen Zeiten mehr als das absolut Erforderliche?

Trainingsbudgets werden gestrichen. Ich kenne Unternehmen, die haben die Trainingsbudgets in vergangenen Jahren auf Null reduziert. Ich frage: Wieso tut Ihr das erst jetzt - und leistet Euch in anderen Zeiten mehr als die im Wettbewerb unumgängliche Weiterbildung?

Und schließlich: Die Budgets für externe Beratung werden gestrichen – ab jetzt kommen wir alleine klar. Ich frage: Wieso tut Ihr das erst jetzt – wenn Ihr doch selbst in den nunmehr schweren Zeiten alleine klar kommt?

Auf alle meine Fragen habe ich nur eine Antwort: In vielen unserer Unternehmen hatten sich schon wieder zahlreiche "Nice-to-haves" eingenistet. Ich halte die Unternehmen für gar nicht mehr so „lean“, so schlank aufgestellt, wie gern propagiert wird.

Ich glaube, aus welchen Gründen auch immer: Arbeit wurde gemacht, die letztlich nicht wichtig war für die Unternehmen. Und Kosten wurden verursacht, die letztlich nicht wirklich gerechtfertigt waren.

Woran liegt das?

Ich denke: Die meisten Führungskräfte haben nicht das erforderliche Rückgrat, mehr von den Mitarbeitern zu fordern und vor allem genau das Verhalten einzufordern, das die Mitarbeiter auch privat an den Tag legen. Nun aber bietet das schwierige wirtschaftliche Umfeld wieder ein willkommenes Deckmäntelchen zur kollektiven Gesichtswahrung im Management: „Ich bin ja gar nicht so – aber nun kann auch ich nicht anders: Der Markt zwingt uns leider dazu!“

Der Softwarekonzern SAP hat im Rahmen seines Kostensenkungsprogramms alle Weihnachtsfeiern abgesagt. (FAZ vom 5. November). Etwa drei Wochen später als Henkel.

Friday, October 31, 2008

... UND BESCHUETZE MEINEN BAUCH!

Ein Gedicht geistert durchs Internet.

Es geht so:

„Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf: Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los, den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert, wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen, haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken, kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden? Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat, die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja - nicht nur in Amerika!

Und wenn die Kurse wieder steigen, fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur, stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht: Dann wird ein bisschen Krieg gemacht.“

Soweit die Verse.

Ich gebe unumwunden zu: Das ist Klasse gemacht! Und wenn ich dann lese: Dieses Gedicht stamme von Kurt Tucholsky, veröffentlicht 1930 in "Die Weltbühne", dann schäme ich mich nicht meines spontanen Reflexes: „Gibt´s doch gar nicht: Als wär´s heute geschrieben. Lernen die Menschen denn wirklich überhaupt nichts?“

Der Bauch meldet sich: „Hey, wait a minute!“. Leerverkauf und Derivate zur Zeit Tucholskys?

Never ever! Haben wir doch noch Mitte der Achtziger bei Chase Manhattan deutschen Finanzchefs mit roten, grünen und blauen Stiften am Flipchart aufmalen und erklären müssen, was Swaps (Tauschgeschäfte; damals: Zinsen) und Forward Rate Agreements (Zinstermingeschäfte) sind.

Ein wenig Recherche im Internet ergibt: Eine Fälschung. Eine schmucke Feder am falschen Hut! (siehe: Frankfurter Rundschau)

Lieber Lyriker: Auch das ist Unehrlichkeit!

„Reicht´s Dir nicht, dass ich bekenne ohne Niedertracht:
Könn´t ich nicht, alter Freund: Haste toll gemacht!“

Unehrlichkeit kann ich aber nicht leiden, weil ich inzwischen selbst im Tagesgeschäft darunter leide.

Ich denke sogar, das ist ein Versuch, mich zu manipulieren: „Sag ich doch immer: Die Menschen sind dumm und vor allem: nicht lernfähig!“

Und das kann ich dann gar nicht mehr leiden.

Lieber Gott, beschütze meinen Bauch! Ich werde ihn heute Abend mit einem göttlichen Rotwein belohnen – den Bauch natürlich.

Friday, October 24, 2008

IMMER MEHR UND IMMER TEURER

PHILS BOBBY CARIn Ordnung: Manche halten mich für überkritisch. Selbst halte ich mich eher für einen positiven Menschen. Das kennen wir ja: Deutliche Unterschiede zwischen Eigen-Bild und Fremd-Bild.

Heute bin ich jedoch im kritischen Modus – ganz sicher:

Die Finanzmarktkrise begleitet uns nicht erst seit einem guten Monat, als Lehman Brothers im September 2008 Insolvenz anmeldete und unmittelbar darauf Merrill Lynch sich in die Arme von JP Morgan Chase rettete – und in Deutschland Hypo Real Estate fast den Bach ´runter ging.

IKB, Sachsen LB und KfW sind Stellvertreter für frühere Signale, die eindeutig waren: Da kommt noch was nach! Unternehmen und Börsianer übten sich allerdings in der Einstellung, es werde schon alles nicht so schlimm werden. Der DAX lag am 2. Januar bei 7.749 und am 1. September noch immer bei 6.421 Punkten.

Seitdem ist der DAX im freien Fall: Heute, während ich meinen Blogeintrag schreibe, fällt er um weitere 9,99 (!) Prozent auf gerade 4.068 Punkte. Wir haben wieder einen schwarzen Freitag! Ich habe aufgehört, die schwarzen Freitage zu zählen.

Jetzt, nicht etwa früher, kommen die Autobauer aus der Deckung: BMW bricht der Absatz um fast 15 Prozent ein, Daimler veröffentlicht desolate Zahlen, Volkswagen ruft sehr harte Zeiten aus und entlässt wohl 25.000 Leiharbeiter: Das sind mehr Menschen, als eine Stadt in Deutschland haben muss, um sich „Große Kreisstadt“ nennen zu dürfen!

Jetzt, seit wenigen Wochen, stellen die Autobauer ein deutlich verändertes Nachfrageverhalten fest, auf das sie nunmehr gezwungen sind, zu reagieren.

Jetzt! Ich halte es durchaus für möglich, dass die Autobauer das Finanzdebakel aktuell dafür verwenden, die eigenen Fehler zu kaschieren.

Was habe ich für eine Prügel bezogen, als ich vor mehr als zwei Jahren zwei Fragen gestellt habe: „Wer zum Teufel soll die ganzen Autos kaufen?“ Und vor allem: „Wer soll die noch bezahlen?“

Darüber einmal kritisch nachzudenken, dafür hätte es keiner Finanzmarktkrise bedurft. Auch so etwas ist aus meiner ganz persönlichen Sicht eine Zockerei:

Immer mehr und immer teuerer - und inständig hoffen, dass es schon gut gehen wird!  Ja, ich weiß: Ich werde wieder Prügel beziehen! Ich bin bereit.

Na, da können wir ja mal gespannt sein, welche Rettungspakete uns noch ins Haus stehen: Denn die Automobilindustrie ist in Deutschland doch mindestens genauso wichtig, wie die Finanzindustrie, oder? Und die Zulieferer? Und die Landwirtschaft? Und …

Ich weiß nicht, was die nächste Zeit bringen wird. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt: Immer mehr und immer teurer ist nicht mehr! Ich leite daraus durchaus starke positive Impulse für die Zukunft ab. Wir schulden sie unseren Kindern!

Mein Sohn hat heute seine Führerscheinprüfung bestanden. Ich freue mich für ihn: Ganz ehrlich!

Friday, October 17, 2008

COGITO ERGO SUM

Ich denke, es ist an der Zeit, innezuhalten.

In unseren Zeiten und in unserer Gesellschaft, der wir gern das Hauptwort „Kommunikation“ (samt Fugen „s“) voranstellen, kann jeder sein Zeug verzapfen und den geneigten Lesern anbieten – wenn er sie denn findet. Ich selbst bin ja der beste Beleg dafür.

Vor gerade einmal zwei Monaten las ich die Prognose der Fachleute: „Der Ölpreis wird in naher Zukunft auf 200 Dollar steigen.“

Gestern las ich die Prognose der Fachleute: „Der Ölpreis kann bis auf 50 Dollar fallen.“ Wahrscheinlich andere Fachleute.

Irgendwo schreibt irgendwer über irgendwas. Dabei habe ich den Eindruck, als gingen die meisten Menschen mit dieser Flut von Informationen noch immer um, wie vor vierzig Jahren – unter der Maxime: „Das steht da, also muss es richtig sein!“ Und nicht: „Das steht da – was fange ich damit an?“

Prompt rannten - von einer explosiven Mixtur getrieben (leerer Tank, nahender Winter und 200 Dollar-Panik) vor zwei Monaten nicht nur die Eigenheimbesitzer in meiner Nachbarschaft los und orderten Öl für ihren Tank – nicht, ohne durch Bündelung der gutnachbarlichen Nachfragemacht einen Rabatt von zwei Cent je Liter herauszuschlagen. Eine Bankenkrise gab es noch nicht. Aber niemand fragte: Wie steht es eigentlich um die Wachstumsraten in der Weltwirtschaft, die den Ölpreis treiben?

Die Eigenheimbesitzer fühlen sich gerade nicht gut.

Warum finde ich vergleichsweise wenig Menschen, die dem eigenen Kopf eher vertrauen als dem anderer Menschen? So wenige Menschen, die Informationen, ja, Informationsschnipsel nehmen als das, was sie sind: Ein Angebot – und dazu verwenden, sich eine wirklich eigene Meinung zu bilden. Cogito, ergo sum.

Und die auch mal den Mut haben, zu sagen: „Weiß ich nicht!“ Oder „Verstehe ich nicht.“ Möglicherweise hätte ein solcher Mut in der Bankenwelt die Krise vermieden.

Es ist an der Zeit, innezuhalten.

Ich glaube, die ersten unter uns halten inne.

Friday, October 10, 2008

EINE RABENSCHWARZE WOCHE

Was schreibe ich an einem derart schlimmen Tag?

Die Finanzmärkte taumeln und die Börsenkurse sind im freien Fall. Gut, ich habe 1929 nicht miterlebt – aber 1987 und den 11. September 2001 schon:

Auf den schwarzen Montag am 19. Oktober1987 folgte am Dienstag (zu einem anderen Thema) eine Banker-Konferenz in der Alten Oper in Frankfurt, an der ich natürlich teilnahm. Keynote Speaker war Karl Otto Pöhl, damals Präsident der Deutschen Bundesbank. Ich werde das nie vergessen. Er eröffnete seine Rede mit den Worten:

„Ich weiß, Sie erwarten jetzt von mir eine Antwort darauf, wie es weiter geht: Ich weiß es nicht!“

Alle sahen bestürzt ihre Depotwerte erodieren.

Am 11. September 2001 erreichten uns die ersten Nachrichten vom Anschlag auf das World Trade Center während einer Konferenz bei Accenture. Es dauerte eine Zeitlang, bis sich die Nachrichtenlage geklärt hatte: Dann habe ich die Konferenz abgebrochen.

Die Börse in USA wurde erst gar nicht eröffnet und sie sollte für einige Tage geschlossen bleiben. Die Kurse an anderen Weltbörsen rauschten sofort in den Keller.

Alle sahen bestürzt ihre Depotwerte erodieren.

Aktuell komme ich mit den „schwarzen“ Tagen kaum noch nach: Allein in dieser Woche hatten wir einen schwarzen Montag, einen schwarzen Mittwoch – und heute haben wir wieder einen schwarzen Freitag. n-tv titelt: „Blutbad“.

Alle sehen bestürzt ihre Depotwerte erodieren.

Börsen-Historiker werden diese Woche womöglich zur „schwarzen Woche“ erklären.

Heute morgen, um 10:07:21 Uhr MESZ, erreicht mich die Nachricht: Das Kind eines guten Freundes ist verstorben. Es wurde gerade einmal drei Monate alt.

Niemanden von uns interessieren Depotwerte.

Es ist eine rabenschwarze Woche.

Friday, October 03, 2008

INTERIM MANAGER - NIMM ES ODER LASS ES!

Ein Kunde antwortet wieder nicht auf unsere Vorschläge – natürlich war alles sehr eilig, so lange der Ball bei uns lag.

Ein Kunde hat schon vier Provider beschäftigt und möchte nun, dass wir auch noch für ihn arbeiten – natürlich kostenlos.

Ein Kunde hat mich in der Vergangenheit dreimal beschäftigt und dann jedes Mal das Projekt abgeblasen. Meine Forderung nach einem anrechenbaren Retainer für die aktuelle Anfrage hält er erst für fair - natürlich kann er den Retainer dann aber intern nicht durchsetzen.

Ein Kunde zahlt nicht pünktlich bei Fälligkeit – natürlich nicht: Das hat er noch nie getan.

Eine ganz normale Woche also.

Bis heute Morgen der Anruf eines Interim Managers kam. Das machen die Interim Manager freitags ganz gerne. Ein Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe – wertvoll für beide Seiten. Und deshalb bekenne ich: Auch ich mache das gerne – nicht nur freitags.

Der Interim Manager berichtete konsterniert von Automobilzulieferern, die Interim Managern einen Tagessatz von 400 Euro zugestehen. Kaum zu glauben – und doch ganz sicher wahr.

Nun habe ich so meine Erfahrungen mit Einkäufern gemacht: Viele – nicht alle – zeigen despotische Charakterzüge (zur Erinnerung: Der Despot ist im griechischen Wortursprung der Herr, insbesondere über Sklaven und auch im Sinne von Hausherr. Die Polis war durch eine Trennung von Haushalt (oikos) und öffentlicher Sphäre charakterisiert. Wenn sich ein Politiker in der öffentlichen Sphäre so verhält wie im privaten Haushalt, d.h. die freien Bürger als Sklaven behandelt spricht man in der antiken Tradition von Despotie. Quelle: Wikipedia).

Diese Despoten in ihrem präzise abgesteckten Fürstentum mit persönlicher Einkaufshoheit verhandeln schon lange nicht mehr, sondern proklamieren Konditionen huldvoll an die untertänigen Dienstleister unter der Überschrift „Nimm es oder lass es“.

Smarte Geister werden dieses Paradoxon erkennen: Auf welcher Grundlage kann man sich in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis, in unselbständiger Arbeit, auch nur als „Herr“ über Unternehmer oder Selbständige fühlen, geschweige denn so verhalten?

Das ist möglich, weil wir es zulassen!

Weil jemand, wem auch immer die 400 Euro huldvoll angeboten wurden, nicht einfach eine Quittungsfrage gestellt hat („Habe ich Euer Gnaden richtig verstanden, dass…?“) und dann einfach aufgestanden ist. Natürlich sich untertänigst rückwärts entfernend - mit gebeugtem Rücken.

Ich gebe gern zu: Ich verdiene gern gutes Geld – und ich kann nachvollziehen, wenn mein Verhandlungspartner genau das verhindern will. Folglich bin ich grundsätzlich bereit, dem Verhandlungspartner nachzugeben - bis zu dem Punkt, nach dem die Transaktion für mich wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll ist. Oder ich das Verhandlungsergebnis aus anderen, durchaus auch emotionalen Gründen, für nicht ausgewogen, für nicht fair ansehe.

So halte ich es zum Beispiel für nicht fair, wenn sich der Interim Manager für seinen Tagessatz zu einer täglichen Arbeitszeit von 9 Stunden verpflichten muss – während die eigenen Mitarbeiter 6,9 Stunden arbeiten – aber genau dies bei internen Vergleichsrechnungen von Tagessatz zu Festgehalt unter den Tisch fällt.

Also, liebe Interim Manager: 400 Euro am Tag für einen Interim Manager ist kein fairer Preis. Jeder Insider weiß das – und wer das nicht weiß, ist kein Insider. Lehnen Sie einen solchen Irrsinn ab – mit durchgedrücktem Rücken.

Bei MANATNET gibt es immerhin drei Interim Manager, die einen Tagessatz von 500 Euro verlangen, aber keinen einzigen, der nur 400 Euro verlangt. Wir könnten also dem Automobilzulieferer gar nicht mit einem Interim Manager helfen - selbst, wenn wir wollten. Wollten wir aber sicher nicht.

Wenn aber Sie, liebe Interim Manager, sich dafür entscheiden, die 400 Euro zu akzeptieren (möglicherweise ist ganz simpel mal wieder Cash-in erforderlich: Jeder Unternehmer kennt das!): Dann treffen sich Angebot und Nachfrage in einer spezifischen Situation. Das empfinde ich als vollkommen okay – und alles Klagen als scheinheilig. Das ist das eine Blatt.

Auf dem anderen Blatt steht, wie Sie sich dabei fühlen. Auf diesem Blatt steht auch Ihre persönliche Freiheit. Aber welcher Despot hat sich jemals darum geschert?

Friday, September 26, 2008

NIEDER MIT DER SCHATTENWELT!

Ich lese viel: Über Politik und Wirtschaft, Finanzen und Kundenunternehmen, über Philosophie und Internet. Trockenes Zeug vorwiegend - und obendrein quäle ich mich grad durch Joachim Fests massige Hitler-Biographie.

Obendrein muss ich mich auf meine Reden vorbereiten: Auch hierzu gehört für mich das vorbereitende Lesen – wieder meist trockenes Zeug, keine allzu gute Basis für eine Rede, soll sie doch den Zuhören ein wenig Vergnügen machen.

Am 16. Oktober ist es wieder so weit: Das 3. Hamburger Forum Interim Management des AIMP findet unter dem Motto „Projektmanagement im Interim Management: Trends im Markt und Anforderungen an die Interim Manager“ statt und ich darf einen kleinen Beitrag leisten.

Ich freue mich darauf: Nach Hamburg zu unseren Freunden von den Management Angels komme ich wirklich nur selten.

Projektmanagement, also.

Ich bin vertraut mit dem Projektmanagement aus meiner Zeit bei debis und Accenture: Was habe ich für eine Prügel bezogen! „Ear-Bashing“ genannt von einem mitfühlenden englischen Kollegen. Und im Kopf habe ich heute noch die Zahlen der Analysten – ich glaube es war Gartner oder Forrester im Jahr 1998: Drei von vier IT-Projekten erreichen nicht das vorgesehene Ziel!

Anfangs dachte ich: Kann doch nicht sein. Später lernte ich: Doch!

Nun kann man sich wissenschaftlich mit den Gründen für dieses Scheitern im Projektmanagement beschäftigen oder aber – wie erfrischend! – satirisch.

Und eine solche Satire ist mir in die Finger gekommen – rechtzeitig, obwohl (und das mir!) ich weit über eine Stunde zu spät zum Termin erschien: Welche Fügung!

Wer auch nur den Schimmer einer Erfahrung im Projektmanagement hat, für den ist das Büchlein „Anleitung für Projektvernichter“ von Dr. Kötting ein Juwel.

Das Besondere an diesem Büchlein ist, dass es aus der Perspektive einer dunklen Macht, der so genannten Schattenseite, geschrieben ist. Die Schattenseite denkt und handelt in der populären unternehmerischen Wertorientierung – nur wird halt der Wertbeitrag der Schattenwelt im Umkehrschluss zur Wertvernichtung in der echten Welt.

Daraus ergeben sich köstliche Logiken und ein ungeheuerer Sprachwitz – wenn man sich darauf einlässt. Die Wörter und Worte reichen von „Wertvernichtungspotenzialen“ über „Fantastische Profite für uns“ bis zu „unserer Unterabteilung für strategische Planung zur Bestimmung von nützlichen Schuldträgern“ und als Kulmination: „Diese Art von Projekten sind uns die liebsten, da sich deren Hinführung zu einem katastrophalen Ende fast von selbst ergibt“.

Ich bekenne offen: Bei einem schönen Glas Wein hatte ich viel Freude beim Lesen – und mehr als einmal schoss mir durch den Kopf: „Klar, genau so ist es! Ganz sicher.“

Es war nicht genug Wein, um die Frage zu unterdrücken: „Wenn es denn klar so ist, warum ändert man das Vorgehen dann nicht einfach?“

Nieder mit der Schattenwelt: Ich freue mich auf Hamburg.

Friday, September 19, 2008

DER ANFANG VOM ENDE DER MODERNEN WELT?

Vor langen Jahren habe ich über 17 Jahre für Banken gearbeitet. Viele wissen das. So etwas prägt: Ich bin somit ein ehemaliger Banker „alter Schule“.

Die Banken, für die ich gearbeitet hatte, sind ausnahmslos nicht mehr eigenständig: Chase Manhattan fusionierte mit J.P. Morgan, National Westminster Bank wurde von der Royal Bank of Scotland übernommen – und die Dresdner Bank erst von der Allianz und nunmehr von der Commerzbank: Oder möglicherweise dann doch nicht.

Ich bin also einiges gewohnt und vieles kann ich akzeptieren.

Doch mit dem, was derzeit am Finanzmarkt abgeht, habe ich massive Schwierigkeiten. Ja, ich behaupte: Das kann man keinem „normal“ (was ist schon „normal“?) denkenden Menschen mehr begreiflich machen.

Die FAZ schrieb gestern Abend in ihrer Online-Ausgabe: „Die Finanzkrise erschüttert das Vertrauen in die Marktwirtschaft. Das Börsenbeben vernichtet von einem auf den anderen Tag Marktwerte in Milliardenhöhe. Es scheint, als könnte mit solchen Nachrichten der Anfang vom Untergang der modernen Welt beschrieben werden. Doch das wäre wahrlich übertrieben….“

Ich bin mir da nicht mehr so sicher. „Wahrlich“, liebe FAZ?

Die Welt hat viele krachende Krisen erlebt – und zugegebenermaßen auch überlebt: Von der großen Tulpenmanie im Holland des 17. Jahrhunderts, über den Börsencrash 1929 und das Platzen der Internet-Blase 2001bis zur aktuellen „Sub-prime“-Krise.

Erinnern wir uns: Auch das Platzen der Internet-Blase im Schulterschluss mit „innovativer Buchhaltung“ hat einige Flaggschiffe absaufen lassen. Denken wir nur an WorldCom oder Enron (letzteres mit 20.000 Menschen an Bord).

Aber eins ist doch ganz offensichtlich: Die Menschheit ist weitaus weniger lernfähig, als man gern glauben möchte. Es gibt ihn wohl doch: Walt Disneys „Zug der Lemminge“. Und keiner steht auf und sagt: „Hey, wait a minute!“

Das ist es, was mich zutiefst erschüttert.

Es mag die viel beschworenen „Selbstheilungskräfte des Marktes“ geben. Aber ist das dauerhaft wirklich der richtige Ansatz in einer Zeit, die in anderen Feldern die Vorteile der Prophylaxe und Prävention längst erkannt hat? Aber in der Wirtschaft waten wir unverdrossen im Blut – finden aber unseren Trost im gebetsmühlenartigen: „Das wird schon wieder!“

Wenn ich mir die Geschichte ansehe, dann denke ich zudem: Es gibt auch so etwas wie „Selbstheilungskräfte der Menschheit“. Irgendwann wird jemand aufstehen und er (oder durchaus auch sie) wird sagen: „So geht es nicht mehr!“

Und möglicherweise wird das dann doch der Untergang der modernen Welt – wohin auch immer das führen mag. Unserer Welt, die wir so selbstverständlich „modern“ nennen.

Mir fällt auf: Mal wieder ein Blogeintrag ohne Bezug zum Interim Management. Oder vielleicht doch?

Friday, September 12, 2008

DREI VON VIER TOT: UNSER TAEGLICH BROT

Am vergangenen Freitag klagte ich – Trost heischend – einer lieben Kollegin eines befreundeten Interim-Providers mein Leid: Rechtzeitig zum Wochenende hatte mir ein Unternehmen mitgeteilt, dass der Lenkungsausschuss am Vortag entschieden hätte, nun doch keinen Interim Manager einzusetzen.

Fast vier Wochen nachdem wir die Anfrage nach einem Interim Manager erhalten, die Anforderungen im Dialog mit den infrage kommenden Interim Managern abgeglichen, die erforderlichen Spezialqualifizie- rungen hatten bestätigen und schließlich vier Interim Manager präsentiert hatten. Und nachdem vom Unternehmen das Feedback gekommen war: Zwei Interim Manager entsprächen ganz genau den Anforderungen.

Statt des Trostes erhielt ich von der Kollegin als Antwort: „Das ist doch unser täglich Brot, oder? Ich habe allein in dieser Woche 20 neue Anfragen bearbeitet (weil ich ja Urlaubsvertretung mache) wovon 15 bereits heute wieder tot sind. Ich kenn das nicht anders....“

Daraufhin änderte sich meine Erwartungshaltung drastisch: No more comfort desired!

Die Ergänzung meiner Kollegin, „Ich kenn das nicht anders“, schwingt bis heute nach: Zeigt sie doch (die Ergänzung), dass wir Interim Provider es inzwischen schon als normal ansehen, dass der weitaus größte Teil der Anfragen nach Interim Managern nach kurzer Zeit wieder gestoppt wird.

Aber mal ehrlich: So kann´s doch auch nicht sein.

Bei aller Kundenorientierung und bei allem Respekt, liebe Kunden: Es kann doch nicht sein, dass wir es auf Dauer zulassen, dass Sie derart hemmungslos unsere Zeit verbrennen – und das obendrein unentgeltlich!

Und deshalb bin ich sicher: So wird es nicht weitergehen können – und so wird es deshalb auch nicht weitergehen.

Möglicherweise nicht mehr in diesem Jahr, aber auf absehbare Zeit werden wir Interim-Provider darauf reagieren.

Wir werden es müssen: Denn eine Ausschussquote von 75 Prozent wird in keiner Industrie toleriert – auch nicht im Interim-Providing!

Friday, September 05, 2008

MAN KANN SICH IM ALTER WENIGER MERKEN - ABER MAN MERKT MEHR

Dieses Interim Management-Geschäft hat schon zahlreiche attraktive Facetten. Eine Facette, die mir besonders zusagt: Es gibt ein Vielfaches mehr an kritischen Äußerungen von Interim Managern, als ich das von festangestellten Managern über viele, viele Jahre kennen gelernt habe.

Und so ist das Erstellen unseres monatlichen Newsletters für die Interim Manager (FAKTEN ZU MANATNET) zwar ein aufwendiges (ich hasse das „ä“ in der neuen Rechtschreibung!) Unterfangen, jedoch fiebere ich regelmäßig dem Feedback der Interim Manager entgegen.

Das Feedback kritisiert entweder oder stimmt zu: So soll es sein. Mitunter setzt das Feedback aber noch einen drauf auf meine ganz persönliche Sichtweise. Und dafür werden dann auch stets Beispiele geliefert – statt einfach nur zu behaupten.

Ich liebe so etwas!

Ein Auszug aus einem solchen Feedback eines hoch geschätzten Interim Managers auf unseren Newsletter vom 1. September:

„Zum Thema August: Das sind nicht nur die Aktivitäten, die da darben! Viel schlimmer ist die Qualität der Aktivitäten! ….

Wenn das nur ein einzelner Fall wäre, wäre das vielleicht sogar lustig! So ist es aber wohl mehr ein Verdacht auf Psychiater-Bedarf. Das scheint mir typisch zu sein für heute! Verängstigt, Egomanie, introvertiert bis autistisch: Man verwaltet und beschäftigt sich nur noch intern, die Mitarbeiter werden nur noch unter Druck gesetzt, die Kunden stören und sollen die Aufträge abliefern und die Klappe halten - und man schließt die Augen.“

Zur Untermauerung enthielt dieses Feedback zudem den Link auf einen Beitrag von Bayern2 aus dem Programm Eins zu Eins – Der Talk. Interviewt wurde Manfred Max-Neef, 75, Wirtschaftsingenieur und Träger des Alternativen Nobelpreises und Begründer der „Barfußökonomie“.

Mein lieber Mann: was für ein Geist! Was für Ansichten und Einschätzungen – häufig kritisch, manchmal verstörend, aber immer irgendwie überzeugend.

Mich haben die 39 Minuten sehr beeindruckt.

Die 39 Minuten hallen noch immer nach.

Artikuliert hat das ein Fünfundsiebzigjähriger. Und das Feedback kommt von einem Vierundsiebzigjährigen!

Möglicherweise müssen wir noch viel stärker umdenken, als wir das bisher angenommen haben.

Friday, August 29, 2008

INTERIM MANAGEMENT - BILDGEWALTIG

Vergleichsweise selten klopfte die Presse bei uns Interim Providern in der Vergangenheit an und bat um “Content”, wie es heute so schön heißt – also um Informationen zum Interim Management.

Aktuell nehmen diese Anfragen spürbar zu – von ARD, ntv und Deutscher Welle bis zur Financial Times Deutschland und dem EDV-Leiter - denn Interim Management ist in – zumindest, darüber zu reden.

Die Anfragen haben immer zwei Dinge gemeinsam: (1) Ein mediengerechter Interim Manager muss her (besser noch: eine Interim Managerin!) – und (2) ein leibhaftiger Unternehmenskunde, der sagt, weshalb er den Interim Manager beschäftigt. Für die Vertreter der Fernsehzunft muss das zudem ein „bildgewaltiger“ Kunde sein, „also einer, wo wirklich gearbeitet wird: kein Dienstleister!“ (O-Ton).

Für mich zeigt das eindeutig: Interim Management hat das Etikett des Exotischen noch längst nicht abgelegt. Nur so lässt sich das permanente Fragen nach „lebenden Beispielen“ – sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite – erklären.

Welcher Journalist käme heute noch auf die Idee zu sagen: „Zeigen Sie mir mal einen gut gepflegten Wagen eines Autovermieters und dann den Kunden, der den Wagen gemietet hat. Am besten einen ausgeflippten: Wir brauchen einen bildgewaltigen!“

Natürlich nicht, denn: Ein Auto zu mieten ist ein selbstverständlicher Vorgang.

Und genau da ist das Interim Management offenbar längst noch nicht angekommen.

Wir wissen das aus der täglichen Praxis: Unternehmen warten lieber monatelang und hoffen jede Woche neu, den gesuchten Kandidaten für eine Festanstellung doch noch zu finden – statt einen Interim Manager zu holen, der zumindest die Arbeit erledigt, bis der Kandidat dann endlich an Bord ist.

Stattdessen türmt sich die Arbeit im Unternehmen und die Prozesse holpern oder stocken sogar.

Wenn aber der langersehnte, neue Mitarbeiter dann endlich an Bord ist, bestellt er seinen Dienstwagen – und muss dann einige Wochen auf sein Fahrzeug warten. Kein Problem: Denn das Unternehmen fängt das auf - ohne zu zögern durch einen Mietwagen.

Über einen Dienstwagen hätte der Interim Manager mit dem Unternehmen nicht einmal geredet.

Unsere Welt ist mitunter schon sehr seltsam.

Friday, August 22, 2008

BRAUCHT INTERIM MANAGEMENT EIN BLOG?

Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir unser Blog freigeschaltet – und waren damit wieder Vorreiter im Interim-Markt. Ein Jahr später können wir festhalten: Nur ein befreundeter Interim-Provider hat nachgezogen. Aber: Beide Blogs unterscheiden sich elementar.

Als kritischer Beobachter der Szene frage ich mich: Bin ich auf dem richtigen Weg mit dem MANATNET-Blog?

Erinnern wir uns: Ein Blog ist eine Wortkreuzung aus engl. World Wide Web und Log (für Logbuch) - also ein Tagebuch im Internet. Öffentlich zugänglich. Man stelle sich das einmal vor!

Welch ein Wandel – heute gern auch „Paradigmenwechsel“ genannt! Ich kenne noch Zeiten, da wurden Tagebücher mit Laschen und Schlössern hergestellt und nach dem Eintrag sorgsam mit kleinen goldfarbenen Schlüsselchen in einem fast sakralen Akt für dritte Augen versperrt. Und obendrein den Tiefen der Nachttischschublade zur Doppel-Sicherung übergeben – zumindest aber sorgsam unter den Kuscheltieren verborgen.

Dass ein Dritter das Tagebuch läse, war für beide Seiten ein schier unvorstellbarer Vorgang: Ein tief verletzender Einbruch in die intimste Intimsphäre aus Sicht des Autors – und ein vehementer Tabubruch im Rahmen der gegebenen Sozialisierung aus der Perspektive des voyeuristischen Lesers. Von dritter Seite ein Kommentar im Tagebuch? Undenkbar! Es hätte den Eindringling verraten – ganz ohne DNA.

All das ist vorbei, vaporisiert – vanished in the haze. Und das noch auf Betreiben der Autoren, deren Ziel sich komplett umgekehrt hat: Kommet zu Hauf und leset!

Und kommentieret meine Tagebuchergüsse!

Nun gut – so sei es! Aber es bleibt ein Tagebuch. Oder ein Wochenbuch – wie in unserem Fall.
Laut Wikipedia ist ein Tagebuch „eine autobiografische Dokumentation in chronologischer Form. Es gibt einen frischen Eindruck des Erlebten wieder. In einem Tagebuch werden Erlebnisse, aber auch Stimmungen und Gefühle aufgezeichnet, um die Gegenwart für die eigene Zukunft zu bewahren. Ein Kennzeichen aller Tagebücher ist die Regelmäßigkeit des Berichtens.“

Daher schreibt nur einer das MANATNET-Blog und das regelmäßig – um Erlebnisse, Stimmungen und Gefühle aufzuzeichnen und somit einen klaren Gegenpol zu unserem monatlichen Newsletter „Fakten zu MANATNET“ zu setzen: Das war von Beginn an das Ziel unseres Blogs.

Nur dadurch schaffen wir etwas anderes als die Informationen am Marktplatz oder im Newsletter – und, ja, unterhalten vielleicht sogar ein wenig. Nicht zufällig habe ich den Freitagnachmittag für meine Einträge gewählt.

Liege ich möglicherweise falsch?

Kommet zu Hauf und leset! Und kommentieret diesen meinen Tagebucheintrag! Nicht, dass ich doch wieder zu kleinen goldenen Schlüsselchen greife…

Friday, August 15, 2008

BEHERRSCHE ICH NICHT - ABER ICH BIN LERNFAEHIG!

Die Praxis zeigt eindeutig: Die Anforderungen, die Klienten an einen Interim Manager stellen, sind extrem hoch. Und ein Interim Manager muss nachweisen, dass er diese Anforderungen in vollem Umfang erfüllt, wenn er auch nur ein erstes Gespräch führen möchte.

Mitunter nimmt das dann – aus meiner unmaßgeblichen Sicht – bizarre Formen an: So ist in die junge Geschichte von MANATNET eingegangen, dass ein Klient einen Interim-Qualitätsspezialisten für Automotive, Interieur, Gummi suchte – und MANATNET einen Interim-Qualitätsspezialisten für Automotive, Interieur, Kunststoff vorschlug, der dann prompt als völlig ungeeignet vom Klienten abgelehnt wurde. Nicht einmal zu einem Telefonat mit dem Interim Manager war der Klient bereit.

Es gibt aber auch die Kehrseite der Medaille: Ein Klient beschreibt eine Anforderung als KO-Kriterium, wir stimmen mit einem Interim Manager, der grundsätzlich in Frage käme, dieses KO-Kriterium ab und erhalten vom Interim Manager als Antwort: „Das beherrsche ich nicht – aber ich bin lernfähig!“.

Nun bestreite ich die Lernfähigkeit des Interim Managers in keiner Weise. Nur, wir gehen hier an den Kern des Interim Managements: Kein Klient ist bereit, das Lernen des Interim Managers durch Tagessätze im Projekt zu finanzieren. Ganz im Gegenteil: Der Klient erwartet, dass der Interim Manager die geforderten Kenntnisse „drauf hat“, denn genau dafür braucht er ihn ja!

Es verwundert, ja verstört mich regelmäßig, wenn Interim Manager dieses Kernelement im Interim Management nicht anerkennen wollen.

In diese Ecke gehört auch die Sektion „Sprachen“ im Lebenslauf. Viele Interim Manager weisen dort Grundkenntnisse oder gar Schulkenntnisse für die eine oder andere Sprache nach – nicht ohne den Hoffnung machenden Hinweis „ausbaufähig“.

Ich frage dann regelmäßig: „Wer, glauben Sie, wird für Ihre Schulkenntnisse bezahlen wollen?“

Niemand! Für gute Skills zahlen faire Klienten gutes Geld – für fehlende Skills zahlt kein Klient irgendetwas – egal, wie fair er auch sein möge.

Friday, August 08, 2008

OLYMPISCHE SPIELE - EIN HOCH AUF DIE HOECHSTLEISTUNG

Heute werden die olympischen Spiele in Peking eröffnet. Die Eröffnungsfeier läuft während ich meinen Blogeintrag schreibe – und sie versucht wieder, alle früheren Eröffnungsfeiern zu übertreffen. Für meinen Geschmack ist das inzwischen zu pompös geworden: Ein Wettlauf der Eitelkeiten.

Aber ich finde den Sport, dieses Streben nach Höchstleistung, einfach toll. Da gibt es Sportler, die bereiten sich monatelang, manche jahrelang nur auf diesen einen Termin vor. Alles wird dem Projekt Olympia untergeordnet – um genau dann in Bestform zu sein, sein oder ihr Bestes geben zu können.

Manchmal sehne ich mich nach einem Olympischen Geist im Interim Management.

Unter dieser Überschrift war diese Woche wieder (ich schreibe bewusst: wieder!) niederschmetternd.

Zugegeben: Unsere Kunden suchen vielfach keine Controller oder Personalreferenten mehr. Sie suchen den Leiter Vertrieb und Service für ein Start-up in der hochspezialisierten Klimatechnik – oder einen Einkäufer für Marketing-Dienstleistungen. Sie legen uns ein Anforderungsprofil vor, das stets weit über eine Seite hinausgeht und: Sie geben mehrere KO-Kriterien vor. Das bedeutet, dass wir oftmals am eigenen Marktplatz nicht mehr fündig werden.

Also suchen wir anderweitig!

Ich freue mich dann regelmäßig, dass wir in weniger als 24 Stunden Antworten erhalten. Aber was für welche!

Da bewerben sich Menschen für die Vertriebsaufgabe beim Start-up: Aber im Lebenslauf kommt das Wort „Klimatechnik“ nicht einmal vor.

Da bewirbt sich jemand auf den Einkaufsjob für Marketing-Dienstleistung: Aber im gesamten Lebenslauf ist vom Einkauf nicht mit einem einzigen Wort die Rede.

Ich weise dann – nervenstark – darauf hin, dass ein solcher Lebenslauf chancenlos sei angesichts des Wettbewerbs und der Erwartungshaltung des Klienten.

Ein olympischer Geist hätte seinen Lebenslauf nicht komplett umgeschrieben, aber ganz sicher darauf geachtet, dass die wesentlichen Anforderungen des Klienten im Lebenslauf angesprochen und die eigenen Erfolge dargestellt werden. Er hätte seine wichtigste Unterlage, seinen Verkaufsprospekt in eigener Sache, seinen Türöffner zum Mandat zielgenau platziert.

Und ich hätte einen solchen Medaillenbehangen dem Klienten präsentiert.

So aber wurde die Olympianorm nicht erfüllt. Diese Kandidaten kamen nicht in den Endlauf, nicht in den Vorlauf – sie durften nicht einmal an den Spielen teilnehmen.

Andere schon.

Friday, August 01, 2008

INTERIM MANAGEMENT UND TROJA

Als Betreiber des einzigen Marktplatzes für Interim Management - mit zwei eigenen gespiegelten Servern im professionellen Rechenzentrum - ist das Thema Datensicherheit von überragender Bedeutung. Vorab die Sicherheit der Daten der Interim Manager, die uns ihr Vertrauen schenken.

Darüber hinaus aber haben wir viel damit zu tun, das inzwischen schier unglaubliche Volumen an Spam-Mails, Viren, Würmern oder Trojanern abzufangen.

Das klappt – enorm aufwendig – für die Server im Rechenzentrum recht gut. Aber auf dem Rechner, den ich als Client verwende, hat es mich heute erwischt: Ein Trojaner!

Tückisch und durch alle Anti-Viren-Programme oder Spyware, die wir zu Verfügung haben, nicht zu entfernen: Wir mussten die Festplatte neu formatieren und den Rechner neu aufsetzen. Das ist der Grund dafür, dass mein Blogeintrag heute mit vierstündiger Verspätung kommt. Ich bitte um Nachsicht.

Wie gut, dass immer eine Back-up-Maschine zur Verfügung ist. Aber es ist wie mit dem T-Car in der Formel 1. Gut zwar, aber kein absolut auf den Nutzer abgestimmtes Gerät.

Ich bin humanistisch ausgebildet und ich habe eine gewisse Affinität zu Troja, Hektor und Helena. Aber ich hasse diese Trojaner zutiefst.

Mein Sohn hilft mir, das Wochenende wird wieder anders als geplant.

Meine Frau und ich machen eine Flasche Champagner auf – auch für den Sohn.

Friday, July 25, 2008

MOVING TARGETS IM INTERIM MANAGEMENT

Ich wäre wohl doch besser in die Toskana gefahren – so wie es mir Herr Voss am letzten Freitag geraten hat!

Viel Arbeit für die Kunden – unbezahlt, denn das ist der Regelfall im erfolgsabhängigen Interim- Geschäft.

Neun Interim Manager für einen wichtigen Kunden identifiziert. Absagen von vier Interim Managern eingefangen, die nicht verfügbar waren, obwohl sie das werbewirksam der Außenwelt am Marktplatz MANATNET verkündet hatten (Wir trauen der Verfügbarkeit zum nächsten Ersten längst nicht mehr und fragen inzwischen in jedem Einzelfall nach: So weit sind wir schon! Unter Profis.).

Dennoch: Fünf Interim Manager empfohlen und als Feedback vom Klienten erhalten: „Vier Kandidaten entsprechen unseren Anforderungen.“

Sommerliche Freude! Toskana in Baden.

Eine Woche später, nach dem ersten Gespräch, werden zwei Kandidaten abgelehnt. Okay. Knapp zwei Wochen später werden nach einem weiteren Gespräch die verbleibenden Kandidaten in der Endrunde vom Klienten abgelehnt, weil sie nunmehr eine Anforderung nicht erfüllen würden, die jedoch im Suchauftrag nicht einmal genannt, geschweige denn als KO-Kriterium bezeichnet wurde.

Sommerlicher Frust? Ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist…

Fakt ist: zurück auf Feld eins. Die ganze Arbeit von vorn.

Ich denke, die Kunden dürfen sich nicht wundern, wenn auf absehbare Zeit auch im Interim Management Retainer, also eine Pauschale vorab für die Kostendeckung, zum Standard werden wird.

Friday, July 18, 2008

EIN INTERIM-PROVIDER ZWISCHEN KUNDEN UND TOSKANA

Trotz meines Engagements für´s Interim Management. Ich gebe gerne zu: Ich würde gern für eine oder gar zwei Wochen in die Toskana fahren – oder auch nach Sylt. Beides sind meine Lieblingsziele: Aus Sylt brechen sturmbedingt ganze Dünen weg, ohne dass ich das mitbekomme – die Toskana hat mich seit sechs Jahren nicht mehr gesehen.

Nicht nur meine Mutter ermahnt mich regelmäßig: Du musst auch mal ausspannen. Recht hat sie!

Nur - was mache ich, wenn unsere Kunden grad jetzt anrufen und Interim Manager nachfragen? Interessanterweise Interim Manager für Qualitäts- und Projektmanagement.

Soll ich tatsächlich antworten: „Ich bin dann mal weg. Warten Sie bitte bis nach meinem Urlaub!“?

Sicher nicht.

Also, dann soll sich halt ein Vertreter um die Kunden kümmern. Aber meine Kunden haben mich angesprochen und möchten nicht mit einem Vertreter sprechen – und zudem: Wir sind Dienstleister und somit ist es unser Geschäft, für unsere Kunden da zu sein.

Eigentlich nicht weiter spektakulär, denke ich. Und vielleicht muss ich das an dieser Stelle mal sagen: Wir machen das gern – trotz aller Lockrufe aus den Hügeln der Toskana.

Aber die Toskana läuft nicht weg – und Sylt wird trotz steigender Meeresspiegel noch einige Zeit da sein: Hoffe ich.

Friday, July 11, 2008

MARKTPLATZ FUER INTERIM MANAGEMENT UND FEST- ANSTELLUNG

Seit über fünf Jahren betreiben wir Europas ersten und einzigen Marktplatz für Interim Management. Inzwischen – auch und vor allem Dank der Unterstützung unseres Partners Web-Media – hat unser Marktplatz ein ausgezeichnetes Ranking bei Google.

Dieses Ranking führt – und das ist der Sinn des Ganzen – zu deutlich steigenden Nutzerzahlen. Wie immer im Leben hat diese an sich positive und hart erarbeitete Entwicklung auch ihre Nachteile: So erhalten wir seit einiger Zeit und zunehmend Unterlagen von Bewerbern für eine Festanstellung.

Ich wundere mich darüber sehr. Denn unser einziger Text auf der Homepage lautet ‚MANATNET – Interim Management’. Und selbst, wenn man den Begriff ‚Interim Management’ nicht einordnen kann, dann hilft ein Klick auf ‚Wofür wir stehen’ weiter. Interim Management ist unser Kerngeschäft – Festanstellungen machen wir nicht.

Noch mehr aber wundere ich mich über die Tatsache, dass diese Bewerbungen praktisch ausnahmslos an ‚Sehr geehrte Damen und Herren’ adressiert sind.

Da möchten Menschen einen hochbezahlten Job über uns – unter 75.000 Euro geht da praktisch gar nichts – und sie wissen weder, was wir tun (und folglich kommen die Begriffe ‚Interim Management’ oder gar ‚Interim Manager’ in der Bewerbung nicht einmal vor) - noch, wie mein Partner oder ich heißen.

Und noch etwas: Weit über die Hälfte dieser Bewerbungen verwenden nach der allgemeinen Grußformel gebetsmühlenartig einen Aufbau in dieser Art, wobei die ersten fünf Wörter ausnahmslos gleich sind:

‚…mit dieser Bewerbung lernen Sie den kommunikationsstarken, zielorientierten und engagierten Generalisten der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit kennen. Nachweisbare Erfolge habe ich in den Bereichen Veranstaltungsmanagement, Informationsmedien und Pressearbeit insbesondere durch Organisationstalent, Kreativität sowie Hands on Mentalität erzielt…’

Ich konstatiere: Zielgruppe nicht sauber analysiert, Adressat unbekannt und immer wieder die gleiche Litanei zum Einstieg. Offenbar gibt es einen neuen Ratgeber am Markt: Zumindest der ist augenscheinlich erfolgreich.

Friday, July 04, 2008

MARKETINGAKTIONEN FUER INTERIM MANAGER AUSSER DER REIHE

So weit ich weiß, ist MANATNET der einzige Interim Management- Provider, der für einzelne angeschlossene Interim Manager besondere Marketingaktionen durchführt. In dieser Woche hat mich ein Interim Spezialist angesprochen und wir haben vor, eine solche Aktion durchzuführen.

Wir machen das gern - denn das ist Teil unserer Aufgaben für die Interim Manager - und immer dann, wenn der Interim Manager ein ganz besonderes Angebot hat. Ein Angebot, das selten, wenn nicht einzigartig am Marktplatz ist. Dabei hat es sich bisher zum Beispiel um einen Interim Spezialisten für Antikorruption oder einen für regional tätige Verlage gehandelt.

Am meisten jedoch machen wir so etwas für Interim Spezialisten im Umfeld der Unternehmensfinanzen. Auch wenn wir darauf bestehen, dass der Interim Manager unsere mit der jeweiligen Aktion verbundenen Kosten abdeckt: Warum genau tun wir das?

Wir tun das, weil diese Interim Spezialisten durch zahlreiche Referenzen nachgewiesen haben, dass sie für die Unternehmen Kosten in nennenswertem Umfang einsparen können – und wir reden hier immer über mehr als 100.000 Euro und das vollkommen ohne Personalabbau. Und: Diese Interim Spezialisten sind derart von sich überzeugt, dass sie ihr Honorar hochgradig am Erfolg ihrer Arbeit festmachen.

Möglicherweise ein wenig naiv erwarten wir am Ende einer solchen Aktion, dass sich unsere Kunden freuen über unsere Kundenorientierung und dass sie dankbar sind für den Hinweis. Immerhin kann man sich unternehmensintern profilieren. Und wir stellen uns für die nächsten Tage darauf ein, dass das Telefon nicht mehr stillsteht: „Hey, mit dem würde ich gern mal reden…!“

Kann es sein, dass es den meisten Unternehmen noch immer viel zu gut geht?

Friday, June 27, 2008

MANAGER AUF ZEIT - IDEAL AM ENDE DES AUFSCHWUNGS

Inzwischen glaube ich, dass unser Marktplatz für Management auf Zeit eine Art Seismograph für die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land geworden ist. Seit ein paar Monaten gehe ich in unserem Newsletter für unsere Unternehmenskunden vorsichtig darauf ein, dass die Zugriffe auf unseren Marktplatz etwas an Dynamik verlieren und dass das durchaus ein Zeichen für ein Abkühlen der Wirtschaft sein könnte.

Dann konkretisierte sich das etwas: In der FAZ war zu lesen und eigene Gespräche mit Personalberatern bestätigten, dass die Unternehmen damit begonnen hatten, sich mit Festanstellungen zurückzuhalten. Angesichts steigender Energiepreise, hoher Inflation und der Finanzmarktkrise können die Unternehmen schlecht einschätzen, wie sich diese Faktoren auf ihr jeweiliges Geschäft auswirken werden. Sie haben Sorge (und ich teile diese Sorge), dass sie sich bei rückläufigem Geschäft mit hohen Fixkosten auf der Personalseite wieder finden.

Und prompt ging in dieser Woche der Ifo-Index in die Knie und fiel von 103,5 auf 101,3 Punkte. Das war der niedrigste Wert seit Beginn des Jahres 2006. Bemerkenswert: Das Ifo-Geschäftsklima, belastet durch eine schwache Geschäftserwartung, trübte sich in fast allen Bereichen ein.

Ich fürchte: Es ist wieder Abwarten angesagt – eins der Lieblings-Verhaltensmuster in deutschen Unternehmen. Aber das muss doch heute nicht mehr sein!

Denn: Diese Situation kennen die Unternehmen ganz genau aus den Jahren 2002 bis Sommer 2005. Aber heute sind doch viele (nicht alle) Unternehmen weiter.

Sie kennen Interim Management und Manager auf Zeit: Das war im Jahr 2002 ganz überwiegend nicht so. Sie wissen, dass die Kosten für die Manager auf Zeit eben nicht fix, sondern variabel sind. Sie wissen, dass die Manager auf Zeit überdurchschnittlich hohe Qualität und weit überdurchschnittliches Engagement mitbringen.

Und sie wissen, dass im „Worst Case“ nicht einmal Trennungskosten anfallen, wenn denn wirklich die schlimmen Befürchtungen wahr werden sollten.

Noch wichtiger aber – und ich fürchte, darüber sind sich viele Unternehmen nicht im Klaren: Durch ein Einschwenken in den Abwartemodus verlieren die Unternehmen wieder an Momentum. Sehr zur Freude des Wettbewerbs aus dem Ausland. Denn eins ist sicher: Der Wettbewerb bleibt dran am Ball.

Vielleicht ist man dann weniger überrascht, wenn die ersatzgeschwächte türkische Nationalelf die deutschen Elitekicker fast aus dem Rennen wirft. Wie sagte der Bundestrainer im anschließenden Interview: „Die lange Ruhepause hat uns aus dem Rhythmus gebracht!“

Er sprach von knapp einer Woche: So schnell geht das.

Friday, June 20, 2008

MEETING-MANIA IM INTERIM MANAGEMENT - DIE ZWEITE

Vor über einem halben Jahr hatte ich mich schon einigermaßen skeptisch dazu geäußert: Die Inflation der Meetings rund um das Thema Interim Management. Heute nun traf ich einen Interim Manager kurz auf einen Kaffee. Der Interim Manager sprach das Ausufern der Events, Meetings oder Treffen an – aus seiner Sicht ein Ego-Trip der Veranstalter.

Ich möchte dieser Kritik nicht unbedingt zustimmen, denn ein richtig gutes Treffen wie zum Beispiel das AIMP-Jahresforum vor zwei Wochen ist richtig viel Arbeit. Mein Ego kann ich weniger aufwendig balsamieren.

Aber die Frage sei gestattet: Haben wir genügend „Content“, haben wir genügend Inhalte im Interim-Geschäft, um diese vielen Treffen richtig gut auszurichten? Denn nichts anderes werden die Interim Manager erwarten. Und ich meine: Richtig gut, nicht nur „Wer kann denn da mal einen Vortrag halten?“

Ich denke: Nein, wir haben nicht genügend Inhalte!

Prompt hat die DDIM für ihr Treffen in Berlin-Brandenburg „noch Plätze“ frei und der AIMP sagt sein Forum Interim Management in Frankfurt ab.

Die Zeichen sind eindeutig: Haltet ein!

Besinnen wir uns also darauf, was die vorrangige Aufgabe der Interim-Provider ist: Das Akquirieren von Interim-Mandaten für die Interim Manager. Auch dann bleibt immer noch ein wenig Raum für eine richtig große Veranstaltung – möglicherweise unterstützt durch monatliche informelle Treffen zum Austausch in vergleichsweise kleinem Kreis beim Abendessen, wie wir das bei MANATNET vor fast drei Jahren eingeführt haben.

Friday, June 13, 2008

WAS ZEIGT UNS DER GESTRIGE GROTTENKICK?

Oft werde ich gescholten. Ich finde das nicht erstrebenswert, aber ich muss damit leben. Vor allem werde ich gescholten unter der Überschrift „Sei nicht so negativ!“.

Tatsächlich bin ich nicht negativ, ganz im Gegenteil: Ich bin ein überaus positiver Mensch. Allerdings habe ich auch keine rosarote Brille auf. Und ich wage es, meine Meinung zu sagen – und zwar ungeschminkt. „Das kann man doch auch diplomatischer sagen“, höre ich dann oft. Ja klar, aber ich will das gar nicht!

Denn in unserer weichgespülten Konsens-Kommunikation, in der es niemand mit dem anderen „verderben“ möchte, sind die tatsächlichen Botschaften oftmals derartig verbuddelt oder aber so gut „zwischen den Zeilen“ positioniert, dass die kein Mensch mehr finden kann. Lasst uns doch wieder die Zeilen selbst für unsere Botschaften nutzen! Und auch mal Klartext reden …

Unter dieser Überschrift konstatiere ich: Das unsägliche Fußballspiel gestern Abend (für die Annalen: Kroatien – Deutschland; 2:1) halte ich für symptomatisch für das, was sich in unserem Land über die letzten Jahre herausgebildet hat:

Enorme Selbstgefälligkeit: Man hatte sich bereits schwer auf die strategische Planung der kommenden beiden Siege konzentriert – denn natürlich würde man gegen die kroatischen No-Names gewinnen. Also, eine Strategie zur Optimierung der Prozesse musste her: Auf dass man möglichst nicht auf die Portugiesen im Viertelfinale träfe. Einsam stand Günter Netzer vor den Kameras mit dem trockenen Hinweis, man möge doch erst einmal die nächsten Spiele überhaupt gewinnen.

Mangelndes Engagement: Ganz offensichtlich war die Millionärsclique auf dem Platz der Meinung, mit ein wenig Spazierengehen auf grünen Prater-Auen würde man als Made in Germany den No-Names aus dem Osten schon zeigen, wo´s lang ginge.

Mangelnde Schnelligkeit: Während das Made in Germany sich noch in seinem Licht als vermeintlicher EM-Favorit sonnte - da sind doch die No-Names einfach schneller gelaufen – und haben dann obendrein auch noch Erfolg damit gehabt und Tore geschossen. Fehlten nur noch Meetings in Schwarz-Rot-Gold!

Mangelnde Kreativität: Da stand das Beste aus Made in Germany auf dem Platz. Aber nicht ein einziges Mal ging ein Raunen durch das Stadion – ich meine ein bewunderndes Raunen.

Verrohen der Sitten: Gegen Ende stieß Herr Schweinsteiger seinen Gegner um, erhielt dafür den Regeln entsprechend eine Rote Karte – und zeigte dem Schiedsrichter ob dessen eklatanter Verletzung der vermeintlichen individuellen Schweini-Sonder-Regularien – als Quittung einen Vogel. Im 46-Zoll Breitwandformat!

Schönreden: Der Kapitän, der Trainer und der überoptimistische Moderator sowie seine beiden Ko-Kommentatoren konnten zwar die schlechte Leistung nicht völlig übergehen, aber ganz offensichtlich war es ihr Auftrag, die Stimmung im Land nicht noch weiter absacken zu lassen. Sie blickten daher zuversichtlich nach vorn: Noch sei nichts verloren.

Zurückschrauben der Maßstäbe: Am Abend dann spielten die beiden Gruppengegner Polen und Österreich 1:1 unentschieden. Und schon frohlockte der Moderator, nun reiche ein Unentschieden gegen Österreich für´s Weiterkommen. Sechs Stunden früher zählten wir uns zu den EM-Favoriten.

Niemand hatte den Mut auszusprechen, was zu sagen war: Diese Leistung in einer Europameisterschaft abzuliefern ist schlichtweg eine Unverschämtheit!

Ich denke an Grönemeyer: Zeit, dass sich ´was dreht….!


PS: In meinem Eintrag kommen nicht einmal die Wörter Interim Management oder Interim Manager vor. Das Geschehen gestern muss mich nachhaltig beeindruckt haben.

Friday, June 06, 2008

INTERIM MANAGEMENT - ODER ICH BIN NOCH NICHT ANGEKOMMEN IM TEAM

Am vergangenen Samstag so gegen 21h begann mein Wochenende. Am Ende des AIMP-Jahresforums für Interim Management ging ich zwar auf dem Zahnfleisch: Aber egal: Es war – auch nach dem Feedback der Interim Manager - ein schöner Erfolg und ich durfte mittendrin sein.

Zuhause wartete eine alte Freundin (im Sinne von jahrelang!) – Führungskraft bei einer Bank. Also: Badischen Wein auf den Terrassen-Tisch und entspannen. 21.30h.

Sie berichtete von Schwierigkeiten mit Mitarbeitern, vor allem mit der Leistungsbereitschaft und den Arbeitsergebnissen einiger Mitarbeiter. Als gute Führungskraft spricht sie ihre Mitarbeiter offen darauf an. So auch einen Mitarbeiter, der zwar schon einige Zeit im Unternehmen ist, ihrem Team aber erst vor einigen Monaten zugeordnet wurde.

Ihre Frage, wodurch denn seine vergleichsweise schwache Leistung zu erklären sei, antwortete er entwaffnend:“ Ich bin noch nicht angekommen im Team!“

Nur kurz verschlug es mir die Sprache – man gewöhnt sich auch daran! – dann war mir klar: Ich hatte das Thema für mein Blog am heutigen Freitag – und ich sagte es ihr auch.

An die Einarbeitungszeit nach für die Mitarbeiter aufreibenden langen Urlaubswochen haben wir uns ja schon gewöhnt. Dann kam als Innovation ‚Bore-out’ – und jetzt: „Ich bin noch nicht angekommen im Team!“

Ich stelle mir vor, was da möglicherweise noch kommen mag:

„Ich stehe unter Ölpreis-Schock!“

„Der Luftdruck passt derzeit nicht zu meiner Bio-Kurve.“

Und ganz sicher - irgendwann wird es geschehen: „Ich kann mich gar nicht konzentrieren: Die Kunden halten mich dauernd von meiner Arbeit ab…!“

Gründe, Gründe und immer wieder Gründe für die eigene Schlechtleistung: Immer in der Verantwortung Dritter – nie in eigener. Der internationale Wettbewerb wird es goutieren …

Noch eins fällt mir auf: Einarbeitungszeiten nach dem Urlaub, ‚Bore-out’ und nun die Niederkunft. Das alles höre ich nur im Umfeld von Festanstellungen – nie im Umfeld von Interim Management.

Vielleicht sollten die Unternehmen mal darüber nachdenken, Interim Manager an Bord zu holen, um die Messlatte für die eigenen Leute mal wieder zurechtzurücken? Vielleicht sollten wir bei allem Fördern das Fordern nicht vergessen?

Auch das war ein Gedanke im Workshop 4 (General Management) Workshop 4 (General Management) des AIMP-Forums 2008: Ich war dafür.

Friday, May 30, 2008

MISSIONARE IM INTERIM MANAGEMENT

Vor zwei Tagen sagte mir eine Interim Managerin – zurück von einer Konferenz: „Ich habe wieder in Sachen Interim Management missioniert! Kaum einer weiß, wovon ich rede.“

„Und wenn Sie dann davon reden?“, wollte ich wissen.

„Dann finden das alle ganz interessant! Und wollen mehr wissen…“

Heute traf ich einen Partner, der inzwischen sehr wichtig geworden ist für MANATNET:

„Ich frage mich, warum nicht mehr Unternehmen Interim Management nutzen“, sagte er auf dem Weg ins Parkhaus fast beiläufig, “bei den Kostenvorteilen!“

Unser Partner ist ein recht junger Mensch – 14 Jahre jünger als ich. Bei fantastischem Spargel habe ich versucht, diese Frage aus meiner Erfahrung mit Kunden zu beantworten. Ich glaube, ich war nicht wirklich überzeugend.

Morgen und übermorgen gibt es weitere Meilensteine, denn unser missionarischer Eifer ist ununterbrochen: Morgen um 11.00h findet die Pressekonferenz des AIMP in Bonn statt. Am Samstag das AIMP-Jahresforum in Bonn.

AIMP steht für Arbeitskreis der Interim Management Provider. Arbeitskreis: Das wurde mir während der letzten Wochen wieder unmissverständlich vor Augen geführt.

Aber für Samstag haben sich rund 250 Teilnehmer angemeldet. Die Presse kommt und auch NTV hat ein Interview mit einer Interim Managerin verabredet. Das ist schon ein tolles Gefühl. Damit erleben wir den größten Event im Bereich Interim Management in diesem Jahr – zumindest aus heutiger Sicht.

Und noch immer weiß die Hälfte der Unternehmen in Deutschland nicht, wovon wir reden….

Friday, May 23, 2008

VIEL FORDERN - WENIG LEISTEN

Es ist schwer, mich fassungslos zu machen. Am vergangenen Samstag war es aber mal wieder so weit: Das Meinungsforschungsinstitut IFAK hatte sein alljährliches Arbeitsklima - Barometer veröffentlicht: Was es alles gibt!

Das Ergebnis: 88 Prozent der befragten 2.000 Arbeitnehmer bezeichnen sich selbst als nicht engagiert. Noch schlimmer: Das sind sogar noch drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr! Und der Hammer: 24 Prozent sagen, sie hätten innerlich gekündigt - 2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Was geht hier eigentlich ab – in unserem Land?

Sind wir wirklich der Meinung, wir könnten mit einem Heer aus Motivationskrüppeln oder gar Motivationsleichen im weltweiten Wettbewerb bestehen? Und das bei unserem Preis- (sprich Gehalts-) Niveau?

Drehen wir das Ganze mal spaßeshalber um:

Zu 64 von seinen 100 Mitarbeitern sagt der Arbeitgeber: „Nö, ich kann mich so nicht selbstverwirklichen und ich fühle mich emotional nicht in der Lage, die monetäre Gegenleistung aus unserem Arbeitsvertrag in vollem Umfang zu erbringen. Ich denke, weniger tut´s auch.“

Gegenüber 24 seiner verbleibenden 36 Mitarbeitern setzt der Arbeitgeber noch einen drauf: „Ich fühle mich Euch nicht mehr so richtig verbunden – ja, eigentlich seit Ihr mir egal. Ich denke, wir lassen das mit dem Gehalt mal ganz.“

Da möchte ich gern mal erleben, was hier los wäre!

Mir fällt auf: Ich kenne keinen einzigen Interim Manager bei MANATNET oder anderswo, der unter Motivationsproblemen leidet. Ich kenne nur Interim Manager, die sich hoch engagiert den Aufgaben bei ihren Klienten widmen – auch wenn die Mitarbeiter des Klienten schon längst das Büro verlassen haben.

Das ist schon sehr seltsam: Da starren Kunden auf die Tagessätze für die Interim Manager oder auf die gesamten Kosten für ein Interim-Mandat – und übersehen dabei die andere Seite der Medaille: Was bekommen sie als Gegenwert?

Vielleicht sollten unsere Kunden einmal den Blickwinkel wechseln. Vielleicht sollten sie die Effizienz von 37,5-Stunden-Wochen - geleistet von kaum motivierten Mitarbeitern - mit hoch motivierten Interim Managern vergleichen, die sich im Gegenzug für ihren Tagessatz vertraglich zu einer 45-Stunden-Woche verpflichten (wie dies bei einigen DAX-30-Unternehmen der Fall ist).

Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Unternehmen deutlich kritischer werden.

Ich denke, es ist an der Zeit, dass die Unternehmen Interim Manager ganz bewusst als Vorbilder holen.

Und ich denke: Eine derart desolate Motivationslage in unseren Unternehmen kann nicht gut gehen. Wahrscheinlich sehe ich das wieder falsch.

Friday, May 16, 2008

EIN MANAGER AUF ZEIT? - DARAN KOENNTE ICH MICH GEWOEHNEN!

Gestern habe ich mich mit einem Partner unterhalten, mit dem wir im Vertrieb von Profis für das Management auf Zeit zusammenarbeiten. Ich ließ durchblicken, dass ich angesichts der aktuell vorhandenen Nachfrage nach Managern auf Zeit mehr Leads erwarten würde.

Wir tauschten Erfahrungen an der Front - also beim Kunden – aus. Recht schnell waren wir wieder beim Kundenverhalten nach der Maxime „Kenn ich nicht – mach ich nicht“, über das ich mich hier schon früher geäußert habe. Am Tag vorher hat mich zudem ein Kunde mit exakt diesen Worten verblüfft und damit sein eigenes Unternehmen beschrieben. Sicher alles Zufall!

Noch mehr verblüfft hat mich dann etwas Neues: Mein Partner berichtete von einem Kunden, der auf den Vorschlag, eine Vakanz zu überbrücken, abwinkte mit dem Argument: „Ein Manager auf Zeit? Der bringt mir nur Unruhe in die Mitarbeiter!“

Auf das Nachhaken meines Partners meinte der Kunde: „Dann müssen sich die Mitarbeiter erst an den Manager auf Zeit gewöhnen – und dann geht der wieder. Und danach müssen sich die Mitarbeiter an den neuen Leiter Finanzen gewöhnen.“

Ich bin angenehm berührt durch die vorbildliche Rücksichtnahme auf die Gefühlswelt der Mitarbeiter in diesem Unternehmen: Das ist durchaus nicht mehr der Regelfall in Deutschland!

Möglicherweise ist sich aber der Kunde auch nicht der Ausmaße in vollem Umfang bewusst, die die Lean Management-Maßnahmen der vergangenen Jahre für sein Unternehmen unter Umständen gehabt haben.

Mehr als einmal habe ich das gehört - von Mitarbeitern unserer Kunden, die einen Manager auf Zeit über MANATNET beschafft haben: „Endlich mal einer, der hier richtig mitarbeitet und uns vorwärts bringt. Das tut richtig gut!“

Ich warte auf den ersten, der mir sagt: „Daran könnte ich mich gewöhnen…“.

Saturday, May 10, 2008

IHRE INTERIM MANAGER SIND UEBERRASCHEND GUENSTIG

Kurz vor Pfingsten kam eine Projektanfrage. Wir lieferten die Profile der beiden Interim Manager, die grundsätzlich in Frage kamen und danach telefonierte ich mit dem Kunden.

Ein Kandidat kam nicht in Frage, weil er zu wenig technisch orientiert war. Über den anderen Interim Manager wird der Klient über Pfingsten nachdenken.

Und dann kam, was vergleichsweise oft geschieht: Während unseres Telefonats sagte der Kunde wörtlich: „Die Preise Ihrer Interim Manager sind überraschend günstig.“

Ich erläuterte, was ich regelmäßig erläutere: Dass das daran liegt, dass die Interim Manager die Provision für den Interim Management-Provider stets auf den Tagessatz aufschlagen, der bei ihnen „ankommen“ soll. Auch wenn diese Rechnung aus meiner Sicht nicht richtig ist: Auch dieser Weg führt dazu, dass Interim Manager bei MANATNET im Vergleich zum Wettbewerb die gleiche Qualität zu günstigeren Preise anbieten.

Denn zwischen den 15 oder 25 Prozent, die MANATNET berechnet, und den 33 bis zu 45 Prozent, die Wettbewerber als Provision berechnen, liegen Welten. Dadurch wird aus einem Tagessatz von zum Beispiel 800 Euro, den der Interim Manager erzielen möchte, entweder ein Kunden-Preis von 920 Euro bei MANATNET oder aber ein Preis für den Kunden zwischen 1.060 bis 1.160 Euro bei Wettbewerbern. Bei einem typischen Projekt (7 Monate zu je 20 Arbeitstagen) addiert sich dieser Unterschied auf sage und schreibe 33.600 Euro!

Exakt das war der wesentliche Grund, weshalb wir MANATNET vor fünf Jahren gegründet hatten.

Es sieht so aus, als würden die Kunden dies allmählich nun doch erkennen: Wer würde auch sehenden Auges die 33.600 Euro verschwenden?

Ein schönes Gefühl zu Pfingsten.

Saturday, May 03, 2008

FUENF JAHRE EUROPAS EINZIGER MARKTPLATZ FUER INTERIM-MANAGEMENT

Trotz allem: Heute vor genau fünf Jahren waren wir enorm nervös. Klar, wir hatten ein Jahr in Vordenken und Vorbereiten investiert. Klar, die Markttests waren viel versprechend (Eine „Win-Win-Situation für beide: Unternehmen und Interim Manager!“). Klar, wir hatten alle guten Tugenden des Projektmanagements, die wir bei debis Systemhaus und Accenture gelernt hatten, auf das eigene, neue Unternehmen für Interim Management übertragen und konsequent angewandt. Dennoch: Wie vieles war dennoch in all den früheren Jahren schiefgelaufen!

Nichts lief schief – rein gar nichts: Und bis heute läuft Europas immer noch einziger Marktplatz für Interim Management mit einer überragenden Verfügbarkeit. Einen einzigen halben Tag „Downtime“ hat es gegeben innerhalb von jetzt 60 Monaten! Allerbeste Performance.

Unser Einstieg ins Interim-Geschäft erwies sich damals als erheblich schwieriger als erwartet. Zugegeben: Auch wir konnten die seit langem heftigste und hartnäckigste Rezession in Deutschland nicht voraussehen. Aber die belastenden Ausmaße und die Auswirkungen dieser Rezession waren doch ganz erheblich und vaporisierten unsere viel versprechenden Markttests aus den Monaten davor. Ich werde das nie vergessen: Die FAZ schrieb vom „Mehltau über Deutschland“.

Na super!

Wir gründeten unseren Marktplatz für Interim Management mitten in eine Phase, in der die Unternehmen an alles dachten, nur nicht an Interim Manager. Das alles bestimmende Ziel lautete: Personalabbau! Nicht besonders innovativ, aber letztlich haben es alle gemacht – und damit konnte wieder jeder – wie stets – die Maßnahmen ex post als völlig richtig erklären.

Heute allerdings suchen die Unternehmen die Mitarbeiter händeringend – und finden sie nicht. Tatsächlich nicht?

Wir hatten vorausgesehen – Karl Heinz Achinger sei Dank! –, dass wir vom Wettbewerb vehement attackiert werden würden. Mit völliger Transparenz in den Interim-Markt einzutreten, während der Wettbewerb fette Margen in der Intransparenz einstreicht. Offen zu legen, wie einige Wettbewerber ihre unwissenden Kunden dazu bringen, überhöhte Preise zu zahlen: Dafür überschwängliche Zuneigung zu erwarten, war von Beginn an weltfremd – und ist es noch heute.

Also hatten wir Prügel erwartet. Um das Ausmaß jedoch in Grenzen zu halten, durften wir nicht mehr Angriffsfläche bieten als nötig.

Eine mögliche offene Flanke hatten wir auf Karl-Heinz Achingers Rat hin gleich zu Beginn geschlossen: Eine nicht ausreichende Qualität der Interim Manager. Dies hätte es dem Wettbewerb erlaubt, unser Modell zwar als günstig, aber als qualitativ minderwertig (und genau deshalb ja günstig…) im Interim-Markt abzuqualifizieren.

Mit unseren hohen Qualitätsvorgaben für anbietende Interim Manager haben wir diese Flanke derartig zubetoniert, dass sie unangreifbar wurde – was den Wettbewerb noch weiter provozierte, zumal wir bereits in einigen Fällen den gleichen Klienten die gleichen Interim Manager angeboten haben – zu unterschiedlichen Preisen halt!

Was darüber hinaus aber teilweise abging – und zwar aus einer Ecke, aus der wir das nicht erwartet hatten, ist dann aber doch in unsere noch junge Geschichte eingegangen!

Unter der Federführung des DDIM mit seiner selbsternannten und zudem sakrosankten Meinungsführerschaft in Sachen Interim Management wurde unser Geschäftsmodell als nicht professionell eingestuft und MANATNET somit flugs für nicht DDIM-fähig erklärt. Da waren wir aber traurig!

MANATNET (gemeint bin ich selbst) wurde zur ‚Persona noch Grata’, zum ‚Enfant Terrible’ im Interim-Geschäft erklärt. Ein Schelm, der Angst vor wirklich neuartiger Konkurrenz dahinter vermutet!

Obendrein verliehen uns Vertreter von Interim Providern innerhalb des DDIM im vergangenen Jahr kurzerhand die Auszeichnung ‚Wald-und-Wiesen-Anbieter’ und drohten einem Interim Manager, ihn aus dem eigenen Pool „zu schmeissen“, sofern er weiterhin mit MANATNET zusammenarbeiten würde. Doch tatsächlich Angst?

Und wenn es so ist: Ganz sicher werden wir unserer Linie treu bleiben. Wir werden weiterhin für Offenheit, Transparenz und Fairness stehen. Wir werden unseren Wettbewerb respektieren und wir erwarten im Gegenzug, dass der Wettbewerb uns respektiert – nicht, dass er uns lieb hat. Und wir werden unverändert für ausgeprägte Kundenorientierung stehen – für beide Kunden: Unternehmen und auch Interim Manager.

Und – hier ist unser Wunsch für die nächsten fünf Jahre: Dass die Innovationskraft in den deutschen Unternehmen auch das Personalmanagement erreicht und dass Interim Management als eine – nicht die allein selig machende! – Option für die Personalbeschaffung anerkannt wird, wie in anderen Ländern auch.

Denn auch nach fünf Jahren weiß rund die Hälfte der Unternehmen nicht, wovon wir reden.

Friday, April 25, 2008

IN 20 JAHREN GIBT ES KEINE INTERIM-PROVIDER MEHR

Das hat mit schon recht gut gefallen, das 3. Interim Executives Symposium bei der EBS in Oestrich-Winkel. Zugegeben, das frühe Aufstehen um 5.30h und die dreistündige Fahrt an den Rhein in einem atemberaubenden Mistwetter waren sicher nichts für mich.

Aber, Yin und Yang, die Hinfahrt hatte ich ohnehin dafür vorgesehen, mich auf die Podiumsdiskussion vorzubereiten: Dieser Zeitraum wurde nun länger – Regenbedingt. Und somit war ich noch besser vorbereitet.

Ich hatte mir fest vorgenommen, unsere Rolle als ‚entfant terrible“ im Interim Management-Geschäft zu kultivieren und bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, dass MANATNET halt in aller Regel anders arbeitet als die Wettbewerber. Nimmt man das unterdrückte Lachen im Auditorium zu Beginn jeder meiner Antworten („Es tut mir leid, mich zu wiederholen, aber MANATNET macht das anders: …“) als Maßstab, dann ist mir das auch leidlich gelungen.

Eins ist mir jedoch nicht gelungen – weil wir uns letztlich doch zu sehr mit Allgemeinplätzen (wie Verträgen: Du lieber Himmel!) beschäftigt hatten:

Ich hatte mir den kühnen Satz zurechtgelegt: „In 20 Jahren gibt es keine Interim Management-Provider mehr!“ Wie gern hätte ich die Reaktionen erlebt!

Warum denke ich das? Hier sind nur drei Argumente:

  1. Was machen Interim-Provider im Kern? Sie bringen die Nachfrage (Unternehmen) mit dem Angebot (Interim Manager) zusammen. Weshalb ist das ein Geschäft? Weil beide Parteien auf individueller Ebene nicht von einander wissen (Ich weiß: Interim Management - Provider machen noch viel mehr ….!).

  1. Wenn inzwischen über ein Drittel des Interim-Geschäftes auf das Abdecken von Vakanzen in den Unternehmen zurückzuführen ist, weil das Besetzen einer Position in Festanstellung heutzutage 6 - 9 Monate dauert (und zumindest wir im AIMP vertreten diese Einschätzung): Dann kann doch niemand ernsthaft erwarten, dass die modernen Personalabteilungen in den Unternehmen den antiken Kram mitmachen und sich mit Dreiecksverträgen und womöglich auch noch mit „Shadow Management“ beeindrucken lassen. Ich bin zutiefst davon überzeugt: Die ganze Litanei der so genannten Mehrwerte, die die Interim Management-Provider bieten, wollen diese Kunden doch gar nicht - weil sie sie nicht brauchen. Die Personalabteilungen wollen einen Interim Manager für die Überbrückung zu einem fairen Preis. Fertig. Und dann wollen sie sich weiter ihrer dringenden Aufgabe widmen: Der dauerhaft zu besetzenden Position. (Ich weiß: Interim Management-Provider machen häufig die schwierigen Themen….!)

  1. Und wenn Interim Management immer normaler wird, dann muss ich erwarten, dass auch die Prozesse in diesem Geschäft normaler werden. Und wie für Festanstellungen auch erwarte ich, dass ein Teil der Unternehmen für spezielle Fälle einen spezialisierten Dienstleister beschäftigen wird (indirekt über Headhunter), dass ein weiterer Teil Stellen-Anzeigen in Print- oder Online-Medien schaltet (direkt) und ein großer Teil der Unternehmen Internet-Datenbanken nutzt (auch direkt). Stepstone, Monster oder wie auch immer heißen diese Datenbanken für Festanstellungen – für das Interim Management gibt es hier nur einen Namen: MANATNET.

Ich bin überzeugt: Auf diese Weise werden sich moderne Untenehmen ihre Interim Manager beschaffen - und sicher auch in besonderen Fällen über den einen oder anderen verbleibenden spezialisierten Interim Management - Provider. Aber ebenso sicher nicht für die Masse des Interim-Geschäftes: Denn dieser Weg ist aus Cash-Sicht und aus Prozess-Sicht für die Unternehmen viel zu teuer.

Und dass das Interim-Geschäft weiter stark wachsen wird, darin sind sich alle Interim Management-Provider einig: Sei willkommen, Masse!

Wie gern hätte ich die Reaktionen erlebt! Möglicherweise hätte man mich gesteinigt.

Friday, April 18, 2008

KENN ICH NICHT - MACH ICH NICHT

Morgen ist es so weit: Das 3. Interim Executives Symposium der European Business School findet statt unter dem Motto „Wie gewinne ich ein Projekt?“.

MANATNET ist dabei und ich werde für den AIMP Herrn Dr. Görres, der verhindert ist, auf dem Podium vertreten – gehört doch der Vertrieb zu meinen Lieblingsaufgaben.

Ich meine professionellen Vertrieb – und nicht opportunistisches Verkaufen an Kontakte innerhalb eines persönlichen Netzwerkes, die mich regelmäßig bei Bedarf anrufen. Diesen vorwiegend opportunistischen Vertrieb möchte ich keinesfalls entwerten und ich kenne einige Kollegen, die auf diese Weise recht erfolgreich sind. Dennoch ist dieses Verkaufen stets an die Person gebunden und damit keine Basis für den nachhaltigen Aufbau eines Unternehmenswertes.

Auch deshalb ist das für mich kein Vertrieb, wie ich ihn verstehe: Ein solcher Vertrieb hat mit Zielgruppen, Zielkunden, Kaltakquisition, Conversion-Rates, Lead-to-Deal-Ratios (Quote der Anfragen zu Mandaten) und schließlich mit Key Account Management zu tun.

Und dieser Vertrieb erweist sich im Interim Management-Geschäft dieser Tage als ganz außerordentlich schwierig. Ich maße mir an, das zu bewerten – gestützt auf über 30 Jahre Erfahrung im Vertrieb in unterschiedlichen Branchen.

Die Kaltakquisition erweist sich als enorm schwierig, weil die Kunden ganz offensichtlich derart von Werbebriefen, -Mails und -Anrufen genervt sind, dass sie  dicht machen. Es gibt Unternehmen, die dem Empfang schlichtweg untersagt haben, zu verbinden.

Damit einher gehen die Response-Rates in den Keller. Als Folge daraus wiederum brechen die Lead-to-Deal-Ratios ein, wenn wir nicht massiv gegensteuern.

Es wird also viel zu sagen sein – morgen in Oestrich-Winkel. Und wie stets werde ich, abhängig von der Gruppendynamik und der allgemeinen Stimmungslage, mehr oder weniger „aufmachen“.

Eins ist aus meiner Sicht aber ganz augenscheinlich: Trotz aller Verbandsaktivitäten und trotz des nahezu missionarischen Eifers vieler Provider kennen noch immer die meisten Unternehmen Interim Management nicht. Und sie handeln heute nach der Maxime: „Kenn´ ich nicht – mach´ ich nicht!“

Das war vor zehn Jahren vollkommen anders: „Kenn´ ich nicht – probier´ ich mal!“

Die Triebfeder dahinter, das gaben viele Kunden unumwunden zu, war die Angst, den Anschluss an den Wettbewerb zu verlieren. Das war die Goldgräberzeit im Internet, WEB 1.0. Sicher, jedermann weiß, wohin das führte: Zum Platzen der Internet Blase. Das Platzen aber geht im Kern auf völlig irrationale Bewertungen von Unternehmen ohne nachhaltiges Geschäft zurück. Nicht aber auf das offene, frische, ja teils radikale Denken in jenen Zeiten in den allermeisten Unternehmen.

Was habe ich mich in der Arbeit mit meinen Kunden wohlgefühlt! Wir werden morgen darüber sprechen – wenn die Gruppe das zulässt.

Friday, April 11, 2008

FIRST WE TAKE MANHATTAN, THEN WE TAKE BERLIN

Einer meiner Lieblingssongs von Leonhard Cohen – und ganz besonders in der Version von Jennifer Warnes. Ich liebe Berlin! Ich habe dort lange gelebt und gearbeitet, habe meine Frau dort kennen gelernt und geheiratet. Ich erinnere mich an die Mauer mit allem drum und dran, Britische und Französische Volksfeste, Straßenschlachten am ersten Mai, kaum vorstellbare Staus an Brückentagen vor den Grenzübergängen zur Transitstrecke, kostenlose Konzerte von Barclay James Harvest vor dem Reichstag und das erste Konzert einer Newcomer-Band, die sich Dire Straits nannte, im Rahmen der British Rock Night in der Deutschlandhalle.

Berlin: Diese Stadt ist reines Adrenalin für mich – ein urbaner Powerriegel.

Sie ist in einer besonderen Art und Weise modern und deshalb wird sie nicht von jedermann verstanden.

Sie ist laut und groß und sperrig – und kann doch ihr großes Herz in einem Akt kollektiver Zuneigung an einen Eisbären verschenken.

Sie hatte ihren Türken im Stadtteil Kreuzberg bereits eine neue Heimat gegeben, als andere noch ihre Ressentiments kultivierten.

Sie ist immer wieder neu, voller Leben und sie ist enorm kreativ: Sage ich aus eigener Erfahrung.

Sie ist Deutschlands toleranteste Stadt: Sagt Roland Berger in seinem Städteranking.

Sie ist Deutschlands einzige wirkliche Großstadt. Sie ist die Hauptstadt. Sie steht in einer Linie mit Paris, London und Rom.

Während der ersten fünf Jahre hatte unser Unternehmen seinen Sitz in Dortmund. Wir haben uns dort wohl gefühlt und unser Unternehmen am Markt etabliert. Dennoch geht dieser Abschnitt nun zu Ende.

Ein neuer Abschnitt beginnt: Im Juli wird MANATNET seinen Sitz nach Berlin verlegen - an den Kurfürstendamm.

Wir haben diese Entscheidung ganz bewusst getroffen. Auch, weil kein Interim Management-Provider seinen Sitz in der Hauptstadt Berlin hat. Und wieder ist MANATNET Vorreiter.

Und, wir finden, Berlin passt sehr gut zu uns: Auch wir sind sperrig, sind in einer besonderen Art und Weise modern und werden deshalb nicht von jedermann verstanden. Wir sind das ‚enfant terrible’ im Interim-Markt – vor allem, weil wir anders sind als die anderen – und neue Wege gehen in diesem Markt, was nicht jeder Wettbewerber goutiert: Nicht überall herrscht Toleranz.

First we take Berlin – then we take Manhattan.

Friday, April 04, 2008

EIN WEITERER SCHRITT ZU MEHR TRANSPARENZ?

Eine Frage beschäftigt uns immer wieder: Wie können wir aufgrund der systemimmanenten Vorteile, die unser Geschäftsmodell bietet, weitere Mehrwerte für unsere Kunden schaffen?

Einer dieser Vorteile ist es, dass jeder neue Interim Manager, der sich bei MANATNET registriert, die Anzahl der zur Verfügung stehenden Informationen in der Datenbank erhöht. Und da MANATNET jetzt fast fünf Jahre im Interim-Geschäft tätig ist, liegen die Daten auch über einen recht langen Zeitraum vor. Analysen zu fahren, ist dann fast ein Kinderspiel. Eine der wichtigsten ist die detaillierte Analyse der Tagessätze, die alle registrierten Marktplatznutzer (und nur die!) vierteljährlich erhalten: Minimum und Maximum sowie Median und Durchschnitt - aufgebrochen nach Linienfunktionen.

Wir arbeiten derzeit daran, diese Analyse in einem neuen Service zu verdichten. Das kann eine Art Trendbarometer werden, das wir dann über den Marktplatz jedermann zugänglich machen können.

So etwas gibt es nirgends im Markt. Es wäre somit eine schöne Ergänzung unserer bisherigen Innovationen: Erster und noch immer einziger Interim Provider mit offenem Datenbankzugang, erster Interim Provider mit einem Unternehmensblog und nun vielleicht erster Interim Provider mit einem Trendbarometer.

Das könnte uns schon gefallen: Es wäre ein weiterer Schritt zu mehr Transparenz im Interim-Geschäft.

Friday, March 28, 2008

ES GING DOCH AUCH SO!

Ostern ist ’rum, der Schnee fällt – und was machen wir? Klar: Akquirieren! Auf Sparflamme zwar, denn die meisten unserer Gesprächspartner sind noch in den Ferien – aber immerhin!

Unsere Interim Manager wissen das: Wir akquirieren systematisch – und nicht opportunistisch. Und so fällt es mir auf, dass ein Unternehmen im September 2007 einen Marketing Manager gesucht hat – und nun erneut oder noch immer. Wie auch immer, ich greife in nachösterlicher Dynamik zum Telefon und erreiche mein Gegenüber und das folgende Telefonat findet statt:

„Hallo, ich bin Jürgen Becker von MANATNET. Sie suchen noch immer Ihren Marketing Manager – wie schon im September des vergangenen Jahres. Sie erinnern sich vielleicht: Ich hatte Sie bereits damals im September angeschrieben.“

„…..?“ - Stille.

„Ich hatte Ihnen damals Interim Management vorgeschlagen, ein smarter Weg, damit Sie Ihren Rekrutierungsprozess überbrücken können.“

„Interim Management ist für uns kein Thema!“

„Okay, verstehe. Aber sagen Sie mir bitte: Das ist jetzt ein halbes Jahr her und Sie stehen immer noch ganz am Anfang mit Ihrem Marketing Manager. Schafft das keine Probleme für Ihr Unternehmen?“

„Es ging doch auch so!“

Der Rest des Telefonates war gekennzeichnet durch Höflichkeiten.

Ich habe mein halbes Leben in Unternehmen gearbeitet, in denen jetzt die folgende Frage gestellt worden wäre: „Wenn es denn auch so geht: Wofür brauchen wir den Burschen dann überhaupt?“

Und ohne jede Ausnahme hätten diese Unternehmen das verantwortliche Management höflich ersucht („Would you please consider …?“), es doch nunmehr auf Dauer mal ohne zu versuchen ….

Friday, March 21, 2008

PAULAS OSTERHASE

Die meisten von uns sind in den Osterferien. Wir merken das nicht zuletzt daran, dass die Zugriffszahlen auf www.manatnet.com niedriger werden. Das ist in schöner Regelmäßigkeit der Fall: um Weihnachten, Ostern und Pfingsten, im Brückentag-Mai, in den Sommerferien, in den Faschingsferien, in den Osterferien, …

Aber mein Blog-Eintrag ist inzwischen eine lieb gewonnene Tätigkeit. Ganz ehrlich, denn es ist mein Anlass zur Selbstreflektion – auch und gerade am Karfreitag. Und obendrein ist heute ein guter Tag. Das liegt auch an Paula.

Die Bilder für mein Blog mache ich in aller Regel selbst. Aber für meinen Ostereintrag habe ich im Internet nach einem passenden Bild gesucht – und Paulas Bild „Osterhase“ gefunden: Ich liebe Paulas Bild - es ist einfach der Hammer! Ich habe Paula angeschrieben und um ihre Genehmigung gebeten, auf dass ich ihr Bild für mein Blog verwenden darf. Noch habe ich keine Antwort – und ich hoffe, ich stehe nicht vor einem vorösterlichen Problem in Sachen Urheberrecht. Aber sicher nicht mit Paula!

Und dann schrieb mir heute jemand bei XING – wir, die wir nicht in Ferien sind, tummeln uns an solchen Tagen oftmals bei XING:

„Hallo,

war natürlich eine super Idee, die Sie da mit MANATNET hatten. Gratuliere! Ich kann mir vorstellen, dass das riesig läuft. Wenn es das nicht schon gäbe, würde ich so was Ähnliches machen.

Frohe Ostern!“

You make my day! Heute ist ein guter Tag. Vielen Dank an meine unbekannte neue Freundin Paula und den neuen Kontakt bei XING! Ich wünsche Ihnen einen ebensolchen schönen Tag, morgen schönes Eierfärben und dann ein paar schöne Ostertage. Danach kümmern wir uns wieder um das Interim Management.

Ich wüsste gern, wie es Paula geht...

 

PS: Ich vergass den versprochenen Link auf die ersten (Vorab-) Ergebnisse aus der AIMP-Providerumfrage. Hier ist er: AIMP-ROVIDERUMFRAGE AUSZUG VORLÄUFIG

Friday, March 14, 2008

DR. AIMP - ODER DER SCHRECKEN DER GUTSHERREN

Frühjahr. Die Welt wird wieder dynamischer und farbiger. Die Veränderungen zum Winter empfinde ich immer wieder neu als dramatisch – im positiven Sinne. Neues wächst auf altem Grund – jung, frisch und unverbraucht: Meine liebste Jahreszeit!

Zudem stehen im Frühjahr regelmäßig die Ergebnisse der Providerumfrage des AIMP an. Vera Bloemer sammelt immer alle Umfrageergebnisse ein und stellt somit die Vertraulichkeit sicher, denn nicht jeder möchte, dass seine Antworten öffentlich werden – was ich im Übrigen respektiere.

Ich darf dann immer die ersten Entwürfe für die Präsentation machen – was ich im Übrigen sehr gerne mache: Erlaubt es mir doch, mich sehr früh und intensiv mit den Ergebnissen zu beschäftigen – und, natürlich, die konsolidierte Einschätzung mit unseren Antworten abzugleichen. Eine hochgradig spannende Übung!

Noch in jedem Jahr wurde der Fragebogen umfangreicher und aus meiner Sicht sind wir inzwischen an der Grenze des nebenbei Machbaren angekommen. Und ich habe scherzhaft vorgeschlagen, allen Teilnehmern an der diesjährigen Umfrage den Titel "Dr. AIMP" zu verleihen.

Auch – und vielleicht ganz besonders – geht das zurück auf die Tatsache, dass die AIMP-Mitglieder erstmals eine Struktur erarbeitet und offen gelegt haben, auf deren Grundlage alle Teilnehmer ihre Marktschätzung aufbauen.

Sicher, es wird sich wieder vortrefflich streiten lassen über die Ergebnisse. Und ohne jeden Zweifel werden wir das Eine oder Andere verbessern können oder müssen.

Aber wir werden nun den Kritikern die Frage stellen können: „Okay. Aber wie denn dann? Show me.“ Und im Ergebnis wird das dazu führen, dass die bisher üblichen Schätzungen nach Gutsherrenart dramatisch an Bedeutung verlieren.

Wir lieben das bei MANATNET: Überprüfbarkeit!

Ach ja: Am nächsten Freitag gibt´s den Link auf die Ergebnisse – spätestens!

Friday, March 07, 2008

NOERGELMANN - ODER VON SCHULFREUNDEN UND MUETTERN

Erst kürzlich sagte mir ein Schulfreund: „Ich bin mir nur nicht so sicher, ob der Blog mit dieser Ausrichtung strategisch so sinnvoll ist. Ich denke zwar immer, was ich sage, doch sage ich nicht alles, was ich denke... etwa über Kunden... oder über Termintreue.

Was wäre, wenn Deine Einlassungen als notorisches Nörgeln oder gar Jammern gegen Dich verwendet würden? Die den Blog lieben, hast Du sicher auf Deiner Seite... aber es geht eben um die, die Du interessieren und gewinnen möchtest!“

Ich gebe gern zu: Das hat mich zutiefst erschüttert! Aber dafür sind ja Schulfreunde da!

Ich werde also aufpassen, dass mein Blog sich nicht zur Beckerschen Freitagsnörgelei entwickelt. Dennoch, so fürchte ich, werde ich immer etwas mehr von dem preisgeben, was ich denke. So ein ganz klein wenig fühle ich schon als Weltveränderer. Deshalb mache ich ja auch solch einen neumodischen Kram wie MANATNET.

Meine Mutter ist im Übrigen auch erschüttert über mein Blog. Ihrem „Das kann ich kaum glauben!“ folgt aber stets ein „Ausdenken kann man sich soviel aber auch nicht. So kreativ bist auch Du nicht, mein Sohn!“

Schliesse ich also heute meinen Eintrag in bester Laune und mit einem Blick aus dem Fenster – in den strahlenden Sonnentag in Baden und baue ich das Foto ein, was ich schnell geschossen habe.

Es wird Frühling – kein Grund zum Nörgeln!

Da fällt mir ein: In den siebziger und achtziger Jahren gab es in der Zeitschrift „fotomagazin“ eine regelmäßige Kolumne: „Nörgelmann“. Der Autor, Alexander Borell, ist inzwischen leider verstorben. Er kritisierte damals Neuerscheinungen auf dem Kameramarkt. Es war der mit Abstand meistgelesene Artikel im Heft, viele lasen ihn als erstes, ja, es gab sogar richtige Fangemeinden. Und: Man konnte sich wunderbar über diese Artikel streiten – und jeder in der Szene sprach darüber …

Friday, February 29, 2008

ICH RUF SIE DANN AM FREITAG AN, HERR BECKER!

Nicht vieles macht mich mürbe. Aber eins ganz sicher: Zusagen, die nicht eingehalten werden.

Ich spreche hier nicht einmal von epochalen Zusagen. Ich spreche von ganz schlappen Terminzusagen.

In unserer Zeit, in der kaum noch einer allein im Kämmerlein vor sich hin wurschtelt, ist das vernetzte Arbeiten eher die Regel als die Ausnahme.

Irgendjemand wartet immer auf das, was ich tue: Kunden, Interim Manager, die Kollegen vom AIMP, mein Partner, meine Frau …

Und auf der anderen Seite warte ich darauf, dass andere etwas erledigen. Denn sonst komme ich selbst keinen Schritt weiter. Nicht ohne Grund lautet der äquivalente Begriff im Englischen ‚Deadline’. Und das haben wir hier nicht erst seit der Zeit bei Accenture ganz tief verinnerlicht: Vernetztes Arbeiten ist ohne Termintreue schlichtweg nicht möglich!

Und wie sieht das in der Praxis aus?

Termintreue ist die krasse Ausnahme und ganz sicher nicht mehr die Regel. Und wer sich hierbei besonders hervortut sind, man glaubt es kaum: die Kunden! Ich kenne praktisch keinen Kunden, der heutzutage seine Terminzusagen einhält. Das ist über alle Maßen erstaunlich!

Regelmäßig höre ich: ‚Ich rufe Sie dann am Freitag (ein beispielhafter Tag) an, Herr Becker!“ Diese Zusage des Kunden wird bei uns von Outlook nachgehalten. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erfolgt der angekündigte Anruf nicht. Wenn doch, schnellt dieser Kunde auf unserer MANATNET-internen Professionalitäts-Skala in olympische Sphären.

Leider trifft er dort nur auf ein kleines Häuflein von Aufrechten.

Stattdessen und in aller Regel sind wir es dann, die – schon nach einer Karenzzeit - am Dienstag nachhaken, um die zugesagten Informationen zu erfragen: und haben zwei Tage verloren – im günstigsten Fall.

Macht ja nichts: Wir haben ja alle genügend Zeit im aktuellen Wettbewerbsumfeld!

Friday, February 22, 2008

DYNAMISCH IM FRUEHLING

In aller Regel wissen sie das nicht: Aber wir beobachten unsere potentiellen Kunden schon sehr genau - soweit uns das von aussen möglich ist.

So kontaktieren wir elektronisch regelmäßig die Unternehmen, die selbst in der FAZ inserieren, um eine Position zu besetzen – also keinen teuren Personalberater einschalten (der dann die Anzeige schaltet – auf Kosten der Unternehmen, natürlich).

In unserem Kontaktschreiben wünschen wir den Unternehmen zunächst einmal viel Erfolg beim Besetzen der Position. Aber wir weisen auch darauf hin, dass es eine Lösung gibt, den heutzutage lange dauernden Recruiting-Prozess elegant zu überbrücken: Durch Interim Manager.

Nur anfangs war ich verstört, dass viele Unternehmen mir für meine Bewerbung dankten.

Nur anfangs war ich verstört, dass mir Unternehmen zu ihrem Bedauern mitteilten, dass ich für die ausgeschriebene Position nicht in Frage käme.

Noch immer bin ich verstört darüber, dass Unternehmen mehrfach die gleiche Anzeige schalten – und nicht einmal den Kontakt mit uns suchen.

Die unangefochtene Pole-Position hält jedoch ein Unternehmen aus der Automobilzulieferindustrie: Dieses Unternehmen sucht den Zentaleinkäufer seit dem Juni des vergangenen Jahres (also seit fast acht Monaten!) – und am vergangenen Samstag war die Anzeige wieder in der FAZ: „Wir suchen den Zentraleinkäufer“.

Auf ein Neues also: Der Frühling bringt ja immer neue Dynamik mit sich!

Der Vollständigkeit halber: Selbstverständlich hat das Unternehmen, das sich selbst als flexibel und fortschrittlich charakterisiert, auf unsere Nachricht nicht reagiert.

Monday, February 18, 2008

MANATNET BEKOMMT ZUWACHS: aphada

Was schreibe ich an einem solchen Tag in unser Blog?

Dass wir völlig ermattet sind? Weil wir trotz aller Vorbereitungen, Planungen und Wochenendarbeit nicht vermeiden konnten, dass Murphy´s Law dennoch wieder zugeschlagen hat. Wie anders ist es zu erklären, dass einige Überschriften unterhalb der Website-Kriterien über Nacht doppelt vorhanden sind – aber nicht alle?

Dass wir sehr zufrieden sind? Weil wir ein überragend positives Feedback gleich am ersten Tag erhalten haben. 

Dass wir ein glückliches Händchen gehabt haben? Als wir bereits vor Wochen entschieden hatten, unsere Werte, die unser Handeln leiten, ausdrücklich und prominent zu benennen.

Ich denke, an einem Tag wie heute schreibe ich über Dankbarkeit: 

Gegenüber den 10 Top-Interim Managern von MANATNET, die als Sparringspartner während der Konzeptionsphase zur Verfügung standen – und absolut dicht gehalten haben.

Gegenüber Michael Lux von WEB-MEDIA, der auch wieder ein Wochenende geopfert hat.

Gegenüber meinem Partner, Rolf Bielefeld, meiner Frau Sabine und meinem Sohn Phillip: ohne die aphada nie das Licht der Welt erblickt hätte. 

Ein wirklich guter Montag.

Friday, February 15, 2008

MANIC MONDAY

Interim Manager sind meist etwas älter: Dafür haben sie viel erlebt und können sich an so einiges erinnern.

‚Manic Monday’, das Lied, das allen Montag-Morgen-Muffeln aus vollem Herzen spricht, bescherte 1986 den Bangles den ersten Hit.

So lange ich denken kann, war für mich der Montag nie ‚manic’ - also ein manischer, Depressionen verursachender Tag: Denn am Wochenende habe ich nur in den seltensten Fällen gute Geschäfte gemacht – in der Urlaubszeit im Übrigen auch nicht! Ab Montag schon.

Der nächste Montag im Februar, also heute in drei Tagen, wird für uns alles andere als ‚manic’!

Wir sind kribbelig, aufgeregt - ja: nervös. Und ich gebe es gern zu: Der eine oder andere Nervenstrang liegt blank!

Was ist los?

Am Montag kommuniziert die Manager Network GmbH ihren neuen, zweiten Geschäftbereich!

Seit September Arbeit bis zum Abwinken - aber jetzt steht alles: Geschäftsmodell, Markttests, Namen, Service Offering Portfolio, Domain, Website, Zielkunden, Kommunikationsplan, zahlreiche Steuerdateien, Pressemitteilung – einfach alles.

Und am Montag um 8 Uhr morgens wird die ganze Maschinerie anlaufen: Ein tolles Gefühl trotz der tiefen Ränder unter den Augen!

‚Super duper Monday’!

Friday, February 08, 2008

... DANN HABEN SIE JA MEINE KOORDINATEN!

Es gibt Interim Manager, die möchten sich nicht bei MANATNET registrieren. Das ist vollkommen in Ordnung und das respektieren wir ohne Wenn und Aber.

Die Beweggründe der Interim Manager für diese Entscheidung sind breit gefächert. Ab und an schreiben mir Interim Manager jedoch etwas in dieser Art:

 ‚Ich möchte nicht irgendwo als Karteikarte gehandelt und behandelt werden. Ich bin mir klar, dass ich damit im Grunde genommen nicht in Ihr Raster passe. Will ich im Grunde genommen auch nicht.’

Nun ist auch das zu respektieren – ebenfalls ohne Wenn und Aber.

Aber wenn der nächste Satz lautet: ‚Sollten Sie jedoch mal einen echten ‚Spezialisten für Spezialitäten’ suchen im Top-Management Bereich, dann haben Sie ja meine Koordinaten. Anruf genügt!’

Damit habe ich zwei Schwierigkeiten:

Zunächst: Wie kann jemand heutzutage annehmen, dass ich im Kopf oder in der hinteren Ecke einer Schublade Informationen über die Erfahrungen eines Interim Managers vorhalte und sie dann auch noch bei Bedarf abrufbereit habe?

Und dann: Selbst wenn ich es täte: Wie sollte ich dieses Guerilla-Verhalten den Interim Managern gegenüber rechtfertigen, die sich bei MANATNET registriert haben?

Nein, das werde ich, das wird MANATNET, auf gar keinen Fall tun. Am Projektgeschäft nehmen nur die registrierten Interim Manager teil.

Ich hoffe, das wird auch respektiert – ohne Wenn und Aber.

Friday, February 01, 2008

QUALITAET OEFFNET DIE TUER - ABER DIE CHEMIE MACHT'S

Es ist Faschingszeit. Wer keinen Spaß versteht, ist selber schuld.

Ich verstehe Spaß - auch außerhalb der Faschingszeit.

Aber verliere überhaupt nicht gern ein Mandat – und ich hasse es sogar, wenn das geschieht, nachdem wir vorher viel Arbeit investiert hatten.
 
Genau das passierte am Montag.
 
Fachlich waren beide Kandidaten überzeugend, was der Klient unumwunden zugab. Klar: Der eine hatte genau die gleiche Aufgabenstellung mehrfach erfolgreich bei anderen Klienten erledigt und der andere hatte mit einer vergleichbaren Aufgabe ein Unternehmen gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter aus der Insolvenz geführt.
 
Aber Klient und Interim Manager passten aus Sicht des Klienten nicht zusammen. Die Chemie stimmte nicht.
 
Ohne jede Frage: Wir müssen die Entscheidung des Klienten respektieren.

Aber wir müssen auch überdenken, ob die starke Sachorientierung, die im Interim Geschäft so ausgeprägt ist, noch richtig ist. Vielleicht haben wir Provider zu stark im Hinterkopf, das Problem beim Kunden zu lösen. Möglicherweise ist diese Gewichtung nicht immer richtig.

Aber bisher hat mir auch noch kein Kunde gesagt: ‚Also, Herr Becker, zunächst einmal muss die Chemie zwischen uns stimmen. Darüber hinaus erwarten wir folgende Hard-Skills …’

Im Übrigen ist das kein Einzelfall: Vor ein paar Monaten hat ein (männlicher) Klient die für sein Coaching vorgeschlagene Kandidatin ebenso abgelehnt. Er kam nach einem zweistündigen Interview zu dem Ergebnis, dass die Chemie zwischen ihm und ihr nicht stimmte.
 
Ich bekenne: Ich habe von Chemie keinen blassen Schimmer, was ein flüchtiger Blick aufs Abiturzeugnis hämisch dokumentiert. Auch im Nachhinein bleibt es eine weise Entscheidung, nicht in das (Chemie-) Geschäft eingestiegen zu sein.
 
Aber die Chemie hat mich wieder eingeholt.
 
Ich sympathisiere mit dem Gesichtsausdruck der Fasent-Masken aus der Ortenau.

Friday, January 25, 2008

WAS MACHT EIN PROVIDER, WENN ER NICHT MEHR WEITER WEISS?

(c) Gaetano Gross - BRANDAUER

Nein, er bildet keinen Arbeitskreis!

Es gibt Situationen, da hilft das beste Angebot am Marktplatz nicht: Die Skills sind nicht verfügbar – überhaupt nicht oder aber sie sind in einem anderen Projekt gebunden.

Was machen wir dann?
 
Wir haben vor langer Zeit entschieden, dass wir grundsätzlich immer erst die Interim Manager, die wir kennen, fragen, ob sie einen Kandidaten benennen können, der in Frage kommen kann.
 
Warum?
 
Damit die Interim Manager daran im Zweifel mit verdienen können – und wenn es auch im Extremfall nur eine Kiste besten Weins sein sollte. Erst wenn wir so nicht weiterkommen, fragen wir befreundete Interim-Provider. Davon stehen uns acht zur Seite, mit denen wir im AIMP sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten: Es gibt einen Code of Conduct untereinander – und ganz sicher machen wir lieber ein Geschäft gemeinsam, als dass wir es aufgrund von Egoismen verlieren.
 
Was machen die Interim Manager bei MANATNET, wenn wir sie fragen? Der weitaus größte Teil nennt uns einen Kandidaten oder schreibt uns, dass er nicht helfen kann. Ich schätze das über alle Maßen: So arbeiten Professionals.
 
Was machen aber ein paar wenige andere Interim Manager? Die sprechen dann Provider an, die sie selbst kennen – und glauben tatsächlich, dass ein professioneller Interim Provider dann Kandidaten eben über diese Interim Manager an uns leiten würde. Sie tun das, obwohl ich ausdrücklich darum bitte, genau das nicht zu tun und selbstredend erwarten solche Interim Manager dann ein Entgelt vom angesprochenen Provider.
 
Dieses Vorgehen ist für uns und für die angesprochenen Interim-Provider ärgerlich, weil es unnötige Arbeit verursacht – vor allem beim angesprochenen Provider. Folglich lehnen die AIMP-Provider Anfragen inzwischen ab, die von Interim Managern kommen, wenn erkennbar hinter einer solchen Anfrage ein anderer Provider steht.
 
Das ist aus meiner Sicht einer der ganz entscheidenden Vorteile der AIMP-Provider: Wir sind inzwischen sehr gut untereinander verdrahtet.

Friday, January 18, 2008

REICHT DAS DIENSTLEISTUNGSANGEBOT DER INTERIM- PROVIDER AUF DAUER?

Seit weit über einem Jahr beobachten wir das Geschehen bei XING – vormals OpenBC.

Bei XING gibt es eine Unzahl von Foren, einige erscheinen sinnig, andere unsinnig. Tatsache ist – und nur das zählt: Jedes Forum hat Mitglieder und damit seine Nachfrageseite.

Wohl das größte Forum steht unter dem Titel ‚Freiberufler Projektmarkt’ und hat über 50.000 Mitglieder und dort schreiben Unternehmen Projekte für Freelancer aus.
 
Zugegeben, mit Abstand das größte Volumen (ich schätze an die 90 Prozent) kommt aus dem IT-Umfeld. Aber auch erste Interim Mandate werden ausgeschrieben.
 
Zugegeben, im Forum schreiben die Unternehmen das Projekt aus und warten darauf, wer sich meldet. Bei MANATNET wissen die Unternehmen, was sie benötigen und finden den richtigen Anbieter sofort.
 
Dennoch fragen wir uns: Was machen die Provider, was machen wir eigentlich, wenn das Geschäftsvolumen bei Xing wächst?
 
Kann unsere spezialisierte „Special Interest-Plattform zum Finden“ (MANATNET) gegen eine „General Interest-Plattform (XING) zum Suchen“ bestehen?
 
Was machen die Kunden, wenn Sie die Kandidaten über eine der beiden Plattformen gefunden haben?
 
Erfüllen Interim-Provider eigentlich die Erwartungshaltung der Kunden in vollem Umfang?
 
Erwarten Kunden weitere Dienstleistungen, von denen die Provider gar nichts wissen? Und wissen die Kunden möglicherweise noch gar nichts von den Dingen, die sie künftig erwarten werden?
 
Ich bin mir da völlig sicher: Hohe Margen abgreifen – allein dafür, dass ein Provider Kandidaten zu Verfügung stellt: Das wird auf Dauer nicht gut gehen. Das hat das Internet andere ‚Makler’ gelehrt und das wird auf absehbare Zeit der letzte teuer zahlende Kunde nicht mehr zulassen.
 
Bei MANATNET wird seit einigen Wochen intensiv vorgedacht …

Monday, January 14, 2008

NUR NOCH 12 PROZENT DER ARBEITNEHMER SIND HOCH ENGAGIERT

(c) Fab Four, Gaetano Gross

Meine Frau vertritt diese Meinung schon seit Langem: Nun wird sie offenbar bestätigt.

Eine Analyse des Gallup Instituts (veröffentlicht in der FAZ vom 5./6. Januar) - auf der Grundlage von mehr als 1.800 interviewten Arbeitnehmern - zeigt ein Bild, das mich sprachlos macht:
 
20 Prozent haben innerlich gekündigt (also jeder Fünfte) und 68 Prozent (also zwei von drei Mitarbeitern) machen nur noch Dienst nach Vorschrift.
 
Lediglich 12 Prozent gelten als hoch engagiert – also nur gut jeder Zehnte.
 
Zudem wird offensichtlich, dass der nach ‚Vorschrift dienende’ Anteil der Mitarbeiter über die vergangenen sechs Jahre praktisch gleich geblieben ist (2001: 69 Prozent). Im gleichen Zeitraum ist jedoch der Anteil der hoch engagierten Mitarbeiter (2001: 16 Prozent) praktisch um den Anteil abgesackt, um den die inneren Kündigungen zugenommen haben (2001: 15 Prozent).
 
Hochengagierte Mitarbeiter als Minderheit oder Randgruppe: Kaum zu fassen!
 
Vielleicht sollten die Unternehmen im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht hin und wieder Interim Manager unterfüttern.
 
Ich kenne nicht einen einzigen Interim Manager, der ‚Dienst nach Vorschrift’ machen würde; aber ich kenne viele, die über die vertraglich vereinbarte Leistung hinaus arbeiten.
 
Und ich kenne keinen einzigen Interim Manager, der innerlich gekündigt hätte: Bei wem auch?

Friday, January 11, 2008

HERR BECKER, STOERE ICH SIE?

MANATNET ist ein Internet-Marktplatz – der Internet Marktplatz für Interim-Manager. 

Naturgemäß sind deshalb der Aufbau, die Ausrichtung und die Arbeit unseres Unternehmens sehr an der Technik des Internets orientiert.
 
Aber hier arbeiten richtige Menschen – und die verstehen sich als Dienstleister für die Interim Manager. Und deshalb gehen die auch ans Telefon: Versuchen Sie das mal bei Google...
 
Ich bin immer wieder erstaunt, wie oft ich zu Beginn eines Gespräches mit einem Interim Manager gefragt werde (Unternehmens-Kunden fragen das nie …):
 
„Herr Becker, störe ich Sie?“
 
Viele wissen das inzwischen – meine Antwort lautet regelmäßig: „Sie stören doch niemals! Es ist mein Geschäft, für Sie da zu sein. Was sonst sollte denn meine Aufgabe sein?“
 
Möglicherweise hängt hier etwas schief im Selbstverständnis einer vergleichsweise großen Anzahl von Interim Managern – oder im Verhalten des einen oder anderen Providers, vielleicht?
 
Kann mir mal einer sagen, wie wir Geld verdienen wollen ohne die Interim Manager?
 
Tatsächlich höre ich Interim Manager sich als „Kanonenfutter“ oder „Sklaven“ der Provider bezeichnen und die kritisieren, dass ein bisher partnerschaftliches Verhalten nunmehr der Politik des 'Maximierens der eigenen Provision' weichen würde.
 
Und ich kenne den einen oder anderen Interim Provider, der der festen Überzeugung ist, Interim Manager gäbe es genug.

Interim Provider auch.

Friday, January 04, 2008

MANATNET-BLOG ZU TEXTLASTIG?

Rund vier Monate haben wir inzwischen Erfahrungen sammeln können mit unserem Unternehmensblog.

Wir wünschen uns mehr Feedback direkt hier im Blog, denn bisher erfolgen die Reaktionen ganz überwiegend über Mail oder Telefon. Das ist in Ordnung, jedoch entwickelt sich auf diesem Weg aus dem Blog heraus eine bilaterale Kommunikation, an der die anderen Leser unseres Blogs – wöchentlich rund 150 – nicht mehr teilnehmen können.
 
Was finden die Leser gut?
 
Ganz offensichtlich die „Dinge aus dem Leben“, in denen der eine oder andere seine eigenen Erfahrungen wieder erkennt – und dann nicht mehr so sehr durch das nagende Gefühl gequält wird, allein ihr oder ihm würden solche Dinge auffallen oder gar widerfahren.
 
Was finden die Leser nicht so gut?
 
Unser Blog empfinden viele als zu textlastig. Wir greifen das auf und stellen ab heute ein Foto ein – das wechseln kann: Wir werden sehen.
 
Ich wünsche Ihnen einen tollen Start in das Neue Jahr.
 
Am Montag beginnt die Arbeit wieder – inoffiziell natürlich!
 
Ab Mittwoch werden sich alle in ihren Büros wieder zurechtfinden und wieder eingelebt haben…

Friday, December 28, 2007

GEDANKEN ZUM JAHRESWECHSEL

Alles ist wieder mal ganz super gelaufen, wenn ich unsere Wettbewerber höre – mit denen wir zum Teil freundschaftlich verbunden sind.

 
Sind wir auch zufrieden? So zufrieden, wie wir eben sein können: Wir sind wieder gegenüber dem Vorjahr deutlich gewachsen und haben auch ein leidliches Ergebnis erwirtschaftet.
 
Aber super?
 
Super wäre es, wenn uns die Unternehmen den Marktplatz leerkaufen würden und von mir aus auch noch die riesigen Pools der Wettbewerber. Wo diesem Land doch in vielen Branchen Geschäft entgeht, weil nicht genügend qualifizierte Mitarbeiter verfügbar sind! Man stelle sich das vor! Was sind das eigentlich für Manager, die sich dieses Zusatzgeschäft sehenden Auges entgehen lassen?
 
Super wäre es, wenn Interim Management in Deutschland gleichermaßen etabliert wäre, wie die Zeitarbeit – aber davon ist es noch weit entfernt. Wir reden bei der Zeitarbeit von einem der wesentlichen Motoren für den Aufbau von Arbeitsplätzen, von mehr als hunderttausend neuen Jobs – und beim Interim Management sprechen selbst die großen Provider von nicht mehr als 100!
 
Also super?
 
Wenn wir kritisch auf das nun zu Ende gehende Jahr zurückblicken, dann müssen wir zwei Dinge festhalten
 
1. Interim Management wir nach unserer Erfahrung vom Kunden oftmals als zu teuer angesehen. Es ist hierbei unerheblich, ob diese Sichtweise richtig ist oder falsch: Sie ist auf alle Fälle ein enormer Hinderungsgrund für das Interim Management.
 
Woran liegt das?
 
Möglicherweise ziehen die Unternehmen die Zeitarbeit als Maßstab heran. Aber Zeitarbeit wird oftmals mit dem Attribut „Lohndumping“ verbunden und die aktuellen Diskussionen um einen Mindestlohn in dieser Branche deuten an, dass dieses Attribut möglicherweise nicht völlig zu Unrecht verwendet wird. Aber die „gefühlte“ Lücke zum Interim Management bleibt bei den Unternehmen möglicherweise auch dadurch zu hoch.
 
2. Eine Lead-to-Deal-Quote (wie viele Anfragen brauchen wir für ein Mandat?) von etwa 5:1 zwar wieder leicht besser ist als in den Vorjahren. Aber wer will eine solche Quote wirklich als gut bezeichnen?
 
Wenn wir ehrlich sind, dann arbeiten wir in vier von fünf Fällen für den Mülleimer. Außer Arbeit und Kosten nichts gewesen. Kein Unternehmer wird das als gut bezeichnen können!
 
Woran liegt das?
 
Zunächst: Das liegt nicht am Wettbewerb, denn in den wenigsten Fällen haben wir gegen Wettbewerber verloren.
 
Stattdessen verlieren wir in mehr als der Hälfte der Fälle, weil die anfragenden Unternehmen zurückziehen. Die Gründe sind mannigfach – besonders beliebt ist das zufällige Finden eines internen Kandidaten, der die Aufgabe nun doch übernehmen kann.
 
Ich mag ja falsch liegen, aber ich habe das Gefühl, dass in den Unternehmen kaum noch vor-, sondern überwiegend nur noch nachgedacht wird. Es scheint so, als wenn die klassischen Optionenbäume kaum noch im Detail durchgespielt werden, sondern stattdessen sofort agiert wird – um dann, wenn neue oder weitere Informationen vorliegen, gegebenenfalls vollkommen hemmungslos zurückzurudern.
 
Dumm für die, die auf der anderen Seite stehen und sich mit einem „Wir danken Ihnen jedoch für Ihr Engagement! Vielleicht klappt´s ja beim nächsten Mal.“ zufrieden geben müssen.
 
Wir werden uns damit nicht zufrieden geben – ganz sicher nicht.
 
Ich wünsche allen, die diese Zeilen – wo auch immer – lesen ein „super“ Jahr 2008. Es ist ein Schaltjahr, ein besonderes Jahr: Nutzen wir es für etwas Besonderes!

Thursday, December 20, 2007

WAS MACHT EIN INTERIM-PROVIDER ZU WEIHNACHTEN?

Er schreibt zunächst einmal – gerne – diesen Eintrag für sein Blog, auf das wöchentlich inzwischen gut 150 Leser zugreifen. Denn er hat es im September versprochen und er hält seine Versprechen – immer.

Kurz vorher hat er mit seinem Partner die Planung für das neue Jahr verabschiedet. Wie immer, unterstellt die Planung weiteres Wachstum auf extrem geringer Kostenbasis: Anders als andere Provider, die derzeit offenbar versuchen, ih