Friday, August 26, 2011

EIN INTERIM-PROVIDER AUF SYLT

Quelle: Google Earth‚Ein Interim Provider zwischen Kunden und Toskana‘. So überschrieb ich meinen Blogeintrag am 18. Juli 2008. Ich war seinerzeit hin und hergerissen zwischen Verfügbarkeit für unsere Kunden und aufbauendem Tapetenwechsel: Toskana oder aber Sylt. Damals gewannen die Kunden – wie auch in allen folgenden Jahren.

Heute gewinnt Sylt!

Heute schlage ich unser Head-Office auf Sylt auf – interimistisch, versteht sich. Was haben wir Zeit und Geld investiert, um an jeder Stelle dieser Welt über das Internet uneingeschränkt arbeitsfähig zu sein! Es ist an der Zeit, das auch einmal zu nutzen.

Im Zweifel liefere ich von der A7, aus Deutschlands nördlichster Fischbude in List oder aber direkt von der Wanderdüne Uwe.

Meine Blog-Leser wissen das, aber kein Kunde wird das mitbekommen – es sei denn, ich sag´s ihm:

Ein Interim Management-Provider auf Sylt.

Friday, August 19, 2011

HARRY, HOL SCHON MAL DAS STREICHHOLZ!

© Fotograf Lakey – Titel: StreichholzflammeMein Eintrag vom vergangenen Freitag hat zwei schöne Antworten erhalten:

Dr. Anselm Görres von ZMM spricht sich unter dem Titel „Jäger schießt Hase – die Crux mit dem Newsletter“ für einen Newsletter aus – und torpediert mein jüngst aufkeimendes Wohlbefinden nachhaltig. Wir schätzen uns gegenseitig nicht zuletzt aus unserer gemeinsamen Missionarstätigkeit im Rahmen des AIMP. Deshalb auch mein Link auf seinen Eintrag: Menschen, die ich nicht schätze, erhalten keinen Link von mir.

Sein berechtigter Hinweis, selbst die „Rückläufer [des Newsletters] seien wertvoll, wiesen sie doch auf veraltete E-Mailadressen hin“, ist letztlich aber eine weitere Schicht trockenen Reisigs auf meinen Scheiterhaufen für unseren traditionellen Newsletter. Tatsächlich halten es erstaunlich viele unsere Kunden nicht einmal für erforderlich, sich in neue Unternehmens-Gefilde zu verabschieden mit dem Hinweis „Schickt den Kram an meine neue Adresse.“ Welch ein verblüffend einfaches Signal simpelster Wertschätzung. Es gilt der Umkehrschluss.

Ja, das ist mir sehr wohl vertraut – und wir haben dann bisher auch in jedem Einzelfall nachtelefoniert, um die neuen Kontaktdaten zu ergattern – von in aller Regel unwilligen Ex-Kollegen: „Häh, wat woll‘n Se? Keene Ahnung! Wees ick doch nich.“

Merke: Verbundenheit oder gar Partnerschaft sieht anders aus. Okay, okay, ich weiß: Sei nicht so kritisch! Der Minister der Finsternis hat mal wieder zu hohe Ansprüche… Oder so.

Die andere Antwort ließ mich frohlocken, hatte der Interim Manager doch befürchtet, ich würde mein Blog gleich mit auf den Scheiterhaufen werfen. Da, das gebe ich gern zu, ging mir das Herz auf:

Zitat Anfang

Lieber Herr Becker,

eine Institution wie Ihren Blog dürfen Sie nicht abschaffen. Das wäre fast schon Frevel an einer vor Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit nicht gerade überbordenden Branche.

Ihre Texte sind nicht immer pure Gute-Laune-Macher, sie gehen meist heftig ans Eingemachte des Interim-Managements. Und allein deshalb schon ist der Blog gut.

Viele Kollegen und Provider produzieren blendendes Zahnpastalächeln. Doch wie es drinnen aussieht, geht niemand was an?

Ihre Zeilen knirschen ehrlich mit den Zähnen. Lassen Sie weiter stellvertretend für viele Interimer wöchentlich die Luft ab. Als wohltuendes Branchen-Ventil.

Außerdem: was sollte ich sonst freitagnachmittags um 15 Uhr im Internet lesen?

Zitat Ende

Das steht völlig außer Frage: Mein Blog wird bleiben – wie es und was es ist. Und es wird den neuen Orden des Branchen-Ventils mit Stolz tragen. Fernab jedes Scheiterhaufens.

Ansonsten denke ich gerade an Derrick:

Harry, hol schon mal das Streichholz!

Friday, August 12, 2011

INTERIM MANAGEMENT-NEWSLETTER - ADE!

Fotograf: © Struessmann – Titel: Auf WiedersehenMANATNET-Newsletter schreibe ich seit nunmehr über acht Jahren – monatlich, individualisiert und personalisiert. An zwei Zielgruppen: die bei MANATNET anbietenden Interim Manager und die dort nachfragenden Unternehmen. Der Newsletter an die Interim Manager ist sakrosankt – nicht zuletzt, weil wir dort die Projektpipeline offenlegen.

Der Newsletter an die rund 500 Unternehmenskunden steht inzwischen auf der Kippe, denn das Feedback auf diese literarische Meisterleistung ist gleich Null. Die Arbeit für den Newsletter steht in krassem Gegensatz dazu.

Das Hirn sendet Impulse: Den braucht kein Mensch!

Sieht so aus.

Stell´ das Ding ein!

Vorsicht. Möglicherweise ist der Newsletter zumindest ein Hygienefaktor: Ganz normal, wenn er kommt – aber wenn er nicht kommt, geht das Gezeter los. Unwahrscheinlich.

Wie stets in solchen Situationen frage ich diejenigen, die es wissen sollten. In diesem Fall die Unternehmen.

Also: Ein Mail an alle rund 500 mit der Bitte um Feedback zum monatliche Newsletter: Eine Seite in Word mit exakt 91 Wörtern, exakt vier Fragen – und Antwortmöglichkeiten im Multiple Choice-Verfahren mit jeweils einem Textfeld, für den, der kommentieren möchte. Ganz einfach. Zeit ist knapp. Becker, Du bist ein Gutmensch!

Eine Woche später halte ich eine Rücklaufquote von 3,6 Prozent fest. Eine Quote, die ich im Rahmen einer Mailing-Aktion als überragend empfinden würde, empfinde ich in diesem Fall als ausgesprochen mager. Enttäuschend!

Aber auch ein unmissverständliches Indiz dafür, dass den Empfängern der Newsletter tatsächlich wurscht ist!?

Ich weiß: Jeder auf Seiten der Unternehmen droht zu ersaufen in der Flut an Informationen, die auf ihn oder sie niedergeht (bei uns ist das ja anders…). Und dann obendrein noch unser Newsletter zum weltbewegenden Thema Interim Management! Womöglich wird unser Newsletter gleich im Outlook gelöscht, zumindest aber sofort weggeklickt: Um Freiräume zu schaffen.

Gut möglich.

Nichts liegt mir ferner, als jemanden wissentlich zu quälen. Und obendrein dafür auch noch Stunden zu investieren.

Vielleicht ist ein Newsletter an sich auch heute nicht mehr zeitgemäß. Ein krasser Gedanke - und doch ist er mit Blick auf wöchentlich etwa 7.500 Leser dieses Blogs nicht von der Hand zu weisen: Das sind etwa fünfzehnmal so viele Leser verglichen mit dem Newsletter! Mein Blog wird gelesen – mein Newsletter hingegen nicht: Weil er ein Foto von mir enthält? Ich komme auf krude Gedanken…!

Verglichen mit dem Newsletter hat mein Blog jedoch eine ganz andere Ausrichtung: Meine persönliche Sicht auf die Interim-Szene und hin und wieder ein paar Sonderthemen. Beileibe keine Fakten-Orientierung!

Was ist mit Twitter? Kann ich diesen Kanal an Newsletter-Statt verwenden? Vielleicht.

Facebook? Derzeit sicher nicht.

Soll ich den Newsletter ganz anders aufsetzen? Mein tief empfundenes und durch zahlreiche Vorstände gestähltes Credo „Kurz“ aufgeben zu Gunsten „Ausführlich“ – und dafür nur vierteljährlich schreiben?

Offen gestanden: Ich weiß es noch nicht.

Ich brauche Zeit zum Denken, zum Nach- vor allem aber zum Vor-Denken. Doch der September naht unerbittlich: und damit der nächste Termin für den Newsletter!

So ganz allmählich aber wird es klarer, das Bild vor meinen Augen:

Interim Management-Newsletter – ade!

Friday, August 05, 2011

INTERIM MANAGER - WAS WAEREN DIE PROVIDER OHNE SIE?

Fotograf: © SaschaV – Titel: Der W€rt des GeldesDie Kommunikation mit den Interim Managern von MANATNET macht mich mitunter sehr nachdenklich.

Gut, die Begriffe „Einkaufspreise für Interim Manager“, „Sklavenhandel“ oder gar „Kanonenfutter“ sind mir als Insider seit langem geläufig – auch ihre inhärente Verachtung den Interim Professionals gegenüber. Gewöhnt habe ich mich bis heute nicht daran, weil ich, naiv wie ich bin, die Interim Manager stets als eine meiner beiden Kundengruppen gesehen habe. Unternehmen stellen die andere Gruppe.

Am gestrigen Morgen schließt die FAZ ihren Artikel „Auf Materialsuche – Viele Maschinenbauer stoßen an Kapazitätsgrenzen“ ab mit dem Satz: „Anders als die Italiener müssten die deutschen Maschinenbauer nun vor allem aufpassen, dass sie nicht überheblich werden, warnen Branchenfachleute.“

Unsere Branche ist da um einiges weiter: Ich glaube, durchaus Zeichen einer solchen Überheblichkeit zu erkennen.

Vorgestern traf ich einen Interim Manager, der sich über mangelhaftes Kommunikationsverhalten auf Seiten einiger Interim Provider beklagte: „Mache ich etwas falsch, von dem ich nichts weiß? Die machen einen Riesenwind, dann aber melden sie sich einfach nicht mehr!“

Gestern Morgen erhielt ich eine Mail von einem angesehenen Interim Manager, der folgende Passagen entnommen sind:

„…der Teufel soll sie [zwei Interim-Provider] holen! Die haben nicht verstanden, dass Interim Manager auch Kunden sind.“

Und: „…dann werde ich die Mitgliedschaften in einigen Pools mal verringern – auf die, mit denen ich auch zusammen arbeite: Der Rest fliegt raus.“

Schließlich: „…: Ein weiterer, bei dem ich eine Poolmitgliedschaft abgelehnt habe, weil ich nicht zum Sklaven mutieren möchte!“

Der verschreckte Leser mag denken, das sei ein krasser Ausnahmefall – ein Exot, der hier seinen Unmut kundtut. Ich bin mir sicher: Dem ist nicht so!

Und gleichzeitig fehlt mir dafür aber auch jedes Verständnis. Man stelle sich zur Abwechslung nur einmal vor, alle Interim Manager wären sich einig und boykottierten einen bestimmten Interim-Provider. Auf absehbare Zeit würde dieser Provider vom Markt verschwinden: Ein High-Street-Outlet mit leeren Regalen.

Deshalb ist aus meiner – wie immer an dieser Stelle – unmaßgeblichen Sicht den Interim Managern, mit denen ein Provider zusammenarbeitet (auch gern als „Pool“ bezeichnet) die gleiche Aufmerksamkeit, ja Kundenorientierung, entgegenzubringen wie den Unternehmenskunden auch. Und hier schreibe ich letztlich über eine Selbstverständlichkeit: Kaum zu glauben, dass ich das tue!

Unser „Pool“, die Gruppe der Interim Manager, auf die wir zurückgreifen, unsere über Jahre aufgebauten Beziehungen und unser gegenseitiges Verständnis hat doch einen sehr hohen Wert – den wir auf jeden Fall erhalten müssen, besser noch: Erhöhen sollten.

Nicht zuletzt das ist ein Grund für das Einstiegsreferat von Dr. Anselm Görres beim kommenden 3.STUTTGARTER FORUM INTERIM MANAGEMENT unter der Überschrift: „Die Qualität und Quantität der Pools als wichtigstes Kapital der Interim-Provider“.

Ich stehe sicher nicht für alle, aber ebenso sicher nicht allein, wenn ich frage:

Interim Manager – was wären Provider ohne sie?