Friday, December 30, 2011

STANDARD IM INTERIM MANAGEMENT

Fotograf ©: Zeitwerk – Titel: Traffic Assist 7927 Der Anruf kam gegen gestern gegen 13.00 Uhr – mitten in die letzten Züge des Mittagessens bei meiner Mutter. Die weitere bisherige Planung: Schnell noch den Abwasch, die Koffer ins Auto und dann in gut vier Stunden zurück in den Schwarzwald, wo meine Frau in der Zwischenzeit amazonenhaft ein paar Schlachten gegen eine Bronchitis für sich hatte entscheiden können:

„Wir brauchen einen Interim Manager für den Personalbereich für die Betreuung der Mitarbeiter aus der ersten Ebene und deren „Direct Reports“. Können Sie uns schnell helfen?“

Aber selbstverständlich! Denn dafür sind wir ja da. Allerdings kann von der bisherigen Planung nicht abgewichen werden.

Daher bedarf diese Anfrage der Unterstützung durch meinen Sohn, der den Diesel souverän im „Crusing“-Modus“ über die vergleichsweise leere Autobahn steuert. Auf diese Weise bin ich uneingeschränkt arbeitsfähig im Automobil.

Ich erhalte das Anforderungsprofil (tapfer!) vom Kunden, noch bevor wir die Stadtgrenze hinter uns lassen.

Meine Datenbankabfrage über die schnelle Mobilfunkverbindung schlägt mir sechs Kandidaten für diese Aufgabe vor. Drei dieser Kandidaten sind jedoch nicht für fünf Tage in der Woche verfügbar: Ich weiß das aus einer ähnlichen Projektanfrage einer Bank vor gut zwei Wochen. Es hat seine Vorteile, das traditionelle McKinsey-Credo: „You have to be in full command of material!“.

Ich hole mir die Lebensläufe vom Server und lese sie zur Sicherheit noch einmal gegen. Sämtliche Kontaktdaten stehen mir online zur Verfügung.

Die erste Interim Managerin, die ich anrufe, erreiche ich nicht. Klar eigentlich, denn auch bei MANATNET arbeitet nur der Chef. Ich hinterlasse eine Nachricht und meine Bitte um Rückruf auf ihrer Mailbox.

Der zweite Interim Manager, den ich anrufe, lehnt ab, denn er akzeptiert den Tagessatz nicht: Er erwartet 200 Euro mehr als der Kunde zahlen will. Der ewige Interessenkonflikt zwischen Angebot und Nachfrage. Obwohl: Über XING sucht der Interim Manager seit vielen Wochen ein neues Projekt. (Wieso weiß ich das…?)

Der dritte Interim Manager, den ich anrufe, akzeptiert den Tagessatz ebenfalls nicht: Er erwartet 100 Euro mehr. Ah, immerhin: dichter dran!

Ich nehme dieses Feedback zum Anlass, den Kunden anzurufen und ihm zu sagen, dass die ersten beiden Interim Manager den Tagessatz als zu niedrig abgelehnt haben. Lakonische Antwort: „Bringen Sie halt andere!“

Meine Stimmung nähert sich der Freude am Fahren in Deutschlands schmucken Autobahnbaustellen...

Ich warte auf den Rückruf der Interim Managerin…

Das Autoradio unterbricht sein Programm und erheitert mich mit der frohen Botschaft: 9 Kilometer Stau voraus.

Kurz vor 17.00 Uhr ruft die Interim Managerin an: Sie war im Schnee wandern und anschließend in der Sauna. Recht hat sie – und insgeheim beneide ich sie ein wenig!

„Das Projekt interessiert mich und der Tagessatz geht auch in Ordnung: Ist ja fast um die Ecke!“

Ich rufe den Kunden an und avisiere die Unterlagen von drei Kandidaten: Einer zu exakt dem Tagessatz, den der Kunde zahlen will – die beiden anderen etwas darüber.

„Ganz toll! Ganz herzlichen Dank!“

Noch während des kurzen Telefonates sind die Unterlagen angekommen.

Der Stau hat sich aufgelöst.

Mit einem guten Gefühl geht der Tag zu Ende: Es war richtig, MANATNET Internet-zentriert aufzubauen! Für den Kunden ist das aber möglicherweise nichts anderes als:

Standard im Interim Management.

Friday, December 23, 2011

EIN ANGRIFF AUF DAS KERNGESCHAEFT DES WEIHNACHTSMANNS

Weihnachten. Das Fest der Freude und der Präsente. Bisher dachte ich, der CEO dieser Geschichte wäre der Weihnachtsmann, in wichtigen lokalen Märkten vertreten durch das Christkind.

Ganz offensichtlich hat der Weihnachtsmann einen neuen Wettbewerber, der mit brachialer Macht in sein Kerngeschäft einbricht: Die EZB, die Europäische Zentralbank!

Lese ich doch am Mittwoch, dass die EZB den Banken 489 Milliarden Euro für drei Jahre leiht. Zu einem Zinssatz von – Obacht! – 1 % p.a. (in Worten: ein Prozent pro Jahr).

Heissa, es ist Weihnachtszeit!

Offiziell heißt es, der EZB-Kredit mildere die Knappheit an langfristiger Finanzierung. Auch heißt es, dies könne eine mögliche Kreditklemme (gemeint ist: für Unternehmen) verhindern, die noch vor kurzem als „nicht existent“ bezeichnet wurde.

Ich weiß, man wird mir wieder die vorweihnachtlich kuschelige Stimmung zerstörende Miesmacherei vorwerfen. Jedoch:

Wenn ich ein Banker moderner Prägung wäre (vertrackterweise bin ich einer antiker Prägung), dann würde ich jetzt folgendes tun:

Ich würde mir die Taschen mit Anleihen finanzschwacher Euro-Länder vollstopfen! Und das bis zum Rand.

Dass ich mit dieser Idee wohl nicht alleine bin, signalisiert die FAZ, wenn sie festhält: "Die Kurse der Anleihen finanzschwacher Euroländer waren deshalb gestiegen." Seltsam, nicht wahr?

Rechnen wir also mal ein wenig und machen wir´s uns einfach und rechnen grob (Banker machen das gern):

Alle Banken zahlen für 489 Mrd. Euro insgesamt 4,89 Mrd. Euro an Zinsen im Jahr. Dafür können sie, meiner bösen Idee folgend, zum Beispiel italienische Staatsanleihen kaufen (es müssen ja nicht gleich griechische sein), für die sie noch am 12. Dezember 5,952 Prozent erzielen konnten. Weihnachtlicher Nebeneffekt: Die Länder werden ihren Kram los und können ihren Schuldenberg refinanzieren. Verständlich: Wer denkt schon ans Sparen zur Weihnachtszeit?

Nehmen wir also für unsere Übung mit 5,5 Prozent etwas weniger an. Das bedeutet, Banken können insgesamt 26,895 Mrd. Euro pro Jahr verdienen. Ziehen wir davon die Zinsen ab, die sie selbst zahlen müssen, dann bleiben 22,005 Mrd. Euro pro Jahr in den Geldspeichern der Banken über.

Gut 66 Mrd. Euro insgesamt.

Und das praktisch ohne Ausfallrisiko. Oder glaubt angesichts der überbordenden Weisheit unserer Politiker wirklich noch irgendjemand, dass solche Staatsanleihen ausfallen könnten?

Ein 66 Mrd.-Präsent-Paket an die Banken.

Um Himmels willen: So kannst Du das nicht sehen, Becker!

Doch, tut mir leid, so sehe ich das! Auch wenn das Präsent-Paket unterm Strich* vielleicht nur rund 20 Mrd. enthält.

Und ich fühle mit dem Mann in Rot in seiner vorweihnachtlichen Verstörtheit. Denn wer hätte das gedacht:

Ein Angriff auf das Kerngeschäft des Weihnachtsmanns!




*PS: Rein rechnerisch bleiben unterm Strich nur 210 Mrd. Euro für die Banken hängen, weil von den 489 Mrd. allein 234 Mrd. Euro an abgelaufenen Offenmarktgeschäften zu bedienen sind – auf gut deutsch: Die Banken zahlen mit dem Geld der EZB das Geld der EZB zurück. Weitere 45 Mrd. Euro werden umgeschichtet und sind daher für die Banken nicht liquiditätswirksam.

Friday, December 16, 2011

DA WIRD DANN SCHON MAL DAS DINNER KALT

Fotograf © Frosch8561 – Titel: Essen Okay, noch eine Woche bis Weihnachten – plus einen Tag. Ich gebe zu, ich freue mich wirklich. Auf ruhige und besinnliche Tage freuen sich ja viele von uns – und wünschen mir das auch. Ich sehne mich allerdings nicht so sehr nach Ruhe und „be-sinnliche“ drei Tage wären mir ohnehin zu wenig.

Vielmehr freue ich mich darauf, dass ich dann ganz andere Themen auf der Agenda habe.

Auch, vielleicht sogar vor allem (und meine Leser, die mich gut kennen, wissen das), die Themen Kochen und folglich Essen.

Eine überbordende Völlerei? Eher weniger.

Aber es gibt eine schöne Analogie an dieser Stelle.

Wenn wir einmal aus der Management-Perspektive auf das Kochen blicken, dann erkennen wir, Überraschung!, einen lupenreinen, beinahe idealtypischen Prozess:

Genau bezeichnete Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe in genau vorgegebenen Mengen.

Genau bezeichnete Maschinen und Werkzeuge – alle bestens gewartet und am Platz sofort verfügbar.

Genau bezeichnete Arbeitsschritte die exakt ineinandergreifen oder auf einander aufbauen.

Und obendrein eine permanente Qualitätssicherung über die gesamte Prozess-Kette, landläufig bezeichnet als Abschmecken. Wie herrlich kann Qualitätssicherung sein!

Genau darauf freue ich mich: Auf die Arbeit in der Küche, bei der man so wunderbar den Projektfortschritt über jede einzelne Stufe hinweg beobachten kann. Und wenn das alles zu lange dauert und nicht zügig von der kundigen Hand geht, dann wird das halt nichts – in aller Regel: Ich weiß!

Das Allerbeste am Kochen ist jedoch das unmittelbar auf die Lieferung folgende Feedback durch den Kunden, also von meiner Familie und von meinen Gästen. Da weißt Du schnell, was Sache ist!

Genau darin liegt dann aber auch der elementare Unterschied zum Interim Management-Providing: Hier dauert der Feedback-Prozess in aller Regel erheblich länger.

Um im Bild zu bleiben:

Da wird dann schon mal das Dinner kalt!

Friday, December 09, 2011

WIR HABEN HALT NOCH ZEIT IN DIESEM JAHR

Fotograf © apolemtor – Titel: Cuba_Al_Capones_Haus Am Montagnachmittag griff ich zum Telefon. So etwas gibt´s tatsächlich bei MANATNET: dass der Eigentümer beim Partner anruft. Andere aktuelle, Internet-zentrierte Geschäftsmodelle kennzeichnet das möglicherweise weniger.

Für´s Protokoll: Es war der 5. Dezember. Ich erreichte meinen Gesprächspartner nicht direkt, sondern seine Sekretärin – Verzeihung: Assistentin.

„Herr X ist nicht am Platz!“, (welch epochale Information!) flötet sie, doch ein aufmerksamer Zuhörer registriert feinfühlig Symptome eines gequälten Grundleidens und wechselt reflexartig in den vorweihnachtlich verständnisvoll helfenden Modus:

„Verstehe, macht ja nichts: Herr X kann gern im Laufe des Abends oder morgen zurückrufen.“

„Nein“, zerstört ein einziges Wort das Gefühl adventlich warmer Zuneigung - um dann mit brachialer Gewalt krachend den ganzen Adventskalender niederzureißen:

„In diesem Jahr wird das sicher (!) nichts mehr. Herr X hat in diesem Jahr überhaupt keine Zeit mehr.“

„Verstehe, das ist bei mir ganz genau so!“, antworte ich ohne zu zögern im unverfänglichen Plauderton: Die Ironie entgeht meinem Gegenüber völlig. Mein graues Haar hat halt ein paar Vorteile.

In dieser Woche haben wir vier neue Projekt-Anfragen erhalten. Gemessen an der derzeit desolaten Lead-to-Deal-Quote und auf dieser rein statistischen Basis glaube ich: In diesem Jahr wird das nichts mehr.

Dennoch haben die Kunden unsere volle Aufmerksamkeit - ohne jede Einschränkung, denn sie haben das Recht, eine professionelle Dienstleistung zu erwarten:

Wir haben halt noch Zeit in diesem Jahr!

Friday, December 02, 2011

IF YOU PAY PEANUTS, YOU GET MONKEYS

Fotograf © Adamo – Titel: chimpDie Interim-Szene wird regelmäßig von spritzig brillierenden Fanfarenklängen untermalt. Ein typisches Verhaltensmuster in einer letztlich noch nicht wirklich etablierten Branche, die sich zum Beispiel noch immer mit der Anzahl der Markt-Teilnehmer beschäftigt: Die Älteren unter uns erinnern sich schmunzelnd an die ersten Jahre im Leasing („Wenn ich nicht mal mehr mein Auto bezahlen kann, dann lass‘ ich’s besser!“) oder – noch bis vor kurzem – an Factoring („Wenn ich schon meine Forderungen verkaufen müsste, dann stünde es aber Zappen duster um meine Firma!“).

In dem Augenblick, wo die jeweilige Branche etabliert ist, verschwinden die Fanfarenklänge wie von Zauberhand. Die ganz normale, ungeschminkte Tagesordnung übernimmt die Regentschaft.

Noch sind wir im Interim Management nicht so weit.

Tatataaaa….!

Wachstum im Interim Management wird erwartet von 30 Prozent in diesem Jahr. Denn die Kunden fragen verstärkt Interim Manager nach. Denn: Es gibt wahnsinnig viel zu tun in den Unternehmen – vorwiegend ganz besonders schwierige Aufgaben.

Tatataaaata….!

Weit und breit sind noch nicht einmal auch nur die Schemen der Mitarbeiter in Festanstellung am Horizont zu erkennen, die’s in den Unternehmen richten könnten: Gott sei’s gedankt, dass wir die Interim Manager haben!

Original-Partitur: Für jede Branche, für jede Aufgabe und zu jeder Zeit an jedem Ort und zwar sofort.

Und die Interim Manager sind auch stets, einem weißen Ritter gleich, das Unternehmen aus der jeweiligen Bredouille rettend zur Stelle.

Die Lieblings-Story Line der Presse jeder Couleur!

Macht sich eigentlich irgendjemand noch Gedanken über den Umkehrschluss, der da lautete: „In Deutschlands Unternehmen arbeiten ganz überwiegend Deppen!“?

Das gilt nicht! Es gilt stattdessen: Die Interim Manger richten das schon!

Tataratataaaaaa….!

Und weil das so ist, öffnen die Unternehmen (nicht vergessen: Da arbeiten ja überwiegend nicht so tolle Leute!) jauchzend und frohlockend auch die silberbeschlagene Firmenschatulle, um die heilsbringenden weißen Ritter üppig zu entlohnen: Klar, Rettung kostet Geld – aber, heißa!, Untergang kostet noch viel, viel mehr.

Und so trifft dann der Nachfragesog nach Interim-Rittern auf ein hohes Ritter-Salär.

Das ergibt dann, BWL oder VWL erstes Semester, genau: Wachstum!

Bestens!

Tatatataaaaatarattata…..!

Gestern erhielt ich diese Nachricht:

„Lieber Herr Becker,

gerne würde ich mit Ihnen zusammenarbeiten.

Da dieses Unternehmen aber ein Sanierungsfall ist, bewegen wir uns [für insgesamt rund 6 Interim-Projekte; d. Red.] im "Low-Budget"; fast im Arbeitnehmer-Überlassungs-Bereich. Max. 65/h [entspricht 520 Euro Tagessatz; d. Red.] wären möglich.“

In einem verstörenden Röcheln verstummen die Fanfaren.

Sicher sieht das Unternehmen hier etwas falsch, weil da ja auch nicht so tolle Leute arbeiten (siehe oben): Deshalb ist es ja auch ein Sanierungsfall. Hätte es das von vornherein anders gesehen, dann ….

Sicher ist das Unternehmen ein krasser Ausnahmefall – wie Manroland auch. Einzelschicksale halt, die nichts an der grundsätzlichen Marktlage ändern.

Und überhaupt: Bei den Preisen kann das Unternehmen keine richtigen Interim Manager beschäftigen und deshalb wird die Sanierung scheitern müssen.

Wenn alle Stricke reißen, dann hilft er immer: Der wohlfeile Fundamentalsatz aus dem Alten Testament der Coolen Sprüche, mit dem wir schon vor Urzeiten und noch grün hinter den Ohren gehofft hatten, eigene Gehaltsansprüche zu rechtfertigen:

If you pay peanuts, you get monkeys.