Friday, November 25, 2011

DIE ZEIT IST ABGELAUFEN

Fotograf © Winkel – Titel: Die Zeit - 1Wenn ich eins gelernt habe, vor Urzeiten als CEO bei Europe Online in Luxemburg, dann dies: Zeit ist ein mächtiger Faktor!

Zeit kann Dir helfen. Wenn Du sie nutzt.

Zeit kann Dich umbringen. Wenn Du sie nicht nutzt.

Zugegeben, das klingt ein wenig martialisch. Mir ist aber auch so zumute.

Drei Kunden haben Zeit gehabt. Sie haben sie nicht genutzt. Zwei hat´s umgebracht, der dritte durfte heute Morgen zum „Bankgespräch“ antreten. Allein die Enzyklopädien an Unterlagen, die die Bank angefordert hat, lassen nichts Gutes erwarten. Heute zum Redaktionsschluss liegt das Ergebnis noch nicht vor.

Was haben alle diese Fälle gemeinsam?

Alles sind mittelständische Unternehmen.

Alle sind alteingesessen – in zweiter oder dritter Generation.

Alle hatten Ertragsprobleme: Die Gründe dafür sind unterschiedlich.

Alle hatten von Ihrer Hausbank – so völlig anders als in der abendlichen TV-Werbung – die gelbe Karte erhalten: Kurz vor Ende des Spiels.

Wie jeder Fußballer weiß: Nach einer gelben Karte darfst Du weitermachen.

Weitermachen, ja – aber nicht: weitermachen wie bisher. Du musst Dich halt zurücknehmen, sonst ist das Spiel für Dich zu Ende.

Und genau das ist allen drei Unternehmen auch gemeinsam: Die verbleibende Spielzeit über wurde frohgemut weitergespielt – wie bisher. Der Schiedsrichter (vulgo: die Bank) würde schon nicht so sein: Schließlich sei man ja seit Jahrzehnten miteinander vertraut.

Zur allgemeinen Überraschung zogen die schiedsrichternden Banken erneut Gelb und das bedeutete: Platzverweis!

Insolvenz im ersten Fall, Liquidierung im zweiten Fall – und im dritten Fall ist Vergleichbares zu befürchten.

Was für ein Desaster für alle Beteiligten!

Ich bin heute nicht mehr stolz darauf, aber ich bin gelernter Banker und mit 17 Jahren Erfahrung in großen Banken und im internationalen Kreditgeschäft habe ich sicher ein etwas überdurchschnittliches Verständnis für dieses Geschäft. Daher nehme ich mir heraus, das zu verurteilen, was seit einigen Jahren in dieser Gier-geprägten Industrie abläuft. Ohne jede Einschränkung!

Aber das Verhalten, das das Management dieser Mittelständler offen gelegt hat, hätte auch vor vielen Jahren dazu geführt, dass wir den „Stecker gezogen“ hätten.

Worin genau bestand dieses Verhalten?

Alle drei haben auf den Faktor Zeit gesetzt – jedoch letztlich nur abgewartet und darauf gehofft, dass „es“ mit der Zeit besser wird.

„Es“ wurde aber nicht besser. Folglich musste das Management dies zu einem „macro-kosmisch-negativen“ Ereignis erklären, damit außerhalb jeder persönlich möglichen Einflussnahme des Managements und zugleich eine gesunde Basis für ein neues Spiel auf Zeit und das weitere Hoffen darauf, dass „es“ besser werde.

Die Banken zeigten sich beindruckt.

Zeit ging ins Land: „Es“ wurde aber nicht besser.

Das Management arbeitete hart daran, innovative Erklärungen um den Kern einer „stabilen Entwicklung auf reduzierter Basis“ zu gebären.

Allein: Die Banken hörten nicht mehr zu:

Vielleicht hätte ein professionelles Interim Management unmittelbar nach der ersten gelben Karte helfen können. Möglich. Ich weiß es nicht – und die Unternehmen wissen es auch nicht.

Aber eins wissen sie sicher:

Die Zeit ist abgelaufen.

Friday, November 18, 2011

SCHROTT IM INTERIM MANAGEMENT

Fotograf © funeddy – Titel: ÜbereinanderBisher war ich der festen Überzeugung: Bei XING suchen nur die Unwissenden nach einem Interim Manager.

Diese Überzeugung gründete auf eigenen Erfahrungen aus der Zeit zwischen 2007 und 2009 als auch MANATNET vereinzelt dort nach Kandidaten gesucht hatte – und sich in schöner Regelmäßigkeit an „Kann ich auch, muss ich mir nur schnell aneignen“-Kalibern die Finger verbrannt hatte.

Dennoch: Meine Leser wissen, dass ich die einschlägigen Foren bei XING zum Interim Management aufmerksam verfolge, spiegeln sie doch recht gut einen Teil unseres Marktes wider.

Am Mittwoch fiel dort eine „Ausschreibung“ aus dem Rahmen: Ein Kunde mit exzellentem Ruf sucht einen Interim Manager für ein Start-up medizinisch, wissenschaftlicher Ausrichtung: Für die Weiterentwicklung der Planungen - besonders im Hinblick auf Geschäftsmodellierung, Finanzplanung, technische Szenarien für die Umsetzung sowie Qualitätsrichtlinien.

Und das bei Xing.

Ich habe das Unternehmen daraufhin angeschrieben:

„Sehr geehrte Frau [NAME],

ich kontaktiere Sie, weil ich Sie fragen möchte, weshalb Sie für ein derart wichtiges Mandat Ihre Interim Manager bei XING suchen:

Etwa 80 Prozent der bei MANATNET, Europas erstem Internet-Marktplatz für Interim Management, anbietenden Interim Manager sind gar nicht bei XING registriert: Die erreichen Sie auf diesem Weg folglich gar nicht.

Und zudem: Die Anbieter bei XING sind nicht qualitätsgesichert. Aus eigener Erfahrung kann ich die negativen Auswirkungen dieser Tatsache einschätzen.

Deshalb meine Frage: Was bewegt Sie, dennoch diesen Weg zu beschreiten und nicht zum Beispiel die AIMP-Provider anzusprechen?“

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten:

„Sehr geehrter Herr Becker,

vielen Dank für Ihren Hinweis.

Leider haben wir hier bei [Name des Unternehmens] sehr schlechte Erfahrungen mit Interim Management-Providern gemacht. Fast alle eingereichten Kandidaten waren für unsere Bedürfnisse nicht ausreichend qualifiziert.

So unwahrscheinlich es für Sie klingen mag, ich bekomme bessere und qualifiziertere Bewerbungen über Xing und öffentliche Ausschreibungen auf gewöhnlichen Jobportalen als von Providern.“

„Unwahrscheinlich“ ist nicht der treffende Begriff: „Schockierend“ trifft´s besser.

Was für eine Klatsche!

Ich ertappe mich wieder beim neumodischen „Fremdschämen“: „Fast alle (!) eingereichten Kandidaten waren für unsere Bedürfnisse nicht ausreichend qualifiziert.“

Ja geht´s noch?

Wenn wir nicht einmal mehr Kandidaten mit der richtigen Qualifizierung liefern können: Wofür braucht´s uns Provider dann eigentlich noch?

Möglicherweise waren auch wieder ein paar unverantwortliche Provider mit eigenhändig aufgepumpten Pools unterwegs, die sich nicht trauten, ihrem Kunden ein „Tut uns leid, solche Leute haben wir nicht an Bord“ zuzurufen.

Diese Aussage gilt offenbar als ein Zeichen eklatanter Schwäche in unserem Mikrokosmos des Interim Managements. Du lieber Himmel!

Stattdessen liefert man lieber Talmi. Und glaubt so, den Kunden „halten“ zu können. Wie wir sehen, eine fatale Fehleinschätzung.

Für die Kundenbindung eignen sich sicher unterschiedliche Wege. Einer jedoch sicherlich nicht:

Schrott im Interim Management.

Friday, November 11, 2011

UND DER KUNDE WIRD VON ALLDEM NICHTS WISSEN

Fotograf © hecht1969 – Titel: ErwischtMittwoch: Das Interim-Projekt ist ganz einfach – und dann doch nicht:

Ein Interim Manager, der für einen deutschen Kunden arbeitet, braucht kurzfristig einen Controller für eine Tochter in Polen. Leider nur für kurze Zeit. Dennoch:

Provider lieben solche Anfragen – denn es gibt viele Controller.

Der Controller soll Transparenz schaffen und die Schnelligkeit im Reporting erhöhen.

Provider lieben solche Aufgabenstellungen – denn das können viele.

Und: Der Controller muss (!) polnisch sprechen.

Provider röcheln ob solcher Kriterien – denn das erfüllt kaum jemand.

Soll ich mir das antun? Für dieses kleine Projekt ohne feiste Marge?

Natürlich tue ich mir das an: Ich bin hier, um Unternehmen zu helfen – wenn ich mich nicht irre!?

Die Datenbankabfrage bei MANATNET wirft in weniger als einer Sekunde aus: „Niemand!“

Ich frage mit ZMM den ersten befreundeten Provider. Nach genau 20 Minuten kommt die Antwort: „Haben wir nicht!“

Mist! Ich hole mir einen Kaffee.

Ich frage den zweiten befreundeten großen Provider: Die Antwort lässt auf sich warten. Kein gutes Zeichen.

Ich frage nach einer Stunde den dritten befreundeten Provider: Die Antwort lässt auch auf sich warten. Ein miserables Zeichen.

Nach drei Stunden formt sich in meinem Hirn die Handlungs-Option. „Du musst an die Interim Manager von MANATNET ´ran. Vielleicht kennt ja irgendjemand irgendjemanden.“

Die Ecke im Hirn, die für den Selbsterhaltungstrieb zuständig ist (sie ist ohnehin unterentwickelt unter meinem grauen Haar…), rebelliert: „Bist Du irre? Solch ein Aufwand für solch ein kleines Projekt?“

Sie weiß es, die Ecke, dass sie regelmäßig mit der Killer-Aussage „Kundenorientierung“ niedergerungen wird.

So kontaktiere ich alle MANATNET-Interim Manager, wie stets mit personalisierter elektronischer Nachricht. Wie stets schließe mit dem Hinweis, dass ich mich im Erfolgsfall mit einer Kiste besten Badischen Weins revanchieren werde.

Outlook kommt im Mail-Eingang kaum mehr nach, um die Nachrichten „Kenne leider keinen!“ abzuarbeiten.

Eine Mail ist anders:

„Lieber Herr Becker,

ich schreibe dies mit höchstem Respekt und nicht beleidigend sondern partnerschaftlich und ehrlich:

Eine Kiste Wein ist für mich kein Kriterium, mich um Lösungen zu kümmern. Ich kaufe mir meinen Wein selbst und zwar vom Ertrag meiner Geschäfte. Meine große Bitte ist, dies nicht als Beleidigung zu empfinden. Ich meine es eben nur ehrlich, denn ich glaube, dass viele denken "warum soll ich meine Kontakte prüfen - für eine Kiste Wein".

Wir arbeiten für Geld und durchaus in Netzwerken.

Herzliche Grüße“

Die Ecke in meinem Hirn schlägt sich auf die Schenkel. Der Rest taumelt…

Genau vierzehn Stunden später habe ich vier Kandidaten erhalten: einen von unserem befreundeten AIMP-Provider Butterflymanager und drei über die MANATNET-Interim Manager erhalten. Das ist schon ein tolles Netzwerk hier: „Meine Fresse!“, wie wir im Ruhrgebiet gesagt hätten.

Ich bin zuversichtlich, dass sich der Kunde den einen oder anderen Kandidaten ansehen wird.

Und sicher [Korrektur: „hoffentlich“; die Red.] einen auch akzeptieren wird.

Ebenso sicher: Ich werde dann den besten Wein beschaffen, der hier in Baden über meine Kanäle zu haben ist. Einen, den man kaum selbst kaufen kann – auch wenn der Ertrag noch so üppig sein sollte. Denn dafür braucht´s ein vinophiles Netzwerk: Ich arbeite auch in Netzwerken - und manchmal öffne ich mein ganz persönliches!

Und der Kunde wird von alldem nichts wissen.

Friday, November 04, 2011

PHOENIX - ODER DOCH NUR ASCHE

Foto © *~ BonBon ~* - Titel: Von den Flammen verschlungen„Harry hol schon mal das Streichholz!“ hatte ich am 19. August meinen letzten Blogeintrag zu diesem Thema überschrieben. Dann brannte der Scheiterhaufen – und den Flammen fiel unser traditioneller Newsletter an all unsere Unternehmenskunden zum Opfer.

Aufmerksame Leser – und davon habe ich viele – hatten das natürlich seinerzeit bemerkt: Ich habe vom „traditionellen Newsletter“ gesprochen. Das habe ich von Politikern gelernt – hällt es mir doch alle Türen offen, die mich in die Richtung eines „nicht-traditionellen Newsletters“ führen könnten.

Denn im Blogeintrag davor „Interim Management Newsletter – ade“ hatte ich mir noch die Frage gestellt: „Soll ich den Newsletter ganz anders aufsetzen? Mein tief empfundenes und durch zahlreiche Vorstände gestähltes Credo „Kurz“ aufgeben zu Gunsten „Ausführlich“ – und dafür nur vierteljährlich schreiben?“

Ich wusste die Antwort auf diese Fragen damals noch nicht – und ich hatte auch keinen Hehl daraus gemacht.

Jeder, der mich kennt, weiß, dass mich solche Fragen umtreiben, bis ich sie schließlich für mich geknackt habe und mit der Antwort schließlich meinen Frieden geschlossen habe: Auf dass ich sie selbst als Minister der Finsternis standhaft vertrete…!

Ich habe diese Fragen rund um unseren Firmen-Newsletter geknackt: Nach zahlreichen Gesprächen, zahlreichen Entwürfen für den Aufbau und unzähligen Skripts für das Layout war klar: So kann´s gehen! Und so passt das auch sehr gut zu MANATNET – auch die signifikante Mehrarbeit verglichen mit dem traditionellen Vorgehen..

Ein paar ausgesuchte Partner, deren Meinung mir wichtig ist, werden in der nächsten Woche als Beta-Tester fungieren.

Deren Feedback werden wir einarbeiten.

Ob das dann alles so richtig ist?

Ich weiß es schon wieder nicht! Aber: Unsere Kunden werden uns das schon bald sagen!

Und dann weiß ich, in welchem Bild ich bleibe:

Phoenix oder doch nur Asche.