Friday, June 25, 2010

UND EWIG LEIDEN DIE PROVIDER

Fotograf: (c) nagnag - *pazi-fischer'Ein Unternehmen steht vor einer besonderen Aufgabe. Es kontaktiert den Interim Provider, der ihm von einem Geschäftspartner empfohlen wurde. Der Interim Provider spricht am folgenden Tag mit dem Unternehmen, erarbeitet gemeinsam mit dem Kunden ein tiefes Verständnis der Aufgabenstellung und daraufhin das Suchprofil. Der Kunde ist unter enormem (Zeit-) Druck: Deshalb finden solche Gespräche selbstverständlich auch am Wochenende statt.

Der Interim-Provider identifiziert achtundvierzig Stunden später fünf Kandidaten und bespricht mit ihnen die Aufgabenstellung. Daraufhin werden vier Kandidaten dem Unternehmen vorstellt. Am dritten Tag führt das Unternehmen mit jedem der Kandidaten ein Telefoninterview und lädt daraufhin zwei zu einem persönlichen Gespräch ein. Eine Woche nach der Kontaktaufnahme ist die Entscheidung gefallen und der vom Kunden bevorzugte Interim Manager nimmt seine Arbeit beim Unternehmen auf.

Wie schön kann das sein!

Nur: Nichts ist weiter entfernt von den aktuellen Marktgepflogenheiten.

Zwischen Kontaktaufnahme und Entscheidung (des Kunden) liegen inzwischen durchaus zwei Monate. Dann ist die typische Entscheidung jedoch keinesfalls positiv, nein: Auf irgendwo zwischen 5 und 7 Absagen erhalten die Provider derzeit nur einen Auftrag.

Sicher bin ich befangen, denn MANATNET ist letztlich auch ein Interim-Provider. Aber: Das kann nicht gut gehen! In einer sauberen und ehrlichen internen Kostenrechnung (meines Wissens macht das jedoch kaum ein Provider), müssen somit die Aufwendungen für die gescheiterten 5 bis 7 Projekte von den Erlösen des einen einzigen, armseligen Projekts abgedeckt werden. Kein Wunder, also, wenn die Interim-Provider versuchen, die Marge auszubauen - natürlich (wie wenig fair!) zu Lasten des Interim Managers. Ob das klappt, ist eine andere Frage.

Unstrittig ist zudem: In den vergangenen knapp zwei Jahren hat sich dieses Verhältnis, auch Lead-to-Deal-Quote genannt, weiter verschlechtert. Und auch das: Die Last von 5 bis 7 toten Projekten kann im heutigen Wettbewerbsumfeld kein einzelnes Projekt mehr tragen.

Die Interim Provider werden reagieren müssen - auf welche Weise auch immer: Es sei denn, sie möchten für einen neuen Bestseller sorgen - mit dem Titel:

Und ewig leiden die Provider.

Friday, June 18, 2010

VIEL ZU AUFWAENDIG!

Foto: (c) Bertram Dick - 'Climbing'Für das Interim Management in Deutschland ist der Juli ein wichtiger Monat: Das AIMP-Jahresforum findet diesmal in München statt. Das Organisationsteam hat alle Hände voll zu tun - und jeder Redner, der seine Sache gut machen will, beginnt damit, sich vorzubereiten.

Ich bereite mich auf die Präsentation der AIMP-Providerumfrage 2010 vor. Wie im vergangenen Jahr werden wir ein paar Aktualisierungen zur Jahresmitte einstreuen können und Thorsten Becker wird Daten aus UK beisteuern können.

Natürlich verbinde ich mit dem AIMP-Jahresforum die Freude, viele Interim Manager zu treffen, gute Gespräche zu führen und viele Eindrücke und Ideen mitnehmen zu können.

Aber, meine Leser mögen mir das nachsehen, noch mehr assoziiere ich mit dem AIMP-Jahresforum den Begriff „Arbeit“.

Abendarbeit. Nachtarbeit. Wochenendarbeit. Feiertagsarbeit. Immerhin habe ich ein Geschäft zu führen, für das meine Kapazitäten ohnehin nicht ausreichen: Zumindest, wenn man den deutschen Durchschnittsarbeitstag zugrunde legt.

Dann kommt regelmäßig Kritik hoch am AIMP-Jahresforum. Und das ist gut so: Ich lechze nach Kritik, denn durch das Aufgreifen von Kritik können wir (wie jeder andere auch) in vielen Fällen besser werden.

Mit einer besonderen Kritik kann ich jedoch ganz schwer umgehen. Bemerkenswerterweise wird sie regelmäßig im Vorfeld solcher Veranstaltungen geäußert von Interim Managern, die ich auf eben diese Veranstaltungen anspreche.

Diese Kritik lautet: „Solche Veranstaltungen sind doch nur Plattformen für die Selbstdarstellung der Provider“.

Wer jemals eine vergleichbare Veranstaltung selbst organisiert hat, der weiß: Solch eine Arbeit vorwiegend für die Selbstdarstellung?

Viel zu aufwändig!

Friday, June 11, 2010

PANEM ET CIRCENSES

Vorab: Ich bin ein Fußballfan seit Kindesbeinen. Ich habe in jungen Jahren die Nacht vor wichtigen, meist End-Spielen „meines“ Vereins oder der Nationalmannschaft schlecht geschlafen - und Niederlagen haben mir in aller Regel zumindest den folgenden Tag verhagelt.

Ich halte mich noch immer für einen Fußballfan - aber ich sehe inzwischen kritisch auf das, was seit einigen Jahren überhand nimmt: Und dabei denke ich nicht einmal an die unerträgliche Quasselei (vor, zwischen und nach der Fernsehübertragung), deren Zeitbudget schon längst die echte Spielzeit bei weitem überschreitet.

Auch nicht an Schokoriegel: Sie haben schon immer mit Fußballer-Bildchen die Sammelleidenschaft der Halbwüchsigen ausgebeutet. Auch die „für jedes Tor der deutschen Nationalmannschaft gibt es mehr Rabatt-Prozente“-Nummer taucht mit schöner Regelmäßigkeit auf.

Doch dass inzwischen eine renommierte Tageszeitung ihre Werbeprämien (für einen neuen Abonnenten) abhängig vom Erfolg der Nationalmannschaft staffelt (200 Euro, wenn Deutschland das Finale erreicht), das ist schon bemerkenswert.

Es weitere kleine Hinweise, die dem aufmerksamen Beobachter auffallen („Wenn wir uns dann treffen, dann schaffen Sie´s auch noch bis zum Serbien-Spiel!“), legen sie doch offen, dass die Fußball-WM sich von einer schönen (und das meine ich ehrlich: schönen!) Nebensache zu einer vieles bestimmenden Hauptsache entwickelt hat.

Besser entwickelt wurde.

Und genau das kann die Politik für sich nutzen. Und sie nutzt es für sich.

Man mag vom Sparpaket der Bundesregierung inhaltlich halten, was man will. Das Timing ist jedoch alles andere als zufällig:

Nach monatelangem Nichts-Tun mit Blick auf die Wahl in Nordhrein-Westfalen wurde nunmehr das Sparpaket - vom selben Team (!) - innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gehämmert.

Weshalb?

Ich bin der festen Überzeugung, dass die Bundesregierung darauf baut, dass die Unbill aus dem Sparpaket durch ein gutes Abschneiden der deutschen Kicker überlagert wird - und dass dadurch, durch ein neues „Sommermärchen“, weniger Widerstand bei der Bevölkerung (!), nicht den professionellen Nein-Sagern, hochkommen wird.

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr bringt mich diese Strategie auf die Palme! Denn diese Strategie kann nur funktionieren, wenn sie „ein tumbes Volk“ unterstellt. Bemerkenswerterweise fiel am vergangenen Dienstag im ZDF („Neues aus der Anstalt“; Pelzig zitiert Korte) die Aussage: „Bevölkerungsverdrossenheit bei den Politikern.“ und Pelzig weiter: „Die haben von uns möglicherweise die Schnauze noch viel mehr voll als umgekehrt.“

Ein kritischer Mensch mit humanistischer Ausbildung wird das nicht mehr los und im Hirn nimmt ein Begriff Gestalt an aus längst vergangenen Zeiten:

„Panem et circenses“ und einer der großen Verfechter dieser Maxime: Kaiser Trajan (53-117 n. Chr.)

Wenn mich nicht alles täuscht, wurde kurz darauf eine Zeit des Umbruchs und der Reformen im Römischen Reich eingeläutet.

Das, und nur das, macht mir Mut – während es in meinem Kopf hallt:

Panem et circenses.

Friday, June 04, 2010

EINE SCHLAPPE ZEIT - DER WONNEMONAT

Im Jahr 2002, als wir MANATNET vorbereiteten, hatten wir ein Ziel: Wir wollten in der Lage sein, Interim Mandate kostengünstig innerhalb von 24 Stunden, spätestens jedoch nach 48 Stunden zu besetzen.

Dieses Ziel ging zurück auf unsere Prägung aus den sechs Jahren zuvor - die Zeit 1995 bis Ende 2001: Jahrtausendwende und Euro - Einführung - vor allem aber die „New Economy“ waren die damals beherrschenden Themen. Damit einher gingen einige wirklich bemerkenswerte Verhaltensmuster: Im Umfeld der „New Economy“ gehörten dazu Mut („Kenn´ ich noch nicht - probier´ ich mal!“) und Schnelligkeit („Ich muss meinen Wettbewerb abhägen!“).

Beides ist inzwischen untergegangen: Mut und auch Schnelligkeit.

Und so kommt es, dass wir längst nicht mehr darauf abzielen, Interim Mandate innerhalb von maximal 48 Stunden zu besetzen. Wir können uns glücklich schätzen, wenn uns das in vier Wochen gelingt. Nicht etwa, weil wir nicht liefern könnten – sondern, weil die Kunden so lang brauchen, ihre Entscheidungen zu treffen. Ganz eindeutig können wir mehr, als der Markt derzeit braucht.

Und im Mai dauert alles noch viel länger: Pfingsten, Pfingstferien und feiertagsbasierte Brückentage sorgen dafür, dass die ohnehin schon lange dauernden Abstimmungsprozesse noch länger dauern.

Eine schlappe Zeit - der Wonnemonat