Friday, May 28, 2010

INTERIM MANAGEMENT ZWISCHEN HUNGERLOHN UND ABZOCKE

„Der Interim Manager, den Sie brauchen, kostet Sie 2.500 Euro am Tag“, sagte der Provider, unmittelbar bevor das Herz des Mittelständlers kurzzeitig aussetzte. Sein Hirn hatte ihm auftragsgemäß die Quittungs-Information übermittelt: „Das sind 600.000 Euro im Jahr“.

„Wir suchen einen Interim Manager als international versierten Controller für das Head-Office in der Schweiz, sicher in US-GAAP und IFRS, Englisch vertragssicher und ausgeprägte Erfahrung in international operierenden High-Tech-Unternehmen. Wir zahlen 500 Euro am Tag, Reisekosten und Steuern inklusive“, sagte der Konzern-Kunde, bevor der Provider kopfschüttelnd den Raum verließ.

Wie passt das zusammen?

Gar nicht. Dennoch ist es so: Beide Beispiele sind der Praxis im Interim-Geschäft entnommen.

Ohne jeden Zweifel ist Interim Management in Deutschland bekannter, ja „normaler“ geworden. So schätzt die aktuelle Providerumfrage des AIMP, dass hierzulande nur noch etwa ein Drittel aller Unternehmen die Dienstleistung Interim Management nicht kennt. Vor drei Jahren war das noch etwa jedes zweite Unternehmen.

Transparent ist dieses Geschäft jedoch noch lange nicht. Von Marktmechanismen wie z. B. in der Autovermietung, man möge mir den Vergleich nachsehen, ist das Interim Management noch Welten entfernt. Preise für „Güteklassen“ vergleichbar im Internet verfügbar: Fehlanzeige. Sonderangebote: Fehlanzeige. Zusatzangebote: Fehlanzeige. Auf Key-Accounts individuell zugeschnittene Angebote: Ja, vereinzelt.

Zunächst halte ich fest: Auch im Interim Management bildet sich der Preis, also der Tagessatz für den Interim Manager, aufgrund von Angebot und Nachfrage. Jedoch sind die Nachfrager, die Unternehmen, typischerweise in der schlechteren Position, weil der Markt sehr heterogen und intransparent ist. Immer wieder erscheinen, sternschnuppengleich, neue Provider am Markt, und spätestens nach sechs Monaten erklären sich die meisten zu „einem der führenden Anbieter im Markt“. Denn selbstverständlich hat jeder neue Anbieter gleich zu Beginn auf wundersame Weise einen „umfangreichen, persönlich qualitätsgesicherten Pool an hochqualifizierten Interim Managern für jede nur denkbare Aufgabe“.

Insider fassen sich an den Kopf. Aber Kunden sind nur in seltenen Fällen Insider. Noch.

Durchaus hilfsweise hat der AIMP vor ein paar Jahren Interim Manager den Gehaltsklassen von vergleichbaren Managern in Festanstellung zugeordnet und vergleicht nun jährlich die Tagessätze, die am Markt für jede Klasse typischerweise (nicht in Ausnahmefällen) erzielt werden können. Der Vergleich zeigt, dass im Schnitt stabil zwischen knapp 0,7 und 0,9 Prozent des vergleichbaren Festgehaltes als Tagessatz gezahlt werden:

Wenn ich davon absehe, dass aufgrund des Basiseffektes in den niedrigen Klassen relativ mehr, in den hohen Gehaltsklassen dafür weniger gezahlt wird, so kann jeder Kunde für seine Verhandlungen das Festgehalt aufgreifen, das er bisher bezahlt hat oder das er künftig bereit ist zu zahlen.

So wird der Kunde dem international versierten Controller aus unserem Beispiel in einer Festanstellung sicher um 100.000 Euro bieten müssen. Ein angemessener Marktpreis für einen Interim Manager, der diese Aufgabe für eine begrenzte Zeit übernehmen soll, wird daher um 800 Euro am Tag plus Spesen und MwSt. liegen.

Ein Interim Manager, der mehr vom Kunden verlangt, wird dafür gute Argumente liefern müssen, aber genau diese womöglich in der Hinterhand haben. Solche Argumente können für den internationalen Controller weitere Sprachkenntnisse sein oder aber z. B. Erfahrungen im Sarbanes Oxley Act, die der Kunde für sich nutzen kann. Es steht dem Kunden dann frei, den Preis dennoch abzulehnen, weil er diese zusätzlichen Qualifikationen nicht benötigt.

Klar wird so aber auch, weshalb ein Interim Manager diese Aufgabe in aller Regel ablehnen wird, wenn der Kunde ihm ein Entgelt von 500 Euro – all inclusive! - anbietet.

Sicher, es gibt Ausnahmen: Ein Interim Manager möchte unbedingt Leerzeiten vermeiden, aus welchen Gründen auch immer, und steigt deshalb auf einen Preis unter Markt ein. Oder ein Kunde zahlt in tiefer Überzeugung einen überhöhten Preis, weil er glaubt, nur der teuerste sei für ihn in seiner besonderen Situation der beste Interim Manager.

Ebenso sicher ist: Noch während der Laufzeit des Interim-Projektes wird eine der Parteien unzufrieden sein. Im ersten Fall ist es der Interim Manager, dessen monatliche Abrechnung regelmäßig die verschorfende Wunde „Hungerlohn“ erneut aufreißen lässt. Im zweiten Fall ist es der unternehmensweit kostensenkende Kunde, dem die Unterschrift unter die Abrechnung des Interim Managers von Monat zu Monat schwerer fällt.

In der besonderen Situation, in der sich der Kunde befindet - anderenfalls bräuchte er keinen Interim Manager - ist beides eine ungesunde Basis:

Hungerlohn ebenso wie Abzocke.

Friday, May 21, 2010

ICH VERMARKTE INTERIM MANAGER - NIEMANDEN SONST

Fotograf: (c) PolluxTS - 'Trio (überarbeitet)'Ich lebe vom Feedback - vor allem dem Feedback meiner Kunden: Interim Manager und Unternehmen. Feedback beinhaltet meist gute Ideen oder andere Sichtweisen, die wir in aller Regel nutzen können, um besser zu werden.

So weit, so gut. So weit, so trivial.

Nach der Freischaltung von Easy-Know-how rief mich ein Interim Manager an, den ich sehr schätze: Er stellte mir die Frage, ob ich nicht Gefahr liefe, mich dem Vorwurf auszusetzen, mich eher selbst als andere zu vermarkten. Er wisse zwar, dass das nicht so sei, aber andere?

Ich wusste zunächst überhaupt nicht, worauf dieser Interim Manager abzielte.

„Sie tauchen doch selbst als einer der Auserwählten auf bei Easy-Know-how! Und dann gleich zweimal!“

Donnerwetter! So hatte ich das noch gar nicht gesehen.

Tatsächlich habe ich mein Profil für Easy-Know-How an zwei Stellen am Marktplatz vorgehalten. Ganz ohne jeden Zweifel und sichtbar aber als Öffner für zwei Türen: Die Tür zur DGKM beim Thema „Senkung der Allgemeinkosten“; und die Tür zu anderen Interim Managern für Themen, die wir möglicherweise bei Easy-Know-how noch nicht abdecken, und die ein solches Thema dann abdecken können.

Aber doch nicht, um eigene Mandate zu akquirieren!

Das kann ich auch gar nicht: Ich führe MANATNET mit allem drum und dran, aber ich mache keine Interim-Mandate. Hierfür gibt es zwei entscheidende Gründe:

1. Mir fehlt das Spezialistenwissen (es sei denn, ein Klient möchte einen Internet-Markplatz aufbauen).
2. Mir fehlen die Kapazitäten.

Kaum vorstellbar, dass ich mich am Markt trotz mangelnder Kenntnisse durchbluffen könnte. Völlig unvorstellbar, dass ich ein Interim Mandat annehme und gleichzeitig noch die Zeit finde, MANATNET zu führen. Zudem: Die Interim Manager würden mich kreuzigen!

Trotzdem - und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen - habe ich mein Profil bei Easy-Know-how entfernt. Denn:

Ich vermarkte Interim Manager - niemanden sonst.

Friday, May 14, 2010

UNERTRAEGLICHER MUELL

Fotograf: (c) Grünland - 'Sylvesterrest'So alle paar Monate kommentiere ich einen Beitrag in FAZ.NET: Ich möchte meine Meinung in einem großen und kritischen Umfeld äußern und sehen, wie die anderen reagieren – genauer, wie oft mein Beitrag im Vergleich zu anderen gelesen wird und wie er dann von den Lesern bewertet wird.

Dabei erkenne ich eindeutig, dass ein „hingerotzter“ und inhaltlich dünner Beitrag in FAZ.NET nicht gut ankommt, selbst wenn die Redaktion ihn freigegeben hat (und das muss sie).

Ebenso eindeutig erkenne ich die Macht der Headline: Eine starke Headline bringt die Leser dazu, den vollständigen Kommentar aufzurufen – einer schwachen Headline gelingt das eben nicht. Das gilt exakt so auch für die „Persönlichen Headlines“ der Interim Manager am Marktplatz MANATNET, die die potenziellen Kunden dazu bewegen sollen, das fachliche Profil aufzurufen.

Meine Antwort auf Ernst Pöppels Beitrag „Facebook ist Selbstprostitution“ hatte ich überschrieben mit:

Unerträglicher Müll.

Friday, May 07, 2010

INTERIM MANAGEMENT BRAUCHT FRISCHEN WIND - ODER EBEN NICHT

Fotograf: (c) Coniaric - 'Taschenuhr'Gestern um 10.00h war es dann so weit. Wir haben Easy-Know-how am Marktplatz MANATNET life geschaltet. Zugegeben: Ich bin ein wenig matt heute.

Das bisherige Feedback reicht von „Das hat den Touch von Stundenhotel!“ über „Wieder einmal haben sie eine Marktlücke aufgemacht und die Initiative ergriffen, um hierfür ein Angebot zu erstellen“ bis „Das ist eine sau coole Idee!“.

Die Presse stürzte sich gestern auf unsere Mitteilung in einem Umfang, der sich nur mit der Reaktion auf die Nachricht „MANATNET schafft den Solidaritätsabschlag ab“ vergleichen lässt. Und die Zugriffszahlen auf www.manatnet.com gingen durch die Decke.

Soweit so gut. Soweit so schön.

Dennoch: Nun stellen wir uns den tatsächlichen Marktgegebenheiten - und es wird sich zeigen müssen, ob wir die Verhaltensmuster im Mittelstand richtig einschätzen - oder eben nicht.

Ob der Druck auf den Mittelstand so weit zugenommen hat, dass er sich neuen Wegen öffnen muss - oder eben nicht.

Ob der einfache Zugang zum Spezialistenwissen eines Fremden inzwischen mit dem einfachen Zugang zum Allgemeinwissen eines guten Bekannten, wenn nicht Freundes, konkurrieren kann – oder eben nicht.

Ob der Markt von einem Provider mehr verlangt als das schlichte Zusammenbringen von Angebot und Nachfrage – oder eben nicht.

Und schließlich werden wir wissen:

Interim Management braucht frischen Wind – oder eben nicht.