Friday, April 30, 2010

WO BLEIBEN DIE INNOVATIONEN IM INTERIM MANAGEMENT?

Drawing by Terry Marks-TarlowDer abschließende Satz unserer Pressemitteilung vom 23. April hatte es angekündigt: „Und wir werden im nächsten Monat eine weitere Innovation bringen.“ Für den Mittelstand.

Wir hören sehr genau zu, was der Mittelstand will – und was nicht. Daher wissen wir, dass der Mittelstand die Kommunikation einstellt, wenn die Tagessätze (aus seiner Sicht) absurde Höhen erreichen. Wen eigentlich kann das wundern – wenn die flächendeckende Maxime auch für dieses Jahr (!) heißt: Kosten runter! (Zuletzt bestätigt durch eine Umfrage von Roland Berger).

Das sind Qualen für den erfolgs- und margenverwöhnten Mittelstand. Nicht zuletzt deshalb haben wir intern unserem neuen Angebot den Arbeitstitel TANTALUS verpasst.

Der Wettbewerb möge mir am Ende der nächsten Woche verzeihen, wenn ich ihn mit diesen Ausführungen auf die falsche Spur gesetzt habe.

Vielleicht ist der Arbeitstitel auch nur ein Ergebnis meiner eigenen menschlichen Unzulänglichkeit. Ein selbst gebastelter Schild gegen meine ganz persönliche Qual. Verursacht durch so viele Wettbewerber, allesamt in markiger Kommunikation selbst als „marktführend“ geschmückt – während sie im Dienstleistungsportfolio nur traditionelle, dafür allerbeste „Me-too-Manier“ anbieten.

Ich denke, das Interim-Geschäft in Deutschland hat sich etabliert? Dann aber bleibt die Frage:

Wo bleiben die Innovationen im Interim Management?

Friday, April 23, 2010

EINE KOMFORTABLE LAGE IM KRIEGSGEBIET

Fotograf: (c) Kersten Studenski - 'Der Schwan im See'Einen Interim Manager als Controller sucht ein Kunde – idealerweise mit Erfahrung in der Luftfahrt in weitestem Sinne.

Eine Standard-Anfrage bei MANATNET – wäre das nicht das „idealerweise“.

Die Datenbankabfrage ergibt in weniger als einer Sekunde: Zwei Interim Manager kommen für diese Anfrage in Betracht.

Wir rufen die Unterlagen dieser Interim Manager auf. Wir stellen fest, dass der Lebenslauf eines dieser Interim Manager aus dem Sommer 2006 datiert. Wir stellen fest, dass wir diesen Interim Manager bereits gebeten hatten, seinen Lebenslauf zu aktualisieren: Welcher professionelle Provider würde seinem Kunden im April 2010 solch ein Dokument präsentieren. Schlüsselanforderungen wie „US-GAAP“, „SAP“ oder „SOX“ kommen zudem im Lebenslauf nicht vor.

Die Zeiten sind nicht einfach. Interim-Projekte sind rar. Wir möchten den Interim Manager deshalb nicht außen vor lassen.

Wir schreiben ihn an und lassen uns die Verfügbarkeit bestätigen. Eine völlig überflüssige Arbeit, halten wir doch in unserer Datenbank das Feld „Verfügbarkeit“ vor. Nur pflegen es die wenigsten Interim Manager! Unfassbar!

Der Interim Manager bestätigt uns seine Verfügbarkeit und auch, dass das ein genau auf ihn passendes Mandat sei.

Ich weise ihn auf den veralteten Lebenslauf hin und bitte ihn um die aktuelle Version, die bei der Gelegenheit gleich auf die fehlenden Schlüsselwörter „US-GAAP“, „SAP“ und „SOX“ und „idealerweise“ auch intensiv auf seine Erfahrung in der Luftfahrt eingeht.

Der Interim Manager klärt mich auf, dass „möglicherweise die von Ihnen genannten Begriffe wie US-Accounting sowie SAP-Kenntnise nicht so ohne Weiteres aus meinem Lebenslauf zu erkennen sind. Allerdings gehen diese Dinge aus meinen Arbeitszeugnissen hervor.“ Und weiter:

„Wo Sie Recht haben, ist der Begriff SOX. Damit kann ich nichts anfangen.(!) Sollten Erfahrungen in diesem Punkt "kriegsentscheidend" sein, müssen wir die Angelegenheit nicht mehr weiter verfolgen. Ich bin "Gott sei Dank" in der komfortablen Lage, dass ich ein Projekt annehmen kann aber nicht muss.“

Tief verblüfft ob der komfortablen Lage im „Kriegsgebiet“ antworte ich dem Interim Manager:

„Ich denke, SOX ist in diesem Fall "kriegsentscheidend". In jedem Fall und immer ist "kriegsentscheidend", dass Ihr Lebenslauf alle relevanten Informationen vorhält. Kein Kunde sucht sich die Informationen aus Ihren Zeugnissen zusammen.

Sicher habe ich es falsch eingeschätzt, dass Offenheit in jedem Fall als hilfreich angesehen wird, denn ich erhielt nur Minuten später die Antwort:

Möglicherweise haben Sie Recht. Allerdings glaube ich nicht, dass alle "relevanten Daten" (für jeden subjektiv interpretierbar) in einem noch so aufwendigen Lebenslauf zu dokumentieren sind. In der finalen Entscheidung spielen nach meiner Erfahrung die Arbeitspapiere sehr wohl eine gewichtige Rolle. Bitte nehmen Sie mich einfach aus Ihrer Internet-Plattform wieder komplett heraus und streichen Sie mich als verfügbaren Interim-Manager. Mir scheint, dass Ihr Forum nicht das Richtige für mich ist. Das spart Ihnen und mir zukünftig Zeit.“

Donnerwetter! Tatsächlich: Eine komfortable Lage im ‚Kriegsgebiet’.

Friday, April 16, 2010

BESCHEIDENHEIT SEI DES PROVIDERS ZIER

Fotograf: (c) ja-boss - 'Streit zwischen zwei Moewen'Und wieder arbeiten wir an einer neuen Idee im Interim Management. Für den Mittelstand.

Wie immer mache ich das Konzept. Dann stelle ich das Konzept zur Diskussion, genauer: Ich bitte einige wenige sehr vertraute Menschen um kritisches Feedback – am besten mit dem Ziel, das Konzept zu „zerhämmern“.

Das Feedback – denn darum geht es – verändert das Konzept. So lange, bis ich denke: So kann´s gehen.

Dann teste ich das Konzept in der „final version“ (so nenne ich das immer, auch, um mich selbst zu motivieren) mit einer Handvoll Marktteilnehmer.

Dieses Mal erhalte ich ein sehr indifferentes Ergebnis. Als Angestellter würde ich jetzt unser Vorhaben stoppen.

Als Unternehmer werde ich genau das nicht tun: Ich werde den Markt entscheiden lassen.

Während dieser Überlegungen erhalte ich einen Hinweis auf einen Anbieter im Interim Management – mit der Frage: „Kennst Du den?“ Nein, ich kenne ihn nicht. Ein befreundetet Interim Manager sagt mir auf meine Frage, das sei „ein Provider, der so richtig im Jahr 2009 aktiv geworden ist.“

Aha, mitten in der Wirtschaftskrise. Respekt! Laut Site gehört das Unternehmen zu den „führenden Netzwerken für Interim Manager“.

Schon wieder einer.

Mir kommt der Asbach-uralte Gag in den Sinn:

Sechs Schneider haben ihre Läden alle in ein und derselben Straße. Die Zeiten werden schwer (damals schon!) und der Wettbewerb nimmt zu. Also: Werbung muss her, um sich von den anderen abzusetzen.

„BESTER SCHNEIDER DER STADT“ – nagelt der erste ein farbenfrohes Schild über die Tür.

„BESTER SCHNEIDER DES LANDES“ – kontert der zweite Schneider schneidig.

„BESTER SCHNEIDER EUROPAS“ – schreit in glitzernden Lettern das Schild des dritten Schneiders.

„BESTER SCHNEIDER DER WELT“ – strotzt der vierte Schneider mit vor Stolz berstender Brust.

Und doch:

„BESTER SCHNEIDER DES UNIVERSUMS“ – holt der fünfte zum finalen Schlag aus.

Oh je, armes Schneiderlein mit der Startnummer 6!

Ein kleines Männlein klettert auf seine Leiter. Es rollt ein schlichtes Transparent aus:

„Bester Schneider in dieser Straße“.

Bescheidenheit sei des Providers Zier.

Friday, April 09, 2010

SCHALMAIENKLAENGE IM INTERIM MANAGEMENT

Foto:(c) Steve Evans - 'Americana: Streets of New York'Lassen wir die Kirche im Dorf: Die Münsterländische Volkszeitung ist sicher ein respektables Blatt - ebenso sicher gehört sie nicht zu den führenden Zeitungen in Deutschland. Dafür erscheint sie am Sitz der DDIM.

Dennoch wurde in den vergangenen Tagen der Artikel „Interim Manager spüren bessere Stimmung - Unternehmen starten durch“ (abgerundet mit dem sonnigen Satz „Jetzt merken die Interim Manager deutlich die Frühlingsstimmung.“) über so ziemlich alle Kommunikationskanäle verbreitet: Google-Alerts, XING, twitter - um nur die wichtigsten zu nennen.

So erreicht man zumindest die Interim-Szene - ob die Kunden über die Münsterländische Volkszeitung, Google-Alerts, Xing oder twitter erreicht werden, bezweifle ich - durchaus in einem Gefühl des tiefen Bedauerns.

Und die Szene liest: Hey, alles wird wieder gut! Und der interessierte Interim Manager wundert sich, dass gerade er nichts davon spürt.

Dann geht hier das Telefon („klingeln“ kann man heutzutage nicht mehr schreiben!) und E-Mails schlagen auf. Und zwingen mich zur Kommunikation. Das ist kein Bedauern meinerseits, das ist Fakt.

Ich empfehle dann nahezu gebetsmühlenartig, in solchen Artikeln nach Zahlen zu suchen. Und siehe da: Wenn wir von den obligatorischen Schätzungen zur Anzahl der Interim Manager und zum Marktvolumen absehen, dann liefert der Artikel nur eine einzige Zahl. Und genau darin spiegelt sich das aktuelle Dilemma wider:

„Viele Kollegen haben jetzt schon in den ersten zwei Monaten über 50 Prozent der Anfragen, die sie im ganzen vergangenen Jahr verzeichnen konnten. Allerdings ist es schwer, die Tinte unter das Papier zu bekommen.“

Aber stopp! Nicht einfach weiterlesen: Lesen wir das stattdessen mal kritisch – und zwar als Insider:

„50 Prozent der Anfragen, die sie im vergangenen Jahr bekommen haben.“ Im vergangenen Jahr ist der Markt jedoch um irgendwo zwischen 25 und 35 Prozent eingebrochen. Das ist inzwischen unstrittig. Nun mag es Einzelfälle exklavischer Sonderkonjunkturen gegeben haben - bei Interim Managern ebenso wie Providern: Für die Breite des Marktes gilt das jedoch nicht. Daher ist es völlig falsch, anzunehmen, die Interim Manager würden nunmehr mit Anfragen zugeschüttet. So berichten die Interim Manager von Ludwig Heuse, immerhin einem der renommiertesten Provider in diesem Land, von durchschnittlich 3,5 Anfragen (!) in 2009 – 27,5 Prozent weniger als in 2008: da waren´s 4,8.

Wenn man mag, kann man das so sehen: Auf dieser Basis haben viele (also nicht alle oder die meisten) Interim Manager laut Münsterland-News in den ersten zwei Monaten im Schnitt bereits 2 Anfragen bekommen - großzügig aufgerundet.

Hey!

Selbst bei wenig intellektuell fordernder und linearer Hochrechnung (die Sommermonate lassen wir außen vor) werden viele (also nicht alle oder die meisten) Interim Manager etwa 8 Anfragen erhalten. Und das heißt noch lange nicht, dass aus einer Anfrage ein Auftrag wird. Selbst die Münsterländische Volkszeitung gibt zu, es sei „schwer, die Tinte unter das Papier zu bekommen.“

Bei einer Lead-to-Deal-Quote von durchschnittlich 6:1, manche berichten von 10:1, können viele (also nicht alle oder die meisten) Interim Manager mit einem einzigen Mandat rechnen. Ein solches Mandat hat dann typischerweise eine Laufzeit von sechs Monaten und garantiert somit eine Auslastung von 120 Tagen, vielleicht ein wenig mehr.

Das, glaubt die Münsterländische Volkszeitung, reiche aus, um bei Interim Managern Frühlingsgefühle zu entfachen?

Ich rate zu mehr Bescheidenheit! Ich nenne so etwas:

Schalmaienklänge im Interim Management.

Friday, April 02, 2010

ICH BAUE AUF PHILLIP

Heute wird mein Sohn zwanzig. Phillip ist ein Kind der „Neuzeit“ - wie jeder Zwanzigjährige immer ein Kind der Neuzeit sein wird: aus der Perspektive der deutlich Älteren.

Aber mein Sohn hat schon Bemerkenswertes erlebt: Die Deutsche Einheit, die Internet-Blase, den 11. September, zwei Golfkriege und erst kürzlich – angereichert durch Winnenden – die Bankenkrise sowie in deren Huckepack die schwerste Wirtschaftskrise seit jenen dunklen Zeiten, die nur noch die ganz deutlich Älteren aus eigener Erfahrung kennen. Zur Rettung der durch unverantwortlich handelnde Manager taumelnden Wirtschaft haben wir ihm Schulden aufgehalst, für die wir uns in Grund und Boden schämen sollten. Davon jedoch spürt er nichts. Und schließlich, welche elementare Symbolik!, in seiner Geburtstagswoche hat er den simulierten (quasi-) Urknall in der Schweiz miterleben können - aus der Distanz, wie der Rest der Menschheit, 4.000 internationale Forscher in Genf einmal ausgenommen.

Und auch das hat Phillip bereits erleben können: Werbe-suggerierte Scheinwelten, Gleichgültigkeit, Egoismus, Gier, Aggression – und eine zum Teil überbordende Dummheit in unserem Land, gepaart mit einem Verrohen der Sitten in einer trudelnden Wertewelt.

Aber bitte: Doch jetzt keinen Trübsinn! Der Frühling ist da! Bäume und Blumen knospen und drängen ihr frisches Grün in den nach Farbe lechzenden Tag. Wir leben auf!

Im März ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um 75.000 auf 3,57 Millionen gesunken. Das waren 18.000 weniger als vor einem Jahr. Erstmals seit einem Jahr ist die Arbeitslosenzahl damit auch im Vorjahresvergleich wieder gesunken. Gnädig sehen wir über die kosmetische „Anpassung“ der Statistik hinweg – denn:

Heureka! Der Frühling ist da. Bäume und Blumen knospen und drücken ihr frisches Grün in den nach Farbe hechelnden Tag. Wir leben auf!

Der ifo-Index stieg deutlich und das auch noch überraschend. Zwar aufgrund der Erwartungen an die Zukunft, nicht jedoch aufgrund einer besseren Lage in der Wirtschafts. Dennoch:

Heissa! Der Frühling ist da. Bäume und Blumen knospen und injizieren ihr frisches Grün in den um Farbe wimmernden Tag. Wir leben auf!

China erwartet ein Wachstum von 12 Prozent im ersten Quartal 2010.

Deutschland wird sich wohl ganz begeistert und selbstverliebt in einem Zwanzigstel dieses Wertes sonnen. Und wir werden uns diese mikroskopischen Knospen zur fulminanten Kirschblüte schönreden. Wenn schon nicht mehr im Export: Darin sind wir noch immer unschlagbar!

Es ist an der Zeit, dass wir über unsere Maßstäbe in diesem Land nachdenken, über unsere Werte und über unser Handeln. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass die Generation, die aktuell in diesem Land das Sagen hat, dazu noch in der Lage ist.

Ich baue auf die Generation nach mir.

Ich baue auf Phillip.