KEIN GELD, PLATTE LEUTE UND VIELE FEHLER
Im Interim Management-Geschäft spricht man wirklich viel mit Kundenunternehmen. Und die meisten Kunden sind während dieser Gespräche offen und ehrlich.
So schnappe ich regelmäßig Informationsfetzen auf, die ich dann in den Hinterkopf nehme, um sie dann im Rahmen anderer Gespräche zu verifizieren.
Aus meiner Sicht ist verifiziert: Viele Unternehmen möchten gern Interim Manager nutzen, weil sie bergeweise Arbeit auf dem Tisch haben. Erst kürzlich beschrieb mir ein Kunde seinen idealen Interim Manager als „Schaffer“. Er brauche jemanden, der ihm die Arbeit „wegschafft“: Damit Themen, die ganz oben auf der Agenda stehen (mitunter hat sie die Hausbank dort hingeschoben) endlich erledigt werden.
Dann aber können die Kunden die Budgets nicht bekommen, um einen solchen “Schaffer“ zu bezahlen. Hierbei geht es keineswegs darum, einen Tagessatz von 1.200 Euro auf 1.000 oder gar 800 Euro zu drücken: Stattdessen können sie sich überhaupt keinen Tagessatz leisten. Und somit bleiben die Berge von Arbeit bei den vorhandenen Mitarbeitern auf dem Tisch liegen.
Und damit sind wir bei einem neuen Phänomen, das um sich zu greifen scheint: Mitarbeiter brechen zusammen.
Selbst die weitgehenden Regelungen für Kurzarbeit in Deutschland (nicht für die Tochtergesellschaften im Ausland!) konnten es nicht verhindern, dass die Unternehmen Mitarbeiter abgebaut haben. Sicher gibt es in der Produktion weniger zu tun, wenn die Umsätze im satten zweistelligen Bereich einbrechen. Aber jeder, der weiß, wie Unternehmen intern funktionieren, der kennt auch die enormen Beharrungskräfte, die in Unternehmen wirken.
Deshalb haben die verbliebenen Mitarbeiter in wirtschaftlich schwierigen Zeiten regelmäßig mehr Arbeit auf dem Tisch als vorher, denn sie müssen die Arbeit der ehemaligen Kollegen auffangen – und sei’s auch nur teilweise.
Aber diese Wirtschaftskrise wird als seit Menschengedenken beispiellos beschrieben - und möglicherweise haben die Unternehmen übertrieben: Ich höre von Mitarbeitern, die 17 Stunden täglich arbeiten. Ich höre von Mitarbeitern, die physisch am Ende sind und daher von den Ärzten aus dem Verkehr, vulgo Unternehmen, gezogen werden. Ich höre von einem kompletten Team, das ausgefallen ist.
Das wiederum verschärft die Situation für die Mitarbeiter an Bord weiter, denn irgendjemand wird nun auch noch deren Arbeit erledigen müssen.
Ich höre von Unternehmen, die vor einem halben Jahr für Ihre fehlerfreie Qualität ausgezeichnet wurden – und in den ersten beiden Monaten dieses Jahres von ihren Kunden weit über 150 Reklamationen erhalten haben.
Das kann ja heiter werden!
So mixt man Sprengstoff für´s eigene Unternehmen:
Kein Geld, platte Leute und viele Fehler.


