Friday, November 26, 2010

NAECHSTE SCHRITTE WERDEN AUSGESETZT

Fotograf: © THArchitekt - 'Aufwaerts'Der Anruf kam am 19. Juli. Der Interim Manager erreichte mich noch in München, wo am Wochenende und bei brütender Hitze das AIMP-Jahresforum stattgefunden hatte:

Auf Initiative eines namhaften mittelständischen Unternehmens bietet der Interim Manager für die Optimierung der Logistik eben dieses Unternehmens – eine umfangreiche Aufgabe, die er nur mit einem kleinen Team von Spezialisten stemmen kann. Zur Abrundung seines Teams braucht er die Unterstützung eines weiteren (Technik-) Spezialisten von MANATNET. Nicht ungewöhnlich. Wir finden den richtigen Spezialisten für ihn und vergeben die Projektnummer I-10-18.

Weniger Tage später erfolgt der zweite Anruf: Einer der Interim Manager, mit dem bisher geplant wurde, sei abgesprungen. Wir müssen Ersatz beschaffen. Kein Problem: Wir vergeben die Projektnummer I-10-19. Offenbar ein dickes Ding…

Gespräche zwischen Interim Manager und Geschäftsführung finden statt. Als Vorbereitung werden zwei Standorte besichtigt und grob analysiert. Präsentation beim Unternehmen. Kunde: Nächste Schritte werden ausgesetzt: Sommerferien.

Grobkonzept wird erstellt und vorgestellt. Zweistündige Präsentation beim Unternehmen. Kunde: Nächste Schritte werden ausgesetzt: Interne Abstimmungsprozesse.

Die Spesen hält der Kunde für zu hoch. Ich agiere als Sparringspartner für den Interim Manager. Er überarbeitet die Spesenregelung und bietet auf Minimal-Level. Neues Angebot umfasst fast 15 Seiten. Errechnetes Einsparpotenzial für das Unternehmen: Siebenstellig. Spesen okay. Kunde: Nächste Schritte werden ausgesetzt: Interne Abstimmungsprozesse.

Nach einigen Wochen Follow-up beim Kunden aufgrund völliger Funkstille. Kunde regiert: Wir entscheiden bis 15. November. Nächste Schritte werden bis dahin ausgesetzt.

Gestern (!) ruft die Sekretärin (!) des verantwortlichen Geschäftsführers an: „Herr XY lässt Ihnen mitteilen, dass wir das das Projekt aussetzen. Wenn wir wieder Bedarf haben, dann kommen wir gern auf Sie zurück!“

Der Interim Manager ist zutiefst verärgert. Und auch niedergeschlagen. Ich fühle mit ihm. Er schätzt die „Pre-Sales Expenses“ auf gut 7.000 Euro. Versenkt in den Fluten deutscher Selbstgefälligkeit. Ich leide mit ihm.

Mein Trost an ihn: „ Sollte die Sekretärin oder sonst wer jemals wieder bei Ihnen anrufen, dann haben Sie bereits heute Ihre Antwort:

Nächste Schritte werden ausgesetzt!“

Friday, November 19, 2010

NIMM DEN PONYHOF

Fotograf: © bonbon - 'Gross und klein'Traditionell fand gestern das letzte regionale AIMP-Forum des Jahres im Anglo-German Club in Hamburg statt – ausgerichtet von den Management Angels. Auch für das kurze Treffen der AIMP-Provider vorab: Ein nobles Etablissement in bester hanseatischer Tradition, mit viel Leder und gut durchgeheizt. Jedoch wird es nicht goutiert, wenn ich - Wärme hin oder her - mein Sakko ablege - und meinen langen Providerkörper nur noch mit Hemd, Krawatte und mit Weste verhülle. Das Leben ist halt kein Ponyhof!

Keine Zeit dafür, mein Blog vorzubereiten.

Während des Eintreffens der Gäste: Ich habe noch kein Thema für mein Blog.

Während der Beiträge: Ich habe noch immer kein Thema für meinen Blog.

Ich trage schließlich einen Beitrag zur Diskussionsrunde zum Thema Change bei. Wahrscheinlich sitzt der nachmittägliche Rüffel ob meines flagranten Verletzens der Club-Etikette noch immer tief, denn ich verwende die Formulierung: „Wenn ich Ihnen so zuhöre, dann denke ich, ich bin auf einem Ponyhof: Change Management ist aber alles andere als ein Ponyhof.“

Gelächter. Der Referent stimmt mir zu.

„Ponyhof“ wird zum geflügelten Wort des Abends. Ich sollte mich künftig zurückhalten.

Noch immer nichts für mein Blog. Ich klage mein Leid den Freunden von den Management Angels. Und irgendwann fällt dann der Satz: „ Nimm den Ponyhof!“

Ups!

Ich trage mich mit diesem Gedanken während des ganzen restlichen Abends, beim Frühstück heute Morgen und während des Rückflugs - bis ich einschlafe. Und jetzt nehme ich ihn, den Ponyhof.

Change Management ist kein Ponyhof.
Interim Management nicht und der Anglo-German Club auch nicht.

Aber der Club hat eine tolle Bar, an der wir sogar rauchen dürfen: Ist das zu fassen? Der Abend klingt aus mit netten Menschen, netten Gesprächen, guten Getränken – und ein Interim Manager läd mich ein zu einem kubanischen Zigarillo. Das war schon dicht dran am rundum-Wohlfühlpaket.

Es war ein guter Rat an der Bar:

Nimm den Ponyhof!

Friday, November 12, 2010

INTERIM-BLOG - ODER SUPPER WAS READY

Interim Management im Internet: Wir haben den Relaunch von MANATNET für 2011 in Angriff genommen. Arbeit bis zum Abwinken steht an. Nichts Neues also.

Die Ist-Analyse ist die erste Stufe jedes Relaunches. Und ich gebe gern zu, diese Frage haben erst die Profis gestellt: „Wie hoch sind eigentlich die Zugriffe auf Ihr Blog?“

Verschämtes Axelzucken auf meiner Seite. Mir geht durch den Kopf, dass wir das Blog ursprünglich eingeführt hatten, um Google zu erfreuen – auf dass Google unser Page-Ranking erhöhe (was Google genau so tat).

Die Analyse ergibt für die Anzahl der Aufrufe des MANATNET-Blogs (jeweils 1. Januar  – 11. November):

2008: 63.708
2009: 128 469
2010: 292.137

Für dieses Jahr sind das durchschnittlich knapp 6.500 Aufrufe in der Woche.

Selbst wenn wir diskontieren, dass ein paar Suchmaschinen regelmäßig Nektar-saugend vorbeischauen: Diese Zahl überrascht mich.

Ehrlicher: Sie haut mich vom Hocker!

Ich schreibe in meinem Blog nicht über Promis, Apps für´s neue iPhone oder sonstigen „General Interest“. Ich schreibe ein „Special Interest“-Blog (man möge mir die Reminiszenz an alte Burda-Zeiten nachsehen) für eine kleine Gruppe von Lesern mit besonderer Prägung – nämlich dem Interesse am Interim Management.

Es ist wieder Zeit für ein wenig Demut. Und wenn es einen letzten Beweis für die Wucht des Internets bedurfte, so ist er wohl erbracht. Und eins kommt hinzu: Meine Verantwortung als Schreiberling ist enorm – in jeder Hinsicht. Diese Erkenntnis hat jetzt mein latentes Bewusstsein mit Brachialgewalt verlassen und steht mir nun in großen Lettern vor Augen.

Es naht die Zeit der Besinnung für dieses Jahr …

Ich werde sie nutzen - auch zur Reflexion über dieses Blog. Aber ich verspreche schon jetzt: Mein Blog wird bleiben wie es ist: Offen und ehrlich, dabei unterhaltend, auf keinen Fall „mainstreamig“ – mitunter kratzbürstig und böse. So bin ich – und offenbar mögen das meine Leser so.

Andere sehen das durchaus anders – und ich respektiere das.

Andere messen auch Facebook keine Bedeutung für ihr Geschäft bei.

Facebook dürfte die Zahl von 10 Millionen Nutzern erreicht haben: Allein in Deutschland.

Irgendwann habe ich mein Blog ins Leben gerufen. Heute beschäftige ich mich mit Facebook. Was daraus wird? Ich weiß es nicht.

Aus analogen Zeiten drängt sich Peter Gabriel in mein Hirn mit seinem legendären Intro während des Konzertes im Rainbow Theatre (20. Oktober 1973):

'A Jerusalem Boogie' to us, perhaps. But to the birds it meant that supper was ready.

Friday, November 05, 2010

BEATI PAUPERES SPIRITU

Fotograf: © hannes_m - 'schau mir in die Augen..... 'Vor ein paar Tagen fand in Köln ein kleineres Treffen mit Interim Managern statt, ein DDIM-Provider war dabei.

Nun habe ich lange im Bankgeschäft gearbeitet und ich weiß daher, wie viele Informationen in damals noch verqualmten Salons hinter der Hand flüsternd weitergegeben wurden. Bankgeheimnis hin oder her. Ein ideales Umfeld für darauf aufbauende Gerüchte.

Das Interim-Geschäft steht dem in nichts nach. So weiß ich seit langem, dass so ziemlich alles am Markt ´rumgeht, was MANATNET jemals erarbeitet hat. Als Krönung werden sogar unsere Analysen der Tagessätze aller Interim Manager von Wettbewerbern dazu verwendet, die „Einkaufskonditionen“ (vulgo Tagessätze ihrer eigenen Interim Manager) zu drücken. Sicher, eine Anerkennung unserer Arbeit, aber: Wie verquer muss man denken?

Und so kann es nicht wundern, dass ein paar Tage später Inhalte dieses „Circulus Coloniae“ bei mir ankommen.

Und es kommt an, der DDIM-Provider (namentlich genannt - und, wenn nötig, sei man zur eidesstattlichen Aussage bereit) habe vor versammelter Mannschaft behauptet, ein (von ihm – hier jedoch nicht – namentlich genannter) AIMP-Provider hätte „Insolvenz eingereicht“ und „auch MANATNET ginge es sehr schlecht“.

Nun bin ich fest davon überzeugt, dass wir innerhalb des AIMP uns im Falle einer drohenden Insolvenz gegenseitig helfen werden. Ein solches Thema war jedoch noch nicht auf dem Tisch – nicht einmal im vergangenen Jahr, das sicher nicht „vergnügungssteuerpflichtig“ war.

Noch sehr viel besser bin ich natürlich über das eigene Unternehmen informiert. Ich kann daher festhalten: Die Aussage, „MANATNET geht es schlecht“, ist falsch.

Ich frage mich, was in den Köpfen solcher Gerüchtekönige abgeht. Und ich gebe resignierend zu: Ich weiß es nicht. Letztlich ist es mir auch egal.

Vor drei Wochen titelte ich meinen Blogeintrag: „Selig, die nicht wissen und doch glauben.“

Heute titele ich: Beati pauperes spiritu!

Für die schlichter gestrickten Gerüchtekönige: Selig die Armen im Geiste!