VOLLDEPP IM INTERIM MANAGEMENT
Jeder Artikel, der über Interim Management geschrieben wird, ist gut für unser Geschäft. Ich meine das ganz ehrlich, denn schätzungsweise die Hälfte der deutschen Unternehmen hat noch immer keine Ahnung davon, was Interim Management ist.
Und schwächt sich so im Wettbewerb gegen die andere Hälfte der smarteren Unternehmen.
Jedoch werde ich regelmäßig ganz kribbelig, wenn ich Artikel lese wie den im Handelsblatt am 20. September - immerhin eine der besten Zeitungen, die wir haben: „Krisenzeit - die Stunde der Interimsmanager“ – merke: Noch mit antikem Fugen-„s“.
Ich gebe gern zu, dass in der deutschen Wirtschaft einiges im Argen liegt. Langsam, entscheidungsschwach und mutlos: So agieren erstaunlich viele Unternehmen in unserem Land.
Aber so, wie der Artikel des Handelsblattes die deutschen Unternehmen hinstellt, sind sie dann doch nicht – und die Interim Manager im Übrigen auch nicht: „Wenn gar nichts geht, kommt der Interim-Manager“ - merke: Nun mit Bindestrich. Und es wird klargestellt: „Immer mit dem Auftrag, möglichst schnell auszubügeln, was das eigene Management nicht packt. Die Führungskräfte auf Zeit werden nicht mehr zur Ertragssteigerung oder der Unternehmensintegration nach Übernahmen angeheuert wie sonst. Jetzt geht es ans Eingemachte.“
Du lieber Himmel, liebes Handelsblatt, wisst Ihr, was Ihr da tut? Quintessenz und Tenor Eures Artikels lauten in Klarschrift:
„In den deutschen Unternehmen sind nur Volldeppen am Ruder.“ Und wenn das Schiff in schweres Wetter kommt, dann erscheint der Heil bringende Interim-Lotse für ein absehbares Intermezzo. Vor dem geistigen Auge der älteren unter uns erscheint das Zauberkarussell der 60er: Turnikuti, Turnikuta, der Zebulon ist wieder da!
Danach geht er wieder – der Interim Manager: Und die Volldeppen machen weiter wie bisher.
Der geneigte Leser fragt sich, warum Unternehmen überhaupt noch andere Führer beschäftigen als die Super-duper-Interim Manager.
Bei allem (ehrlichen) Respekt, liebes Handelsblatt. So geht es nicht! So sind die Unternehmenslenker nicht und so sind die Interim Manager nicht!
Für das Interim Management gilt: Als wäre die Zeit stehen geblieben ist dies ein tradiertes Vexierbild, das die volle Wahrheit zum Interim Management hinter dem scheinbar Offensichtlichen verbirgt. Und damit leitet es unsere Kunden in die Irre, vor allem potenzielle neue Kunden - und das ist schlimm.
Ich hatte einen elektronischen Leserbrief geschrieben. Um diesen Blogeintrag nicht zu torpedieren bin ich dabei nur auf Nebenschauplätze eingegangen: Auf „Unübersichtlichkeit“, „fehlende Definition des Berufsbildes“ und „zwei konkurrierende Berufsverbände“.
Keine halbe Stunde später hatte ich die Antwort im Postfach von Outlook: „In sofern würde (Konjunktiv!) ich bei meinem Tenor bleiben.“
Also: Volldeppen in der Industrie und ein Volldepp im Interim Management.
Viele wissen das: Seit der Bankakademie 1980 in Berlin (unfassbar!) bin ich kritischer, aber treuer Leser der FAZ.
Ja, ich weiß: Heute ist kein Freitag. Es lebe die Überraschung! Es lebe die Innovation!
Es ist wieder der 11. September.
Für einen guten Kunden suchen wir einen Controller - für eine Festanstellung. Das ist zwar nicht unser Kerngeschäft. Aber für einen guten Kunden machen wir das dann doch einmal. Zudem möchten wir die Gelegenheit nutzen, mal im Revier der Headhunter zu wildern: Die wildern auch bei uns.