Friday, September 25, 2009

VOLLDEPP IM INTERIM MANAGEMENT

Jeder Artikel, der über Interim Management geschrieben wird, ist gut für unser Geschäft. Ich meine das ganz ehrlich, denn schätzungsweise die Hälfte der deutschen Unternehmen hat noch immer keine Ahnung davon, was Interim Management ist.

Und schwächt sich so im Wettbewerb gegen die andere Hälfte der smarteren Unternehmen.

Jedoch werde ich regelmäßig ganz kribbelig, wenn ich Artikel lese wie den im Handelsblatt am 20. September - immerhin eine der besten Zeitungen, die wir haben: „Krisenzeit - die Stunde der Interimsmanager“ – merke: Noch mit antikem Fugen-„s“.

Ich gebe gern zu, dass in der deutschen Wirtschaft einiges im Argen liegt. Langsam, entscheidungsschwach und mutlos: So agieren erstaunlich viele Unternehmen in unserem Land.

Aber so, wie der Artikel des Handelsblattes die deutschen Unternehmen hinstellt, sind sie dann doch nicht – und die Interim Manager im Übrigen auch nicht: „Wenn gar nichts geht, kommt der Interim-Manager“ - merke: Nun mit Bindestrich. Und es wird klargestellt: „Immer mit dem Auftrag, möglichst schnell auszubügeln, was das eigene Management nicht packt. Die Führungskräfte auf Zeit werden nicht mehr zur Ertragssteigerung oder der Unternehmensintegration nach Übernahmen angeheuert wie sonst. Jetzt geht es ans Eingemachte.“

Du lieber Himmel, liebes Handelsblatt, wisst Ihr, was Ihr da tut? Quintessenz und Tenor Eures Artikels lauten in Klarschrift:

„In den deutschen Unternehmen sind nur Volldeppen am Ruder.“ Und wenn das Schiff in schweres Wetter kommt, dann erscheint der Heil bringende Interim-Lotse für ein absehbares Intermezzo. Vor dem geistigen Auge der älteren unter uns erscheint das Zauberkarussell der 60er: Turnikuti, Turnikuta, der Zebulon ist wieder da!

Danach geht er wieder – der Interim Manager: Und die Volldeppen machen weiter wie bisher.

Der geneigte Leser fragt sich, warum Unternehmen überhaupt noch andere Führer beschäftigen als die Super-duper-Interim Manager.

Bei allem (ehrlichen) Respekt, liebes Handelsblatt. So geht es nicht! So sind die Unternehmenslenker nicht und so sind die Interim Manager nicht!

Für das Interim Management gilt: Als wäre die Zeit stehen geblieben ist dies ein tradiertes Vexierbild, das die volle Wahrheit zum Interim Management hinter dem scheinbar Offensichtlichen verbirgt. Und damit leitet es unsere Kunden in die Irre, vor allem potenzielle neue Kunden - und das ist schlimm.

Ich hatte einen elektronischen Leserbrief geschrieben. Um diesen Blogeintrag nicht zu torpedieren bin ich dabei nur auf Nebenschauplätze eingegangen: Auf „Unübersichtlichkeit“, „fehlende Definition des Berufsbildes“ und „zwei konkurrierende Berufsverbände“.

Keine halbe Stunde später hatte ich die Antwort im Postfach von Outlook: „In sofern würde (Konjunktiv!) ich bei meinem Tenor bleiben.“

Also: Volldeppen in der Industrie und ein Volldepp im Interim Management.

Saturday, September 19, 2009

MANCHE LOESCHEN NUR NOCH

Viele wissen das: Seit der Bankakademie 1980 in Berlin (unfassbar!) bin ich kritischer, aber treuer Leser der FAZ.

Am Mittwoch, als wir „Cost-Guard“ einführten, kam die FAZ mit Ihrer Verlagsbeilage „Consulting“ heraus - wie in jedem Herbst.

An prominenter Stelle, auf der ersten Seite, wird der Artikel von Thomas Lünendonk veröffentlicht unter dem Titel „Managementberatung – quo vadis“. Ein Pflichtartikel für jeden im Interim-Geschäft, wie im übrigen die gesamte Verlagsbeilage.

Denn: Kunden trennen nicht so scharf zwischen Interim Management und Unternehmensberatung wie wir Interim-Provider das gerne hätten. Somit sind Entwicklungen im Geschäft der Unternehmensberater oftmals beinahe deckungsgleich im Interim-Geschäft festzustellen.

Herr Lünendonk stellt - unter anderem fest: Manche Themen sind derzeit nicht so gefragt, andere Expertenthemen haben Konjunktur. Alles rund um Kosten, Einkauf und Lean Processing ist derzeit stark gefragt. Große Strategien sind nur bei einigen Unternehmen derzeit ein Thema.

Und dann folgt ein Satz, der die gegenwärtige Situation auf den Punkt bringt und um den ich ihn aufrichtig beneide: “Nicht, weil sie nicht wichtig wären, sondern weil es schwierig ist, sich bei brennendem Dach mit der Erweiterung des Hausfundamentes zu beschäftigen.“

Mir scheint allerdings: Manche löschen nur noch.

Wednesday, September 16, 2009

INNOVATIVES INTERIM MANAGEMENT IST ANSTRENGEND

Ja, ich weiß: Heute ist kein Freitag. Es lebe die Überraschung! Es lebe die Innovation!

Heute ist ein besonderer Tag. Heute führen wir „Cost-Guard“ ein: Eine neue Dienstleistung für das Interim Management im deutschen Mittelstand.

Ich wundere mich immer wieder, dass so gar keine Innovationen im Interim-Geschäft stattfinden.

Sicher: Ich bin befangen. Aber nach dem direkten Datenbankzugang, dem „Solidaritätsabschlag“ und nun „Cost-Guard“ von MANATNET fällt mir spontan nichts wirklich Neues ein im Interim-Geschäft.

Ich mag mich täuschen, aber in der Interim-Szene wird viel von Change Management, Restrukturierungen (also: Neu-machen), Know-how-Transfer und nicht zuletzt von innovativem Personalmanagement geredet. Aber stets nur als Empfehlung für die Kunden, nicht für die Interim-Provider.

Stattdessen: Regelmäßig neue (kleine) Interim-Provider mit selbstverständlich „tollem Pool“, aber „Me-too-Ansatz“, und strikte Konzentration auf die Tagessätze: Möglichst hoch und möglichst lange - auf dass die Provisionen sprudeln.

Ich halte das auf die Dauer für ein wenig dürftig. Ganz besonders, wenn die Budgets der Kunden knapp werden oder sich sogar in Luft auflösen - wie zur Zeit.

Wenn die Kunden unumwunden zugeben: „Wir würden ja gern, aber wir können nicht, weil wir grad kein Geld haben.“

Und genau da haben wir angesetzt.

Und wir hatten „Cash-Guard“ entwickelt.

Und wir hatten „Cash-Guard“ als attraktives Geschäft für mittelstandsorientierte Banken vorgestellt. Keine Bank war bereit, mitzumachen. Allerdings: Eine (!) Bank hatte sich intensiv mit unserer Idee beschäftigt, attestierte uns eine „sehr pfiffige Idee“ und „dass ggf. ein Reputationsgewinn für die Bank (!) erzielt werden könnte“, scheute aber die damit verbundenen Prozesskosten. Ich respektiere das und ich bin noch heute dankbar für das Feedback. Andere Banken beschäftigten sich erst gar nicht mit der Idee. Ich enthalte mich jeden weiteren Kommentars.

Zurück auf Feld eins.

Anlauf neu. Denken neu. Arbeit neu. Gespräche neu. Und der Wirtschaft geht es schlecht: gar nicht neu.

Der richtige Partner hat seinen Sitz in Filderstadt - kaum zu glauben. Es ist die Deutsche Gesellschaft für Kostenmanagement. Engagiert, professionell, pragmatisch und kundenorientiert. Ein Glücksfall!

Aus „Cash-Guard“ wird „Cost-Guard“.

Eine weitere Innovation von MANATNET. Gerade rief mich ein Interim Manager aus der ersten Liga an: "Kaum zu glauben, dass es so etwas gibt!"

Doch. Aber wir lernen: Innovatives Interim Management ist anstrengend.


Wer mehr zur DGKM wissen möchte: Hier geht´s zur DGKM-Site.
Wer mehr zu „Cost-Guard“ wissen möchte: Hier geht´s zur Pressemitteilung.

Friday, September 11, 2009

ALLES EINE FRAGE DES MASSSTABS!

Es ist wieder der 11. September.

Kein Datum ist für mich mit auch nur annähernd vergleichbar schaurigen Bilden verbunden. Acht Jahre sind vergangen und dennoch bekomme ich das kalte Grausen.

Aber das Leben geht halt weiter und so treffe ich mich heute mit ein paar Freunden aus Tagen, die noch länger zurückliegen als der 11. September. Ich freue mich darauf - seit einer Woche nachhaltig

Und seit einer Woche freue ich mich nachhaltig über diese Nachricht eines geschätzten Interim Managers bei MANATNET. Ich wollte, ich wäre darauf gekommen:

„Karl-Gerhard Eick gibt uns als ausscheidender Vorstandsvorsitzender eine neue Idee für den möglichen Tagessatz - mit 6 Monaten war dies ja ein typisches Mandat für Interim Manager. Geht man von 2 Mio. Euro Gehalt und 1Mio. Euro Bonus aus, führt sein Vergütungsvertrag in den 6 Monaten zu rund 11.000 Euro Tagessatz. Und da wundern Sie sich im vorletzten Blog über eine Tagessatzforderung von lächerlichen 3.000 Euro. Dass Eick trotz seines Ausscheidens die gesamte Vertragslaufzeit ausbezahlt bekommt, ist seinem Verhandlungsgeschick zuzuschreiben. Was hätte Sal. Oppenheim mit uns sparen können … !!“

Gestern bemerkte ich die Werbung eines geschätzten Wettbewerbers:

„ARCANDOR/EICK – 15 Mio. für 6 Monate! Das können wir günstiger!

Nicht schlecht – auf den ersten Blick. Aber die Botschaft „Günstiger in die Insolvenz: Mit uns!“ ist doch etwas gewöhnungsbedürftig - selbst in heutigen Zeiten!

Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen außer vielleicht:

Alles eine Frage des Maßstabs!

Friday, September 04, 2009

MANCHMAL HELFEN ATEMUEBUNGEN

Für einen guten Kunden suchen wir einen Controller - für eine Festanstellung. Das ist zwar nicht unser Kerngeschäft. Aber für einen guten Kunden machen wir das dann doch einmal. Zudem möchten wir die Gelegenheit nutzen, mal im Revier der Headhunter zu wildern: Die wildern auch bei uns.

Das Suchprofil weist zwei KO-Kriterien aus: Erfahrungen im Versandhandel und Kenntnisse mit MAILplus von MAC. Diese KO-Kriterien sind ausdrücklich so bezeichnet - und obendrein noch nummeriert.

Ich erhalte Bewerbungen, die beide KO-Kriterien nicht erfüllen - aber sich die Aufgabe zutrauen. Das ist kaum zu glauben, aber längst nicht ungewöhnlich

Ich erhalte einen Lebenslauf. Ohne Kontaktdaten. Das ist kaum zu glauben, aber längst nicht ungewöhnlich.

Ich erhalte einen Lebenslauf. Ohne Namen. Das kaum zu glauben, aber wirklich ungewöhnlich

Ich rufe bei Quelle an. Pardon: Bei Quimondo. Vielleicht können wir einem Controller dort eine neue Perspektive bieten.

Erster Anruf: Ich verlange die Personalabteilung und werde dorthin weitergeleitet – und lande auf einer Bandansage, die mich erleuchtet: „Hier ist sind die HR-Servces von Primondo“. Danach schaltet das Band frohgemut ab.

Zweiter Anruf: „Ich bin grad mit einem Band verbunden und dann ´rausgeworfen worden. Können Sie mir bitte einen Menschen geben“? Ich werde verbunden - und lande auf einem toten Anschluss.

Tiefes Durchschnaufen.

Dritter Anruf: „Schauen Sie, ich habe jetzt dreimal angerufen. Ein viertes Mal werde ich nicht anrufen. Also empfehle ich Ihnen, dass Sie mich jetzt mit einem Kollegen in der Personalabteilung verbinden.“ Ich werde verbunden. Die Mitarbeiterin ist nicht zuständig.

Atemübungen helfen dabei, freundlich zu bleiben.

„Können Sie mir sagen, wer zuständig ist?“ „Frau Petra R.“. „Danke, können Sie mir sagen, wie ich Frau Petra R. erreichen kann? Ich erhalte die Nummer.

Mit meinem vierten Anruf begehe ich Verrat an mir selbst - aber für eine gute Sache: „Hier ist Marina Hoeppe, was kann ich für Sie tun?“ „Ich hatte gehofft unter dieser Nummer Frau Petra R. zu erreichen.“ „Ja, das ist schon richtig, aber Frau R. hat Urlaub.“

Atemübungen.

„Sagen Sie, ich habe eine Idee: Ich suche einen Controller für den Versandhandel und ich kann mir vorstellen, dass wir in der schwierigen Lage von Primondo einem Ihrer Mitarbeiter eine neue Perspektive anbieten können…“

„Das ist ganz furchtbar nett, dass Sie an uns denken! Wenn Sie einverstanden sind, dann können wir folgendes machen ….“

Manchmal helfen Atemübungen.