MEINEN MARKTWERT DEFINIERE ICH SELTEN SELBST
Das Thema „Preise im Interim Management“ ist wieder da. Das ist auffallend, verwunderlich hingegen ist es nicht.
Nach den ersten Anzeichen für eine wirklich heftige Wirtschaftskrise hat MANATNET in seiner unendlichen Weisheit die Preise bereits im Januar gesenkt - im Schulterschluss mit den allermeisten Interim Managern bei MANATNET ("Solidaritätsabschlag" - an den Ifo-index gekoppelt). Noch heute beziehen wir dafür Prügel vom Wettbewerb.
Derzeit reden Neukunden von MANATNET davon, dass sie „Interim Manager“ für 400 Euro einschließlich Spesen beschäftigt haben. Ein anderer Neukunde, dessen Baustelle still steht, benötigt einen hochqualifizierten Ingenieur zur „Streitschlichtung“ („erfahren im Umgang mit Vorständen“) und ist bereit, dafür 195 Euro am Tag auszugeben - immerhin plus Mehrwertsteuer. Ein Interim Manager aus der ersten Reihe berichtete gestern, dass ein Mandat an ihn herangetragen wurde für 300 Euro am Tag.
Natürlich haben wir - MANATNET und der Interim Manager - die jeweiligen Mandate abgelehnt. Für solche Nachfrage gibt es auch nach unserem Solidaritätsabschlag schlichtweg kein Angebot - zumindest nicht bei MANATNET.
Aus meiner Sicht zeigt dieses Verhalten einen hohen Grad an Verzweiflung auf Seiten der Unternehmen - und eine beinahe rührende Unkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge. Dennoch ist es offenbar so.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Seit Jahren mache ich mich stark für faire Preise und ich halte derartige Angebote auf der Kundenseite für unseriös - in gleichem Maße, wie ich Tagessatzforderungen von 3.000 Euro auf Seiten der Interim Manager für unseriös halte.
Jedoch stellt sich die Frage: Wer schlägt auf solche 300-Euro-Deals ein? Verzweifelte Interim Manager? Arbeitslose auf der verdeckten Suche nach einer Festanstellung? Nichtskönner? Scharlatane?
Vorsicht!
Im Forum „Interim Management“ bei XING gab es im Februar eine Diskussion zum Thema „Dumping vs. Krisenabschlag“, die bemerkenswerterweise jetzt, im August (!), erneut aufgegriffen und fortgesetzt wird. Zwei Aussagen aus den letzten Tagen:
1. Preisdumping darf nicht mitgegangen werden.
2. Nachdem ich mich von meinem Unternehmensberater und meinem Steuerberater beraten ließ, weiß ich endlich, welchen Wert ich habe.
Na da bin ich aber mal gespannt, wie weit die Unternehmen den von beiden Beratern ausgekochten Wert akzeptieren werden!
Dummerweise ist die Nachfrageseite (die Unternehmen) derzeit in einer ganz schwierigen Phase (schon vergessen?) und überall wird der Rotstift angesetzt - manchmal mehr als nur einer.
In der Folge können Unternehmen keine Interim Manager zu den bisherigen Marktpreisen beschäftigen: Sie haben, so simpel ist das, die Mittel nicht mehr. Also muss der Tagessatz drastisch ´runter oder aber, man lässt es ganz sein: Jedes zweite Projekte wird derzeit abgesagt (Quelle: AIMP), weil die Budgets gestrichen wurden - auch unterjährig.
Was machen die Interim Manager dann?
Ein solches Mandat heldenhaft ablehnen, aber selbstverständlich!
Und wenn im Laufe der Zeit andere Unternehmen sich genau so verhalten?
Aber, aber: Preisdumping darf nicht mitgegangen werden!
Es gibt einen börsennotierten Konzern, der verlangt von allen Lieferanten linear einen Nachlass von 20 % auf alle Preise, gleichgültig, wie die Verträge aussehen. Die Lieferanten haben allerdings die Wahl: Mitgehen oder aussteigen.
Und wenn im Laufe der Zeit alle Unternehmen sich genau so verhalten?
Heldenhaft halten wir unsere Bastion wider das Preisdumping!
Dann aber werden die Rücklagen der Interim Manager schmilzen, wie Butter in der Sonne. Spätestens dann werden die Interim Manager darauf reagieren.
Daran ist nichts Ehrenrühriges, denn genau so funktioniert unser System: Meinen Marktwert definiere ich selten selbst.
Zugegeben: Es gibt auch in unserer Branche manchen, der hält das Internet mit seinen zum Teil dramatischen Auswirkungen für völlig überbewertet, wenn nicht gar für Teufelszeug.
Vierundzwanzig Stunden nach meinem letzten Blog-Eintrag lag ich auf der Intensivstation.