Friday, August 28, 2009

MEINEN MARKTWERT DEFINIERE ICH SELTEN SELBST

Das Thema „Preise im Interim Management“ ist wieder da. Das ist auffallend, verwunderlich hingegen ist es nicht.

Nach den ersten Anzeichen für eine wirklich heftige Wirtschaftskrise hat MANATNET in seiner unendlichen Weisheit die Preise bereits im Januar gesenkt - im Schulterschluss mit den allermeisten Interim Managern bei MANATNET ("Solidaritätsabschlag" - an den Ifo-index gekoppelt). Noch heute beziehen wir dafür Prügel vom Wettbewerb.

Derzeit reden Neukunden von MANATNET davon, dass sie „Interim Manager“ für 400 Euro einschließlich Spesen beschäftigt haben. Ein anderer Neukunde, dessen Baustelle still steht, benötigt einen hochqualifizierten Ingenieur zur „Streitschlichtung“ („erfahren im Umgang mit Vorständen“) und ist bereit, dafür 195 Euro am Tag auszugeben - immerhin plus Mehrwertsteuer. Ein Interim Manager aus der ersten Reihe berichtete gestern, dass ein Mandat an ihn herangetragen wurde für 300 Euro am Tag.

Natürlich haben wir - MANATNET und der Interim Manager - die jeweiligen Mandate abgelehnt. Für solche Nachfrage gibt es auch nach unserem Solidaritätsabschlag schlichtweg kein Angebot - zumindest nicht bei MANATNET.

Aus meiner Sicht zeigt dieses Verhalten einen hohen Grad an Verzweiflung auf Seiten der Unternehmen - und eine beinahe rührende Unkenntnis der wirtschaftlichen Zusammenhänge. Dennoch ist es offenbar so.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Seit Jahren mache ich mich stark für faire Preise und ich halte derartige Angebote auf der Kundenseite für unseriös - in gleichem Maße, wie ich Tagessatzforderungen von 3.000 Euro auf Seiten der Interim Manager für unseriös halte.

Jedoch stellt sich die Frage: Wer schlägt auf solche 300-Euro-Deals ein? Verzweifelte Interim Manager? Arbeitslose auf der verdeckten Suche nach einer Festanstellung? Nichtskönner? Scharlatane?

Vorsicht!

Im Forum „Interim Management“ bei XING gab es im Februar eine Diskussion zum Thema „Dumping vs. Krisenabschlag“, die bemerkenswerterweise jetzt, im August (!), erneut aufgegriffen und fortgesetzt wird. Zwei Aussagen aus den letzten Tagen:

1. Preisdumping darf nicht mitgegangen werden.
2. Nachdem ich mich von meinem Unternehmensberater und meinem Steuerberater beraten ließ, weiß ich endlich, welchen Wert ich habe.

Na da bin ich aber mal gespannt, wie weit die Unternehmen den von beiden Beratern ausgekochten Wert akzeptieren werden!

Dummerweise ist die Nachfrageseite (die Unternehmen) derzeit in einer ganz schwierigen Phase (schon vergessen?) und überall wird der Rotstift angesetzt - manchmal mehr als nur einer.

In der Folge können Unternehmen keine Interim Manager zu den bisherigen Marktpreisen beschäftigen: Sie haben, so simpel ist das, die Mittel nicht mehr. Also muss der Tagessatz drastisch ´runter oder aber, man lässt es ganz sein: Jedes zweite Projekte wird derzeit abgesagt (Quelle: AIMP), weil die Budgets gestrichen wurden - auch unterjährig.

Was machen die Interim Manager dann?

Ein solches Mandat heldenhaft ablehnen, aber selbstverständlich!

Und wenn im Laufe der Zeit andere Unternehmen sich genau so verhalten?

Aber, aber: Preisdumping darf nicht mitgegangen werden!

Es gibt einen börsennotierten Konzern, der verlangt von allen Lieferanten linear einen Nachlass von 20 % auf alle Preise, gleichgültig, wie die Verträge aussehen. Die Lieferanten haben allerdings die Wahl: Mitgehen oder aussteigen.

Und wenn im Laufe der Zeit alle Unternehmen sich genau so verhalten?

Heldenhaft halten wir unsere Bastion wider das Preisdumping!

Dann aber werden die Rücklagen der Interim Manager schmilzen, wie Butter in der Sonne. Spätestens dann werden die Interim Manager darauf reagieren.

Daran ist nichts Ehrenrühriges, denn genau so funktioniert unser System: Meinen Marktwert definiere ich selten selbst.

Friday, August 21, 2009

TUMMELPLATZ DER BELANGLOSIGKEITEN

Zugegeben: Es gibt auch in unserer Branche manchen, der hält das Internet mit seinen zum Teil dramatischen Auswirkungen für völlig überbewertet, wenn nicht gar für Teufelszeug.

Tektonische Verwerfungen in ganzen Industrien - denken wir nur an Electronic Banking oder an die Musik- und Spieleindustrie - werden achselzuckend, aber wissend über deren Sonderstatus dozierend zur Kenntnis genommen. Dass das Internet auch Auswirkungen auf unser Interim-Geschäft haben könnte, wird aus angestrengter Rückspiegelsicht vehement bestritten: Jede andere Branche, aber doch nicht unsere!

Keinen meiner Leser wird es verwundern, wenn ich eine grad gegensätzliche Meinung vertrete. Dennoch bleibe ich meinem Typus treu und auch dem Internet gegenüber wachsam und kritisch eingestellt.

So kann ich mich derzeit über einige Entwicklungen nur wundern: Zum Beispiel bei XING oder bei Twitter – letzteres nun mal aus meiner Sicht völlig überbewertet.

Seit dem 3. Juli twittere ich: Seit sieben Wochen also. Und seit sieben Wochen leide ich unter unfassbaren Belanglosigkeiten, die in meinem „Twitter-Account“ auflaufen – und tatsächlich wird erwartet, dass ich das lese oder mich gar damit beschäftige. In meinem Kopf reift der Entschluss, hier wieder auszusteigen: Aber vielleicht brauche ich Twitter in Zukunft noch einmal, denn noch immer trage ich die Idee „Twitter für unser Projektgeschäft“ mit mir herum. Doch ich twittere schon längst nicht mehr.

Als Gipfel jedoch empfinde ich, was sich bei XING unter der Applikation „XING-Mitglieder fragen“ abspielt: Gut gemeint als Werkzeug zum XING-internen Knowhow-Transfer, erweist sich diese Applikation als Tummelplatz für launig gelangweilte Selbstdarsteller oder aber - Bauernfängern gleich - Sammler von Zugriffen (denn viele Zugriffe gelten nicht nur dort als gut!) auf das eigene Profil bei XING unter der Überschrift: Wenn ich schon sonst nichts zu bieten habe, dann wenigstens eine prickelnde Frage zu epochalen Themen wie „Brusthaar – ja oder nein?“ oder „Welcher Buchstabe auf Ihrer Tastatur ist am schmutzigsten?“.

Keinesfalls rede ich einer Reglementierung oder Zensur des Internets das Wort.

Allerdings glaube ich, dass diese Freiheit im Schulterschluss mit bröckelnden Hemmschwellen innerhalb des Internets offenbar dazu führt, dass Dämme brechen: Der bisher nur latente Drang heraus aus der eigenen Bedeutungslosigkeit bricht sich Bahn im Internet und (ver-) führt  viele Menschen zu Harakiri-Aktionen. Oder anders: Jeder kann anscheinend ungerügt seinen Mist absondern - und sei er kommunikativ noch so unterbelichtet: der Mensch, nicht der Mist!

Schlichtes Negieren hilft. Als Schutz vor dieser trostlosen Zukunft für das Internet als Tummelplatz der Belanglosigkeiten.

Friday, August 14, 2009

EINE IDEE OHNE JEDE CHANCE

Vierundzwanzig Stunden nach meinem letzten Blog-Eintrag lag ich auf der Intensivstation.

Bereits vor geraumer Zeit hatten die Götter in Weiß angemerkt, ich sei herzinfarktgefährdet - mit diesem unnachahmlichen Blick zwischen Vorwurf und Mitleid, der die Mediziner kennzeichnet. Geschickt wurde zudem durch eine punktgenaue Quittungsfrage mein schlechtes Gefühl verstärkt: „Das wundert Sie nicht wirklich angesichts Ihrer Wochenarbeitszeit von 70 bis 80 Stunden, oder?“

Nein, natürlich nicht. Und folgsam (zugegeben, meine Frau hat da eine abweichende Sichtweise) habe ich daher für mein Herz eine rundum-Wohlfühlatmosphäre sichergestellt – von liebevoller Ehefrau bis zu langen Joggingrunden durch die Ortenauer Weinberge und Wälder. Ein uneinnehmbares Bollwerk gegen des Lebens Unbill!

Das Herz frohlockte.

Doch mit schier beispielloser Häme meldete sich die Lunge zu Wort und entschied sich in allerbestem Innovationsverhalten, mal eine Embolie auszuprobieren.

Und dann war alles anders!

Kurz keimte eine Idee in meinem Hirn auf: Vielleicht verfügte die High-Tech-Intensivstation über einen High-Speed-W-LAN-Zugang…

Eine Idee ohne jede Chance.

Friday, August 07, 2009

FREITAG, 12.32 UHR - HOCHSOMMER

Copyright Galeria StefGestern in Frankfurt: 32 Grad Wärme und drei Termine. Die Rückfahrt eine Tortour. Aber immerhin. Reisen bildet – reden auch.

Heute hingegen ist halt Freitag: Office-Tag.

Ich sitze vor meinem heutigen Blog-Eintrag. Eine hartnäckig leere Seite schimmert grell-weiß im Layout-Modus von Word.

Der Spamfilter läuft zu Hochform auf und schützt mich heldenhaft vor Sonderangeboten der Kanadischen Apotheke für Viagra und Cialis, vor „Replica Watches“ sowie vor Millionen-Gewinnen und Millionen-Deals.

Die Zugriffzahlen auf MANATNET gestern und heute weisen erneut nach, dass sich während der Ferienzeit der weitgehende wirtschaftliche Stillstand in unserem Land spielend durch Temperatur-indizierte Lethargie abrunden lässt.

Bei XING, wohlgemerkt: einer Business-Plattform, vertreiben sich vorwiegend angestellte Zeitgenossen die Zeit mit weltbewegenden Fragen wie: „Wer will wissen warum meine katze "schizo" heißt?“ (Unfassbar!) oder „Beharte Männerbrust, ja oder nein?? (Über die sicher der Wärme geschuldeten Orthografie- und Rechtschreib-Fehler sehen wir, wie stets, gnädig hinweg.). Let´s be cool!

Die leere Seite ist gnadenlos. Ich fürchte, heute wird sie obsiegen.

In meinem Kopf und in meinem Bauch formiert sich mit elementarer Wucht die Frage: „Was zum Teufel machst Du hier im Büro?“

Der Kopf sagt: „Du hast noch Deinen Blog-Eintrag zu schreiben. Deine Leser warten drauf.“

Der kleine Teufel im Bauch sagt: „Schreib´, Du schreibst nichts, weil es nichts zu schreiben gibt…“

Das Telefon klingelt. Montag unterschreibt ein Interim Manager die Verträge für sein langfristiges Mandat mit einem Großunternehmen - zu einem fairen Tagessatz. Danach möchte er mich treffen. Ich treffe ihn gern. Am Rasthof Pforzheim, auf seinem Weg zum Mandat.

Die Autobahn Richtung Süden wird mich nicht in den Urlaub bringen, sondern zu einem Geschäftspartner. Das ist viel besser!

Dafür arbeite ich. Dafür lebe ich.

Dafür habe ich noch immer keine Ahnung, weshalb die Katze „Schizo“ heißt.

Es ist Freitag, 12.32 Uhr - Hochsommer