Friday, July 31, 2009

ALLES IN ORDNUNG?

Was macht ein Interim-Provider in den Ferien – was macht MANATNET in den Ferien?

Keinen Urlaub in klassischem Sinne - aber dennoch: Zwangsläufig, die Kunden sind überwiegend nicht da!, wird der Arbeitseinsatz spürbar zurückgenommen. Spürbar, weil der Körper das tatsächlich registriert und quittungs-fragende Impulse an das weitgehend herrschende Hirn sendet: Alles in Ordnung?

Alles ist in Ordnung, sicher. Soweit eben alles in Ordnung sein kann.

Seit Jahren frage ich mich - und dafür bedurfte es nicht einmal der aktuellen heftigen Wirtschaftskrise: Wie kann sich Deutschland jährlich fünf Perioden des weitgehenden wirtschaftlichen Stillstandes leisten?

Die zwei Wochen um Ostern, die zwei Wochen um Pfingsten, den durch Brückentag zerfledderten Mai, das Hoch der Sommerferien im Juli und August und - als krönenden Abschluss eines arbeitsreichen Jahres – Weihnachten und gleich Huckepack die Tage „zwischen den Jahren“.

Prompt widmete sich FAZ.net dem Thema „Netto-Arbeitszeit“ und titelte „So fleißig sind die Deutschen doch nicht!“ Aber, aber, liebe FAZ! Fast zwingend kam es im Bereich Leserkommentare zu beinahe tumultartigen Szenen unter der Überschrift „Stimmt doch gar nicht! Alles Blödsinn!“.

Fast unisono wird aus der Rückspiegel-Perspektive in die Zukunft extrapoliert und diese Sichtweise wird dann vehement verteidigt.

Leute, haltet ein! Glaubt Ihr wirklich, so wie es war wird es wieder werden? Und alles wird sich schon wieder in seine kuschelig gefügte Ordnung einschwingen – wenn wir nur lang genug abwarten?

Angesichts nie da gewesener staatlicher Schulden?

Angesichts nie da gewesener Auftragseinbrüche?

Angesichts nie da gewesener Verschiebungen in der Demographie?

Alles in Ordnung: Wenn´s einem den Atem verschlägt, macht man am besten Ferien.

Wenn wir mehr arbeiten, dann kostet das weitere Arbeitsplätze, argumentiert einer bei FAZ.net. Möglicherweise. Aber das ist es nicht:

Was wird wohl geschehen, wenn die Verwerfungen weiter zunehmen und die Arbeitgeber sich irgendwann zum Beispiel am Usus in den freien Berufen orientieren und die umfangreiche Urlaubszeit nicht länger bezahlen wollen – weil es nicht mehr bezahlbar ist?

Alles in Ordnung?

Friday, July 24, 2009

RENTE MIT 69? ABER SICHER!

Ein Aufschrei geht durch unser Land - und schon „rudert die Deutsche Bundesbank zurück“ (n-tv).

Die Deutsche Bundesbank hatte die Rente mit 69 ins Spiel gebracht - im Jahr 2060 (!). Du meine liebe Güte! Ist den so etwas zu fassen? Geht denn nun wirklich aber auch alles den Bach ’runter?

Für die Verpackung ihrer Idee hat offenbar die Bundesbank bei den Supermarkt-Strategen gelernt, die seit Menschengedenken behaupten, 1,99 seit „gefühlt“ näher an einem Euro, denn an zwei. Der Mensch, das strunzdumme Wesen, würde sich auf diese Weise gutgelaunt an der Kasse über den Tisch ziehen lassen.

So fühlt sich womöglich für eben diese Wesen die 69 der Bundesbank näher an sechzig als an siebzig Jahre. Aber dennoch: Ein Munch-würdiger Schrei hallt durchs Land der Anspruchsweltmeister!

Apokalyptische Bilder von tattrig Zementsäcke schleppenden Greisen am elfenbeinernen Krückstock laufen ab vor den geistigen Augen der selbsternannten Hüter des Renten-Grals. Eine Hoch-Zeit für Politiker und Lobbyisten – im tapferen Wettstreit heldenhaft germanischer Recken wider den bösen Drachen des Sozialabbaus:

Bundesarbeitsminister Scholz: „Das ist Quatsch!“

Deutscher Gewerkschaftsbund: „Schlechter Scherz im Sommerloch!“

IG Bau: „Am Schreibtisch der Bundesbank kann man es vielleicht bis 69 aushalten, auf der Baustelle ist die Vorstellung grotesk.“

Lafontaine: „Das ist eine Rentenkürzung.“

Dirk Nebel: „Die Bundesbank-Forderung geht an der Lebenswirklichkeit total vorbei.“

Aber nein, Herr Nebel: Ganz und gar nicht! Was für eine Scheinheiligkeit! Was für eine Heuchelei! Was für ein entlarvender Mangel an Weitblick!

Wenn wir mal außen vor lassen, dass dies ein enormes Umdenken auch in Unternehmen erfordert (wer als Fünfzigjähriger einen neuen Job möchte, weiß, was ich meine). Und wenn wir auch außen vor lassen, dass wir letztlich von unselbständig Beschäftigten oder Beamten sprechen, während Freiberufler, Selbständige und Unternehmer offenbar ohnehin ein längeres Haltbarkeitsdatum haben und nicht so schnell verfallen, wie die beiden erstgenannten Gruppen:

Heute ist es vollkommen unbestritten, dass sich Fünfzigjährige wie Vierzigjährige vor zwanzig Jahren fühlen: Selbst die Werbung greift das inzwischen auf. Analog hierzu dürften sich somit Sechzigjährige heute wie Fünfzigjährige damals und Siebzigjährige gar wie die vormals Sechzigjährigen fühlen.

Wir wollen nicht über das letzte gefühlte Jahr streiten. Sicher ist jedoch: In den kommenden fünfzig Jahren wird aus heutiger Sicht dieses „Ich fühle mich jünger als ich bin“-Phänomen zumindest nicht kollabieren. Immer bessere Lebensumstände und immer bessere medizinische Möglichkeiten werden dafür sorgen.

Extrapolieren wir einmal - und das auch nur mit halber Kraft: In fünfzig Jahren wird sich wahrscheinlich ein Mensch, der mit 70 Jahren in Rente gehen wird, so fühlen, wie ein Sechzigjähriger heute – der noch heut eigentlich erst mit 65 in Rente gehen kann. So gesehen wird er fünf Jahre besser dran sein – und obendrein, da bin ich mir ganz sicher, eine höhere Lebenserwartung haben.

Leute, seid doch endlich mal ehrlich:

Rente mit 69? Aber sicher!

Friday, July 17, 2009

MEINE ANTENNEN EMPFANGEN ANGST

 

Seit 1975 bin ich fast ausschließlich im Vertrieb tätig - in ganz unterschiedlichen Ausprägungen: Private Kunden bei der Dresdner Bank (einst ein stolzer Name, dem ich den Vorzug gab vor der Deutschen Bank). Internationale Firmenkunden bei Chase Manhattan und National Westminster Bank.

Bei Burda folgten ein paar Jahre der vertrieblichen Abstinenz.

Danach bei debis Systemhaus und Accenture wieder Firmenkunden mit dem Schwerpunkt Internet und Informationstechnologie: Business-to-Business nennt man das heute.

Ich kenne die Kaltakquisition, das Key-Account-Management und den indirekten Vertrieb und ich bin gemessen worden an Cross-Selling und an Up-Selling.

Und ich bin seit unzähligen Jahren trainiert darauf zuzuhören. Auf aktives Zuhören, das sich während eines Gespräches unter anderem durch so genannte „Quittungsfragen“ offenbart: „Habe ich Sie richtig verstanden, dass …?

Deshalb bin ich so gern bei Kunden, bei bestehenden und bei neuen. Unsere Kunden schütten ein Füllhorn aus an Informationen über uns - wenn denn ein Vertrauensverhältnis besteht: durchaus klappt das auch bei neuen Kunden! Nur: Wir müssen sehr genau zuhören - unsere Antennen wirklich und ehrlich auf Empfang stellen.

Gestern im Raum Stuttgart waren meine Antennen auf maximale Empfindlichkeit eingestellt. Ich habe empfangen: Die Geschäfte brechen weg. Das Geld wird knapp. Das Management ist überfordert und hat keine neuen Antworten. Und so:

„Wir brauchen jemanden, der Personalabbau in größerem Umfang betreiben kann?“

Wir groß ist denn ein größerer Umfang?

„3.000.“

Habe ich Sie richtig verstanden: Das Unternehmen hat 3.000 Mitarbeiter, von denen einige abgebaut werden müssen?

„Nein, 3.000 müssen abgebaut werden!“

Meine Antennen empfangen Angst.

Friday, July 10, 2009

EIGENLOB STINKT!

Foto: Stephan SasekWenn die Geschäfte rückläufig sind, dann müssen Aktionen her. Seit meinen allerersten Tagen im Berufsleben ist das so: Egal, in welcher Branche!

Seit diesen ersten Tagen frage ich mich, weshalb man mit solchen Aktionen immer genau bis zum Einbruch wartet und nicht schon vorher handelt? Jeder Erst-Semestler weiß - oder wusste es zumindest einmal -, dass solchen Aktionen je weniger Erfolg beschieden ist, je schwieriger sich das Umfeld darstellt.

Dies trifft umso mehr zu, als typischerweise keine nennenswerten Gelder für solche Aktionen ausgegeben werden dürfen: Die Controller sitzen als Sumo-Ringer des Rechungswesens auf vernagelten Kassen - und lassen sich kaum umstürzen: Pardon, umstimmen. Folglich müssen die billigsten Aktionen her - die aber dann gleich mehrfach: Call Center, Massenbriefe und E-Mailings. Und weil nahezu alle Unternehmen so denken, saufen die Empfänger ab im Schrott.

Dessen ungeachtet - und das ist typisch für den Realitätsverlust in unserem Land -, wird an den unternehmensinternen Grünen Tischen erwartet, dass sich solche Aktionen unmittelbar und mannigfach - der Markt schütte sein Füllhorn aus! - rentieren. Leider ist das in aller Regel nicht so.

Also, satteln wir flugs noch eins drauf: Wir leben doch in modernen Zeiten! Es gibt das Internet und damit gibt es weitere Möglichkeiten, seinen Müll kostenminimiert und ungefiltert unter die röchelnden Massen zu werfen: Pressemitteilungen und Presseportale!

Praktisch kostenlos wird ein Zeug in den Markt gedrückt, dass es einem schwindlig wird! Für diese Woche – gab’s Wichtigeres? – halte ich fest:

7. Juli: MANATNET wächst um gut 10 Prozent in schwachem Markt
9. Juli: 30 Jahre Interim Management in Deutschland und der Schweiz - butterflymanager beim Branchenjubiläum
9. Juli: 30 Jahre Interim Management - 30 Jahre Brainforce AG
10. Juli: AIMP Jahresforum 2009: Eine Branche trotzt der Krise mit Pragmatismus

Für diese Woche halte ich ebenso fest: Einiges an Feedback zum AIMP-Jahresforum Interim Management habe ich erhalten. Ganz überwiegend ein sehr gutes Feedback: Dafür bin ich dankbar.

Aber auch kritisches Feedback, das zum Innehalten Anlass geben sollte. Dies hier zum Beispiel: „Aber alle anwesenden Interim Manager sagten, das Selbstlob des AIMP sei schon bemerkenswert.“ Auch dafür bin ich dankbar! Denn schon meine Mutter mahnte, als Klein-Jürgen noch in Lederhosen durch den Kohlenpott rannte:

Eigenlob stinkt!

Friday, July 03, 2009

MAILEN SIE NOCH ODER ZWITSCHERN SIE SCHON?

Nun zwitschere ich. Nicht zu fassen!

Aber so bin ich: Irgendwann fällt ein Begriff – meist in der FAZ – und ich lege ihn ab unter „For further Reference“ in den hinteren Furchen meines matten Hirns.

Meist, wenn auch nicht immer, häufen sich im Laufe der dann folgenden Monate die Nennungen eines solchen Begriffs. Spätestens dann, wenn dann dieser Begriff im Fernsehen fällt, fühle ich akuten Handlungsbedarf. Und dann folge ich meinem Gefühl, hole den Begriff aus der mentalen Ordner mit der Kennung „For further Reference“. Und dann lese ich mich ein und teste, was sich dahinter verbirgt.

So war es mit „Sykpe“. So war es mit „WEB 2.0“. So war es mit „Second Life“. So war das mit „Blog“. Und so ist es jetzt mit „Twitter“.

Seit der spektakulären Notlandung im Hudson oder den Geschehnissen im Iran kann man nicht ernsthaft bestreiten: Twitter ist da.

Ich frage mich regelmäßig: Wie kann ich das für unser Geschäft nutzen?

Und für Twitter gebe ich gerne zu: Ich habe keinen blassen Schimmer!

Unter dem Namen MANATNET, natürlich, nehme ich seit einigen Tagen am Austausch vorwiegend belangloser Nachrichten mit einem maximalen Umfang von 140 Zeichen, der zudem kaum ausgeschöpft wird.

Wer mich kennt, den wird es nicht verwundern, dass ich Twitter im Augenblick als komplette Zeitverschwendung eingeordnet habe – auch wenn mitunter brillante Gags abfallen: http://bit.ly/7Umed.

Aber irgendetwas ist da noch. Keine Ahnung, was. Aber möglicherweise kommuniziere ich den Status unserer Projektarbeit über Twitter – irgendwann.

Vorher werden wir, wie stets, unsere Interim Manager fragen. Ich sehe schon meine Steuerdatei vor mir:

Mailen Sie noch oder zwitschern Sie schon?