DER HEILIGE GEIST ERLEUCHTE EUCH
Keine Angst, und ganz deutlich: Nichts Blasphemisches habe ich im Sinn! Viel mehr bin ich gezeichnet von Wunden, die ich jüngst im Kundengeschäft davongetragen habe:
Kunde 1: Seit Januar einen ganz besonders spezialisierten Interim Manager auf CEO-Level gesucht - das volle Programm, einschließlich „brasilianisches Portugiesisch“. Seit einem Monat hat der Kunde die Kommunikation mit uns komplett eingestellt.
Kunde 2: Sucht händeringend einen ganz besonderen Interim Manager. Der Markt ist eng. Wir arbeiten wochenlang, müsse sogar die Netzwerke befreundeter AIMP-Provider nutzen. Stellen schließlich Kandidaten vor: Seit zwei Wochen hat der Kunde die Kommunikation mit uns eingestellt. Auf allen Kanälen: Festnetz, mobil und per E-Mail.
Kunde 3: Eine Interim Managerin sucht einen weiteren Interim Manager für ihren Klienten. Wir liefern Anfang Mai die fachlichen Profile der Kandidaten - innerhalb von Stunden. Bis heute keine Reaktion von Ihr – und die Kommunikation: eingestellt - mobil und per E-Mail.
Ich stoppe hier – bin jedoch längst noch nicht am Ende dieser Storyline: Bin dafür zugegebenermaßen ratlos, fehlen mir doch die Worte, ob eines solchen Verhaltens.
Was ist denn hier los – in diesem unseren Lande?
Wisst Ihr tatsächlich noch, was Ihr tut?
Oder tut Ihr tatsächlich schon längst nichts mehr?
Habt Ihr tatsächlich nicht mehr das Rückgrat, mit denen auch nur zu sprechen, die Ihr losgeschickt habt - für Euch?
Bringt Ihr es tatsächlich nicht mehr fertig zu sagen: „Hey, tut mir leid: Alles ist wieder mal anders. Die Krise und so, Du weißt schon: Unsere Kohle ist alle. Ich kann jetzt nicht (mehr)!“? Und ich erwarte das tatsächlich und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, dieses: „Tut mir leid!“ vom Kunden – statt einfach abzutauchen und die eigene Professionalität auf dem Altar der Bequemlichkeit zu opfern.
Und: Erwartet Ihr tatsächlich, dass Ihr sie gutgelaunt bei nächster Gelegenheit wieder für Euch losschicken könnt – womöglich gar erneut ohne Gegenleistung?
Oder bereitet Ihr Euch womöglich vor? In Klausur, schmachtend und ausgetrocknet und nach Erleuchtung heischend?
Übermorgen ist Pfingsten: Der Heilige Geist erleuchte Euch!
Unverändert traditionell zeigt sich aktuell die Interim-Szene: Zu sirenengleichen Melodeien wird das Hohe Lied des hohen Tagessatzes intoniert – mit dem launigen Refrain: „Und geht´s den Firmen noch so schlecht – fette Honorare nun erst recht!“. Und nach wie vor definieren „Poolgrößen“, Dreiecksverträge und „Shadowmanagement“ dieses durch Intransparenz gekennzeichnete Geschäft.
Der vergangene Freitag ist in der Tat in meine persönliche Geschichte eingegangen: Morgens zwischen 8 und 10 Uhr Teil zwei meiner Zahnoperation. Vom Zahnarzt direkt in den Fond meines Diesel und auf nach Berlin: Um 19 Uhr findet unser regionales Interim Manager-Treffen in Berlin statt.
Ich bin kein Fernsehtyp – eher bin ich ein Fernsehhasser. Fahrlässiger kann man kaum Lebenszeit verbrennen.
Nun, ich weiß. Es nicht ungewöhnlich für mich, dass ich am Feiertag arbeite. Meine Frau sagt, es sei sogar eher typisch für mich, dass ich am Feiertag arbeite.