Friday, May 29, 2009

DER HEILIGE GEIST ERLEUCHTE EUCH

Keine Angst, und ganz deutlich: Nichts Blasphemisches habe ich im Sinn! Viel mehr bin ich gezeichnet von Wunden, die ich jüngst im Kundengeschäft davongetragen habe:

Kunde 1: Seit Januar einen ganz besonders spezialisierten Interim Manager auf CEO-Level gesucht - das volle Programm, einschließlich „brasilianisches Portugiesisch“. Seit einem Monat hat der Kunde die Kommunikation mit uns komplett eingestellt.

Kunde 2: Sucht händeringend einen ganz besonderen Interim Manager. Der Markt ist eng. Wir arbeiten wochenlang, müsse sogar die Netzwerke befreundeter AIMP-Provider nutzen. Stellen schließlich Kandidaten vor: Seit zwei Wochen hat der Kunde die Kommunikation mit uns eingestellt. Auf allen Kanälen: Festnetz, mobil und per E-Mail.

Kunde 3: Eine Interim Managerin sucht einen weiteren Interim Manager für ihren Klienten. Wir liefern Anfang Mai die fachlichen Profile der Kandidaten - innerhalb von Stunden. Bis heute keine Reaktion von Ihr – und die Kommunikation: eingestellt - mobil und per E-Mail.

Ich stoppe hier – bin jedoch längst noch nicht am Ende dieser Storyline: Bin dafür zugegebenermaßen ratlos, fehlen mir doch die Worte, ob eines solchen Verhaltens.

Was ist denn hier los – in diesem unseren Lande?

Wisst Ihr tatsächlich noch, was Ihr tut?

Oder tut Ihr tatsächlich schon längst nichts mehr?

Habt Ihr tatsächlich nicht mehr das Rückgrat, mit denen auch nur zu sprechen, die Ihr losgeschickt habt - für Euch?

Bringt Ihr es tatsächlich nicht mehr fertig zu sagen: „Hey, tut mir leid: Alles ist wieder mal anders. Die Krise und so, Du weißt schon: Unsere Kohle ist alle. Ich kann jetzt nicht (mehr)!“? Und ich erwarte das tatsächlich und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, dieses: „Tut mir leid!“ vom Kunden – statt einfach abzutauchen und die eigene Professionalität auf dem Altar der Bequemlichkeit zu opfern.

Und: Erwartet Ihr tatsächlich, dass Ihr sie gutgelaunt bei nächster Gelegenheit wieder für Euch losschicken könnt – womöglich gar erneut ohne Gegenleistung?

Oder bereitet Ihr Euch womöglich vor? In Klausur, schmachtend und ausgetrocknet und nach Erleuchtung heischend?

Übermorgen ist Pfingsten: Der Heilige Geist erleuchte Euch!

Friday, May 22, 2009

NOCH SCHWER TRADITIONELL: DIE INTERIM-SZENE

Unverändert traditionell zeigt sich aktuell die Interim-Szene: Zu sirenengleichen Melodeien wird das Hohe Lied des hohen Tagessatzes intoniert – mit dem launigen Refrain: „Und geht´s den Firmen noch so schlecht – fette Honorare nun erst recht!“. Und nach wie vor definieren „Poolgrößen“, Dreiecksverträge und „Shadowmanagement“ dieses durch Intransparenz gekennzeichnete Geschäft.

Nun mag man von den digitalen Plattformen zur Geschäftsanbahnung halten, was man will. Auch von XING. Nur: Ohne jede Frage, sie sind da. Und damit schaffen sie Wirklichkeit.

So auch am Montag dieser Woche, als ein in der Interim-Szene bekannter Interim Manager im Forum „Freiberufler Projektmarkt“ die Diskussion unter der Überschrift lostrat „Wir danken…und kommen…“.

Der Kern seiner Kritik: Wenn Interim-Provider einem Interim Manager ein Mandat andienten, dann erwarteten sie eine professionelle Reaktion des Interim Managers – also alle relevanten Informationen zu liefern: und zwar flott. Danach jedoch höre man nichts mehr von den Interim-Providern. Nicht einmal eine Absage.

Nun mag die Interim-Szene das „offiziell“ bestreiten. Ich fürchte jedoch, er hat weitgehend Recht!

Das ist das Eine, über das unsere Branche nachdenken muss.

Das Andere: Offenbar haben 1.200 Nutzer von XING, also Interim Manager und Freelancer, diese Diskussion bis tief in den Vatertag hinein verfolgt. Einige haben an der Diskussion teilgenommen – und praktisch ausnahmslos der Kernaussage zugestimmt. Bis auf eine Ausnahme war kein Interim-Provider darunter.

Die Pools der bekannten Interim-Provider haben etwa 750 bis 3.000 Mitglieder. Daran gemessen haben diese über 1.200 Nutzer schon eine gehörige Relevanz für uns. Und kaum einer von uns reagiert.

In Zeiten des WEB 2.0 auf dem Weg zum WEB 3.0 und des Viralen Marketings ein kaum nachzuvollziehendes Verhalten. Wie wär´s mit ein wenig „Change Management“ für uns selbst?

Sie ist halt doch noch schwer traditionell: Unsere Interim-Szene.

Friday, May 15, 2009

IRRE: 50 PROZENT FUER ZERO

Der vergangene Freitag ist in der Tat in meine persönliche Geschichte eingegangen: Morgens zwischen 8 und 10 Uhr Teil zwei meiner Zahnoperation. Vom Zahnarzt direkt in den Fond meines Diesel und auf nach Berlin: Um 19 Uhr findet unser regionales Interim Manager-Treffen in Berlin statt.

Der Arzt legt die Stirn in Falten. Meine Frau hält mich seit langem für phasenweise irre. Dennoch fährt sie mich – im Wechsel mit meinem Sohn. Sie haben dünn geschnittenen Marmorkuchen (gegen den Hunger) und acht Tiefkühl-Akkus (gegen die Schwellung) dabei. Manchmal bin ich meiner Familie sehr dankbar.

Nach 400 Kilometern sind alle Kühl-Akkus aufgebraucht. Der betriebswirtschaftlich geprägte Kopf errechnet den Durchschnitts-Verbrauch von Akkus: 1 Akku auf 50 Kilometer. Die Akkus sind gegangen – der Schmerz kommt. Kohorten von Tabletten werden in die Schlacht geschickt, schlagen ihn vernichtend. Du bist tatsächlich ein wenig irre!

Stau. Klar. Wir lernen neue Städte und Städtchen kennen – unter anderem Jena. Knapp 9 Stunden für 760 Kilometer. Auch irre.

Irgendwo dort stelle ich meinen Blogeintrag online. Vom Auto aus. Über UMTS. Was heute alles möglich ist: Einfach irre!

Dennoch erreiche ich den Treffpunkt pünktlich, aber drei Interim Manager sind schon da. Es wird ein bemerkenswerter Abend. Eine Teilnehmerin wird ihn in einer Mail am Montag als „interessant, amüsant und verging wie im Fluge“ bezeichnen. Dem kann ich nur zustimmen. Keine Powerpoints, keine bekehrenden Reden und vor allem keine Schalmaienklänge, sondern ein Abend unter Erwachsenen, unter Professionals.

Das Highlight kommt aus dem Teilnehmerkreis. Ein Provider zieht 50 Prozent Provision vom Tagessatz ab – der Rest kommt an beim Interim Manager. Kein Gerücht also, sondern Tatsache.

In solchen Situationen schlage ich nicht auf den Wettbewerb ein: „Sicher macht er dann viel für den Kunden und Sie. Unsere Kollegen nennen das in der Regel „Shadow-Management“.

Mein Gegenüber schloss Daumen und Zeigefinger der rechten Hand zu einem Kreis: Ein wortloses „Zero“.

Völlig irre: 50 Prozent für Zero!

Friday, May 08, 2009

IS THERE ANYBODY OUT THERE?

Ich bin kein Fernsehtyp – eher bin ich ein Fernsehhasser. Fahrlässiger kann man kaum Lebenszeit verbrennen.

Zudem bin ich der Alptraum für jeden Werbetreibenden: Sobald das Werbelogo erscheint, völlig gleichgültig auf welchem Kanal, schalte ich den Ton weg und greife zu Lektüre, die deshalb immer in Reichweite neben mir liegt.

Dennoch habe ich Lieblingssendungen, nicht viele zwar, aber immerhin. Zu meinen Lieblingssendungen gehört „Neues aus der Anstalt“. Alles wirkt so vertraut!

Diese Woche war wieder eine Woche aus der Anstalt. Eingeliefert wurden ein paar Zeitschriften. Spektakulärster Patient: Impulse.

Unter der Überschrift „SONDEREINSATZ – Interimsmanager: Viele Unternehmen holen sich in der Krise externe Sanierer. Das Fünf-vor-zwölf-Geschäft boomt“ schreibt das Heft, dass Herr Christophers von der DDIM mehr Restrukturierungsanfragen bekommt, als er bearbeiten kann (Ja, ich weiß, die DDIM ist ein Verband, aber das tut hier nichts zur Sache).

Und auch Herr Angster von der BRSI erlebt, dass Leute für Feuerwehreinsätze derzeit besonders gefragt seien: Auf seiner Internetseite stiegen die Zugriffszahlen derzeit jeden Monat um 10 Prozent (Ja, ich weiß, Ihr IT-Asse: Diese Aussage ist falsch (Site – statt Seite). Aber das tut hier nichts zur Sache).

Der Kracher, der Herrn Priols Haare gen Zugspitze ausrichten würde, kommt noch: Für die Heilsbringer vom Seenotrettungsdienst für schiffbrüchige Unternehmen werden bis zu 3.500 Euro am Tag gezahlt. [Ein besonderes Bonmot: Der echte Seenotrettungsdienst (DGzRS) ist chronisch unterfinanziert und muss pausenlos sammeln – vom Fender für 35 Euro bis zur Tankfüllung für 650 Euro; nachzulesen auf deren Site].

Zwar sitzen die Unternehmen deutschlandweit in der Scheiße und haben weder genügend Hirn noch Cash (pardon: wäre das Unternehmen sonst in eben dieser Scheiße?), aber dennoch: Heißa – hier ist der Scheck für die Heilsbringer – aber gerne und mit einem Lied auf den Lippen!

Das wird dann doch selbst für Impulse ein wenig unheimlich: Verschämt hängt die Autorin ein „…wenn sie es sich denn leisten können!“ an.

Ist da draußen wirklich noch jemand, der das glauben wird?

Ist da draußen wirklich noch jemand, der das zahlen wird? 3.500 Euro am Tag sind 70.000 Euro im Monat oder 420.000 Euro im Halbjahr! Der Vollständigkeit halber: Plus Spesen.

Ist da draußen wirklich noch jemand in Zeiten der Manager-Schelte, der sich mit dieser Botschaft vor seine Mitarbeiter stellt?

Ist da draußen wirklich noch jemand, der all das zulassen wird?

Roger Waters von Pink Floyd ließ die Frage unbeantwortet:

“Is there anybody out there?“

Ich denke, ich weiß, warum.

Friday, May 01, 2009

TAG DER ARBEIT - ICH WARTE DARAUF

Nun, ich weiß. Es nicht ungewöhnlich für mich, dass ich am Feiertag arbeite. Meine Frau sagt, es sei sogar eher typisch für mich, dass ich am Feiertag arbeite.

Zur Ehrenrettung: Das ist das Motto des heutigen Feiertags! Heute ist der Tag der Arbeit!

Ich mache die Zugriffsstatistik für die AIMP-Site und versende sie an alle AIMP-Mitglieder. Draußen ist noch alles ruhig.

Ich verlinke vom Marktplatz MANATNET auf jeden Interim Manager, der im April neu hinzugekommen ist. Eine Hälfte der Gegenleistung für unsere „Registration Fee“.

Ich mache die Zugriffsstatistik für die MANATNET-Site – und bereite sie auf: Ich brauche die Analyse für unseren Newsletter. Die Interim Manager warten darauf. Ich werde sie nicht warten lassen. Ich warte selbst nicht gern. Draussen ist noch immer alles ruhig.

Ich schreibe den Newsletter. Das Personalisieren ist inzwischen ein Kinderspiel, aber das Volumen steigt halt jeden Monat.

Ein neuer Interim Manager registriert sich. Ich begrüße ihn. Die Nachbarn lärmen im Garten.

Ich entwerfe meinen Blogeintrag für heute. Heute ist zwar Feiertag – aber auch Freitag. Und Freitag ist Blog-Tag. Meine Leser warten darauf. Ich werde sie nicht warten lassen.

Ich versende den Newsletter. Das dauert seine Zeit.

Eine Interim Managerin ruft mich an. Ich hatte darum gebeten. Ich verpasse ihren Anruf. Ich rufe zurück, wir sprechen über Projekt I-09-07. Dann entscheiden wir, ihren Lebenslauf besser auf die Erwartungen des Klienten abzustimmen. Ich mache den ersten Wurf. Der Klient wartet darauf. Wir werden ihn nicht warten lassen.

Themensonntag bei 3sat. David Gilmour spielt „Comfortably Numb“: Überirdisch!

Ich erhalte eine Information. Ein Interim Manager – tätig beim Kunden – ruft an. Wir hatten das gestern so abgesprochen. Die Zeit drängt. Wir arbeiten gemeinsam an zusätzlicher Unterstützung im Einkauf. Projekt I-09-07. Er wartet darauf.

Diese Information des Interim Managers leite ich weiter an den derzeit bevorzugten Kandidaten. Er wartet darauf. Die Nachbarn haben lärmend Besuch bekommen.

Tag der Arbeit.

Heute beim Arbeiten: Alles Freiberufler.

Heute beim Feiern: Menschen in Festanstellung.

Das ist Teil des Problems in diesen Zeiten.

Das muss sich ändern. Ich warte darauf.