Friday, March 27, 2009

19, 40 - PERFORMANCE: UNTERIRDISCH!

Vera Bloemer lieferte die Ergebnisse der AIMP-Providerumfrage 2009 zum vergangenen Wochenende: In Excel, rechtzeitig und wie abgesprochen. Vera ist sehr zuverlässig.

Meine Frau Sabine war rechtzeitig nach Berlin geflohen: Sabine ist sehr weitsichtig.

Meinem Sohn Phillip war ohnehin alles egal: Phillip ist mitten im Abitur - im Ausnahmezustand.

Wieder eine umfangreiche Aufgabe für mich: Wieder am Wochenende. Wie denn sonst soll ich dreizehn Stunden freimachen, um Veras Zahlen in eine power-pointierte Präsentation zu überführen? Aber: Alles wichtig. Alles farbig. Alles fertig. Performance: stark.

Wir werden die wesentlichen Ergebnisse am 2. April beim AIMP-FIM in München präsentieren - Thorsten Becker und ich. Alles wichtige Zahlen.

Am 2. April wird mein Sohn Phillip 19.
Am 2. April wird eine liebe Freundin 40.

Die einzig wichtigen Zahlen.

Performance: unterirdisch.

Friday, March 20, 2009

GIBT'S WAS NEUES, HERR BECKER?

Jeder weiß, MANATNET arbeitet anders als alle anderen Interim-Provider. Nicht alle finden das gut. Wir schon.

Heute denke ich dabei nicht an Geschäftsmodelle, offene Datenbank oder Direktes Kontrahieren oder sonstige „Hard Facts“.

Heute denke ich an Kommunikation – an unsere Regelkommunikation während der Geschäftsanbahnung:

Die Information an Interim Manager, dass ein Kunde grundsätzlich Interesse hat. Und die daraus inzwischen zwingend erforderliche Verifizierung der jeweiligen Verfügbarkeit (Dieses Datenbankfeld könnten wir uns theoretisch schenken, so schlecht wird das von den Interim Managern gepflegt!)

Die Information, dass der Klient den Lebenslauf angefordert hat – oder, dass der jeweilige Interim Manager nicht in die engere Auswahl gekommen ist.

Die Information, dass ich mit dem Klienten im Dialog stehe und mich melde, sobald ich neue Informationen habe.

Die Information über den Status, wenn ich Feedback erhalten oder eben nicht erhalten habe, denn: An ein paar Fingern kann ich abzählen, wie viele Klienten sich an ihre selbst gesetzte Deadlines halten. Ich weiß, dass ich mit dieser mathematischen Höchstleistung in bester Gesellschaft bin.

Dennoch klingelt regelmäßig das Telefon – und dann folgt genau das: „Herr Becker, gibt´s was Neues?“

Regelmäßig mache ich dann ein paar Atemübungen und antworte höflich: „Nein, tut mir leid. Sie wissen doch: Die Kunden sind um den Faktor 10 langsamer als Sie und wir.“, denn die Interim Manager sind meine Kunden.

Und ich ringe regelmäßig den kleinen Teufel in mir nieder, der rebelliert und ganz anders antworten möchte.

Mein kleiner Teufel – im ironischen Modus:

„Gut dass Sie anrufen und mir ein kleines Gehirnjogging spendieren. Bitte warten Sie einen Augenblick und lassen Sie mich kurz ein paar Synapsen unter Starkstrom setzen: Ich weiß dann sofort, von welchem Projekt Sie reden, wo wir stehen und wie es gleich weiter geht.“

Oder – mein kleiner Teufel im sarkastischen Modus:

„Ja klar. Aber ich hab mir gedacht, ich sag mal nichts und warte bis Sie anrufen.“

Oder – mein kleiner Teufel im arroganten Modus:

„Oh! Gut, dass Sie anrufen. Hätte ich fast vergessen: Der Kunde möchte Sie in einer halben Stunde in seinen Büros treffen. Das schaffen Sie doch sicher, oder?“

Oder – mein kleiner Teufel im bitterbösen Modus:

„Ja, wenn mich Ihr Anruf nicht davon abgehalten hätte, beim Klienten nachzufassen: Leider fehlt mir jetzt die Zeit dafür!“

Von Beginn an gilt MANATNET als Interim-Provider mit vorbildlichem Kommunikationsverhalten: Schnell, durchgängig und ehrlich.

Offenbar ist unsere Kommunikation derart gut, dass manche das kaum glauben können.

Während ich heute schreibe, flüstert mein kleiner Teufel diabolisch grinsend: „Gell, Du kannst es nicht mehr hören, dieses: „Gibt´s was Neues, Herr Becker?““

Friday, March 13, 2009

ELF WOCHEN NACH HEILIGABEND

Was schreibe ich an diesem Freitag, wieder an einem Dreizehnten? Zwei Tage nach dem nahezu unglaublichen Geschehen in Winnenden?

Wie kann sich eine solche schier unglaubliche Aggressivität im Herzen eines Siebzehnjährigen Bahn brechen?

Wie kann ein Siebzehnjähriger 122-mal den Abzug der Beretta seines Vaters durchziehen? Mädchen sterben sehen? Jungen sterben sehen? Frauen sterben sehen? Männer sterben sehen? Und achtmal ungerührt nachladen, weil das Magazin leer ist?

Wie kommen die Familien damit klar, dass ihre Töchter nicht mehr nach Hause kommen?

Wie kommt die Familie damit klar, dass ihr Sohn nicht mehr nach Hause kommt?

Wie kommt das Kollegium damit klar, dass drei ihrer Lehrer-Kolleginnen hingerichtet wurden?

Wie kommt die Familie eines Handwerkers damit klar, der sterben musste, weil er zur falschen Zeit für die Klinik zu werkeln hatte?

Wie kommt eine Familie damit klar, dass ihr Vater gestorben ist, nur weil er ausnahmsweise ein Auto kaufen wollte?

Wie kommt eine Familie damit klar, dass ihr Vater gestorben ist, nur weil er wie immer Autos verkaufte?

Wie kommen die Familien der beiden Passanten damit klar, dass auch sie sterben mussten, weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Platz waren?

Wie kommt die Familie von Tim K. mit all dem klar?

Am Tag, als nichts mehr war, wie bisher: Auf den Tag - elf Wochen nach Heiligabend.

Heute hat mich ein Kunde schwer verärgert: Es hat keine Bedeutung.

Friday, March 06, 2009

EIN ZAHNARZT AUF VERLORENEM POSTEN

Gestern, 18.00h. Mir schwirrt der Schädel. Ich brauche eine Pause. Dringend. Gönne mir eine Zigarre. Selten genug. Dennoch: Mein Zahnarzt wird mich erschlagen!

Eine offene Flucht meinerseits. In die Ruhezone vor dem Kamin. Warm. Flackernd. Knisternd. Ruhe. Zigarre. Einen Rotwein? Übertreib´s nicht!

Ruhe, um einmal ein wenig nachzudenken. Oder vorzudenken. Wir denken zu viel nach in diesem Land. Und zu wenig vor. Viel zu wenig vor! Ich muss morgen meinen Blogeintrag schreiben. Keinen Schimmer! Du brauchst Ruhe.

Ruhe vor Kunden, die uns seit Wochen mit Anfragen zudecken. So war´s in sechs Jahren nie. Ganz sicher: Nichts, aber auch rein gar nichts hat das mit unserem „Solidaritätsabschlag“ zu tun.

Ruhe vor Interim Managern, die regelmäßig nachfragen: „Gibt´s was Neues zu Projekt Nr. I-09-N?“ Immer freundlich bleiben! Als würde ich Informationen zurückhalten: Wo jeder weiß, dass die Interim Manager darauf warten. Klar: ich auch.

Die Zigarre schmeckt prima, tut gut, ja tatsächlich! Vor ein paar Jahren war sie immer aus der ersten Liga. Kuba. Heute Dominikanische Republik. Sie schmeckt mir dennoch. Und wie! Ich stehe dazu. Ich denke an meinen Zahnarzt: Voller Zuneigung.

Die Zigarre schenkt mir eine gute lange Stunde der Ruhe. Freie Zeit. Zum Denken - Nach-Denken, Über-Denken und Vor-Denken.

Danach hat mein Rechner zwei neue Nachrichten für mich: Ich brauche einen Interim Manager! Zwei Anfragen. In einer guten Stunde. Donnerstagabend.

Ich sehe einen Zahnarzt auf verlorenem Posten…