Friday, February 27, 2009

HARTE ZEITEN - AUCH IM INTERIM MANAGEMENT

Niemand kann mir weismachen, dass die Wirtschaftskrise, die unser Land mit voller Wucht erfasst hat, ausgerechnet auf das Interim Management keine negativen Auswirkungen haben wird. Nein, dass sogar das Interim Management von der Wirtschaftskrise kräftig profitieren werde.

Nun habe ich möglicherweise einen breiteren Erfahrungsschatz mit meinen fast dreißig Jahren in Unternehmen als einige meiner Kollegen der Providerzunft.

Ich habe mannigfache Krisen erlebt – extern, häufig aber auch intern verursacht. Ausnahmslos wurde reagiert mit: Kosten ´runter – und sofort die variablen. Und damit sind wir bei den „Fantastischen Vier“: Bewirtungen, Reisekosten, Training und Berater. Und Interim Manager sind aus Unternehmenssicht nun einmal Berater.

Da konnte ich noch so tapfer argumentieren:

Smartes Argument 1: „Wir haben schon bisher nur das absolut notwendigste an Reisekosten verursacht: 2. Klasse Bahn, im Flieger nur Holzklasse, die billigsten Hotels aus unseren Rahmenverträgen und Golf-Klasse bei Sixt.“ Lapidare Antwort. „Nutzen Sie S-Bahn und Busse. Am besten, Sie reisen gar nicht.“

Smartes Argument 2: „Wir haben doch bereits zwei Drittel dieses Trainings hinter uns. Wenn wir das nicht zu Ende bringen, verbrennen wir die ganze bisher geleistete Arbeit.“ Lapidare Antwort: „Daran wird keiner zugrunde gehen.“

Smartes Argument 3: „Wir haben den Berater geholt, weil wir weit und breit keine eigenen Skills hatten für diese Aufgabe. Daran hat sich nichts geändert.“ Lapidare Antwort: „ Doch: Wir haben dafür kein Geld mehr. Suchen Sie sich eigene Leute (!) und trennen Sie sich gesichtswahrend vom Berater.“

Zugegeben: Heute, wo alles anders ist als früher, könnten auch die Unternehmen anders reagieren. Allein, mir fehlt der Glaube.

Der neueste IFO-Index hat sich erneut verschlechtert – entgegen aller vorsichtig aufkeimenden Hoffnung nach der marginalen Verbesserung im Januar.

Norbert Walter erwartet einen Rückgang des Brutto-Inlandsproduktes von sage und schreibe 5 Prozent in diesem Jahr – und auch nur dann, wenn im Sommer die Wende zum Besseren kommt.

Und die Börsenkurse scheinen nur eine Richtung zu kennen: Abwärts.

Das alles wissen die Unternehmen in Deutschland auch.

Mag sein, dass das eine oder andere Unternehmen anders reagiert. Jedoch:

Ich erwarte, dass die Reaktionen der meisten Manager in deutschen Unternehmen jetzt, in der großen Krise, nicht anders sein werden, als in den kleinen, die ich bisher erlebt habe.

Ich erwarte beinhartes Kostensenken.

Ich erwarte ein deutliches Anwachsen der Machtfülle der Controller.

Ich erwarte harte Zeiten – auch im Interim Management.

Friday, February 20, 2009

NEBENERWERBSNARREN OHNE JEDE CHANCE

Die Narren bestimmen derzeit das Geschehen. Ich meine hier die hauptberuflichen und nur saisonal agierenden Spezialisten aus einer besonderen Welt: Nicht die vielen Nebenerwerbsnarren aus dem Alltag, die uns das ganze Jahr über zu beglücken suchen.

Man nimmt an, die Narretei sei eine leichte Sache: You cannot be more wrong!

Ein Programm auf hohem oder gar höchstem Niveau im Februar erfordert intensive Vorbereitungen ab September im Jahr davor - im Kern heißt das:

Texte schreiben – dann zahllose Iterationsschleifen über die Texte – und dennoch Anpassungen in letzter Minute, um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen.

Kostüme passend zum Text entwerfen und beschaffen oder anfertigen (lassen).

Texte lernen und verinnerlichen - auch die von dritten Autoren.

Musik: Orchester, GEMA und Soundchecks.

Und Proben, Proben und nochmals Proben.

Erfolg kommt nie über Nacht. Ihm gehen Arbeit und Schweiß voraus (Ernst Probst, *1946, deutscher Schriftsteller und Verleger).

Sogar hier wären die Nebenerwerbsnarren ohne jede Chance.

Friday, February 13, 2009

FREITAG, DER 13. - EIN GUTER TAG

Genau drei Wochen, nachdem wir unseren frechen Solidaritätsabschlag eingeführt hatten, war der erste Vertrag, der auf diese Maßnahme zurückgeht, unter Dach und Fach. Vorher war die Anzahl der monatlichen Zugriffe auf die Datenbank von MANATNET von normalerweise rund 7.500 auf 13.500 explodiert.

Wenn denn die Kritik an unserer Maßnahme einmal sachlich war, dann wurden wir vor allem mit folgender Aussage konfrontiert: „So etwas ist gegen alle Regeln. Davon kommen Sie nie wieder weg. Das ist im gegenwärtigen Umfeld die völlig falsche Maßnahme.“

Ich bekenne: Ich weiß nicht, was richtig ist. Ich weiß aber auch nicht, was falsch ist. Denn ich muss bekennen: Ich bin 52 Jahre alt, aber etwas Vergleichbares habe ich noch nicht erlebt. Möglicherweise bin ich noch zu jung.

Konjunktureinbruch auf breiter Front: Die Wirtschaftsleistung ging im letzten Quartal des vergangenen Jahres so stark zurück wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Im Vergleich zum Vorquartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt bekannt gab. Und eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. (FAZ.NET, heute).

Die staatliche (ich verkneife mir: stattliche) Unterstützung für Hypo Real Estate, eine Bank aus der zweiten Reihe, überschreitet die 100 Mrd. Euro-Marke.

Im deutschen Maschinenbau sinken im Dezember 2008 die Auftragseingänge um 40 Prozent.

Gestern berichtete mir ein namhafter Personalberater, dass er damit rechnet, in diesem Jahr 50 Prozent weniger Geschäft zu machen.

Die Autohäuser berichten von einer sprunghaft gestiegener Nachfrage nach kleinen Autos - ausgelöst durch die Verschrottungsprämie und sie fürchten gleichzeitig die Zeit danach.

Deutschland verliert im Fußball 0:1 gegen Norwegen.

Und gerade das Interim Management-Geschäft bleibt von all dem völlig unberührt?

Weil alle Unternehmen jetzt mit zitternden Händen nach erfahrenen Interim Managern gieren, die sie frohgelaunt restrukturieren können? Und ob dieser fieberartigen Gier sind die Unternehmen dann auch noch - dem Wahne vollends verfallen - gern und locker bereit, sehr hohe Tagessätze an diejenigen Leute zu zahlen, die sie holen, damit sie ihnen eisernes Sparen verordnen?

Und die Interim-Provider werden an dieser Gier obendrein ein Drittel oder zum Teil auch deutlich mehr verdienen?

Und das alles völlig unwidersprochen?

Weil lauter Manager in den Unternehmen sitzen, deren Blick (schon wieder) getrübt ist und die man deshalb so leicht über den Tisch ziehen kann?

Mit Verlaub: Das ist völlig absurd!

Montag treffe ich den Vorstand eines börsennotierten Unternehmens. „Ihr Solidaritätsabschlag gefällt mir gut. Wir müssen reden und zwar über ….!“

Montag werde ich dort sein.

Gut vorbereitet. Mit guten Profilen von guten Restrukturierern. Gute Aussichten.

Freitag der 13. - ein guter Tag.

Friday, February 06, 2009

SMOERREBROED FUER MAERKLIN

Okay, ich werde älter. Dennoch: Die Insolvenz von Märklin trifft mich - und das, obwohl ich so gar kein Modell-Eisenbahner bin.

Eine Märklin-Eisenbahn, das war ein Traum für alle Jungs in meinem Alter - damals im Kohlenpott.

Heute ist das völlig anders - auch im Kohlenpott: Heute haben die Jungs andere Träume. Ganz oben auf der Liste stehen Handys, Spielekonsolen, MP3-Player und möglicherweise sogar Klamotten. Eine Eisenbahn eher weniger. Hinzu kommt, dass die Eisenbahn, die grob zwischen 100 und 400 Euro kosten kann (die Lok allein!), für viele (Eltern) nicht mehr erschwinglich ist. Und obendrein gibt´s noch einen Wandel in der Wertewelt.

Das mag man bedauern, wichtiger aber ist die Antwort auf die Frage: Wie gehe ich damit um? Ganz besonders für ein Unternehmen wie Märklin.

Ich sage ausdrücklich: Niemanden möchte ich angreifen. Dennoch:

Ein aufmerksam zeitunglesender Manager bei Märklin hätte auf einen Ort Namens Billund stoßen können.

Dort hat Lego seinen Sitz. Und Lego hat seine existenzgefährdende Krise in den Jahren 2004/2005 überstanden und geht mit „selbstbewusster Bescheidenheit“ in das vierte Wachstumsjahr in Folge.

Spätestens im Jahr 2007 hätte Märklin - und zwar selbst - auf die Idee kommen können, einmal auf ein Smørrebrød nach Billund zu fliegen.

Stattdessen hat Märklin im Jahr 2007 rund 13 Millionen Euro an Beraterhonoraren gezahlt, bei einem Umsatz von 126 Millionen Euro. Und von den Beratern ist offenbar auch niemand nach Billund geflogen.

Wenn die Jungs als Kunden ausfallen, dann bleiben letztlich wohl nur gut betuchte Sammler als Kunden übrig - ein Markt mit möglicherweise abnehmendem Volumen.

Prompt kam das Umsatzplus in Höhe von 1,6 % im vergangenen Jahr für Märklin aus dem Verkauf von so genannten Startersets für 100 Euro bei Aldi.

Für smarte Rechner: Märklin fuhr ein Umsatzplus in Höhe von 2 Mio. Euro ein. Und hat dafür rund 13 Mio. Euro an Beraterhonoraren investiert: Diesen Zusammenhang sollten wir fairerweise schon unterstellen.

13 Mio. Euro im Jahr - das sind (vereinfacht und knapp gerechnet) 1 Mio. im Monat oder (wieder vereinfacht) 250.000 in der Woche – oder (ein letztes Mal vereinfacht) 50.000 Euro je Arbeitstag.

Wenn schon kein Smørrebrød - dann aber wenigstens 47 Interim Manager: So viele Interim Manager hätte Märklin bei MANATNET bekommen können. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Berater Märklin für diese Summe einkaufen konnte: Vielleicht weiß das jemand draußen im Cyberspace und teilt sein Wissen mit uns.

Ich weiß auch nicht, warum mir das heute einfällt: Zwei Wochen nach Einführung unseres Solidaritätsabschlags und Dauerfeuer gegen den „Nestbeschmutzer“ MANATNET…