HARTE ZEITEN - AUCH IM INTERIM MANAGEMENT
Niemand kann mir weismachen, dass die Wirtschaftskrise, die unser Land mit voller Wucht erfasst hat, ausgerechnet auf das Interim Management keine negativen Auswirkungen haben wird. Nein, dass sogar das Interim Management von der Wirtschaftskrise kräftig profitieren werde.
Nun habe ich möglicherweise einen breiteren Erfahrungsschatz mit meinen fast dreißig Jahren in Unternehmen als einige meiner Kollegen der Providerzunft.
Ich habe mannigfache Krisen erlebt – extern, häufig aber auch intern verursacht. Ausnahmslos wurde reagiert mit: Kosten ´runter – und sofort die variablen. Und damit sind wir bei den „Fantastischen Vier“: Bewirtungen, Reisekosten, Training und Berater. Und Interim Manager sind aus Unternehmenssicht nun einmal Berater.
Da konnte ich noch so tapfer argumentieren:
Smartes Argument 1: „Wir haben schon bisher nur das absolut notwendigste an Reisekosten verursacht: 2. Klasse Bahn, im Flieger nur Holzklasse, die billigsten Hotels aus unseren Rahmenverträgen und Golf-Klasse bei Sixt.“ Lapidare Antwort. „Nutzen Sie S-Bahn und Busse. Am besten, Sie reisen gar nicht.“
Smartes Argument 2: „Wir haben doch bereits zwei Drittel dieses Trainings hinter uns. Wenn wir das nicht zu Ende bringen, verbrennen wir die ganze bisher geleistete Arbeit.“ Lapidare Antwort: „Daran wird keiner zugrunde gehen.“
Smartes Argument 3: „Wir haben den Berater geholt, weil wir weit und breit keine eigenen Skills hatten für diese Aufgabe. Daran hat sich nichts geändert.“ Lapidare Antwort: „ Doch: Wir haben dafür kein Geld mehr. Suchen Sie sich eigene Leute (!) und trennen Sie sich gesichtswahrend vom Berater.“
Zugegeben: Heute, wo alles anders ist als früher, könnten auch die Unternehmen anders reagieren. Allein, mir fehlt der Glaube.
Der neueste IFO-Index hat sich erneut verschlechtert – entgegen aller vorsichtig aufkeimenden Hoffnung nach der marginalen Verbesserung im Januar.
Norbert Walter erwartet einen Rückgang des Brutto-Inlandsproduktes von sage und schreibe 5 Prozent in diesem Jahr – und auch nur dann, wenn im Sommer die Wende zum Besseren kommt.
Und die Börsenkurse scheinen nur eine Richtung zu kennen: Abwärts.
Das alles wissen die Unternehmen in Deutschland auch.
Mag sein, dass das eine oder andere Unternehmen anders reagiert. Jedoch:
Ich erwarte, dass die Reaktionen der meisten Manager in deutschen Unternehmen jetzt, in der großen Krise, nicht anders sein werden, als in den kleinen, die ich bisher erlebt habe.
Ich erwarte beinhartes Kostensenken.
Ich erwarte ein deutliches Anwachsen der Machtfülle der Controller.
Ich erwarte harte Zeiten – auch im Interim Management.

Genau drei Wochen, nachdem wir unseren frechen Solidaritätsabschlag eingeführt hatten, war der erste Vertrag, der auf diese Maßnahme zurückgeht, unter Dach und Fach. Vorher war die Anzahl der monatlichen Zugriffe auf die Datenbank von MANATNET von normalerweise rund 7.500 auf 13.500 explodiert.
Okay, ich werde älter. Dennoch: Die Insolvenz von Märklin trifft mich - und das, obwohl ich so gar kein Modell-Eisenbahner bin.