Friday, November 27, 2009

ABER SICHER! JETZT SOGAR IN MEINER EIGENEN FIRMA

Ich gebe gern zu: Ich hatte nicht erwartet, dass die Interim Manager die regionalen AIMP-FIMs (Forum Interim Management) derart gut annehmen würden. Regelmäßig nehmen um die hundert Interim Manager teil und neuerdings müssen wir vom AIMP aus die Veranstaltungen als „ausverkauft“ kennzeichnen, weil einfach kein Platz für mehr Interim Manager vorhanden ist. Das traf auch für das AMIP-FIM gestern im beeindruckenden Anglo German Club in Hamburg zu.

Neunzig Minuten Vorträge (Torben Rick: Dos and Don´ts im Projektmanagement; Thorsten Becker: 10 Thesen zur Zukunft der Interim Provider; und ich: Vertrieb – aus völlig befangener Sicht) und die anschließende Diskussion bereiteten das Feld für viele weitere Gespräche. Erst nach Mitternacht war diese Veranstaltung zu Ende.

Zwei Dinge bleiben hängen:

Das war eins der schönsten AIMP-FIMs (im Sinne von „Ich war sehr gern dort“), an dem ich teilgenommen habe. Wenn ich es irgendwie einrichten kann, werde ich auch im nächsten Jahr gern kommen.

Die Bandbreite des Feedbacks auf meinen Vortrag reichte von „Das habe ich noch nie so gesehen“, über „Sie haben völlig Recht: Auch ich habe Mailings komplett eingestellt“ bis zu „Diesem Thema  sollten Sie sich gesondert und in einem eigenen Vortrag widmen“ (gemeint war meine Empfehlung „Überfordern Sie nicht Ihre eigene Website!“) auf dem einen Ende der Skala.

Das andere Ende der Skala besetzt diese Aussage: „Sie haben nur allgemein Bekanntes vorgetragen. Erstes Semester. Wer das als Interim Manager nicht beherrscht, ist hier fehl am Platz.“

Starke Worte.

Auf meine Frage „Und? Machen Sie das alles so?“ entgegnete mein Gegenüber: „Ich mache kein Interim Management mehr. Ich habe jetzt eine eigene Firma.“

Überzeugt hätte mich ein „Aber sicher, sogar jetzt in meiner eigenen Firma!“

Friday, November 20, 2009

IN DIESEM JAHR GEHT DA NICHTS MEHR!

Nicht zu übersehen: Die ersten ernstzunehmenden Vorboten sind da. Zwar gab es Spekulatius und Zimtsterne bereits unmittelbar nach den Sommerferien (wer isst das dann?), jedoch: jetzt wird´s ernst:

Die Weihnachtsbäume erobern die Marktplätze, das nervtötende Hämmern ist den Buden der Weihnachtsmärkte geschuldet und in der Werbung fallen die ersten Schneeflocken: Weihnachten naht! Ihr Kinderlein kommet, oh kommet zuhauf!

Unsere Kinder bereiten sich darauf vor: „Was schreibe ich alles auf den Wunschzettel?“
Unsere Eltern bereiten sich darauf vor: „Wie bezahle ich das alles auf dem Wunschzettel?“

Und unsere Unternehmen bereiten sich darauf vor: „In diesem Jahr geht da nichts mehr!“, sagte mir ein Kunde gestern. Ups!

Ein schlichter Geist ist geneigt, nachzurechnen:

Verfügbare Wochen im Jahr: 52
Abzüglich Urlaubswochen: - 6
Abzüglich Wochen in Training und Krankheit: - 2
Abzüglich in Wochen umgerechnete Aufwärmphasen nach Urlauben, Brückentagen oder sonstigen Härtefällen wie Fasching etc.: - 1

Bleiben 43 Wochen als Netto-Arbeitszeit übrig.

Aber halt: Jetzt naht zudem der kollektive Winterschlaf, oder besser: er hat offenbar bereits begonnen. Sechs Wochen vor Jahresende - und damit sind wir dann bei 37 Wochen. Welch grandiose Fügung im vorweihnachtlichen Glanze: Zur 37 Stunden-Woche - das 37 Wochen-Jahr. Herrlich!

Morgen erst, Kinder, wird´s was geben. Genießen wir´s also weiterhin aus unserer monofokal getrübten Sicht und frohlockend lasst uns von der Jagd des Lebens einmal ruh´n.

Schade nur, auch das Ausland weiß sicher: Deutschland? In diesem Jahr geht da gar nichts mehr!

Friday, November 13, 2009

DU HAST DIE POWER, DIE KRAFT UND DEN MUT

Freitag der 13. Schon wieder. Der dritte in diesem besonderen Jahr. Zufall? Übermorgen ist obendrein Volkstrauertag. Ich erkläre heute zum Tag des tiefergehenden Nachdenkens:

Robert Enke wirft sich vor einen Zug: Unfassbar.

Die neue Bundesregierung verhält sich in Wirtschaftsfragen verblüffend für wohl alle, die sie gewählt haben. Sie hofft auf bessere Zeiten, die´s dann hoffentlich richten werden. Die Klatsche der Wirtschaftsweisen von gestern ist ohne Beispiel – zumindest, soweit ich mich erinnern kann.

Vielen Unternehmen steht das Wasser bis zum Hals. Sie hoffen auf bessere Zeiten, die´s dann hoffentlich richten werden. Über „COST-GUARD“ auch nur zu reden: Abgelehnt. Ein Unternehmen tut es dennoch: Der Quickcheck ergibt ein Einsparpotenzial von einer Million Euro – bei gleichem Service-Level.

Ich bin inzwischen davon überzeugt: Unsere Zeiten sind gekennzeichnet von Verdrängung, Selbstbetrug und - ja! - Angst. Dafür werden bereits Pseudo-Fach-Termini gebildet, um dieses eben nicht Führung kennzeichnende Verhalten zu kaschieren: Sie lauten „Management auf Sicht“ (was für ein Offenbarungseid) oder „Überwintern aus Bordmitteln“. Genau das ist es: Management, aber keine Führung!

Ein Interim Manager schreibt mir: „Sie sind auch einigen zu schlau, Kompliment!“. Ich bin hin und her gerissen zwischen mädchenhafter Verlegenheit und tief empfundener Verzweiflung.

Im Hintergrund läuft Juliane Werdings „Gib niemals auf“ aus dem Album „Alles Okay“ von 1995. Zufälle gibt´s.

Der Refrain endet: „Du hast die Power, die Kraft und den Mut“.

Friday, November 06, 2009

MANAGEMENT BY ROLLER COASTER

Opel bestimmt die Presse in dieser Woche: Seitenweise. Die FAZ widmet dem Autobauer sogar eine Doppelseite.

Jetzt muss laut GM-Chef Fritz Henderson, so das Wall Street Journal, immerhin eine der angesehensten Zeitungen der Welt, ein neues Opel-Management her. Zudem gibt Herr Henderson mit Blick auf die Proteste der deutschen Opel-Mitarbeiter zu, dass die Beziehungen zur Belegschaft in Europa durch den langen Entscheidungsprozess des GM- Verwaltungsrats belastet seien. „Da muss einiges gekittet und repariert werden“, wird Herr Henderson zitiert.

Während ich dies schreibe, läuft über den Ticker: Medien: GM-Europachef Forster verlässt Konzern.

Nun sind wir ja seit einiger Zeit einiges gewohnt. Aber Hand auf’s Herz: Glaubt tatsächlich irgendjemand, dass das Agieren von GM außerhalb der GM-Zentrale von irgendjemandem verstanden oder gar gutgeheißen wird?

Tausende von Mitarbeitern sind seit rund einem Jahr einem Wechselbad ohne Beispiel ausgesetzt. Mitarbeiter, die dennoch ihren Job gut erledigen und, ja tatsächlich!, obendrein in dieser Situation auch noch gute Autos bauen. Sind das nicht diese Individuen, von denen die Manager in ihren Sonntagsreden immer tönen, sie seien das Wichtigste, was ein Unternehmen habe? Wie das wohl die Opelaner sehen? Alles, das wette ich, ganz überwiegend ehrliche und ganz normale Jungs und Mädels mit ganz normalen Vorstellungen, Erwartungen und Gefühlen.

Aber, hey! Lasst uns das Positive in der Geschichte finden: Wir haben ein neues innovatives Berater-Wort aus der Schublade Managementstile: „Management by Roller-Coaster“! Wieder ein neues „Buzz-Word“, das über den Atlantik zu uns herüberschwappt.

So sind sie halt, die Amis.

Bei uns in Deutschland ist das ja ganz anders.

Am Montagmorgen um 9.00h verabredet sich der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens mit der Interim Managerin zum Abschlussgespräch um 17.00h, um die Details des Mandates zu besprechen.

Es wurde ein historisch kurzes Gespräch, denn um 17.02h sagte der Geschäftsführer das Projekt ab.

Auch in Deutschland: Management by Roller Coaster