Friday, January 30, 2009

WAS DU NICHT WILLST, DASS MAN DIR TU, DAS FUEG AUCH KEINEM ANDERN ZU

Solidaritätsabschlag. Im Interim Management. 20 Prozent auf alle Tagessätze.

Eine Woche später. Klar, ich war auf einiges gefasst – aber eben wieder nicht auf alles. Wie alt musst Du noch werden?

Journalisten reißen uns die Pressemitteilung aus der Hand. Die Statistiken bei pressrelations.de schnellen in ungeahnte Höhen. Was machen die Journalisten jetzt damit?

Interim Manager halten unsere Aktion auf der einen Seite für „durchdacht, plausibel dargestellt und pfiffig.“ Auf der anderen Seite beendet ein Interim Manager vom Marktplatz unsere Zusammenarbeit nach knapp fünf Jahren mit dem Argument: „Was beim Kunden bleibt, ist der Eindruck, in unserer Branche könne man Schnäppchenpreise erwarten.“ Das schmerzt mich zweifach: Ich kenne diesen Interim Manager persönlich – natürlich – und ich schätze ihn. Und welche Schnäppchenpreise? Ein Tagessatz von 1.400 Euro minus 20 Prozent Solidaritätsabschlag: Das sind immer noch 1.120 Euro am Tag. Ein sehr fairer Preis sicher, aber ebenso sicher kein Schnäppchen.

Die Kunden haben unsere Aktion zur Kenntnis genommen. Ich erwarte nicht, dass MANATNET morgen in Projekten untergeht. Aber die Zugriffszahlen auf unsere Datenbank sind so hoch wie noch nie in fast sechs Jahren: Die Kunden werden ihre Schlussfolgerungen gezogen haben.

Wettbewerber. Innerhalb des AIMP wird unsere Aktion nicht unisono für gut erachtet. Klar. Der von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägte Umgang miteinander führt im Kern lediglich zur Frage: „Was bedeutet das für mein Unternehmen?“ Und dann wird weitergearbeitet.

Doch es gibt noch andere Wettbewerber: Von mir seit Jahren respektiert – in abgestufter Ausprägung. Ein einseitiges Unterfangen.

Meine Güte, was habe ich Prügel bezogen! Prügel, weil wir die Preise für die Kunden gesenkt haben. Ganz bemerkenswert!

„Dein Ruf hat enorm gelitten!“ Mein Ruf leidet, weil wir die Preise für die Kunden gesenkt haben. Kaum zu glauben!

Ich entschließe mich, mit diesem Makel zu leben – und ich wundere mich. Heißt es nicht seit Jahren - da gab es die aktuelle Krise noch nicht einmal! - in der deutschen Wirtschaft: Der Maßstab ist beste Qualität bei besten Preisen?

Womöglich gilt das noch nicht für das Interim-Geschäft. Womöglich gilt dort noch „beste Qualität bei maximalen Preisen“.

Möglicherweise hat aber auch das Buch Tobit (4,16) Recht: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

Friday, January 23, 2009

AB 12 UHR HIESS ES DANN: HELM AUF!

Ganz offensichtlich lebe ich in einem in sich abgeschotteten Mikrokosmos: Meine Providerkollegen berichten unisono von steigender Nachfrage nach Interim Managern („vor allem aus dem Hochpreissegment“) bei steigenden Tagessätzen – über die zudem kaum noch diskutiert wird.

Wir stellen steigende Nachfrage fest nach hoch- und höchstqualifizierten Interim Managern - bei eindeutigem Preisdruck: Bei DAX-Unternehmen („Sie müssen 10 Prozent mit den Preisen ´runter oder wir müssen erst gar nicht reden“), über den Mittelstand („Wir haben noch mal einen Strich unter das Projekt gezogen: Das ist doch eine Menge Geld!“) - bis zu Private Equity-Unternehmen („Mehr als das kann ich nicht ausgeben.“).

Wohlan, ich höre die Fanfaren: Mensch Becker, jeder Profi weiß doch, dass nicht über den Preis verkauft wird, sondern über Vorteile - am besten emotionale gepaart mit ein paar wirtschaftlichen.

Ja, ja - ich glaubte das auch, denn ich bin seit 35 Jahren im Vertrieb tätig.

Aber ich habe aber auch mal geglaubt, Banken seien sakrosankt.

Die Kardinalfrage lautet daher: Wie gehen wir damit um, wenn vieles, was wir einmal gelernt haben, womöglich nicht mehr zutrifft?

Was ist, wenn jeder die Vorteile eines schönen neuen Automobils erkennt und danach lechzt – aber viele dennoch die Gelder nicht mehr auf den Tisch legen?

Was ist, wenn jeder die vor allem emotionalen Vorteile eines I-Phones anerkennt und davon träumt - aber viele die Gelder dennoch nicht mehr auf den Tisch legen?

Ich bin davon überzeugt: Wenn die Hürden derart hoch liegen wie derzeit, dann kann es nicht die richtige Antwort sein, an Altbewährtem festzuhalten! Dann muss man auch mal mutig sein! Dann muss man auch mal ein Zeichen setzen – endlich mal.

Genau dies war die Triebfeder für unsere Aktion „Solidaritätsabschlag“ – und selbstverständlich ist das ein ironischer Tritt gegen den „Solidaritätszuschlag“: Der eine gibt – der andere nimmt.

Dennoch: Die Preise um 20 Prozent zu senken, das ist uns ganz sicher nicht leicht gefallen - und das wäre ohne die Interim Manager schlichtweg nicht möglich gewesen. Das hat zudem enorm viel Denkarbeit und Vorbereitung erfordert. Es verlangt nicht zuletzt eiserne Disziplin auf unserer Seite. No nice-to-haves of any kind!

Natürlich könnten wir auch den Druck ungefiltert an die Interim Manager weitergeben. Das aber wäre nicht partnerschaftlich. Das wäre nicht MANATNET. Das wäre nicht ich.

Es war uns klar, dass wir ein Tabu-Thema angehen würden: wieder einmal.

Es war uns klar, dass MANATNET das als erster machen musste: wer sonst?

Es war uns klar, dass wir Prügel beziehen würden: wieder einmal.

Es war mir klar, dass ich in den Ring müsste: wer sonst?

Gestern um 12.00 Uhr lief die Sperrfrist für die Pressemitteilung ab.

Es war mir klar: Ab 12.00 Uhr hieß es dann: Helm auf!

Friday, January 16, 2009

WIEDER NIX MIT RODELN!

Arbeit bis zum Abwinken. Viele Telefonate. Mit Kunden.

Aktuell aber mehr noch mit Interim Managern: Wir hecken wieder etwas aus. Sind wieder ganz begeistert von der Idee!

In einer solchen Situation ist das Feedback der Interim Manager von überragender Bedeutung. Ich bin dankbar dafür, dass wir so viele sehr gute Interim Manager am Marktplatz MANATNET haben. Ich bin dankbar dafür, dass wir ein derart gutes Verhältnis zueinander haben.

Hier arbeiten Unternehmer mit Unternehmern partnerschaftlich zusammen. Bei MANATNET ist das so. Wir erhalten wertvolles Feedback: unverblümt, auf Augenhöhe und konstruktiv kritisch. Es wäre fahrlässig, auf die Einschätzung solcher Partner zu verzichten.

Das Feedback der Interim Manager hat mannigfache Auswirkungen.

Auf die Ausrichtung unseres Vorhabens.

Auf den Feinschliff.

Auf die Kommunikation nach außen.

Auf das Wochenende: Wieder nix mit Rodeln!

Friday, January 09, 2009

VOLL KRASS!

Ich lese und höre regelmäßig, dass die Zeiten enorm schwierig seien und noch schwieriger werden würden und dass man deshalb nicht mehr mit traditionellen Denkmustern zum Erfolg kommen könne. Und nun was?

Deshalb: Hier sind meine krassen Ideen zum Neuen Jahr – auf dass man mich erschlagen möge.

Der bezahlte Urlaub wird halbiert auf 15 Tage im Jahr. Das sind immerhin drei ganze Wochen – und wer weitere 15 Tage haben möchte, der kann sie gern haben, aber unbezahlt.

Jährlich trägt jeder insgesamt fünf Krankentage selbst – also nicht der Arbeitgeber.

Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, jährlich in fünf Tage Ausbildung zu investieren. Das Unternehmen trägt die Kosten, wenn der Mitarbeiter dafür fünf Tage aus seinem bezahlten Urlaub einsetzt. Anderenfalls wird das Unternehmen fünf Tage unbezahlten Urlaub einräumen, nicht aber die Kosten übernehmen.

Wir beerdigen alle 35 oder 37,5 Stunden-Regelungen und arbeiten alle 42 Stunden in der Woche – ohne Lohnausgleich.

Undenkbar? Selbständige, Freiberufler und die meisten Unternehmer sehen das sicher anders.

Und weiter:

Der Prozentsatz betriebsbedingter Kündigungen an der gesamten Belegschaft (aktuell meist gut 10 %), führt zu Gehaltskürzungen in gleicher Höhe bei den im Unternehmen verbleibenden Mitarbeitern. Im Ergebnis wird das wohl dazu führen, das weit weniger Mitarbeiter entlassen werden müssen und die anderen nur einen marginalen Gehaltsverzicht leisten müssen. Auch Vorstände und Geschäftsführer sind Mitarbeiter.

Banken verpflichten sich, für jeden Euro, den sie künftig im Eigengeschäft versenken, einen Euro als Kredit für Investitionsvorhaben von Unternehmen zu vergeben: Auch dieser Euro kann verloren gehen – oftmals wohl aber auch nicht. Die Bankenaufsicht verpflichtet sich, das tatsächlich zu kontrollieren.

Jeder, der ein SUV (Sport Utility Vehicle) oder ein vergleichbares Monstrum über die Straßen bewegt und mehr als 10 Liter Sprit auf 100 Kilometer verballert, zahlt einen Aufschlag von 10 Prozent auf die Benzinrechung. Dieser Aufschlag wird an den Tankstellen (die Zugriff auf Verbrauchs-Datenbanken des TÜVs haben) einbehalten und unterstützt Forschungsprogramme für alternative Kfz-Antriebe.

Jeder, der privat in Luxushotels absteigt, darf das auch für sein Unternehmen tun: er muss das aber nachweisen. Sofern der Nachweis nicht erbracht werden kann, wird auch für Dienstreisen nur der günstigste Preis, der bei z. B. HRS zu erzielen war, erstattet.

Und noch weiter:

Jeder, der sich hinter Prozessen verschanzt und nachweislich nicht das Problem (ja, ich schreibe bewusst nicht: Challenge!) oder die Aufgabe nicht löst, zahlt 50 Euro in einen Fonds ein, mit dem Kindergärten im Umkreis von 25 Kilometern um das Unternehmen unterstützt werden.

Fernsehgeräte schalten nach vier Stunden Gebrauch am Tag automatisch ab und empfehlen Bücher oder Kinder der Aufmerksamkeit – was grad da ist.

Ich wünsche meine Lesern ein krasses Jahr 2009!

Friday, January 02, 2009

EIN GERUETTELT MASS AN INTRANSPARENZ UND CHUSPE

SYSTEM DÜRER - COPYRIGHT BY GAETANO GROSSNein, zurzeit jage ich nicht auf flotten Brettern schneebehangene Hügel hinab – und ich sonne mich auch nicht an schicken Stränden.

Heute, am Golden Gate aller Brückentage, beschäftige ich mich mit der Analyse der Tagessätze aller Interim Manager bei MANATNET. Die Interim Manager warten darauf und deshalb möchte ich die Informationen heute noch versenden – nach meinem Blogeintrag (auch darauf wird gewartet) und noch vor dem Newsletter.

Die Furore, die unsere Analyse der Tagessätze anfangs gemacht hatte, ist inzwischen abgeklungen. Anfangs, im Sommer 2006, bin ich für diese Analyse tatsächlich von Wettbewerbern heftig kritisiert worden: „Du machst die Intransparenz kaputt. Aber in der Intransparenz verdiene ich sehr gut!“

Die vollständige Analyse der Tagessätze nach Linienfunktionen erhalten nur die bei MANATNET registrierten Interim Manager und Unternehmen. Was kosten Ihre Interim Manager? Ich glaube, MANATNET ist der einzige Interim Provider in Deutschland, der hier nicht auf Schätzungen vertrauen muss.

Als „Amuse Geulle“ und für jedermann zugänglich stellen wir unser Trendbarometer auf dem Marktplatz bereit – die maximale Verdichtung der Analyse.

Unser Trendbarometer zeigt jetzt, dass die Tagessätze der Interim Manager im Schnitt leicht zurückgehen, denn die Durchschnittswerte haben den bisherigen Aufwärtskanal nach unten durchbrochen. Natürlich sagt der Kopf reflexartig: „Eine Reaktion auf die Wirtschaftskrise.“

Gut möglich. Ich bin aber noch etwas vorsichtig und halte mich an die Volkswirte, die ihre Einschätzung in der Regel mit den Zahlen von drei Perioden absichern. Also wollen wir zumindest die nächste Analyse Ende März abwarten.

In einem bin ich mir aber recht sicher: Im aktuellen Marktumfeld erfolgreich zu argumentieren, Interim Manager seien gefragter denn je und daher stiegen auch die Tagessätze: Das bedingt ein gerüttelt Maß an tolerierter Intransparenz auf der Klientenseite – und Chuspe auf der Providerseite.

Zumindest von ersterem würde ich heute nicht mehr ausgehen.