WAS DU NICHT WILLST, DASS MAN DIR TU, DAS FUEG AUCH KEINEM ANDERN ZU
Solidaritätsabschlag. Im Interim Management. 20 Prozent auf alle Tagessätze.
Eine Woche später. Klar, ich war auf einiges gefasst – aber eben wieder nicht auf alles. Wie alt musst Du noch werden?
Journalisten reißen uns die Pressemitteilung aus der Hand. Die Statistiken bei pressrelations.de schnellen in ungeahnte Höhen. Was machen die Journalisten jetzt damit?
Interim Manager halten unsere Aktion auf der einen Seite für „durchdacht, plausibel dargestellt und pfiffig.“ Auf der anderen Seite beendet ein Interim Manager vom Marktplatz unsere Zusammenarbeit nach knapp fünf Jahren mit dem Argument: „Was beim Kunden bleibt, ist der Eindruck, in unserer Branche könne man Schnäppchenpreise erwarten.“ Das schmerzt mich zweifach: Ich kenne diesen Interim Manager persönlich – natürlich – und ich schätze ihn. Und welche Schnäppchenpreise? Ein Tagessatz von 1.400 Euro minus 20 Prozent Solidaritätsabschlag: Das sind immer noch 1.120 Euro am Tag. Ein sehr fairer Preis sicher, aber ebenso sicher kein Schnäppchen.
Die Kunden haben unsere Aktion zur Kenntnis genommen. Ich erwarte nicht, dass MANATNET morgen in Projekten untergeht. Aber die Zugriffszahlen auf unsere Datenbank sind so hoch wie noch nie in fast sechs Jahren: Die Kunden werden ihre Schlussfolgerungen gezogen haben.
Wettbewerber. Innerhalb des AIMP wird unsere Aktion nicht unisono für gut erachtet. Klar. Der von gegenseitigem Respekt und Toleranz geprägte Umgang miteinander führt im Kern lediglich zur Frage: „Was bedeutet das für mein Unternehmen?“ Und dann wird weitergearbeitet.
Doch es gibt noch andere Wettbewerber: Von mir seit Jahren respektiert – in abgestufter Ausprägung. Ein einseitiges Unterfangen.
Meine Güte, was habe ich Prügel bezogen! Prügel, weil wir die Preise für die Kunden gesenkt haben. Ganz bemerkenswert!
„Dein Ruf hat enorm gelitten!“ Mein Ruf leidet, weil wir die Preise für die Kunden gesenkt haben. Kaum zu glauben!
Ich entschließe mich, mit diesem Makel zu leben – und ich wundere mich. Heißt es nicht seit Jahren - da gab es die aktuelle Krise noch nicht einmal! - in der deutschen Wirtschaft: Der Maßstab ist beste Qualität bei besten Preisen?
Womöglich gilt das noch nicht für das Interim-Geschäft. Womöglich gilt dort noch „beste Qualität bei maximalen Preisen“.
Möglicherweise hat aber auch das Buch Tobit (4,16) Recht: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.“
Ganz offensichtlich lebe ich in einem in sich abgeschotteten Mikrokosmos: Meine Providerkollegen berichten unisono von steigender Nachfrage nach Interim Managern („vor allem aus dem Hochpreissegment“) bei steigenden Tagessätzen – über die zudem kaum noch diskutiert wird.
Arbeit bis zum Abwinken. Viele Telefonate. Mit Kunden.
Nein, zurzeit jage ich nicht auf flotten Brettern schneebehangene Hügel hinab – und ich sonne mich auch nicht an schicken Stränden.