Friday, December 26, 2008

DIE NAECHSTE EVOLUTIONSSTUFE DES WEIHNACHTSBAUMS

Was für schöne Weihnachten! Selbst die Nachrichten haben die nichts Schlimmes – zumindest, wenn ich die vergangenen Wochen als Maßstab heranziehe. Sogar die Sonne lässt sich hier in Baden sehen – das Sonnenland hatte sie wochenlang gemieden.

Ich spüre, wie diese Tage meinen Akku aufladen: Zeit mit der Familie - statt Zeit mit dem Rechner. Zeit in der Küche - statt Zeit im Büro. Spürbare Ruhe. Vieles ist wichtig - Tagessatz, Verfügbarkeit und sonstige Interim-zentrierte Themen nicht. Keine Termine, keine Deadlines.

Unfassbar: Mein Sohn schenkt mir einen Weihnachtsbaum für den USB-Stecker: Er (der Weihnachtsbaum) wechselt ständig die Farbe. „Damit auch am Rechner ein wenig Weihnachtstimmung aufkommen kann!“ Die nächste Evolutionsstufe des Weihnachtsbaums.

Ich spüre eine größere Distanz zu vielem, was eben noch enorm wichtig war – und vielleicht auch morgen wieder wichtig sein wird.

Aber morgen ist nicht heute.

Friday, December 19, 2008

BIS ZUM 5. JANUAR DANN!

Ich schreibe mein heutiges Blog in seltsamer Einsamkeit. Ein kurzer Chat mit einer lieben Kollegin in München, eine letzte Telefonkonferenz und einige gute Wünsche zum Fest in digitaler und analoger Form. Der Seismograph für die heutigen Zugriffszahlen auf MANATNET schlägt kaum noch aus.

Noch fünf Tage bis zum Heiligen Abend, an dem mein Vater – ich bekenne: Banker, aber alter Schule! – noch halbtags arbeiten musste.

Noch zwölf Tage bis zum Jahresende – quo vadis 2009?

Noch siebzehn Tage bis zum 5. Januar – dem anscheinend ersten Arbeitstag im neuen Jahr.

Alle Jahre wieder: Deutschland verabschiedet sich in den Winterschlaf.

Ich freue mich auf die Weihnachtstage. Die Familie hat wieder schwer zurückgesteckt in diesem Jahr – auch in diesem Jahr.

Wieder werden wir die Feiertage am 23. Dezember mit einem Besuch im Offenburger Weihnachtszirkus einläuten – ein lieb gewonnenes Ritual.

Wieder werden mein Sohn und ich dann vormittags den Weihnachtsbaum bei Durbachs letztem Waldbauern besorgt und mit einem Obstler noch vor Ort begrüßt haben – ein lieb gebliebenes Ritual.

Wieder werden wir am Heiligabend die Kirche besuchen – als letzte christlich-rituelle Bastion dieses Festes – ein lieb verteidigtes Ritual.

Wieder werden wir E-Mail, SMS, Bürotelefon, Handy und Blackberries nicht gestatten anzuklopfen – ein neu verstandenes Ritual.

Wieder werde ich mich wundern, wie sich unser Land diesen Winterschlaf leisten kann – ein nie verstandenes Ritual.

Bis zum 5. Januar dann!


EPILOG


All meinen treuen Lesern wünsche ich von Herzen ein schönes Weihnachtsfest und ich danke gleichzeitig für ihre Verbundenheit: Ich hätte nie gedacht, dass es so viele Leser werden könnten.

Keine Sorge: Ich habe die Wünsche zum Neuen Jahr nicht vergessen. Selbstredend wird es noch einen Blogeintrag in diesem Jahr geben. Bis zum 26. Dezember dann!

Friday, December 12, 2008

EINE CHANCE FUER DEN WEIHNACHTSMANN

© Roger SchmidtDie ersten Weihnachtskarten kommen an. Wie jedes Jahr. Weihnachten naht: Ganz offensichtlich. Eine schöne Sitte. Ich hoffe, sie überdauert auch diese Krise, die uns anscheinend recht gut im Griff hat.

„Mir ist so gar nicht nach Weihnachten zu Mute!“, sagte mir kürzlich ein guter Geschäftspartner.

„Verstehe, ist auch nicht ganz einfach in diesen Tagen!“, war meine epochale Antwort.

Wann ist einem vor Weihnachten nach Weihnachten zu Mute?

Wenn wir uns vorstellen, möglichst viele Geschenke auspacken zu können? Oder auch dann, wenn´s ein paar weniger werden?

Wenn wir uns vorstellen, möglichst üppig tafeln zu können? Oder auch dann, wenn´s täglich 1.500 Kalorien weniger werden?

Wenn wir uns vorstellen, in traditionsgeladener Glückseligkeit das Elend der Welt für drei Tage ausblenden zu können? Oder auch dann, wenn es sich nicht ausblenden lässt und die hellenischen Feuer diesmal keinen olympischen Frieden ausrufen, sondern europaweit zündeln?

Möglicherweise ist ja auch dem Weihnachtsmann in diesem Jahr nicht nach Weihnachten zu Mute!

Vielleicht leidet sein Saisongeschäft auch unter einem dramatischen Einbruch der Nachfrage. Vielleicht hat er für die Zeit nach dem 24. Dezember bereits Kurzarbeit angemeldet und ist gezwungen, im Frühling gemeinsam mit dem Osterhasen Synergien zu heben. Vielleicht hat er schon alle auf Zeit arbeitenden Rentiere in die Ställe schicken und die eigenen bis auf die Kerntruppe feuern müssen. Hat die Investitionen in Präsente auf ein Minimum reduzieren und die Lieferanten auch noch vorfinanzieren müssen. Darf nur noch Holzschlitten fahren, auf glatten Dächern absteigen und obendrein die Reisezeiten nicht als Arbeitszeit abrechnen. Vielleicht überlegt er gar, ob er an ein Rettungspaket herankommt: Immerhin bietet er eine einzigartige und strategisch wichtige Dienstleistung an.

Geben wir ihm eine Chance.

Geben wir auch uns eine Chance!

Friday, December 05, 2008

... SAH ICH BLANKEN HORROR BLITZEN

Sie entwerten sich selbst, die schlechten Nachrichten. Die Medien haben ihren Anteil daran:

Noch ein paar Milliarden mehr an Verlusten in Banken und Auto-Konzernen. Von Millionen spricht schon niemand mehr. 25 Milliarden Dollar für die US-Autobauer, zwei Wochen später 34 Milliarden und nach Expertenmeinungen könnten die Branchenriesen sogar 125 Milliarden Dollar benötigen. Dabei wollen wir nicht verdrängen: Eine Milliarde – das sind eintausend Millionen!

Absatzeinbrüche der deutschen Autobauer in den USA. „Am besten schlug sich zuletzt VW mit einem Absatzrückgang von lediglich 19,2 Prozent.“ (Quelle: FAZ vom 4. Dezember). Man lasse sich diese Formulierung auf der Zunge zergehen.

Es ist schwer, ja fast unmöglich, am Morgen gute Nachrichten in der Zeitung (ja ich lese noch eine richtige Zeitung!) aufzustöbern.

Vielleicht die: Der Ölpreis ist auf ein Mehrjahrestief gefallen. Fast geht das unter.

Ich erinnere mich noch an dieses Frühjahr, als der Ölpreis von Rekordmarke zu Rekordmarke eilte. Prompt kam der Ruf nach staatlicher Hilfe: Der Staat müsse zumindest Teile der Steuererhöhungen zurücknehmen. Sonst ginge die Welt unter.

Die Welt ging nicht unter.

Ein paar Monate später wird erneut der Weltuntergang ausgerufen - in der Vorweihnachtszeit:

All überall auf den Tannenspitzen, sah ich blanken Horror blitzen.

Horror, den der Staat vertreiben möge. Und sei es durch „Konsumgutscheine“. Die tragen die Männer dann in die Media-Märkte, die Frauen in die Schuhläden und der Nachwuchs erreicht sein Sparziel „I-Phone“ doch noch.

Und genau da liegt das Problem. Wir freuen uns alle und frohlocken – für einen absehbaren Zeitraum: und dann? Dann hat sich nichts geändert. Weder in den Banken, noch in den Autohäusern, noch sonst irgendwo – vom Schuldenstand unseres Landes einmal abgesehen.

Weil wir noch immer nicht darüber reden, was wir denn wirklich anders tun wollen in Zukunft.

Weil die meisten noch immer glauben: Irgendwie müssen wir da durch - und dann wird das schon wieder. Gemeint ist „wie vorher“. Ich glaube nicht daran.

Hier ist mein ganz persönlicher Blick durchs Fernrohr in die Zukunft:

Das Zeitalter des Autos, wie wir es kennen, ist zu Ende – auch weil die gesellschaftliche Bedeutung des Autos – von vielen unbemerkt – gesunken ist. Wir haben zurückgefunden zur Leistungsgesellschaft und die Freizeitgesellschaft beerdingen müssen – weil sie nicht mehr finanzierbar war. Wir haben weniger Urlaub und wir arbeiten wieder mehr und zudem noch länger, weil wir auch länger leben. Und obendrein verdienen wir auch noch weniger.

Insgesamt haben wir weniger.

Insgesamt leben wir besser.

Ich für mich ist das kein Horrorszenario – aber auch in gar keiner Weise.