UND SIE BEWEGT SICH NOCH!
Selten lagen die Einschätzungen für das Interim Management-Geschäft weiter auseinander: Die einen erwarten den Weltuntergang und als Ergebnis der Wirtschaftkrise auch eine Krise im Interim Management. Die anderen erwarten enorme Chancen für das Interim Management aufgrund der Krise und obendrein eine Revitalisierung der Königsdisziplinen des Interim Managements - Restrukturierung und Sanierung.
Weltuntergangs-Szenarien stehe ich persönlich stets skeptisch gegenüber – frei nach Galilei: Und sie bewegt sich noch!
Aber ich kann auch dieses Gefasel von „Wir haben keine Probleme: Wir haben Herausforderungen!“ kaum noch ertragen. Oder die Variante unserer global angehauchten Selbstdarsteller: „We don’t face problems: We just face challenges!“
Sehr modisch, augenscheinlich sehr smart und noch obendrein so launig positiv. Und sehr leer!
Ich warte dann immer auf den folgenden Satz, der beginnen könnte mit „Und deshalb machen wir…“ Aber es folgt keiner.
Mit oder ohne Finanzmarktkrise. Seien wir ehrlich untereinander: Die Unternehmen haben schon länger echte Probleme. Jeder weiß das, der ein offenes Verhältnis zu seinen Unternehmenskunden pflegt. Aber die Schockwellen der Finanzmarktkrise führen jetzt ganz offensichtlich dazu, dass die Unternehmen aufgeschreckt glauben, nun aber wirklich handeln zu müssen und nicht mehr länger auf die Selbstheilungskräfte der Probleme hoffen zu können.
Und die Probleme sind im Kern immer die gleichen: Die Leute fehlen richtig oder die richtigen Leute fehlen!
Die Maschinen haben zu lange Rüstzeiten: Weil die Mitarbeiter nicht schnell genug arbeiten.
Das Kundengeschäft kommt nicht in die Gänge: Weil 10 (!) Key-Accounter fehlen.
Die Transparenz fehlt: Weil der Controller seinen Aufgaben nicht ganz gewachsen ist.
Die Qualität ist nicht gut genug: Weil die Kratzer im Kunststoffdeckel die Kunden stören, die Mitarbeiter aber nicht.
Die Kosten für den externen Dienstleister sind zu hoch: Weil niemand im Unternehmen das Standing hat, auf Augenhöhe dagegen zu halten.
Wenn ich ganz ehrlich bin, dann sind das – trotz allem – keine unüberwindbaren Probleme oder, von mir aus, Herausforderungen und Challenges.
Nur: Anpacken muss sie mal jemand.
Vielleicht jetzt endlich doch.
Vielleicht angestellte Manager noch.
Vielleicht Interim Manager doch.
Und die Welt, sie bewegt sich noch!
Es gibt Menschen, die treffe ich und ich wünsche mir, dass das Treffen möglichst bald zu Ende gehen möge.
Im Interim-Geschäft von MANATNET ist am Freitag Blog-Tag. Am Freitag ist aber auch Telefontag, den vor allem Interim Manager oder Partner für einen Anruf nutzen. Hin und wieder kommt es vor, dass ein solches Telefonat den Entwurf für mein Blog über den Haufen wirft.
Ganz offenbar steht die Wirtschaft vor schweren Zeiten - wohl vor sehr schweren: Die Automobilindustrie meldet Absatzzahlen dicht am Desaster. Dann sank im September der Auftragseingang um 8 Prozent - soviel wie nicht mehr seit der Wiedervereinigung. Und gestern senkte der IWF die Wachstums-Prognose 2009 für Deutschland auf minus 0,8 Prozent: Unsere Wirtschaft wird wohl im kommenden Jahr schrumpfen.