Weihnachten. Das Fest der Freude und der Präsente. Bisher dachte ich, der CEO dieser Geschichte wäre der Weihnachtsmann, in wichtigen lokalen Märkten vertreten durch das Christkind.
Ganz offensichtlich hat der Weihnachtsmann einen neuen Wettbewerber, der mit brachialer Macht in sein Kerngeschäft einbricht: Die EZB, die Europäische Zentralbank!
Lese ich doch am Mittwoch, dass die EZB den Banken 489 Milliarden Euro für drei Jahre leiht. Zu einem Zinssatz von – Obacht! – 1 % p.a. (in Worten: ein Prozent pro Jahr).
Heissa, es ist Weihnachtszeit!
Offiziell heißt es, der EZB-Kredit mildere die Knappheit an langfristiger Finanzierung. Auch heißt es, dies könne eine mögliche Kreditklemme (gemeint ist: für Unternehmen) verhindern, die noch vor kurzem als „nicht existent“ bezeichnet wurde.
Ich weiß, man wird mir wieder die vorweihnachtlich kuschelige Stimmung zerstörende Miesmacherei vorwerfen. Jedoch:
Wenn ich ein Banker moderner Prägung wäre (vertrackterweise bin ich einer antiker Prägung), dann würde ich jetzt folgendes tun:
Ich würde mir die Taschen mit Anleihen finanzschwacher Euro-Länder vollstopfen! Und das bis zum Rand.
Dass ich mit dieser Idee wohl nicht alleine bin, signalisiert die FAZ, wenn sie festhält: "Die Kurse der Anleihen finanzschwacher Euroländer waren deshalb gestiegen." Seltsam, nicht wahr?
Rechnen wir also mal ein wenig und machen wir´s uns einfach und rechnen grob (Banker machen das gern):
Alle Banken zahlen für 489 Mrd. Euro insgesamt 4,89 Mrd. Euro an Zinsen im Jahr. Dafür können sie, meiner bösen Idee folgend, zum Beispiel italienische Staatsanleihen kaufen (es müssen ja nicht gleich griechische sein), für die sie noch am 12. Dezember 5,952 Prozent erzielen konnten. Weihnachtlicher Nebeneffekt: Die Länder werden ihren Kram los und können ihren Schuldenberg refinanzieren. Verständlich: Wer denkt schon ans Sparen zur Weihnachtszeit?
Nehmen wir also für unsere Übung mit 5,5 Prozent etwas weniger an. Das bedeutet, Banken können insgesamt 26,895 Mrd. Euro pro Jahr verdienen. Ziehen wir davon die Zinsen ab, die sie selbst zahlen müssen, dann bleiben 22,005 Mrd. Euro pro Jahr in den Geldspeichern der Banken über.
Gut 66 Mrd. Euro insgesamt.
Und das praktisch ohne Ausfallrisiko. Oder glaubt angesichts der überbordenden Weisheit unserer Politiker wirklich noch irgendjemand, dass solche Staatsanleihen ausfallen könnten?
Ein 66 Mrd.-Präsent-Paket an die Banken.
Um Himmels willen: So kannst Du das nicht sehen, Becker!
Doch, tut mir leid, so sehe ich das! Auch wenn das Präsent-Paket unterm Strich* vielleicht nur rund 20 Mrd. enthält.
Und ich fühle mit dem Mann in Rot in seiner vorweihnachtlichen Verstörtheit. Denn wer hätte das gedacht:
Ein Angriff auf das Kerngeschäft des Weihnachtsmanns!
*PS: Rein rechnerisch bleiben unterm Strich nur 210 Mrd. Euro für die Banken hängen, weil von den 489 Mrd. allein 234 Mrd. Euro an abgelaufenen Offenmarktgeschäften zu bedienen sind – auf gut deutsch: Die Banken zahlen mit dem Geld der EZB das Geld der EZB zurück. Weitere 45 Mrd. Euro werden umgeschichtet und sind daher für die Banken nicht liquiditätswirksam.