Friday, September 03, 2010

LASS MICH BLOSS ENDLICH IN RUHE!

Fotograf: SwordfishSommerzeit. Ferienzeit. Deutschland im kollektiven Erholungs-Modus. Das lässt sich bei MANATNET an vielen Details nachweisen – vor allem an den deutlich geringeren Zugriffen auf unseren Marktplatz.

Und auf dass ja keiner auf den Gedanken käme, die individuellen Urlaubsfreuden zu unterbrechen, hat es sich eingebürgert, Auto-Responder im Mailverkehr zu verwenden. Auf gut Deutsch: Man beauftragt den eigenen Mailserver, automatisch auf jede eingehende Mail die frohe Botschaft zu senden: „Ich bin von <DATUM1> bis <DATUM2> in Urlaub.“

An sich ist das eine sinnvolle Sache, wartete doch anderenfalls der Absender der Nachricht lange vergeblich auf eine Antwort (Ja, ich weiß: Vielfach wartet man auch außerhalb der Urlaubszeit lange vergeblich auf eine Antwort.)

Dennoch schüttele ich mitunter den Kopf ob des unprofessionellen Einsatzes dieser Autoresponder. So kommt es überraschend oft vor, dass die automatisch erzeugte Nachricht auch dann versendet wird, wenn <DATUM2> schon längst der Vergangenheit angehört.

Als lieblos empfinde ich zudem die Einfallslosigkeit der verwendeten Inhalte dieser automatischen Nachrichten: Offenbar gibt es drei, vier Templates (Textvorlagen) in Deutschland – und das ist es dann. Kein Mensch kommt offenbar auf die Idee, diese Autoresponder als Werbung für sich, zumindest aber zur eigenen „Imagebildung“ zu verwenden.

Ganz übel wird es, und das stelle ich verstärkt fest, wenn die Urlaubsnachrichten mit dem Satz enden: „Eingehende Mails werden nicht gelesen.“ Botschaft: „Was immer Du schreiben magst: Mich interessiert es nicht – und mein Unternehmen auch nicht!“

Oder noch besser: „Eingehende Mails werden nicht bearbeitet.“ Nicht einmal später also, nach dem Urlaub. Botschaft: „Was immer Du schreiben magst: Wir schmeißen es in jedem Fall in den Mülleimer.“

Und gestern bestand einer darauf, dass der geneigte Leser diese Aussage auch wirklich ernst nimmt: „Eingehende Mails werden nicht bearbeitet!!!!“ Mit vier Ausrufezeichen! Botschaft: „Lass mich bloß endlich in Ruhe!“

Friday, August 27, 2010

MANCHMAL KOMMT ABER EIN BISSCHEN FRUST DURCH

Foto: Tierisch wütend - Fotograf: NikonlausSo kommentierte ein geschätzter Interim Manager meinen Blogeintrag vom vergangenen Freitag: Mit dieser Empfindung ist er nicht ganz allein.

Völlig klar: Ich schreibe mein Blog aus ganz persönlicher Sicht. Dies war die Grundsatzentscheidung im Jahr 2007, als ich folgende Fragen beantworten musste: „Warum, zum Teufel, soll das jemand lesen? Wie setze ich mich von den unsäglichen Internet-Tagebüchern selbsternannter Lehrmeister („How to …“) ab? Und vor allem: „Wie halte ich das durch, ohne dass mir die Ideen ausgehen?“ Der kritische Leser erinnert sich: „Blog“ ist eine Wortbildung aus den Begriffen „Web“ und „Log“. Und jeder, der jemals Raumschiff Enterprise gesehen hat, weiß, dass ein Logbuch zumindest einen Eintrag täglich erwartet – ebenso, wie das deutsche Tagebuch: Anderenfalls hieße es Wochen-, Monats- oder „Wenn-ich-mal-Zeit-hab´“-Buch.

So gesehen bin ich mit meinem Blog ein wenig hinten an – freitags, einmal in der Woche. Aber es hat sich gezeigt, dass das Interim-Geschäft dafür immerhin genügend Stoff liefert. Und, ganz ehrlich, das überrascht mich noch immer ein wenig.

Woran liegt das? Das liegt daran, dass ich nicht darüber schreibe, wie das Interim-Geschäft sein soll – oder gar wie ich es mir wünsche: Sondern wie ich es erlebe.

Als Provider, aus meiner ganz persönlichen Sicht. Offen und ehrlich. Und, ich gebe es an dieser Stelle zu, meine Offenheit wird wie ein zu leistungsstarkes Aggregat „abgeregelt“: Öfter als man glauben möchte, greift dieses „xxx-Cap“: „Das kannst Du nicht schreiben!“, „Das wäre ein Angriff!“ oder „Das klingt larmoyant!“ sind die populärsten Riegel, die ich mir vorschiebe.

Alles andere ist dann, wie es ist. Soweit ich weiß, ist es das, was meine Leser schätzen. Und zum Interim-Geschäft, das ich erlebe, gehört halt auch:

Manchmal kommt ein bisschen Frust durch.

Friday, August 20, 2010

NICHTS IST UNWICHTIGER ALS MEIN BLOG

Copyright by Gaetano GroßNun ist es mir tatsächlich passiert! Seit September 2007 schreibe ich meinen Blogeintrag, der sich schnell zu einem „lettre fixe“ am Freitag um 15.00h entwickelt hatte - eine Art freitäglicher Regelprozess in der Kommunikation nach außen.

Gleichgültig, ob dieser Freitag auf einen Brücken-, Feier- oder Festtag fiel: Mein Blogeintrag kam selbst nach einem Kurzurlaub auf der Intensivstation im vergangenen Jahr – und nun dies!

Am vergangenen Freitag habe ich keinen Blogeintrag veröffentlicht - und bis Montag hatte ich fünf Mails erhalten mit der Frage, ob mir etwas zugestoßen sei.

Nein, alles war gut, sogar sehr gut!

Meine Frau und ich haben langjährige Freunde in Berlin besucht, die wir lange nicht gesehen, ja, wohl auch schwer vernachlässigt hatten. Prompt fingen wir uns ein „Eigentlich hatten wir Euch abgeschrieben ein.“ Gute Freunde sind offen zu einander.

Und dann haben wir ausnehmend schöne Tage in der schönsten Stadt Deutschlands verbracht. Und es fiel eine Entscheidung, wenn auch nur für ein Wochenende:

Nichts ist unwichtiger als mein Blog.

Friday, August 06, 2010

KANN ICH ALLES – STEHT NUR NICHT IM LEBENSLAUF!

Fotograf: KatjuschEs sind Tage wie diese, die mich röchelnd niedersinken lassen ob der Naivität mancher Geschäftspartner:

Ein Kunde hat eine ganz spezifische Anforderung an einen Kandidaten, den er für sein Projektmanagement im IT-Betrieb sucht. Wieder einmal. Und davon weicht er kein Jota ab. So auch in diesem Fall.

Da wird es dann mitunter eng - auch unter 950 Interim Managern bei MANATNET, zumal der einzige, laut Datenbank verfügbare und vom Kunden favorisierte Interim Manager wieder einmal „grad gestern einen neuen Projekt-Vertrag unterschrieben“ hat. So auch in diesem Fall.

Dann fragen wir regelmäßig, ob uns die Interim Manager bei MANATNET helfen können. So auch in diesem Fall.

Innerhalb von weniger als 48 Stunden liegen uns viele qualifizierte Antworten vor – und auch Hinweise auf Kandidaten, die in Frage kommen können. Das beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. So auch in diesem Fall.

Und weitere Hilfegesuche gehen hinaus in alle Welt, weil unsere Interim Manager nicht mehr kontrollieren können, ob (und an wen) die von ihnen selbst angesprochenen Kontakte unseren Hilferuf weiterleiten.

Als Ergebnis kommen mitunter daraufhin die tollsten Lebensläufe hier an. So auch in diesem Fall.

Nicht nur aus Höflichkeit und nicht nur aus Respekt unseren Interim Managern gegenüber rufe ich dann an: Ich könnte ja auch etwas völlig falsch verstehen. So auch in diesem Fall.

„Sagen Sie, wenn ich Ihren Lebenslauf lese, dann fallen die Begriffe Sales, Vertrieb und Business Development. Unser Klient sucht aber den ‚Hard-Core-Projektmanager“ für den IT-Betrieb, erfahren mit 24h/7Tage, 1st to 3rd-Level-Support und erfahren an der Schnittstelle zu internen Entwicklerteams.“

Antwort: „Kann ich alles: Steht nur nicht im Lebenslauf!“

Friday, July 30, 2010

MOEGLICHST FREI UND WENIG ARBEITEN

Es ist eine liebgewonnene Gewohnheit in unserem Lokal-Bladl: Jedes Jahr nach der Abiturprüfung, einstmals „Reifeprüng“ genannt, wird unter der Überschrift „Unsere Abiturienten“ ausgewählten jungen Leuten mit grad erworbenem Reifezeugnis ein Fragenbogen vorgelegt. Der Fragebogen samt Antworten wird dann in unserem Lokal-Bladl veröffentlicht – mit Bild und Namen des Abiturienten.

Ich lese diese Antworten sehr gerne, spiegeln sie doch recht gut Meinungen und Denken der jungen Leute wider, denn die Fragen decken ein sehr breites Spektrum ab:

Von „Vorbilder“ und „Afghanistan“ über „Guido Westerwelle“ und „Lena Meyer-Landrut“ bis zum „One-Night-Stand“.

Und es wird gefragt nach: „Dein Traum“?

Da kommen dann die bemerkenswertesten Antworten. Auch heute. Von J. G. Allerdings ist J. G. schon etwas reifer als die anderen Reifen, denn er ist bereits 23 Jahre alt und kennt sich bereits etwas aus im Leben.

So wird dann seine Antwort nachvollziehbar auf die Frage: „Dein Traum?“:

„Möglichst frei und wenig arbeiten und trotzdem ein sorgenfreies Leben führen.“

Friday, July 23, 2010

EIN NEUER HELI MUSS HER!

Fotograf: kattallaSommerloch. Interim Management steht wieder hoch im Kurs - bei den Journalisten: Erst brachte das Manager Magazin am 7. Juli „Zum Retten eingeflogen“, dann kam Focus am 12. Juli mit „Zeitarbeit für Topverdiener“ und schließlich titelte der Spiegel am 15. Juli mit „Reingehen, retten, rausgehen“.

Innerhalb von nur gut einer Woche ein journalistisches Feuerwerk zu unserem Kerngeschäft: Die Böller heißen Unkenntnis, Aufgewärmtes und Irreführung.

Wir, die Insider, müssen solche Artikel lesen, denn wir werden darauf angesprochen. Und wir quälen uns, leiden jedes Mal neu, atmen tief durch und schütteln nur noch den Kopf - fast schon resignierend: Müssen wir endlich unseren Branchen-Code ändern in 85.14.5 (Krankentransport- und Rettungsdienste)?

Für den Rest der Welt sieht das jedoch völlig anders aus. Der nimmt das ernst, der nimmt das als richtig und gegeben. Immerhin: „Das steht schwarz auf weiß in der Zeitung!“ Beim Rest der Welt bildet sich im Kopf dieses Bild:

„Teurer Retter mit Insignien-Orientierung“

Ein Interim Manager „rettet“ (das Wort kommt in zwei von drei Überschriften vor!) als „Topverdiener“, der „eingeflogen“ wird. Auch wenn einiges an nachfolgenden Stellen in den Artikeln relativiert wird: Hängen bleibt genau dieses Bild, das vom Manager Magazin – unfassbar platt – transportiert wird: Graubetuchter, schlanker und grauhaariger Mittfünfziger samt Aktenkoffer (nicht etwa Laptop!) – soeben wohl aus dem spiegelnden Hubschrauber ausgestiegen, den Hochhaus-Landeplatz vor der Skyline lässig aber zielstrebig verlassend – und dabei den Betrachter sicher anblickend. Selbstverständlich alles in vertrauenerweckend in Werthaltigkeit signalisierenden Grau- und Blau-Tönen.

Du lieber Himmel!

Das sieht er gern, der bodenständige Unternehmer - und wehrt sich heroisch gegen Aversionen in Herz und Hirn!

Kein Interim-Professional käme auf eine solche Idee, setzte er doch die völlig falschen Zeichen.

Nach diesem Blogeintrag vergesse ich alle diese Artikel wieder. Und ich werde mich wieder auf das wirkliche Geschäft konzentrieren.

Ja, ich gebe zu: Auch ein „Retter“ kam über MANATNET, Europas ersten Internet-Marktplatz für Interim Management, in den vergangenen Monaten zum Einsatz. Sehr viel mehr beschäftigen uns aber heute, an diesem Freitag, die Themen: Coaching, Change Management, Qualität; Technik, Logistik oder Transparenz.

Immerhin: Der Hubschrauber hat zu allgemeiner Erheiterung in der Szene geführt und zu zum Teil sarkastischen Kommentaren der Interim Manager. Hier die aktuellen Top 3.

Auf Platz 3: „Am Wochenende lässt mein Kunde endlich den Landeplatz für meinen Helikopter auf dem Firmenparkplatz bauen.“

Auf Platz 2: „Ich habe schon seit langem in meinen Verträgen den Passus: Freie Unterkunft und Verpflegung für meinen Piloten.“

Und unangefochten auf Platz 1: „Das erklärt meine aktuellen Schwierigkeiten im Geschäft: Ein neuer Heli muss her!“

Friday, July 16, 2010

NUN KANN SIE ENDLICH MIT INS BETT, DEINE GELIEBTE

Etwa alle vier Jahre ist es so weit: Ein neues Notebook muss her. Diesem hier, an dem ich heute zum letzten Mal meinen Blogeintrag schreibe, habe ich wirklich viel zugemutet.

Es hat es klaglos hingenommen: War nicht schick oder gar „trendy“, dafür stets da, wenn ich es brauchte. Und ich brauchte es in einer Intensität, die es meiner Frau erlaubte, mein Notebook als meine „Geliebte“ zu titulieren und damit permanenter Frotzelei die Flanke zu öffnen.

Von regelmäßiger Energiezufuhr abgesehen war diese digitale „Geliebte“ völlig anspruchslos und damit so ganz anders als ihre analogen Schwestern. Nicht ein einziger hysterischer Kollaps, keine Kurven - dafür aber jede Menge Kraft. Ein echtes Arbeitspferd von Dell halt. Die weitgehend auf Klavierlack-Optik glatt getippte Tastatur samt einer Leertaste kurz vor dem Durchscheinen legen Zeugnis davon ab: Wir beide pflegen eine Arbeitsbeziehung - keine Liebesbeziehung.

Unsere Wege trennen sich nun, weil mein Arbeitspferd doch öfter an seine Grenzen stieß. Unsere gemeinsame Malocherei hat ein Ende.

Kein Vater, der einigermaßen bei Sinnen ist, kauft heute ein neues Notebook, ohne seinen Sohn um Rat zu fragen. So geschah es.

Nun ist es da, das neue Pferd: Dank Intels Core i7 unfassbar schnell! Die serienmäßig eingebaute Festplatte wurde zudem als nicht gut genug befunden und durch meinen Sohn kurzerhand ersetzt: manchmal ist er mir unheimlich. Ein Leistungsumfang, der alles in den Schatten stellt, was ich bisher gewohnt war – und natürlich mit Windows 7 und Office 2010: Klar: Beides wirft den bisherigen (zwar selbsternannten, aber immerhin!) Virtuosen anwenderseitig wieder zurück auf ein Anfänger-Niveau.

Wir werden uns eine zeitlang aneinander gewöhnen müssen, mein neuer Gaul und ich. Wir werden dafür die Sommermonate nutzen, in denen Deutschland ohnehin weitgehend brach liegt. Aber ein fataler taktischer Fehler ist mir unterlaufen: Ich habe eine von hinten beleuchtete Tastatur gewählt!

Lapidare Einschätzung meiner Frau:

„Nun kann sie endlich mit ins Bett, Deine Geliebte.“

Friday, July 09, 2010

SPRACHLOS IN BADEN

Once upon a time in Germany:

Meine Eltern (80 und fast 90 Jahre alt) mussten die Dachfenster ersetzen. Als treue Kunden beauftragten sie den vertrauten Anbieter, dessen Name ich voller Mitleid verschweige: Den Namen kennt ohnehin jeder, der weiß, was ein Dachfenster ist.

Im vergangenen Jahr kam dann das Neueste vom Neuen: Einschließlich integrierten Außenrollläden, durch eigene Solarquelle angetrieben und durch formschöne Fernsteuerungen von innen zu bedienen.

Möglicherweise war es der Hitze in der vergangenen Woche geschuldet: die Steuerung der Außenrollläden funktionierte nicht mehr. Etwas übel, wenn die Sonne auf´s Dach knallt.

Meine Eltern riefen den Dachdecker Ihres Vertrauens an – man kennt sich seit Jahren, natürlich: „Tut mir leid, da müssen Sie sich an den Hersteller wenden“.

In einem über die Jahre angeeigneten, in der Regel zielführenden Reflex, suchten meine Eltern den Hersteller im Branchenbuch zu finden, auf dass man ihn anrufen könne.

Fehlanzeige.

In solchen Situationen wird gern einer der Söhne angerufen – hilfesuchend. Denn die Söhne helfen gern.

Es war Freitag, der 2. Juli, der in meine persönliche Geschichte eingehen sollte.

Als Internet-Professional finde ich den Hersteller noch während des Telefonates mit mein meiner Mutter im Internet. Ein souveräner Klick innerhalb der Navigationsleiste öffnet den „Service“.

Ich wähle „Service-Techniker beauftragen“.

Es öffnet sich ein Auftragsformular, bei dem ich zweimal nach unten scrollen muss, nur um das Dokument in seiner Gänze zu erfassen.

Mein Blutdruck steigt.

Ich lese:

Produkttyp laut Typenschild: ?

Seriennummer laut Typenschild: ?

„Hä?“

Einbauhöhe in Meter (Fensteroberkante von innen gesehen): ?

Dachneigung in Grad: ?

Dacheindeckung: ?

Ich breche entnervt ab – und entscheide mich für einen Anruf bei der „Telefonischen Privatkundenbetreuung“, der ich auch gern mit 9 Cent je Minute finanziell unter die Arme greife.

„Können Sie mir bitte helfen? Meine Eltern haben eine Garantiefall.“

„Da müssen Sie das Online-Formular ausfüllen.“

„Ich hab´ das Ding schon gesehen. Ist sehr aufwändig. Können Sie mir nicht einfach eine Nummer geben, die ich anrufen kann?“

„Nein.“

Mein Blutdruck steigt weiter.

„Danke für Ihre Hilfe.“

Durch mein mattes Hirn zuckt die Frage: „Was machen alte Menschen, die keine Internet-affinen Kinder haben…?“

Ich verdränge die Frage und widme mich der Dachneigung in Grad.

Der Empfang meines Garantie-Auftrags wird umgehend vom Rechner des Unternehmens bestätigt – mit der aufbauenden Nachricht, man werde sich kurzfristig melden.

Drei Tage und ein freundliches Schreiben später erhalten meine Eltern einen Anruf, dass ein Service-Techniker am 26. Juli (!) vorbeischauen werde. Meine Eltern melden sich bei mir, ob denn das sein könne.

„Kann ich mir nicht vorstellen. Ich ruf´ da mal an und melde mich.“

In der frohen Erwartung, sicher ein anderes Gegenüber als beim letzten Mal zu erreichen, wähle ich die „Telefonische Privatkundenbetreuung“. Ich nenne die Vorgangsnummer. Der Mitarbeiter weiß sofort Bescheid.

„Sagen Sie, bei meinen Eltern ist die Nachricht angekommen, dass der Service-Techniker, erst am 26. Juli kommen werde. Das ist ein Missverständnis, nicht wahr?“

„Wieso?“

„Na ja. Zwischen meiner Reklamation und dem Besuch Ihres Technikers liegen 24 Tage, also mehr als drei Wochen!“

„Unsere Techniker sind alle ausgelastet.“

„??“

Meine Zunge formt: „Wollt Ihr mal darüber nachdenken, bessere Fenster zu bauen – wir bieten dafür gute Interim Manager?“ – mein Hirn obsiegt und kann die Zunge niederringen.

„Können Sie eingreifen und das beschleunigen?“

„Nein!“

„Hören Sie, ich finde das nicht witzig. Ihr Unternehmen hat im vergangenen Jahr etliche Tausender abgegriffen. Jetzt funktioniert Ihr Produkt nicht mehr und das in dieser brüllenden Hitze. Ich erwarte, dass Sie sich jetzt bewegen.“

„Das geht nicht! Der Techniker kommt am 26. Juli.“

„Hey, ich halte das für vollkommen inakzeptabel. Sie können sicher sein, dass ich bei jeder sich mir bietenden Gelegenheit über diese Erfahrung sprechen werde, die ich gerade mache.“

„Das steht Ihnen frei.“

Nicht oft widerfährt mir das, aber diesmal war es wieder so weit:

Sprachlos in Baden.

Friday, July 02, 2010

TELEGRAMM ZU 2 QUARTALEN INTERIM MANAGEMENT

Sechs Monate ´rum. Arbeit bis zum Abwinken. Ergebnisse gut, aber nicht gut genug: Zu viele Anfragen kommen nicht zustande. Euro-Krematorium. Geht so nicht weiter.  Wenig verloren an den Wettbewerb. Klar. Interim Manager klagen. Über lausige Lead-to-Deal-Quoten. Ich höre von 10:1.

Interim Manager klagen über Einbruch bei Tagessätzen. Stimmt. Manche Kunden mit tollen Vorstellungen. Hab´ Kunden mal gefragt: Reduzierst Du im Gegenzug Dein Gehalt auch um 40 Prozent? Nur während der Projektlaufzeit. Bin fast erschlagen worden.

Vieles knirscht bei Kunden: Leistungsbereitschaft. Reaktionszeiten. Transparenz. Liquiditätsplanung. Qualitätsprobleme. Sehr überraschend. Denke, Deutschland ist selbstgefällig geworden.

Interim Manager klagt: Provider sparen selbst nicht. Weiss ich nicht. Wir schon. Sehr. Andere Provider geben Druck weiter. An Interim Manager. Um die eigene Marge hoch zu halten. Wird wohl nicht funktionieren.

Oder doch? Einige Verzweifelte wieder im Markt. Verzweifelte treffen auf unrund laufende Kunden. Ungute Verbindung. Kann nicht gut gehen. Wird Image des Interim Managements belasten.

Helfen Kunden mit Ass vom Marktplatz. Kunden vergeht Hören und Sehen. Aber Ergebnisse kommen.

Wollen anderem Kunden helfen 70 Mio. Umsatz zu sichern. Streiten über 150 Euro am Tagessatz. Unfassbar.

Solidaritätsabschlag gestoppt. Easy-Know-How gebracht. 12 Newsletter geschrieben. Twittere wenn Neues da. Sonst nicht. 24 Blogeinträge verfasst. 2 Analysen Tagessätze für alle Interim Manager. Und für jede von 7 Funktionen. 2 Skills-Analysen und 2 INTERIMTREND. AIMP-Providerumfrage wieder in Charts gegossen. Transparenz im Markt klar besser. Dennoch Platz für Scharlatane.

Markt honoriert Transparenz noch nicht. Dafür enorme Arbeit.

Denke darüber nach, das aufzugeben. Vielleicht war es das erste und letzte, dieses:

Telegramm zu 2 Quartalen Interim Management.

Friday, June 25, 2010

UND EWIG LEIDEN DIE PROVIDER

Fotograf: nagnagEin Unternehmen steht vor einer besonderen Aufgabe. Es kontaktiert den Interim Provider, der ihm von einem Geschäftspartner empfohlen wurde. Der Interim Provider spricht am folgenden Tag mit dem Unternehmen, erarbeitet gemeinsam mit dem Kunden ein tiefes Verständnis der Aufgabenstellung und daraufhin das Suchprofil. Der Kunde ist unter enormem (Zeit-) Druck: Deshalb finden solche Gespräche selbstverständlich auch am Wochenende statt.

Der Interim-Provider identifiziert achtundvierzig Stunden später fünf Kandidaten und bespricht mit ihnen die Aufgabenstellung. Daraufhin werden vier Kandidaten dem Unternehmen vorstellt. Am dritten Tag führt das Unternehmen mit jedem der Kandidaten ein Telefoninterview und lädt daraufhin zwei zu einem persönlichen Gespräch ein. Eine Woche nach der Kontaktaufnahme ist die Entscheidung gefallen und der vom Kunden bevorzugte Interim Manager nimmt seine Arbeit beim Unternehmen auf.

Wie schön kann das sein!

Nur: Nichts ist weiter entfernt von den aktuellen Marktgepflogenheiten.

Zwischen Kontaktaufnahme und Entscheidung (des Kunden) liegen inzwischen durchaus zwei Monate. Dann ist die typische Entscheidung jedoch keinesfalls positiv, nein: Auf irgendwo zwischen 5 und 7 Absagen erhalten die Provider derzeit nur einen Auftrag.

Sicher bin ich befangen, denn MANATNET ist letztlich auch ein Interim-Provider. Aber: Das kann nicht gut gehen! In einer sauberen und ehrlichen internen Kostenrechnung (meines Wissens macht das jedoch kaum ein Provider), müssen somit die Aufwendungen für die gescheiterten 5 bis 7 Projekte von den Erlösen des einen einzigen, armseligen Projekts abgedeckt werden. Kein Wunder, also, wenn die Interim-Provider versuchen, die Marge auszubauen - natürlich (wie wenig fair!) zu Lasten des Interim Managers. Ob das klappt, ist eine andere Frage.

Unstrittig ist zudem: In den vergangenen knapp zwei Jahren hat sich dieses Verhältnis, auch Lead-to-Deal-Quote genannt, weiter verschlechtert. Und auch das: Die Last von 5 bis 7 toten Projekten kann im heutigen Wettbewerbsumfeld kein einzelnes Projekt mehr tragen.

Die Interim Provider werden reagieren müssen - auf welche Weise auch immer: Es sei denn, sie möchten für einen neuen Bestseller sorgen - mit dem Titel:

Und ewig leiden die Provider.